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Die Wahrheit · 1924-07-25 · Heft 30 (25.7.1924) · page 6

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1924
Issue
Heft 30 (25.7.1924)
Date
1924-07-25
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 4 WE WAHRHEIT r%. 30 diese Befürchtung gerade aus stark national betonten Kreisen kommt! Ist man denn gerade hier des eigenen Volkstums so wenig sicher und kann man sich nur durch möglichst hermetische Abschließung vor „Vergiftung" schützen? . . ." („Antisemitismus?") Wilhelm Michel: „Der vorübergehende pathologische Charakter des Judenhasses betont sich durch viele seiner Züge. Unter anderem auch dadurch, daß er nur die unfertigen, die typisch chaotischen oder doch typisch werdenden Völker Europas ergriffen hat." — „Der Antisemitisraus ist nicht bloß eine Sache zwischen Juden und Judenhassern. Er ist in erster Linie eine Sache zwischen Deutschen und einer Hör de vonVerrätern aller edlen, geistigen, ritterlichen Ueberlieferungen des Deutschtums, die wir als etwas Verehrungswürdiges inuns trage n." Herbert Eulenberg: „Der Judenhaß ist überall häßlich und verwerflich. Besonders aber bei uns in Deutschland. Wir sind den Juden zum größten Dank verpflichtet. Ich persönlich als Künstler muß bekennen, daß ich ohne die Juden i n De utschland längst verhungert wäre." („Deutscher Geist und Judenhaß." Aeußerungen nichtjüd. Zeitgenossen.) Hermann Stehr: „. . . So möge diese alte Schande, der Antisemitismus, in Deutschland endlich tot sein, denn sonst ist jeder Schritt zur Gesundung eine tiefere Verwirrung und das Ende ein brutaler Kampf aller gegen alle." („Neue Rundschau" 1922 Hef 9.) Ernst Zahn: „Juden? Christen? Ich kenne nur Menschen. Aller Pilgerfahrt ist zeitlich, alle gebärden sich, als ob sie ewig wären, und keiner ist sicher, daß er nicht den Weg verfehlt." („Deutscher Geist und Judenhaß.") A u s 1 a n ds s t i m m e n: Björn Björnson (1907): „W enn Christen sich aber au'fs hohe Roß setzen und sagen: Wir sind nicht wie sie — w n 'd 'meinen die Juden im allgemeinen, so sollten besonders die deutschen Christen in dieser Zeit einsehen lernen, wieungereimtsichsoetwasausnimmt. Denn es ist genau dasselbe, was ihre Feinde heutzutage ihnen gegenüber tun." („Vom deutschen Wesen.") Auslandsdeutsche: Dr. Edmund v. Mach: „Wenn der Judenhaß über die Grenzen Deutschlands hinausgrdift und freunde des deutschen Volkes auch in anderen Ländern erfaßt, dann ist es hohe Zeit, daß ein Mahnruf erschalle. Wir sehen mit Schrecken, wie sich' allmählich eine Kruste übler Leidenschaft über das Volk ausbreitet. Judenhaß und Judenhetze sind gefährliche Volkskrankheiten. Sie untergraben jedes gesunde Vplksgefühl, gerade weil sie vermutlich das /@^enteil tun sollen ... Deutschland kanri;'n u r 'dann wieder national erstarken, wenn es yollen Wert auf deutsches Denken, anstatt auf rdasB;lut o<3er xlie Nase rdes Denkersie ig t." („Brief an rdas deutsche Volk." Neue Zeit, Chicago.) Artur Röblitz (Brief an clen Verlag der ^Deutschen Erneuerungsgemeinde" gegen die Zusendung antisemitischer „Machwerke"): „.-. . Wir Ausländsdeutsche, die wir seit Jahr und Tag, Christen wie Juden, Schulter an Schutter für Deutschlands Größe arbeiten, fühlen uns durch derartige gehässige, egoistischen Zielen dienende Pärteipolitik beschmutzt und entehrt. Es gehört keine große Sehergabe dazu, prophezeien zu können, daß Sie mit Ihren Verhetzungen im Auslande keinen fruchtbarenBoden finden werden, daß jedoch der Schaden, der durch Sie und Ihresgleichen dem Deutschtum erwächst, kein geringer ist. Sie können von anderen Nationen lernen, auf welche Weise die innere Front hergestellt und befestigt wird. Der Weg, den Sie zur Erneuerung unseres Vaterlandes einschlagen, ist , und bleibt, ein Irrweg. Zu, Ihtrer Orientierung teile ich Ihnen mit, 'daß ich^Ärier Hmd Christ bin." Da£ jüdische Kind ünd der judisehb Gesanpr. Vortrag von Rabbiner Dr. Max Grunwald, gehalten im „Buind jüdischer Eltern ilm II. Wiener GerniöSttdebeziirk." (Schluß.) Zu einer neuen Behandlung der Orgelfrage kam es erst im Jahre 1871. Damals leitete die Gemeinde bereits ein Kultusvorstand. Dieser beschloß am 5. Februar 1871 mit 11 gegen 7 Stimmen, in die beiden Bethäuser Orgeln einzuführen. Das Rabbinat nahm jedoch dagegen Stellung, indem es auf die Spaltung in jenen Gemeinden hinwies, in denen der Gottesdienst mit Orgelbegleitung stattfindet. Der Beschluß des Vorstandes gelangte nicht zur Ausführung. Der Wunsch nach der Orgel lebte aber in gewissen Kreisen der Gemeinde fort, so daß der Kültusvörstarid am 15. Mai 1877 ein eigens für Reform des Gottesdienstes eingesetztes Komitee mit dieser Frage beschäftigen mußte. Auf Antrag Dr. Ignaz Kurandas beschloß das Komitee, die Einführung der Orgel aus dem Kreise seiner Beratungen auszuschließen. Das heue Gesetz in Deutschland, nach dem niemand gezwungen werdenkann, einer 'Kültusgemeinde anzugehören, könne auch in Oesterreich eingeführt werden, und gerade die Benützung der Orgel beim Gottesdienste würde den Trennungsbestrebungen eitle wichtige Handhabe bieten. Abermals tauchte die Orgelfrage im Jahre 1885 auf. Dr. Jellinek hatte wieder die Einführung der Orgel , vorgeschlagen. Wilhelm^ y. Gutmahn hatte sogar eine Orgel für den Stadttempel spenden wollen. Doch kam es nicht zu einer Beschlußfassung des Kültusvorstandes über den Gegenstand. Gegen die Orgel gerichtet sind auch die Warte des verstorbenen Oberkantors Singer (in Nr. 14 und 16 der „Wahrheit" vom 6. und 27. April 1906): „Was jedoch die Beiziehung einer Orgel für jüdisch-gottesdienstliche Zwecke' betrifft, gestatten wir uns hierbei, auch unserer vor vielen Jahren bekundeten und noch heute unangetasteten' Anschauung Ausdruck zu verleihen, daß der Orgel, diesem musikalischen Wahrzeichen der christlichen Kirche*) — mit ihren iangge - dehnten Choraltönen usw. — schon aus technischen Gründen beim hebräischen Gebetsworte mit seinen kurzen Silben (Sch'wa und Chatef keine dominierende Berechtigung zuerkannt werden kann." , ' Zum letztenmal entspann sich eine öffentliche. Diskussion der Orgelfrage im Jahre 1919 {vgl. Blochs „Oesterreichische Wochenschrift", XXXV, Nr. 13 ff), als mit der Frage des *). Auch Dr. Zach. Frankel hat sich, gelegentlich gegen die Orgel auf das jüdische Empfinden berufen.

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