Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1924
- Issue
- Heft 23 (6.6.1924)
- Date
- 1924-06-06
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4 DIE WAHRHEIT Nr. 23 den fruchttragenden Boden der Gegenwart bearbeitet, und wer das Frühere und das Augenblickliche in Liebe veribiaiidet, diem gehört a>ttch das Kommende. Der Vater itm Hause ist der Früheste des fieiirns, er ist das Sinnibild des Einist. Die Mutter ist dem Liebesrufe des Vaters nachgefolgt; sie: ist das Symbol des Jetzt. Zuletzt ist das1 Kind ins Haus gekommen; es ist das Bild des Später. Einst, jetzt und; später, Vater Mutter und Kind sind zusammen die sichbare Ewigkeit. Und wie in der Familie im Kleinen,, so in der Volksgemeinschaft im Großen. Was hält die Ewigkeit der Familie zusammen? Die Ehrfurcht. Was die der Volksgemeinschaft? Der Glaube. Nehmt die Ehrfurcht, nur einen der drei Teile, streicht sie vor dem Worte Vater aus und es gibt nicht Einheit noch Ewigfceit mehr in der Familie. So auch in der Familie dier Voliksges!öhw%ter. Löscht das Wort Ehrfurcht vor Gott aus und tilget weg den Namen Religion, so habt ihr Halt und Ewigkeit zerrissen müä die Glieder hören atff, Geschwister zu Sein. Und das ist das Perspektivische, das siiich uns für die Betrachtung aller Gottesgeibote gerade aus dem Gebote dter Elternehrfurcht eröffnet. Alle Gebote atmen im Grunde denselben Geist, den Geist der' Erziehung der Großen und Kleinen zur Ehrfurcht vor dem Höheren über uns und dam Geheiligten vor und in uns. Wie einer der größten Denker diese Ehrfurcht zusammenfaßt in dem Bekenntnis : „Meine Weit ist das Sittengesetz in mir .und der gestirnte Himmel über mir", so soll uns Juden das Höchste unserer Welt sein, die Ehrfurcht vor Vater und Mutter in uns und* die Ehrfurcht vor Gott über uns: Das ist der Schatz der Schätze, den wir uns aus der weitgeöffneten Kleinodienkammer des Schwuausfestes auswählen zur beglückenden Richtschnur unseres Lebens als Juden und als Menschen. Das Judentum bei Oswald Spengler. Von Dr. Max Grunwald. (Fortsetzung) Ist das Judentum magisch? Von zwei Typen, denen Spengler gewiß glicht eine „faustische" Psyche absprechen wird, von den Engländern und Amerikanern sagt er: „Der großartige alttestamentliche Schwung in den Parlamenten und Heereslagern der Indepedenten, der noch im XIX. Jahrhundert in "vielen englischen Familien den Glauben zurückgelassen hatte, daß die Engländer Nachkommen der zehn Stämme Israels seien, ein Volk von Heiligen, dem die Lenkung der Welt bestimmt sei, hat auch die Auswanderung nach Amerika beherrscht, die mit den Pilgervätern von 1620 ihren Anfang nahm; er hat das geschaffen, was man heute die amerikanische Religion nennen darf, und das herangezüchtet, was der Engländer noch jetzt an politischer Unbedenklichkeit besitzt, die ganz religiös auf der Gewißheit der Prädistination gegründet ist." In dem eminent dynamischen Charakter des Anglosachsen mit seiner intensiven und extensiven Aktivität erkennt also Spengler etwas Jüdisches. Das ist richtig gesehen. Als Grundzug des jüdischen Charakters bezeichnet auch Goethe die Energie, den rastlosen Betätigungstrieb. Wenn Spengler aber den Impuls hierzu in der Berufung zu einem „Volk von Heiligen" sieht, die übrigens doch Luther, gewiß ein deutscher Mann, für alle Christgläubigen in Anspruch nahm, indem er mit dem „Ihr seid ein königliches Priestertum", wie er Exod. 19, 6 übersetzt, gegen die Mittlerschaft eines besonderen Priesterstandes zu Felde zog, — wie durfte er mit dieser rein religiös-ethischen Forderung eine politische Sendung, „die Lenkung der Welt", den englischen Imperialismus verquicken? Nur darum, weil iftm .das Pöbelgeschrei der Judenrausrufer von' der „Weltherrschaft Judas" in den Ohren lag? Auch hier hat ihn wieder die breitgetretene Fahrstraße des flachen Vorurteiles an der Quelle, aus der er das richtige Urteil hätte schöpfen können, vorbeigeführt. Was hat es denn in Wirklichkeit auf sich mit der jüdischen „Leitung der Welt"? Seit S o m b a r t gilt der Jude, die „Nomadenseele", als der Allerweltskonkurrent, der Allerweltsgläubiger, der Allerweltsverderber. Als die Geldmacht ist er de-r