Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1924
- Issue
- Heft 43 (24.10.1924)
- Date
- 1924-10-24
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 2 DIE wAflKntll Nr. 43 brochenen Vaterlandes, wie auch zu dem nicht, weniger ehrenvollen Thema „Juden als Erfinder und Entdecker". * * * Gerade auf dem Gebiete des Luftschiffbaues ist von Juden seit jeher Hervorragendes geleistet worden. Insbesondere das lenkbare Luftschiff verdankt eigentüch einem Juden die Entstehung, und und zwar dem unglücklichen David Schwarz aus Kesztely in Ungarn, später Holzhändier in Agra-m. Während eines strengen Winters, den ihn sein Beruf in einer einsamen Blockhütte im Walde zurückhielt, mit technologischen Studien beschäftigt, faßte Schwarz den Plan, ein lenkbares Luftschiff zu bauen. Er konstruierte den ersten Aluminiumballon den er zunächst in Wien dem damaligen Kriegsminister 'Krieghasmmer zum Ankauf für die österreichisch-ungarische Armee anbot. Krieghammer erkannte die Bedeutung der Schwarzsehen Erfindung, lehnte aber weitere Unterhandlungen mit der offenherzigen Erklärung ab, er sei überzeugt, daß Schwarz das Problem der Lenkbarkeit des Luftschiffes gelöst habe, aber ebenso von der Ueberzeugung durchdrungen sei, daß die Verhandlungen an der Saumseligkeit der fachtechnischen Kommission scheitern müßten. Schwarz wandte sich nun an Rußland, baute dort zwei Jahre lang ein Aluminiumschiff, das zwei Probefahrten unter allen erschwerenden Umständen glänzend bestanden hatte, als Schwarz vertraulich mitgeteilt wurde, man wolle ihn nach bestandener dritter Tour auf gut russisch irgendwo verschwinden lassen und ihn um sein Recht auf Schiff und Vertrag bringen. Eines Nachts vernichtete deshalb Schwarz das ganze Werk und am nächsten Morgen machte er sich mit falschem Paß auf und davon. In Berlin fand Schwarz das willige Entgegenkommen. Er baute ein Luftschiff und schon sollte nach glücklichem Versuchen im Sommer 1897 der Aufstieg vor dem Kaiser stattfinden, als der Monarch durch den Besuch des Zaren nach Breslau abberufen wurde. Hiermit war das Schicksal der Erfindung besiegelt. Der Ballon nahm während des Liegens Schaden, vor allem starb Schwarz selbst an einem Herzschlag in Wien. Ueber die später erfolgte Probefahrt des Ballons besitzt Rabbiner Dr. M. Groinwald vom preußischen Kriegsministerium einen authentischen Bericht. Vom Chef des Militärkaibinetts des deutschen. Kaisers, Herrn Generalleutnant von Lynker, unterzeichnet, ging ihm eine ausführliche illustrierte Darstellung jenes Aufstieges zu, in der es unter anderem heißt: „Das Aluminiumschiff von Schwarz war ein, nach einem bis in das kleinste Detail durchgearbeiteten Projekt genial erbautes Meisterstück moderner Metallarbeit, durch dessen Bau zunächst nachgewiesen war, daß derartige große und leichte Baukörper konstruktiv möglich seien, eine Tatsache, die mit Recht bisher angezweifelt war. Die Füllung des Luftschiffes nach einem vom Erfinder Schwarz ersonnenen Prinzip gelang in wenigen Stunden. Die Gasdichtigkeit erwies sich als ungenügend, wobei aber nicht bezweifelt werden soll daß die Nähte der Aluminiumbleche gasdichter hergestellt werden könnten. Auch kann der Ballon, der zwei Jahre lang leer gestanden hatte, einige Löcher erhalten haben. Am 2. und 3. November 1897 wurde der Ballon in Berlin aus seinen Stützen gehoben und durch Mannschaften der damaligen Luftschifferabteilung auf das freie Feld geschoben. Das Wetter war nicht gerade günstig. Als der Maschinenschlosser Jageis den Motor angehen ließ, traten sehr heftige Erschütterungen