Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1924
- Issue
- Heft 26 (27.6.1924)
- Date
- 1924-06-27
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 12 DIE WAHRHEIT Nr. 26 mit einem Hoch auf die Vaterstadt schloß, begrüßte Frau Schienger im Namen des Preßburger israel. Frauenvereimes die Gäste. Für den schönen Empfang dankte im Namen der Gäste noch Dr. Kolc-man Frewder. Die Mittagsstunden verbrachten die Gäste zumeist im Kreise ihrer Venvandten, -teilweise fand ein gemeinsames Essen statt, welchem um 2 Uhr nachmittags eine gesellige Zusammenkunft im Au-Cafe folgte, welche die Gäste mit ihren Angehöngen und den Vertretern der Preßburger Vereine vereinte. Nach diesen schönen Stunden des Beisammenseins erfolgte um 5 Uhr die Rückfahrt der Gäste nach Wien. Doktor Fr eud e r dankte beim Abschiede nochmals im Namen aller Teilnehmer des Ausfluges nach Preßburg für die wirklich frohen Stunden, die sie dort verbringen konnten. Die Musikkapelle, welche die Ausflügler mit sich brachten, intonierte einige -Weisen. Es war} ein Abschied, der so recht die Zusammengehörigkeit der Preßburger zeigte, mögen sie auch von Ihrer- Vaterstadt entfernt leben. Für das Arrangement des Aufenthaltes der Gäste in Preßburg gebührt den Herren Lemberger, Fornheim, Reiß und Schaar besonderes Lob. Trauungen. Sonntag, den 22. d. M., fand im Pazmanitentempel unter ungewöhnlicher Beteiligung des Gesamtvorsfiandes sowie von Verwandten und Freunden (der Familien Gerstl-Schischa die Trauung des Fräuleins Selma Gerstl, Tochter des langjährigen verdienstvollen Vorstandsmitgliedes des Tempel Vereines Aeschel Awrohom Herrn Moritz Gerstl und seiner Gattin Sophie, mit Herrn Adolf Schischa aus Neunkirchen, Sohn des Ehepaares Josef Schjscha, statt. In seiner Rede entwarf Rabbiner Dr. S. Funk ein schönes Bild von <lem Leben und Wirken der Eltern der Braut, namentlich des Brautvaters, der sich um den Tempelverein in seiner langjährigen Tätigkeit im Vorstande große Verdienste erworben Jiat Sodann sprach er von den vorbildlichen Tugenden der Eltern des Bräutigams und würdigte ihr jüdisch-religiöses Empfinden, das ihnen in ihrer Gemeinde besondere Achtung und Wertschätzung eingetragen hat. Seine Ehr würden forderte das junge Paar auf, diesen leuchtenden Tugenden nachzueifern. Auf die zahlreichen Anwesenden machte die Trauung in dem festlich geschmückten Gotteshause einen tiefen Eindruck. Die kantoralen Funktionen versah in gewohnt vorzüglicher Weise Oberkantor J. Müller mit verstärktem Chor. — Sonntag, den 22. d. M. fand im Leopoldstädter Tempel unter überaus großer Teilnahme aller Kreise die Trauung des Rechtsanwaltes Dr. Heinrich Thal er, Sonn des Dr. Eduard Thal er s. A., mit Fräulein Gertrud Hoffmann statt. Den erhebenden Trauungsakt vollzog Herr Rabbiner Dr. Grunwald, der an das Brautpaar eine Ansprache herzlicher Innigkeit richtete, in der er insbesondere des verdienstvollen Wirkens des unvergeßlichen Vaters des Bräutigams um den Wiederaufbau des Tempels gedenkt. Den gesanglichen Teil vollzog I. Kantor Funke mit Chor, Harmonium und Cellobegleitung. — Sonntag, den 22. d. M. fand im großen Leopoldstädter die Trauung des Hauptkassiers der israel. Kultusgemeinde Herrn Moriz Apte mit Fräulein Grete Landau statt. Es erschien der Vorstand der israel. Kultusgemeinde mit dem Präsidenten Herrn Prof. Dr. Alois Pick, die Bethausvorsteher mit Herrn Präsidenten Anton Beck, die Beamtenschaft, Abordnungen vieler Humanitätsvereine, in deren Mitte der Bräutigam seit Jahren wirkt, und ein zahlreiches Publikum. Herr Rabbiner Dr. Max~ Grunwald richtete an das Brautpaar, als dessen Beistand Herr Kommerzialrat Alfred Landesberger und Gattin fungierten, wirkungsvolle und überaus tiefen Eindruck erzielenden Worte. Die kantoralen Funktionen vollzog I. Kantor Leo Funke samt Chor, Harmonium und Cellobegleitung. Herr Apte und Braut waren Gegenstand überaus herzlicher Ehrungen und Ovationen, die den Beweis erbrachten, welch allgemeiner Wertschätzung sich der hochverdiente Bräutigam allenthalben erfreut. Silberne Hochzeit. Sonntag, den 22. d. M. feierte Herr Moriz Ho ff mann