Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1924
- Issue
- Heft 28 (11.7.1924)
- Date
- 1924-07-11
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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r^^XT^r?:,vs^r--*^'*™^^&* Seite 6 DIE WAHRHEIT Nr. 28 kapellmeister und damit die erste würdige Existenz in Deutschland folgte. In seinem Empfehlungsschreiben an den Dresdener Intendanten bezeichnet Meyerbcer Wagner als „jungen Komponisten, der nicht allein eine tüchtige musikalische Bildung, sondern auch viel Phantasie besitze und dessen Lage wohl überhaupt die Teilnahme in seinem Vaterlande in jeder Beziehung verdiene." Noch in Paris, im Sommer 1841, hatte Wagner nach dem Scheitern seiner Verhandlungen mit der Großen Oper den ..Fliegenden Holländer" deutsch umgearbeitet. Textbuch und — im November — die Partitur wurden an den Intendanten der Berliner Hofoper gesandt mit Beziehung auf Meyerbcer, „welchem persönlich bekannt zu sein" der Komponist „das unschätzbare Glück genieße". Dieses „unschätzbare Glück" und die daraus entspringenden Vorteile, vor allem die Aufführung des „Rienzi" in Berlin, genoß Wagner bis zu seiner Beteiligung an der Mai-Revolution von 1849 bis Meyerbeers Schutz und Fürsprache aus politischen Gründen für ihn bedeutungslos wurden. Mit diesem setzt seine künstlerische Gegnerschaft, aber zugleich ganz allgemein sein Antisemitismus ein. _ (Schluß folgt.) Bas jüdische Kind und der jndische ßesang. Vortrag von Rabbiner Dr. Max Grunwald, gehalten iun „Bund jüdischer Eltern im II. Wiener Gemeindebezirk". Der Vorstand unseres „Jüdischen Elternbundes" hat sich in einer der letzten Satzungen mit einer Frage beschäftigt, die allgemeineres Interesse beansprucht Von einigen Schulleitungen wurden Bedenkem dagegen geäußert daß die jüdische Schuljugend an Kimlderfesteu mitwirke, wie sie der „Jüdische ElterrabuTiid" veranstaltet Diese Stellen befürchten, wie sie sagen, <d'aß die Teilnahme an den interkoutessioneillen Elternvereinen durch die Tätigkeit des „Jüdischen Elternibundes" beeinträchtigt werden könne. Auch begünstige ein Betonen des konfessionellen Miomentesi ein Ueberhandmebmen des klerikalen Einflusses auf die Schule. Was die erste Besorgnis anbetrifft daß das Wirken des „Jüdischen Elternbundes" die jüdischen Eltern vom der Miitarbeit in den allgemeinen Eltenwe reinen der einzelnen Schulen abziehen könne, so stellen wir fest daß wir im „Jüdischen Elternbund" gerade das Gegenteil erstreben. Uns Juden kann nur und muß ganz besonders daran gelegen sein, daß in jeder Elternveremiguntg recht viele jüdische Eltern sitzen und daß dort das jüdische Element das ihm gebührende Gewicht voll und' ganz geltend macht Wir werden deshalb keine Gelegenheit verabsäumen, den jüdischen Eltern es als ihre Pflicht zu Gemüte zu führen, den Elternvereinigungen beizutreten und ihren Sitzungen gewissenhaft beizuwohnen. Geraide darin zeigt sich die Notwendigkeit eines jüdischen Elternbundes. Die jüdischen Eltern in den Elternvereinigungen können es nur mit Freuden begrüßen, daß es eine Stelle gibt, von der sie Anregungen für die Beratungen in jenen Vereinen empfangen, daß ein gewisses allgemeines Programm festgesetzt wind, nach dem jüdische Wünsche und Interessen in den Elternvereiniig'ungen sachgemäß und. mit Aussicht auf Erfolg vertreten werden. Anderseits wird der jüdische Elternbund wiederum von den Erfahrungen seiner Mitglieder im den Eltcrnvereinen Nutzen ziehen können. Ebenso haben wir den anderen Bedenken zu begegnen, daß nämlich durch uns klerikale Bestrebungen gefördert, werden, könnten. Hierauf ist zu erwidern: Einen. Klerus gibt es bei uns Juden nicht und hat es nie bei uns gegeben. Der Rabbiner ist der Lehrer und Berater der Gemeinde. Eine politische Rolle zu spielen, widerspricht dem Wesen seines Amtes, das über den Parteien stehen muß. soweit sie nicht dem Kern des Judentums selbst gefährlich werden. Was wir i7ii «Jüdischen Eltembun.de" bezwecken, ist nicht etwas, was der Aufgabe der modernen Schule widerspricht. Es ist vielmehr ein Hand-in-Hand-gehen mit der Schule, eine Ergänzung ührer Wirksamkeit Die Schule will Menschenheranbilden. Nun gibt es aber in der