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Die Wahrheit · 1924-01-02 · Heft 1 (2.1.1924) · page 13

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1924
Issue
Heft 1 (2.1.1924)
Date
1924-01-02
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Seite 1$ . . Zum Andenket! au i»r. Eduard Thaler. Im Nachtrage unserer Notiz über das imposante Leichenbegängnis des so unerwartet früh hingeschiedenen edlen Menschenfreundes Dr. Eduard T hal er, das unter außerordentlich großer Teilnahme stattfand, sei noch erwähnt, daß die Leiche an dem hellerleuchteten großen Leopoldstädter Tempel, vorbeigeführt wurde, von dessen Freitreppe Herr Kultusvor»teher Isidor Schwarz einen tiefempfundenen Nachruf hielt. Am 18. v. fand eine Trauersitzung des „Vereines der Freunde des großen Leopoldstädter Tempels" statt, zu der die Hinterbliebenen Dr. Eduard Thalers geladen waren. Es waren erschienen dessen Witwe und Töchter, die Schwiegersöhne Löwy und Dr. Rabinowicz sowie der einzige Sohn Dr. Heinrich Thal er, der vereint mit Dr. Rabinowicz die renommierte Kanzlei des Hingeschiedenen weiterführen wird. Die Gedenkrede hielt der Protektor des Vereines, Herr Rabbiner Dr. Max Grunwald, der in seinen pietätvollen Ausführungen die unvergeßlichen Leistungen Dr. Thalers auf gemeinnützigem Gebiet hervorhob, ganz besonders aber das rastlose Schaffen im Interesse des Wiederaufbaues des großen Leopoldstädter Tempels. Diesem Ideal war der Verewigte so ganz und so erfolgreich hingegeben, daß er darin vollkommen aufging. Es war erstaunlich, wie Dr. Thaler bei den aufreibenden Arbeiten seines Berufes als Rechtsanwalt noch Muße und Kraft aufbringen konnte, den vielseitigen humanitären Obliegenheiten zu entsprechen. Er war eben einer jener seltenen Menschen, die in dem Bewußtsein selbstgestellter Pflichten in der Arbeit Erholung und Genuß linden. Die Worte des Herrn Rabbiner Dr. Grünwald hinterließen bei den Anwesenden, unter denen sich auch zahlreiche Mitglieder des Vereines befanden, tiefen Eindruck. Ein Sabbath-Eingang . in der „Einheit". Taten werden doch nur von Personen ausgeführt und geleistet. Persönliches ist auch deshalb neben dem Sachlichen zu erzählen, weil Beispiele ziehen, wie es im Sprichwort heißt. So muß des grundbraven," stets hilfsbereiten und auf Förderung von Religiosität und Lehre und Wohltun, diesen drei Grundlagen des jüdischen Wandeins, bedachten Herrn Max Hof bau er rühmendst gedacht werden, der still und unverdrossen solche Werke fördert und einleitet. Ihm ist eine neue, löbliche, wirkungsvolle jüdische Einrichtung zu danken, welche am Freitag, den 23. November, im schönsten Speisezimmer der „Einheit", II., Malzgasse 12, begonnen wurde. Durch das Schulamt der Kultusgemeinde, das vom Vorstande der „Einheit" darum gebeten worden, war, wurden die Religionslehrer der Schulen, welche in der Umgebung der „Einheit" liegen, ersucht, für den oben genannten Freitag Schüler, Knaben und Mädchen, welche sich hierzu melden (Zwang war natürlich ausgeschlossen), um 5 Uhr zu einem Abendessen in die „Einheit" zu laden, damit sie dabei den Ritus beim Sabbath-Eingang kennen lernen und die Weihe und Stimmung dieses Abends empfinden. Es kamen in der Tat unter Führung des Religionslehrers. Herrn Rudolf Müller, von der Schule in der Schwarzinger- :^asse nicht nur 20 Schüler zum Essen, sondern auch ebensoviele, um hier Mincha und Maariw zu beten. Es war erhebend, wie diese Schüler der Bürgerschule selbst die Gebete vortrugen, wie einer von ihnen das Lecho daudi exekutierte. Man bekam die Beruhigung, daß in unserer Jugend noch Judentum lebt. Es kamen durch Herrn Religionslehrer Wilhelm Toch Schüler aus der Schule in der Augartenstraße, außerdem kamen auch Schüler aus der Leopoldsgasse. Vierzig Schüler und Schülerinnen waren also Gäste, gern gesehen und freudig begrüßt, denen Herr Rudolf Müller in alter Väter Sitte den Weihegruß an den Sabbath und den Kidusch vortrug, während ein Schüler selbst Mauzeh machte. Die jungen Gäste bekamen ein sehr gutes Essen, vorzügliche Suppe, Rindsbraten mit Reis und eine schmackhafte Mehlspeise. Das Lob des Essens erscholl von den Lippen aller Schüler. Es war sicher, daß nur sehr wenige zu Hause solches Essen bekamen. Es ist sicher, daß die Ausspeisung selbst für mindetens dreißig der Kinder eine Wohltat war. Es ist aber auch sicher, daß nur ein Drittel der Kinder die Feier des Sabbaths .'kannte. Darum ist diese' neue Einführung in der „Einheit" eine erziehliche, vorbildliche Maßregel ersten