Weltbeherrscher, der politische Drahtzieher, der Kriegsgewinner und der Kriegsverlierer. Regiert doch das Geld die Welt und das Geld der Jude.' Hierzu kommt die internationale Solidarität der Juden, die aber in Wirklichkeit nur darin besteht, daß ein Jude für den anderen — geschlagen wird. Bibel und Talmud sind nach Sombart und seinen Nachbetern Handbücher der Handelswissenschaft, daher, wie in Hitlers Parteiprogramm zu lesen ist, der .Juden seit „2000 Jahre (!) unveränderlich wirkender Trieb zum Zwischenhandel, zum Geldleihgeschäft, zum jeder Hemmung baren Ausbeuter- und Wuchertum", sowie wenn etwa aus dem ersten Lehrbuch der Poetik die poetische Literatur entstanden wäre. Das Ganze von A bis Z ein abstruser Rattenkönig von glatten Entstellungen und böswilligen Erfindungen, aber auch durch die apodiktische Entschiedenheit Denkfaulen und Urteilsunfähigen imponierend, den Pferdefuß bemäntelnd mit dem blendenden Gleichnis von der Sonne der Kultur, die überall aufgeht, wo Israel in die Geschichte eintritt. (Ueber den Juden als Kaufmann vergl. meinen Vortrag „Die kaufmännische Ehre bei den Juden", ,.Im Deutschen Reich" 1903, S. 129: S. Mayer: „Die Wiener Juden", Seite 101, daselbst auch andere Literatur, sowie meinen Beitrag „Berufe der Juden" im Jahrbuch für Jüdische Volkskunde 1923.) Doch, wenn es sich so verhielte, wenn das jüdische Schrifttum das Gegenteil von dem wäre, was es in Wirklichkeit ist. nicht ein flammender Protest, ein großes Pamphlet gegen den Kapitalismus —, wenn die Juden die wirtschaftlichen Revolutionäre wären —, und der Kampf um das goldene Kalb hat die Menschheit immer noch weiter gebracht, als die blutigen^Balgereien um den Groschen, — welch ein gigantischer Macntwille, welch ein Geist der Unersättlichkeit, welch ein dionysisch - kraftstrotzendes Expansionsbestreben offenbarte dann das Judentum! Wo bleiben dadie Merkmale magischer Kultur? Wie Spengler sieht auch Mückle (Der Geist der jüdischen Kultur, 652), sonst sein Gegner, in dieser drängenden Gier das Stigma des Abendlandes. Nur mit dem Unterschiede, daß er in allen Schöpfungen dieses gärenden faustischen Ringens des Abendlandes den Einfluß — des Judentums erkennt. Des Judentumes, das in unvergleichlichem Heldenkampf gegen alle Hemmungen des Chaos ein Reich des Friedens, der Freiheit und der Freude erstreiten und dieses Jammertal in ein Paradies umwandeln will. Aus wie vielen Wunden blutet dieses Volk, von denen es „verschont geblieben wäre, hätte es. das Machtgebot des Schicksals" anerkannt (654)! Also genau das Gegenteil von der „magischen" Kultur, in das Spengler das Judentum, ihm den Lebensodem raubend, bannen möchte. Jüdischer „Imperialismus". Bei allem liebevollen Werben und wohlwollend ehrlichen Mühen, den Schleier des Geheimnisses zu lüften, als das der Welt das Judentum entgegentritt, spricht doch auch Mückle von einem, wenn auch nicht politischen oder, wirtschaftlichen, jüdischen Imperialismus. Als stellte nicht die prophetische Schau selbst Israel an dritte Stelle hinter Aegypten und Assyrien und einen Altar des Ewigen in das Land der Pharaonen! (Jesaja 19, 24 f.) Was soll aber dann noch Imperialismus sein, wenn weder politische Hegemonie noch kirchliche Hierarchie erstrebt wird? Mit der kapitalistischen Versklavung der Welt durch die Juden muß es doch nicht so schlimm stehen, wenn dieselben Stimmen, die diesen Angstruf ausstoßen, in einem Atem die goldene mit der roten Internationale vertauschen, so wie mar. ja auch den Juden mit einem Federstrich zugleich zum Kriegsgewinner und Kriegsverlierer stempelt. Und weist man auf gewisse jüdische Kannibalen des Intellekts hin, auf exzessive Verstandesmenschen, die ohne jede sittliche Hemmung die öffentliche Meinung yergiften und terrorisieren, so liegt schon in Anbetracht des ziffernmäßigen Verhältnisses zwischen jüdischer und nichtjüdischer Bevölkerung nahe genug die Fabel vom Wolf, der das Lamm beschuldigt, ihm das — übrigens dem Lamm vom Wolfe zufließende — Wässerchen zu trüben. * Was für eine Bewandtnis es mit jenem „Volke von Heiligen" hat, lehrt der Zusammenhang „ein Reich von Priestern — und ein heiliges Volk" (wohl gemerkt: nicht