ganzen Welt kein Wesen, von dem wir sagen könnten: das ist „der Mensch". Es gibt nur ..Menschen", Individuen, die sich von einander unterscheiden nicht aillcin nach persönlicher Veranlagung, sondlern ebenso nach ihrer Abstammung und Herkunft. So wile es in der Natur nicht „den Baum" gibt, sondern nur bestimmte Arten von Bäumen!, einen Apfelbaum, eine Tanne, eine Akazie usw, so gilbt es auch in -der Menschem.welt einen Menschen; der in einem jüdischem Hause zur Welt gekomlnien und erzogen ist, einen anderen und einen dritten, der Deutsche oder Franzosen zu Eltern hat Und so wie man aus einem Schlehdorn keime Rosen züchten kann, so kann man ein Kind zum ganzen, in sich getesteten Menschen nur ereilen ero, indem man seine Eigenart, seine Abstammung berücksichtigt und pflegt. Ist aber ein Kind als Jude geboren, so hat mau es im der Treue gegen, das jüdische Elternhaus, in der Liebe zu' seiner Familie und seinem Stamme und ihren edilen UeberlMeruwgen zu bestärken. Nur der Mensch, der fest in d'em: Boden -wurzelt, in, 4m ilwi seine Geburt hi-ncingepflanzt hat, wird ©in guter Bürger seines Staates sein. Und «dii'ese jüdischen Ucberlieferumgen in Haus und Gemeinde dteim Knude verständlich -und lieib undwert zu machen, ihm das soziale Empfinden anzuerziehen, das den Gründzug des Judentumes bildet, das ilst die Aufgabe des jüdischen Elteraiibundes, das ist sein Ziel bei den Kinderfesten, die er veranstaltet Wenn, es e i n e SteiMe gilbt die solche Arbeit im wohlverstandenen eigensten Interesse mit aller Macht iiinterstützui müßte, dann sind es gerade die sozialistischen Schulleitungen. Ein Beispiel für unzählige. Gestern wurde, wie Site wissen, das neue Genossenschaftshaus der Siedlung Rosemhüge! feierlich eröffnet. Uöber dem Eimgangstor stehen d/ie Worte: „Denn siehe, ich will einen neuen Himmel und eine neue Erde schaffen, .daß man der vorigen nicht mehr gedenken wird, noch sie sich zu Herzen nehmen. Es sollen nicht mehr Kinder da sein, die ihre Tage nicht erreichen, oder Alte, dlile ihre Jahre nicht, erfüllen. Sie werden Häuser bauen und sie bewohnen; sie werden Weinberge pflanzen und derselben Früchte essen. Sie sollen, nicht bauen, daß ein anderer bewohne, und nicht uflanzen. daß ein anderer esse." Woher stammen diese Worte? Sie bilden ein Zitat aus d'em 65, Kapitel -des Propheten Jesaja. Die Einladung zur Eröffnungsfeier fügt diesen Worten hinzu: „Der neue Himmel und die neue Erde: Sie wird in jenem Geiste erstehen, der sich hier manifestiert hat, im Geiste des Sozialismus". Nun, wenn wir unsere Jugend im Geiste eines Jesaja erziehen wollen, hat da ein ängstliches sozialistisches Gemüt einen Grund, es uns zu wehren? Denken Sie sich —- der Himmer sei davor — ein Rabbiner hätte bei jener Eröffnungsfeier mitgewirkt, hätte er einen anderen, jedenfalls eineni passenderen Text wählen können, als jene prophetischen Worte? Sie seheu, es ist derselbe Text, nur die Melodie ist vielleicht eine andere, so wie ja auch in unseren jüdischen Gebeten derselbe Kaddisch, dieselbe Keduscha, je nach dem Fest bald in dieser, bald jener Tonart gesungen wird. Der Text ist der gleiche. Und darin stehen wir bereits mitten in dem eigentlichen Gegenstande unseres heutigen Referates. (Fortsetzung folgt.) ^—————••••Q99992)999QQ9G9Q99Q9GQQ>®a i Bezngscrncucriiiig i der w i 8 ii Wahrhell Wir bitten um Bezahlung des Bezugsgeldes für das zweite Halbjahr 1924 I in der Höhe von J K 50.000.— S durch den unseren Abonnenten zugehenden Erlagschein. Wir danken unseren Freunden, die uns bei der % Verbreitung unseres Blattes bisher geholfen haben, auf das wärmste. Ihre Bemühungen sind erfolgreich gewesen, 2 unsere Auflage ist wesentlich gestiegen. Wir bitten, nicht 2 nachzulassen. Besonders erwünscht ist uns die Über- mittlung von Adressen, an die wir unser Blatt zur Probe 2 senden können. q Redaktion und Administration „Die Wahrheit" 8?99999 9&8$®e9®9s&9*eee06tte*««96ae»o«ee«*? Reiche Auswahl neuester Pelzmodells in sämtl. Pelzarten - Pariser u.Wiener Geschmack vereint - FÜdlSCOi EtOlCS 0 CSDSS erzeu8* nur in eigenen Werkstätten, unter pers. * Leitung des bestrenommierten Inhabers der Firma Gro&tes Kager in feinst.