Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1924
- Issue
- Heft 28 (11.7.1924)
- Date
- 1924-07-11
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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Nr. Trutzhymne. Von Hans R e i m a n n. Wer hat das Hakenkreuz erfunden? Die Juden! Wer illustriert damit Rotunden? Die Juden! Wer hat den Dolchstoß inspiriert? Die Juden! Wer hat den Index ruiniert? Die Juden! Wer ruht in Adolf Hitlers Huld? Die Juden! Wer ist an Kaiser Wilhelm schuld? Die Juden! Des Nibelungenlieds Vernichter? Thea von Harbou! Wer richtet .über deutsche Dichter? Professor Bartels! Wem unterstehen die meisten Banken? Den Juden! •Wem ist das Radio zu danken? Den Juden! Wer hat die Inflation ersonnen? Die Juden! Wer pökelt Christenfleisch in Tonnen? Die Juden! Wer hat das Ehrhardtlied erdacht? Die Juden! Wer hat den Weltkrieg mitgemacht? Tirpitz! Wer hat Herrn Dinters Zorn entzündet? Die Juden! Wer hat das Judentum begründet? Die Antisemiten! Wo gibt es wahre Mäzenaten? Bei Juden! Wer stiftet Geld zu Attentaten? Niemand! Wer wohnte einst im Lande Gosen? Die Juden! Wer schreit „Revanche den Franzosen!"? Die Juden! Wer hat Kurt Eisner hingerichtet? Die Juden! Wer hat die ,Wacht am Rhein* gedichtet? Max Jungnickel! Wer hat"Graf Arco freigelassen? Die Juden! Wer säuft den Sekt aus Kaffeetassen? Die Juden! Wer ist im Seelenkern defekt? Die Juden! Wer hat den Reichstag ausgeheckt? Die Juden! Wer hat Amerika entdeckt? Die Juden! Drum jagt sie fort aus unserm Reiche! Ein donnernd Heil der deutschen Eiche! „Die Weltbühne'1, Berlin. Wahrheiten vom Tage Der Deutsche und Oesterreichische Alpen verein und der Arierparagraph. Im Deutschen und Oesterreiclüsehen Alpenverein wird seit ungefähr zwei Jahren aus politischen Gründen ein Kampf gegen die Sektion „D onaula n d" geführt, dessen Höhepunkt ein Kompromiß-Vorschlag bedeutet, der auf der letzten Tagung des Vereines in Bischofshofeu angenommen wurde. Dieser Kompromiß-Vorschlag umschreibt de» Hinauswurf der Sektion „Donauland'" aus dem Verein in der Weise, daß der Sektion nahegelegt werden soll, freiwillig aus dem Verein auszutreten. Tatsächlich hat der Hauptausschuß des Vereines ein Schreiben dieses Inhalts bereits au die Sektion ,-DonauIand" gerichtet, doch hat der S e k t i o n s a u s s c h u ß einmütig und einstimmig beschlossen, dieses Ansinnen in schärfster Form und mit dem Ausdruck der Entrüstung zurückzuweisen. Dies hat er auch dem Hauptausschuß berieflich mitgeteilt und hinzugefügt, er betrachte die Stellung dieses Ansinnens nicht als den Ausfluß freier Handlungsweise des Hauptausschusses, sondern als das Endergebnis einer durch drei .1 a h r e betriebenen Hetze gegen mehr als d r e itausend Staatsbürger, denen kein anderer Vorwurf als der ihrer freiheitlichen Gesinnung und teilweise der ihres Glaubensbekenntnisses gemacht werden kann. Die Hauptversammlung, die am 20. Juli in Rosenheim tagen wird, wird darüber entscheiden, ob die Sektion „Donauland" tatsächlich aus dem Alpenverein ausgeschlossen wird. Der Kampf, der gegen diese Sektion seit zwei Jahren geführt wird, weil sie die völkische Hetze nicht mitmachte, hat nach und nach krasse Formen angenommen. Unter dem Druck des unter der Führung der „Austria" gegründeten deutschvölkischen Bundes der österreichischen Sektionen wurde zunächst der Hauptausschuß „arisiert". Als dies gelungen, waren natürlich die Vorstöße der völkischen Münchener Sektionen von Erfolg gekrönt. In allen Hütten des Alpenvereincs konnte man Tafeln sehen: „Juden und Mitglieder des Vereine s D o n a u 1 a n d sind hier nicht e r w ü n s c h t." Freilich wußte sich „Donauland" zu helfen. Es erwarb die Glorerhütte, ein kleines, aber entzückend gelegenes Haus im Gebiete des Großglockners. Man spricht sogar davon, daß sich die Sektion „Donauland" zu einem Verein auswachsen* wird, der seinem früheren Mutterverein starke Konkurrenz machen dürfte. Unter Zwangslage. Hat es damit seine Richtigkeit, ■ daß der Klügere nachgibt, dann darf man der deutschen Reichsregierung ein Kompliment machen. Sie hat über die Köpfe, lichtiger über die Mäuier gedankenloser nationaler Schreier hinweg der französischen Regierung amtlich erklärt, die von letzterer geforderte Militärkontrolle anzunehmen. Alle daran geknüpften Vorbehalte und Reservate haben nur den Zweck, das Gesicht zu wahren, den Hitlerleuten Konzessionen zu machen, die von der Gegenseite nie bewilligt werden. Es wird hüben und drüben Komödie gespielt. Die großen Siegerstaatcu tun sehr beunruhigt und aufgeregt über das Gebahren der vielen säbelrasselnden Stahlhelmjugend, die sich so gebärden, als sollte in absehbarer Zeit ein neuer fröhlicher Krieg gegen den Erbfeind losgehen. Kein vernünftiger Mensch in Paris, London oder Washington — und Staatsmänner sind doch bereits mäßig vernünftige Leute — glaubt nur entfernt an eine solche Möglichkeit. Alle Welt weiß vielmehr, daß die germanischen Bramarbasse bloß gegen ihre jüdischen Mitbürger kamprtüchtig sind. Außer dem dreimaligen Haupterfordernis zum Kriege, Geld, fehlen den Deutschen auch andere unerläßliche Dinge, zu einem Feldzuge gegen eine bis an die Zähne bewaifnete Welt von Feinden. Der ganze Sturm im Wasserglas entbehrt also jeder ernsten Bedeutung und wirkt nur aufreizend dort, wo man unter den Nachwirkungen noch nicht geschwundener Kriegspsychose gar bald nervös wird. Wer will des Scheines Hüter sein? Dieses Geschäft besorgen jetzt — dank dem großen Ludendortt — auf lange Zeit die Franzosen und wenn an allen Ecken des Reichs von jugendlichen Lippen der Sang erschallt ..Siegreich wollen wir Frankreich schlagen", dann spotten sie ihrer selbst und wissen gar nicht wie. Selbst in gewöhnlichen Zeitläufeu kann kein Staat auf sich selbst gestellt sein. Er bedarf des Mit- und Zusammenlebens mit den anderen. Um wie viel mehr gilt dies unter den schwierigen Verhältnissen der Gegenwart. Es liegt in der Hand der Sieger, über Wohl und Wehe, über