Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1924
- Issue
- Heft 26 (27.6.1924)
- Date
- 1924-06-27
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 10 DIE WAHRHEIT Nr. 26 „am echod", nur dann werden wir auch die Widerstandsfähigkeit und seelische Stärke besitzen, um ruhig und gelassen aus einer Perspektive von dreieinhalb Jahrtausenden die kleine and nicht sehr erfreuliche Gegenwart zu sehen und zu ertragen. Dann und mir dann werden wir auch — im geschlossener Einheitsfront — wirklich die wirksamen umd vollwertigen Abwehrkräfte entwickeln können, die das deutsche Judentum vielleicht schon bald dringend brauchen wird." Berechtigte Empörung. Die öffentliche Sabbathentwedhung:, die die Mitglieder der engeren Exekutive der obersten zionistischen Behörde, Herr Georg Halpern und Vaan Friesland bei ihrer jüngsten Anwesenheit im Chaifa begangen haben, hat eine große Erbitterung in allen religiösen Kreisen des Landes hervorgerufen. In Jerusalem fand auf Initiative des Mischmeres Schabbosverein Dienstag, den 10. Juni, ein Massenmeeting statt, in welchem mehrere Redner der Erbitterung der thoratreuen Judenheit über solche Vorfälle Ausdruck gaben. Rabbiner S e 1 z m a n n aus New-York wies auf die unangenehmem Folgen hin, die solche Handlungen bei der amerikanischen Judenheit hervor rufen werden. Zum Schluß nahm die Versammlung eine scharfe Protestresolution an. In den Versammlungen im Chaifa und Tiberias wurde der Forderung Ausdruck gegeben, daß die obgenanniten Mitglieder der engeren zionistischen Exekutive sofort demissionieren. Die Gemeindewahlen in Warschau. Nachdem die Gemeindewahlen in der polnischen Provinz, wie wir in unserer letzten Nummer berichteten, einen überlegenen Sieg der Liste des Vereinigten Religiösen Blocks gebracht haben, konzentrierten alle Parteien ihre Kräfte auf die Großgemeinde Warschau, wo die Gemeindewahlen für Sonntag, den 15. Juni ausgeschrieben waren und sich 12 Gruppen mit eigener Liste an der Wahl beteiligten. Die Zahl der Wähler betrug ungefähr 50.000, die 50 Gemeinderäte zu wählen hatten, die Beteiligung 50 Prozent. Der Wahlkampf war außerordentlich erbittert und endete mit einem großen Sieg der Liste des religiösen Blocks, die mit 8075 Stimmen. 17 Mandaten die erste Stelle errungen hat. Die Zionisten, die in Warschau mit den Handwerkern zusammengingen, errangen mit 14 Mandaten, 5812 Stimmen die zweite Stelle. Die übrigen 19 Mandate verteilen sich auf die anderen Gruppen. Dieses Wahlresultat bedeutet, daß selbst in Warschau die Anhänger der religiösen Gemeinde die Majorität der Gemeinde erreicht haben. Das ist mit Rücksicht auf die dortigen Verhältnisse, wo ein starkes zionistisches, poalezionistisches und bundistisches Zentrum ist, ein sehr erfreuliches Ergebnis. Theater, Kunst u. Literatur Eingesendet (Für diese Rubrik übernimmt die Redaktion keine Verantwortung.) Erkläret mir..... Sehr geehrte Redaktion! Hiermit ersuche ich Sie hörL die folgende Tatsache in der „Wahrheit" zu veröffentlichen, wobei ich bemerke, daß ich für die Richtigkeit meiner Behauptungen mit meiner Person hafte, und danke ihnen für den Abdruck im vorhinein. Freitag, den 13. Juni 1924. sah ich nach 9 Uhr abends die Herren Kultusvorsteher Dr. Leopold Plaschkes und Öberbaurat Ing. Stricker im Cafe Atlashof und bemerkte zu meinem größten Erstaunen, wie die beiden Herren trotz Schabbesrauchten. Es ist unerhört, daß diese Herren Kultusvorsteher, die sich als Führer der Wiener Juden bei jeder sich bietenden Gelegenheit aufzuspielen belieben, durch öffentliche Ver- 1 e t z u n g der Religionsgesetze berechtigtes Aergernis erregen und angesichts einer solchen Tatsache kein Wunder, wenn unter der .,geistigen" Leitung dieser Männer eine Jugend heranwächst, die dem wahren Judentum immer mehr entfremdet wird. Hochachtungsvoll Theodor K r i e s h a b e r. Fritz Wittels: „Zacharias.Pamper 1" oder „Der verschobene Halbmond", Anzengruber - Verlag, Brüder Suschitzky, Leipzig-Wien. Der Titelheld, in. diesem satirischen Roman ist ein Hausmeisterssdnn