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Die Wahrheit · 1924-10-24 · Heft 43 (24.10.1924) · page 3

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1924
Issue
Heft 43 (24.10.1924)
Date
1924-10-24
Page
– (sequence 3)
Language
German
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WAHRH HeufschösfeiTefchlsche Wocbenstiirllt für ffldlsdie Interessen rill dem Deiblatt: Verefienflictiangen der ..Union deufscbösferreknisdier Juden" Redaktion und Administration: IVicsn Helnesirafie *3. - Fernruf 42-2-18 XL. Jahrgang Wien, 24. Oktober 1924 Nummer 43 Der Stolz Deutschlands über dem Meere. Von Oskar Hirschfeld. Dies ist der Titel eines leitenden Aufsatzes in einer der letzten Nummern eines „führenden" Hakenkreuzblattes, ein Titel, der sich ebenso stolz anläßt wie das Thema dieses Artikels. Und wahrlich, nie war ein Triumph so berechtigt wie diesmal, wo es sich um einen großen Erfolg deutscher Arbeit und deutschen Wissens handelt. Hören wir uns deshalb einmal an, was das Blatt darüber zu schreiben weiß: „Die Welt hält den Atem an. Es ist das bedeutendste Werk, das deutscher Geist und deutsche Technik in diesem Luftschiffe vollbracht haben. Diese Fahrt ist ein Wagnis, das sich bisher niemand zu unternehmen getraut hat. Gerade jetzt zur Zeit Deutschlands tiefster Erniedrigung feiert Deutschlands Können in diesem Luftschiff vor aller Welt die größten Triumphe. So schwer jedem Deutschen das Herz wird in dem Augenblicke, da das größte Werk deutschen Schaffens in amerikanischen Besitz übergeht, so stolz schwellt das Bewußtsein, daß die Augen der ganzen Welt bewundernd die Fahrt des Z. R. III verfolgen. Staunend hält die Welt den Atem an und muß sich vor deutschem Geiste beugen." So weit, so schön, ja sogar ausnahmsweise richtig; es war wirklich ein Erfolg deutscher Kulturarbeit, die hier geschaffen wurde und die dem Verkehr der beiden Weltteile und damit der Annäherung der beiden Weltteile — hoffentlich nicht nur räumlich! — einen neuen Weg öffnete. Aber, ein Aber muß ja dabei sein, das ist man bei diesen Patentdeutschen nachgerade schon gewöhnt, wenn es auch angesichts der Großtat des silbernen Riesenvogels in ihren Augen gewiß so klein ist, daß man es mit ruhigem Gewissen füglich übergehen kann. Wir Juden aber wollen dieses Aber nicht unbeachtet lassen, wir klammern uns mit berechtigtem Stolz daran, rufen es in alle Welt hinaus, daß auch die Klasse der nationalistischen Schwerhörigen es vernehme, daß der Erbauer des heute so vielbewunderten Ozeanluftschiffes ein J u d e i s t. Unseren Lesern ist diese Tatsache bereits bekannt, sie wissen auch, wie ein Teil der darob natürlich deprimierten Hakenkreuzpresse sich zu diesem Faktum stellte, die da schrieb, daß bis auf den ersten Statiker — wie nebensächlich hört sich das ah — die Leitung der Luftschiffwerfte in rein deutschen Händen liegt. So gingen die einen wie die Katze um den Brei, die anderen — darunter das eingangs zitierte Blatt — halfen sich nach bewährtem Muster noch einfacher, sie schwiegen tot. Das soll das Los eines Mannes werden, der für Deutschlands Ehre und Ansehen in der Welt mehr geleistet hat als alle teutschen Schwätzer und Hurrarufer zusammen jemals zu tun imstande wären. Ihn wird das ebenso kalt lassen wie es die tausend anderen nicht beachteten, die für die gleiche gute — wenn auch heute durch die Wortführer eines kulturfeindlichen Nationalismus befleckte — Sache schufteten und bluteten. Wir aber wollen seiner gedenken, nicht nur weil er Jude ist, sondern weil ihm das größte Verdienst an der unaibschätzbaren Tat gebührt. Karl Arnstein entstammt einer armen jüdischen Familie aus Karolinenthal bei Prag, hat in Prag studiert und war als junger Mann Assistent an der dortigen deutschen technischen Hochschule. Hier obwaltete schon damals das gleiche System, das heute leider an den Wiener Hochschulen so prächtige Blüte treibt und das bezweckt, Studenten jüdischer Abstammung nur als Menschen zweiten Ranges gelten zu lassen, ihnen das Studium zu erschweren und den Weg zu Lehrkanzeln zu verschließen. Diesem bösartigen Verhalten nationalistischer Dummheit hat es Karl Arnstein, wie sein berühmter Kollege Einstein, zu danken, daß er von Prag wegkam, wo man weder Einstein noch Arnstein gestattete, Lehrer an den Prager deutschen Hochschulen zu werden und die jüdischen Gehirne vertrieb. An Wiens technischer Hochschule würde Arnstein, dessen Werk Deutschlands Namen vor der Welt wiederherstellt, ebenfalls nach dem neuesten Erlaß nicht als Deutscher anerkannt werden. Man wird ja sehen, wohin diese „Hoch"schule mit solchen Barbareien kommt. Karl Arnstein ist ihnen rechtzeitig entronnen, er wandte sich nach dem Deutschland der Begabung und der Arbeit. Das wahre Deutschland also, das mit dem Mauldeutschtum nichts gemein hat, nahm ihn auf und gab ihm die Aufgabe, zur Ehre deutschen Kulturschaffens, an der Vollendung des Zeppelin zu arbeiten. Graf Zeppelin hat ihn selber an die entscheidende Stelle gesetzt und ihm die Konstruktion der Schiffe übertragen. Als Chefkonstrukteur hat Arnstein Sechsundsechzig Zeppeline, hie letzten sechs vom sogenannten Dixmuidentyp, ganz allein erbaut. Der Triumph des Amerika-Zeppelin ist zum größten Teil Karl Arnsteins Triumph: die Wiedergeburt des deutschen Namens vor der Welt untrennbar mit seinem Namen verknüpft. Das sei festgehalten für ewige Zeiten: sowohl als Beitrag zum rahmreichen Kapitel der deutschen Juden als Kämpfer für den Ruhm ihres niederge-

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