im ganzen Schiffskörper ein, so daß Ndiese schon genügen konnten, die Treibriemen der Schraube zu lockern. Für wenige Augenblicke war das Schiff befähigt, so lange seine drei Schrauben arbeiteten, dem Winde die Stirn zu bieten, also fünf bis sechs Meter Eigengeschwindigkeit zu entwickeln. Hierauf wurde auf Ansuchen Jageis das Luftschiff höher gelassen. Als hierbei die Maschine plötzlich aussetzte, erfaßte der Wind die Breitseite des Ballons, der nun ziemlich rapid unter erheblichen Schwankungen aufstieg. Jageis, der noch nie in einem freiliegenden Ballon sich befunden hatte, bewahrte seine Ruhe und vermochte für Sekunden den Motor in Gang zu bringen. Der Ballon, weicher inzwischen sich drehend vom Winde ziemlich schnell entführt wurde, kehrte unter dem Einfluß der Schrauben seinen Schnabel in den Wind, so daß alle Zuschauer den Eindruck gewannen, als würde er gegen den Wind ankämpfend zurückkehren. Indessen versagte in diesem Augenblick die Maschine, angeblich weil die Treibriemen von den Wellen fielen. Das Luftschiff verschwand in den tief liegenden Wolken, fiel aber sechs Minuten später hinter den Häusern Schönebergs zur Erde und wurde total zertrümmert. Jageis hatte, als er sah, daß die Maschine nicht mehr zu gebrauchen war, diese abgestellt und das Ventil geöffnet." Soweit der Bericht des preußischen Kriegsministeriums. In der Presse wurde dann vor einigen Jahren das Gerücht verbreitet, Graf Z e pp e Lim habe die Pläne des David Schwarz angekauft und verwendet Maximilian Harden führte sogar in der „Zukunft" eine scharfe Preßkampagne gegen Zeppelin, in der er ihn des geistigen Diebstahls bezichtigte. Um auch hierüber Gewißheit zu erhalten, wandte sich Rabbiner Dr. Max Grunwald an den Grafen und erhielt von seinem Bevollmächtigten, Oberingenieur Unland, einen Brief folgenden Inhaltes: „In der Presse werden offenbar zwei Dinge miteinander verwechselt Als Graf Zeppelin mit dem Bau seines ersten Luftschiffes beginnen und das Aluminium von der Firma Berg in Lüdenscheidt beziehen wollte, befand sich diese Firma in einem Vertrag mit der Witwe Schwarz, dahin lautend, daß Berg für jedes Luftschiff, das nach System Schwarz oder einem anderen System gebaut würde, 10.000 Mark an Frau Schwarz zu zahlen hätte. Aus diesem Vertrage kaufte Zeppelin, bzw. die Aktiengesellschaft zur Förderung der Luftschiffahrt, die Firma Berg los, während man glaubte, es handle sich um den Ankauf der Pläne des Schwarzsehen Luftschiffes." Wie immer sich diese Sache verhüel, soviel ist feststehend, daß der erste Erbauer eines lenkbaren Luftschiffes ein Jude gewesen, wie es ebenso ein Jude war, der diese Erfindung soweit ausbaute, daß Z. R. III sich 78 Stunden in der Luft hielt und das Weltmeer an seiner breitesten Stelle trotz Sturm und Nebel überflog. Abgesehen von dem momentanen Erfolge, was dies für die Zukunft bedeutet, wird die Geschichte lehren, und ein deutsche Jude half an leitender Steile mit. Die Luft — verludet?! Die Keligionsschule. Zu dem Leitartikel in Nr. 42 der „Wahrheit". Der Ruf nach der Religionsschule, den der „Bund jüdischer Eltern im 2. Bezirk" wiederholt an die Oeffentlichkeit gerichtet, und der ein kräftiges Echo in Amerika in Gestalt einer namhaften Spende gefunden hat, fängt also doch endlich an, auch in Wien einen Widerhall zu wecken. Eine solche Religionsschule, wie wir sie verstehen, hat folgende Aufgaben zu erfüllen. Sie soll zunächst eine Baumschule für das Gotteshaus, den öffentlichen Gottesdienst sein. Wir Juden, die wir im Leben des Alltags auf verschiedenen Wegen verschie-