mit seiner Gattin Regina geb. Glaser das schöne Fest der .silbernen ^Hochzeit und war das Jubelpaar aus diesem Anlasse Gegenstand zahlreicher Ovationen. Emile Caben gestorben. Der Herausgeber und Chefredakteur der Pariser „Archives Israelites", Emile Cahen, ist vor einigen Tagen nach längerer Krankheit gestorben. „Archives Israelites" ist eine der ältesten jüdischen Zeitschriften der Welt und wurde von dem Großvater des eben verstorbenen Herausgebers gegründet. Seit dem im Jahre 1902 erfolgten Tod seines Vaters Isidore Cahen leitete Emile das Blatt. Die Rebbezin predigt. Im Lande der- „unbegrenzten Möglichkeiten", und zwar in einer Kultusgemeinde des Staates Missisippi leitete anläßlich der Abwesenheit des dortigen Rabbiners seine Frau den Gottesdienst im Tempel und hielt die gewöhnliche Sabbathpredigt zur großen Zufriedenheit der ganzen Gemeinde, die nunmehr nicht mehr für Vertretung bei Abwesenheit ihres Rabbiners zu sorgen haben wind. Die Frau Rebbezin taat jedenfalls mit ihrem resoluten Ein/treten den Sprach des berühmten Rabbi "Akiba, daß ailes schon dagewesen sei, widerlegt. - „ . Houston Stewart Chamberlain als. Goetheforscher. Wozu liest H. St. Chamberlain Goethe? Um antisemittisohe Aeußerungen aufzufinden (soweit sie ihm in den Kram passen). So heißt es dem« in seinem Buche über Goethe (Seite 691): Dieses Volk „hat niemals viel getaugt", „es besitzt wenig: Tugenden und die meisten Fehler anderer Völker" usw. Er verläßt sich darauf, daß keiner seiner Leser die Stelle jemals nachschlagen wird. Sie lautet im Zusammenhang: „Vor dem Riohterstu'hle des Gottes der Völker wird nicht gefragt, ob es die beste, die vortrefflichste Nation sei, sondern nur, ob sie dauere, ob sie sich erhalten habe. Das israelitische Volk hat niemals viel getaugt, wie .es ihm sedine Anführer, Richter, Vorsteher, Propheten, tausendmal vorgeworfen haben; es besitzt wenig Tugenden und die meisten Fehler anderer Völker; aber an Selbständigkeit, Festi&kjeir, Tapferkeit und, wenn alles das nicht mehr gilt, an Zähheit sucht es seinesgleichen^ Es ist das beharrlichste Volk aorf Erden, es ist, es war, es', "wird sein, um den Namen Gottes idiuirjCih. alle Zeiten zu verherrlichen. Wir haben es daher als.Musterbild dargestellt, als Hauptbild, dem die anderen nur als Rahmen dienen". Es ist dann weiter die Rede von den „übrigem Vorteilen dieses Volkes, oder vielmehr seiner Geschichte, seiner Religion", von der trefflichen Sannmiluinig ihrer heiligen Bücher und als besonderer Vorteil der Israellitischen Religion wird gerühmt, „daß sie ihren Gott in keiner Gestalt verkörpert und uns also die Freiheit läßt, ihm eine würdige Menschengestalt zu geben, auch, im Gegensatz tdSe sciMeohte Abgötterei durch Tier- und Untier gestalten zw bezeichnen". So geht H. St. C h am b e r lain m i t der Wahrheit u m. Aus einer Stelle, die, als Ganzes g e n o an im e n," e h e r für als gegen die Juden spricht, macht er Hokuspokus fidfbus eine antisemitische Aeußerung. Wenn die Tatsachen zu der Theorie nicht stimmen — um so schlimmer für dilel Tatsachen. Aber freilich, was soll man denn mit einem Goethe wort anfangen, Idas den Juden Selbständigkeit, Festigkeit und Tapferkeit zuspricht! Oberkantor S. Postolow teilt seinen Bekannten mit, daß er nicht mehr in Brunn a. Geb., sondern IX., Liechtensteinstraße 78 wohnt. Sonderangebot des Warenhauses Brüder Schiffmann, 2. Bez., Taborstraße 48. Prima Regenmäntel 175.000 K, französische Wasch-Voile pro Meter 17.900 K, Modell-Voll- Etamine, große Auswahl aparter'Muster, pro Meter 39,000 K, Eponge für Kleider und Kostüme pro Meter 39.000 K, Schweizer Etamine in allen Farben pro Meter 39.000 K, Covercoats,, 130 cm breit, pro Meter, 89.000 K. Reichhaltiges Lager in Damen- und Herrenwäsche, Leinenwaren, Vorhängen, Teppichen usw. zu bekannt billigen Preisen bei vorzüglicher Qualität. Ein Besuch überzeugt - Wien I., Fleisdunarkl Mr. 2M» EröBtes Spezialfalls aller Qualitäten j Seidenstoffe für Kleider und Futter. Herrt liehe Brokate,Crepe de Chine, Crepe Maro- | qulne etc., zu staunend billigen Preisen I; -.- Telephon Nr. 79501 und 79.202