Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1924
- Issue
- Heft 26 (27.6.1924)
- Date
- 1924-06-27
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 26 Di£ WAHRHEIT Seite U Von Woche zu Woche Der Bund jüdischer Eltern im II. Wiener Gemöindebezirk, II., Taborstraße 72, veranstaltet am Montag, den 30. d. M., 8 Uhr abends, im großen Sitzungssiale der Bezirksvertretung Leopoldstadt in Wien II., Karmelitergasse 9, eine Elternversammlung, in welcher Se. Ehrwürden Herr Rabbiner Dr. Max Grunwald einen Vortrag über „Das jüdische Kind und der jüdische Gesang" halten wird. Der Verein „Kinderfreunde" im 16. Bezirk, dessen edler Zweck darin besteht, zu Beginn des Winters arme, frierende Schulkinder von Ottakring und Hernais zu bekleiden, hat vor kurzem eine schöne Tat geleistet, die wohl verdient, hier mitgeteilt zu werden. Ein mittelloser Knabe sollte Barmizwant werden, doch fehlte es ihm an der Kleidung. Der Vorstand des Vereines, der hiervon erfuhr, beteilte den Knaben mit einem neuen Anzug im Werte von 650.000 K und schenkte ihm noch Tephillin und ein Gebetbuch. Auch zwei andere Knaben, denen die Beschuhung fehlte, um den Jugendgottesdienst im Tempel zu besuchen, wurden mit neuen Schuhen beteilt. So sorgt der Verein der „Kinderfreunde", der auf* eine 43jährige segensreiche Tätigkeit zurückblickt, nicht nur für das körperliche Wohl seiner Schützlinge, sondern auch dafür, das dieselben ihren religiösen Pflichten nachkommen können. Dieses schöne Werk hat allgemein Lob und Anerkennung gefunden und wird dem Vereine sicherlich neue Freunde zuführen. Talmud Thora-Schule im 18. Bezirke. Die heurige Schlußprüfung und Zeugnisverteilung hat am 11. Juni d. J. in Gegenwart Sr. Ehrwürden Rabbiner Dr. Feuchtwang und des Herrn Schulinspektors Wiener stattgefunden und in allen drei Kursen die besten Lehrerfolge gezeigt. Sämtliche Knaben und Mädchen wurden mit Büchern beschenkt. Herr Inspektor Wiener beglückwünschte die anwesenden Vereinsvorstände zu den überaus günstigen Prüfungsergebnissen, worauf Herr Rabb. .Dr. Feuchtwang, welcher als Ehrenpräsident dem Vereine zur .Erhaltung einer Talmud-Thoraschule im 18. Bezirk angehört und die Oberleitung der Schule innehat, in anerkennenden Worten der Vereinsleitung und insbesondere der tüchtigen Lehrerschaft für ihre hingebungsvolle Tätigkeit im Dienste der guten Sache herzlichst dankte und den innigen Appell an die Kinder richtete, im nächsten Schuljahre, das am 24. September d. J. beginnt, ebenso eifrig zu sein und auch die bisher der Talmud-Thoraschule ferngebliebenen Kameraden zum Schulbesuche aufzufordern. v Die jüdische Voikschule in der Brigittenau. Vor vier Jahren hat der jüdische Schulverein in Wien ein jüdisches Gymnasium und in einigen Bezirken auch jüdische Volksschulen errichtet, so auch in der Brigittenau, in dem Josef ine Mendl'schen Wohlfahrtshaus in der Denisgasse 33. Mit ausgezeichneten Lehrkräften versehen, hoffte man, daß diese Schule teilweise dem bedauerlichen Mangel, welchen die allgemeine Volksschule in jüdisch-religiöser Beziehung aufweist, ersetzen werde. Es soll hier nicht bloß .den Kindern ein paar hebräische Sätze eingetrichtert werden, sondern das Bestreben obwalten, ihnen die Elemente der jüdischen Religion wirksam zu vermitteln. Dies war die Aufgabe der jüdischen Volksschule in der Denisgasse, die seit vier Jahren besteht und trotzdem weiß eine weitere Öffentlichkeit, selbst im eigenen Bezirke, kaum von ihrer Leistung. Arme Juden schicken wohl ihre Kinder dorthin, aber sie waren nicht in der Lage, materiell zur Erhaltung beizutragen. — Der jüdische Schul verein hingegen hat mit immer größeren Widerwärtigkeiten zu kämpfen und die Situation hat sich in der letzten Zeit derart zugespitzt, daß die Schließung dieser Schule bevorstand. Da wurde ein Komitee gebildet. Man setzte sich mit dem Oberrabbiner Ehrw. Dr. C h a j e s in Verbindung, der versprach, zwei Drittel des Budgets, welches derzeit 18 Millionen monatlich beträgt, bis auf weiteres beizustellen, wenn die Wortführer für den Fortbestand der jüdischen Volksschule in der Brigittenau sich verpflichten, monatlich das restliche Drittel aufzubringen. — Von einigen begeisterten Männern werden nach dieser Richtung bereits alle Anstrengungen gemacht. Der gesamte Tempel vorstand mit dem Obmann Herrn Hermann E11 b o g e n und. dem Rabbiner Ehrw. Dr. Abel es an der Spitze hat sich mit Eiferin den Dienst der Sache gestellt. Den Herren Jakob Fäxber, Adoif Geller und Tempelvorsteher Pechthal gebührt, als Initiatoren dieser Aktion, besonderer Dank. Diese •wenigen schlichten Zeilen mögen genügen, um das Interesse in jüdischen