aus dem innersten Wien, der die Beziehung dieser Stadt zu der Zeit, die man die große nannte, repräsentiert. Eine der widerlichstkomischesten Episoden aus dieser Zeit wird da lebendig: Oesterreich als Kulturfaktor im Lande des Halbmondes, der. von den Kulturträgern ebenso verschoben wird wie Teppiche, Metallwaren, Geld, kurz alles, was im Orient nicht niet- und nagelfest ist. Der Held des Romans, der beinahe als einziger an diesem Verschieben des Halbmondes nicht mit Gewinn beteiligt war, kehrt nach dem Umstürze und der Gründung einer kaiserlich-königlichen Räterepublik ins Griechenbeisel und in seinen Hausmeisterhof zurück in der Ueberzeugung, daß die große Zeit, mindestens in ihrer österreichischen Ausgabe, eine große Schiebung war. Und diese Ueberzeugung gewinnt auch der Leser dieses echt wienerischen lustigen Buches. Unsere Politik. Von J. Ramsay Mac Donald. 1924. E. Laubsche Verlagsbuchhandlung, Berlin C 54. Eine sehr interessante Schrift des englischen Ministerpräsidenten und Arbeiterführers. Einige bemerkenswerte Sätze möchten wir daraus zitieren: „Eine Gesellschaft auf dem Niveau vernünftiger Menschen braucht jede Leistung, die menschliche Bedürfnisse befriedigt, von Kohlen angefangen bis zur Poesie, von Kleidung bis zur Inspiration." — „Um gut zu regieren, muß. man Vertrauen und Wissen erwerben." — „Die Menschen mit gemeinsamen politischen Zielen werden zusammenkommen und gemeinsam handeln, sie werden sich miteinander um der allgemeinen Gründe und Interessen willen verständigen. Dies muß geschehen." — „Die Vereinigung der Kräfte ist nicht nur Stärke, sondern Leben selbst." Das sind beherzigenswerte Worte, für die leider hierzulande kein Verständnis herrscht — nicht bei Juden, nicht bei Christen. Oberkommissär Samuel in Jerusalem sagt mit Rechte „Wo 'drei Juden beisammen sind, bilden sich die Parteien." Sp.-M. Haberland M. Einführung in die Volkskunde, Wien, Burgverlag 1924. In dieser knappen Uebersicht über das Gebiet der, vor allem österreichischen Volkskunde ist anschaulich alles geboten, was in den Bereich folkloristischer Arbeit fällt. Man ersieht daraus, wie weit dieser Rahmen zu spannen -ist. Auch an Beziehungen zur jüdischen Volkskunde wird gelegentlich erinnert, und es ist zu wünschen, daß wir auch für diese recht bald ein ähnliches Handbüchlein begrüßen dürfen. Bis dahin ist das vorliegende Heft auch für diese Forschungen eine brauchbare Anleitung. Damaschke A. Die Bodenreform. Desselben: Aufstieg oder Untergang? Beide Flugschriften, die eine in der „Deutschen Verlags-Anstalt", Stuttgart, die andere im „Verlag des Bundes 'deutschösterreichischer Bodenreformer", Salzburg, erschienen, suchen in volkstümlicher Form den Gedanken der Bodenreform zu verbreiten, für die in der Agrargesetzgebung Israels das Muster vorgezeichnet ist. Der Geist unserer Thora spricht aus jeder Zeile. Von ganz besonderem Interesse ist aber, welche Rolle' H e 1 f f e r i c h, der erbitterte Gegner Rathenaus, gespielt hat. „Der Gedanke, der das große soziale Friedenswerk am schwersten schädigte, ging aus von dem „Schutzverband für Grundbesitz", den der Führer der Berliner gewerbsmäßigen Terrainspekulation, Herr Haberland, und der Vorsitzende der Berliner Grundstücksmakler, Herr Rosenbaum, einst ins Leben gerufen hatten und der unter seinen Vorstandsmitgliedern Helfferich, Fürst von Salm- Horstmar und Prof. van der Borght, dank der hinter ihm stehenden ungeheuren Mittel, starken Einfluß gewinnen konnte." Hier tritt, für Eingeweihte nicht überraschend, klar zu Tage, wie ernst das Wutgeheul Helfferichs und seiner Genossen über den „jüdischen Wucher" zu nehmen war und ist. Die Verbreitung dieser beiden Schriften ist eine Waffe im Kampfe gegen die Brutalität der Vökischen. Gpöftfes Kager in feinst. EBdtsen,Efoles u. Capes Reiche Auswahl neuester Pelzmodelle in sämtl. Pelzarten - Pariser u.Wiener Geschmack vereint - erzeugt nur in eigenen Werkstätten, unter pers. Leitung des nestrenommierten Inhabers der Firma '"Stf--*- -r-'-VtUK «Praferstr. 9-11 . Gr.MoirBB§.2-G