Grades. Sie wird jeden Freitagabend wiederholt werden und sicher bei unseren Religionslehrern die Unterstützung finden, wie sie sie schon bei den Herren Rudolf Müller und Wilhelm Toch gefunden. Verein Wohlfahrt. In dem von uns veröffentlichten Aufruf dieses Vereines ist aus-Versehen unter den Unterschriften der Name des Vorstandsmitgliedes Ignaz W a 1 c z e r ausgeblieben. — Die Sektion I/IX des Vereines teilt uns mit, daß sie vom Verein „Bikur Chaulim" eine Spende von 1 Million Kronen für ihre Deutschlandhilfe erhalten hat, hiervon einen Teü für die in Vöslau untergebrachten deutschen Kinder. Leopoldstädter Krankenunterstützungsverein „Nächstenliebe". In einer von dem rührigen Vorstand für den 16. Dezember einberufenen Festsitzung wurde die Tagesordnung: Ueberreichung der Diplome an die Ehrenmitglieder Leo Grub er, Oskar Sehr am ek und Wilhelm 'S t e r n, in erhebender Weise erledigt. Der verdienstvolle Obmann des Vereines Herr Adolf Reich verwies in formvollendeter ge* dankentiefer Rede, welche Genugtuung es dem Vorstand be* reite, die Söhne der verewigten Ehrenmitglieder Schramek und G r u b e r die Traditionen ihrer Väter in wahrhaft jüdischer humanitärer Weise fortsetzen zu sehen, die ihnen die gleiche höchste Auszeichnung geschaffen habe. Dank und Anerkennung der Vereinsleitung hierfür kann nicht genug lebhaft zum Ausdruck gelangen. Die Worte des Herrn Obmannes fanden Jebhaften Anklang und Zustimmung. Der Festsitzung; wohnten bei: vom Vorstand und Ausschuß: Obmann Adolf Reich, Obmannstellvertreter Isidor S c h ö n h e r z, Kassaverwalter Hermann Löwy, Schriftführer Alexander Guttmann, Schriftführerstellvertreter Samuel Bajnitzer, die Ausschußmitglieder Simon B e r g e r, Karl Fuchs, Kommerzialrat Gustav Gruber, Albert Körner, Nathan Löff 1 er, M. A. R a u b i c s e k, Jakob Steinhart und David Tänzer; als Gäste: Frau Charlotte Grub er samt Enkelin, Frau Berta Stern und Herr Cafetier Charaaides. Die neuen Ehrenmitglieder gaben ihrem lebhaften Dank an den Vorstand Worte und betonten, daß ihr Wirken zum Vorteile des Vereines und die erzielten Erfolge hauptsächlich dadurch ermöglicht wurden, daß an seiner Spitze eine so bedeutende Kraft wie Herr Adolf Reich stehe. In der Begrüßung der anwesenden Gäste hob der Obmann auch die großen Verdienste der Frau Charlotte Gruber hervor. Personalnachrichten. Herr Restaurateur Julius Grüner wurde vom Bürgermeister der Stadt Wien zum Fürsorgerat ernannt. — Der Direktor des Warenhauses S. Schein, Adolf Wasservogel wurde als Mitglied der statistischen Zentralkommission zum Kammerzialrat ernannt. Ferner wurde Herrn Stegmund Nissel, Chef der Firma Nissei & Sikora, der Titel eines K omm e r z i a 1 r a t e s verliehen. Barmizwahleiern. Vor kurzem fand die Barmizwahfeier des Hermann Natowicz, Sohn des Herrn S. Nato\vic2 und seiner Gattin Gisela, im Gotteshaus des Prater BethausV Vereines „Tefilath Jeschuron", dessen verdienstvoller Obmannstellvertreter der Vater des Barmizwanten ist, statt. Zu der schönen Feier hatte sich der Gesamtvorstand unter Führung . des Herrn Obmannes Direktor Bernhard Mayer, der Vorstand des jüdischen Hilfsvereines Prater, dessen Obmann Herr S. Natowicz ist, die Verwandten sowie viele Freunde und Verehrer des Hauses eingefunden. Nach altjüdischem Ritus trug der kleine Hermann die Paraschah vor. Hierauf richtete Herr Rabbiner Dr. S. Funk an ihn eine zu Herzen gehende Ansprache, in welcher er den Sinn fürs Judentum bei seihen Eltern, die edlen Regungen, die großen, zahlreichen und mannigfachen Verdienste seines Vaters hervorhob und denV selben als Vorbild hinstellte. Der Barmizwani und der zur Thora gerufene Vater, die aus diesem Anlasse ebenso wie zahlreiche Vorstandskollegen und Freunde der Familie dem Bethausverein und anderen wohltätigen Zwecken namhafte Spenden machten, wurden von den zahlreichen Tempelbesuchern herzlichst beglückwüncht. — Am 15. Dezember fand im Leopoldstädter Tempel die Barmizwahfeier des Jakob B a ls a m, Sohn des Herrn Hermann Balsam s. A., statt. Der Konfirmant trug den Wochenabschnitt laut und korrekt vor. Rabbiner Dr. Max Grunwald hielt an denselben eine der Bedeutung des Tages entsprechende herzliche Ansprache. Der Onkel des Konfirmanten, Herr Ing. Siegfried Diamant, hat anläßlich dieser Feier namhafte Beträge für verschiedene wohltätige Zwecke gespendet. Kleider-, Pelzeu. Gummimäntel-Fabrik Zentrale: Delailverkauf: Wien i!., Glockentasse 24 Wien IL. Tabor3trafie 44

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