Kreisen wachzurufen, an die zugleich der Appell ergeht, den Bestand der jüdischen Volksschule im 20. Bezirk durch Spenden und Subventionen zu sichern, die der Präsident des Brigjttenauer Tempelvereines, Herr Hermann Eltbogen, XX., Jägerstraße 63, und auch die Redaktion der „Wahrheit" entgegennehmen. * N. Ch. Lundenburg. Wir erhielten vom Herrn Oberkantor Kabäcnik folgende Zuschrift: Im Sinne des § 19 des Preßgesetzes ersuche ich hiermit höflichst um Berichtigung der in Ihrem Blatte vom 6. d. M., Nr. 23, Seite 12, veröffentlichten Notiz unter der Spitzmarke „Aus Lundenburg wird uns geschrieben", und dies aus folgenden Gründen: Vor allem muß ich feststellen, daß arme Knaben zur Barmizwah von mir unentgeltlich vorbereitet werden. Bei Bemittelten hängt die Höhe des Honorars von der Dauer der Vorbereitung und den Vermögensverhältnissen der Eltern ab. Im vorliegenden Falle war im Hinblick auf die mangelhaften Vorkenntnisse* und den einige Monate dauernden Unterricht das beanspruchte Honorar nicht übertrieben, sondern den Verhältnissen angemessen. Meinen berechtigten Ansprüchen gegenüber legt Herr Goldberg ein unqualifizierbares Vorgehen gegen mich an den Tag. Nicht materielle Motive zwangen mich zu meinem Vorgehen, sondern nur aus prinzipiellen Gründen zur Wahrung meiner Ehre und der Würde meines Standes mußte ich mich zur Wehr setzen. Sofort nach der Gerichtsverhandlung erlegte ich den bei derselben mir bezahlten strittigen Betrag von 150 Kc (300.000 ö. K) bei der Kassa der hiesigen Kultusgemeinde zugunsten ihrer Wohltätigkeitsinstitutionen. In Anbetracht dieser. Umstände weise ich den in der Notiz gegen mich vorgebrachten Vorwurf von „Geldgier" mit aller Entschiedenheit und dem Ausdrucke der höchsten Entrüstung zurück. Vereinsjubiläum. Am 19. d. M. feierte der rührige Verein der Frauenkirchner in Wien sein 25jähriges Jubiläum und begab sich an diesem Tage korporativ in. seine Heimaitstadt. Am Bahnhof wurde die Reisegesellschaft von einer Deputation der Kultusgemeinde und der Stadtbehörden unter Führung des Bürgermeister Kober feierlich empfangen, welch letzterer eine herzliche Ansprache hielt. Nach einem gemeinsamen Gräberbesuch wurde ein festlicher Gottesdienst abgehalten, bei dem Rabbiner L ö w y in einer vom Herzen kommenden und zu aller Herzen gehenden Rede das Wirken des Vereines würdigte. Eine gemütliche Zusammenkunft in Kobers Gasthaus bildete den Abschluß der Feier, wobei Kassenverwalter Pollitzer gleichzeitig einen Rechenschaftsbericht erstattete und seitens des Obmannstellvertreters Gerstl wie auch anderer Herren Reden gehalten wurden. Verein der Preßburger in Wien. Am Donnerstag, den 19. dl M., unternahmen zahlreiche Mitglieder des im Titel genannten Vereines — etwa 350 — mit dem Dampier „Habsburg" einen Ausflug nach Preßburg, an dem sich auch zahlreiche Damen beteiligten. Die Reisegesellschaft wurde bei der Landung von den Abordnungen einer Reihe von Preßburger Vereinen und Verbänden begrüßt Im Namen der Preßburger Freunde Welt Spediteur Max Reiß eine herzliche Ansprache, worauf dler Obmann des Vereines Moritz Nasch in einer eindrucksvollen Rede erwiderte, in der er für den Empfang dankte, der alle Erwartungen übertraf und den die Teilnehmer so baMxiicht vergessen werden. „Wir sind," führte der Redner aus, „den Donaustrom entlang hierher geiahren, um einige frohe, glückliche Stunden im Kreise lieber Angehöriger und Freunde zu verbringen, um einen Blick zu werfen auf die Tummelplätze unserer längst entschwundenen Jugend, um unseren Kindern die Stätten zu zeigen, an welcher wir unsere eigene Kindheit unter den Fittichen selbstlos liebender Eitern verträumten. Viele von uns ergreifen die Gelegenheit, um nach jahrelangem unfreiwilligen Fernbleibens wieder die Gräber verstorbener Angehöriger zu besuchen, um an den Hügeln zu weilen, welche die GebeLne unserer Vorfahren umschließen, jener Männer und Frauen, die über das Grab hinaus unsere Erzieher geblieben, (deren Geist in uns lebt und deren Kultur wir noch immer in uns tragen. Alle zusammen jedoch sind wir hier erschienen, um die Stadt selbst wieder zu sehen, ■die Stadt in der unsere Wiege stand1 und unsere Jugend verflog, die Stadt, für tdäe wir ein Herz voll Liebe bewahrten, in der jedes Haus undl jeder Stein tausend Ersrmerungeai an unsere Vergangenheit in uns. wachruft und deren Aufstieg, deren nie geahnte Entwicklung uns mvt Befriedigung erfüllt Und wenn sich dann der Tag neigt, dannwerden wir wieder •^umkehren und in unsere zweite Heimat fahren, nach unserem Wien, dessen Wiederaufblühen wir noch zu erleben hoffen." 'Nach dieser mit herzlichem Betfal! aufgenommenen Rede, db