Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1924
- Issue
- Heft 1 (2.1.1924)
- Date
- 1924-01-02
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
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Seite14 DIE WAHRHEIT Nr. i Samstag den 15. Dezember 1923 feierte Alfred Hoibauer, Sohn des durch seine große Wohltätigkeit überaus hochgeschätzten Ehepaares Max und Gertrud Hof bau er, sein Barmizwahfest. Aus diesem Anlasse waren im gastfreundlichen Hause alle erschienen, die in der Wiener jüdischen Oeffentlichkeit Namen und Klang besitzen, um der beliebten Familie ihre Glückwünsche darzubringen. Daß auch im humanitären Sinne bei . dieser Gelegenheit Besonderes geleistet wurde, entspricht nur der Tradition deT Familie Hofbauer. 60. Geburtstag. Der Vorsteher der Kultusgemeinde Tulln mit dem Sitze in Klosterneuburg, Herr Hermann C r b e r, vollendete am 6. v. M. sein 60. Lebensjahr. Die Mitglieder dieser Gemeinde nahmen dies zum Anlasse, um Herrn Erber innerhalb des am 8. Dezember stattgefundenen Gottesdienstes eine spontane Kundgebung zu bereiten. Der- Kultusvorsteher wurde von den Mitgliedern des engeren Ausschusses in feierlicher Weise von seiner Wohnung in das festlich beleuchtete Tempelgebäude geleitet, wo Herr Kantor Wilhelm Steiner in vorbildlicher Weise die kantoralen Funktionen -versah. Herrn Erber wurde die Ehre des Aufrufes als Maftir zuteil, nach dessen Verlesung Herr Kantor Steiner eine warmempfundene Ansprache hielt, in der er Herrn Erber als liebevollen Familienvater, gläubigen Juden und vorbildlichen Gemeindefunktionär feierte. Hierauf brachte Herr Kulrusvorsteherstellvertreter Josef W einer im Namen der Kultusgemeinde deren Glückwünsche zum Ausdruck und wies insbesondere auf die unermüdliche und erfolgreiche Tätigkeit des Vorstehers hin. Es sprachen ferner Herr Gustav Fleischmann namens des Klosterneuburger Wohltätigkeitsvereines „Gegenseitigkeit" und Herr J. W c i n s a f t für den Zionisten-Bund. Herr Erber war sowohl durch diese Ansprachen als auch durch die folgenden Glückwünsche der übrigen, zahlreich versammelten Gemeindeangehörigen tief gerührt und dankte mit einigen schlichten Worten für die überraschend veranstaltete Feier. Der Jubilar wurde ans dem gleichen Anlasse mit einem effektvoll und künstlerisch ausgeführtem Bilde, den Klosterneuburger Tempel darstellend, bedacht und durch die Wahl zum Ehrerivorstande geehrt. Anläßlich seines Geburtstages spendete Herr Erber einen namhaften Betrag für wohltätige Zwecke. 80. Geburtstag. Am 5. Jänner 1924, vormittags 9 Uhr, wird der Bethausvorstand für die Bezirke XII—XV Gelegenheit nehmen, das durch seine Frömmigkeit und seinen Wohltätigkeitssinn in diesen Bezirken bestens bekannte Vorstandsmitglied Herrn Emanuel Kohn anläßlich seines 80. Geburtstages durch eine kleine Feier gebührend zu ehren. Amtsjubiläum. Aus Sarajevo wird gemeldet, daß König Ale xander dem Oberrabbiner Dr. Weis sei zu dessen Amtsjubiläum persönlich seine Glückwünsche ausgesprochen hat. Linz. (Pensionierung — Amtseinfühlung.) Laut Beschluß der Vorstandssitzung vom 22. November 1. J. wurde der hochbetagte und allseits verehrte Rabbiner Herr Moritz Friedmann nach einer mehr als 40jährigen ersprießlichen Dienstzeit in den dauernden und wohlverdienten Ruhestand versetzt. In der gleichen Sitzung wurde beschlossen, ihm bei dieser Gelegenheit für seine langjährige, erfolgreiche und gewissenhafte Amtsführung auf allen Gebieten den Dank und die vollste Anerkennung auszusprechen und einen standesgemäßen. Ruhegenuß festzusetzen. Alle Mitglieder der hiesigen Kultusgemeinde, die ihren greisen und verdienstvollen Seelsorger in ihr Herz eingeschlossen haben, hegen den sehnlichsten Wunsch, daß Gott der Allgütige diesen ehrwürdigen preis bis an -die äußerste Grenze des menschlichen Alters in ungetrübter Gesundheit erhalten möge. Als sein würdiger Nachfolger im Amte wurde Sr. Ehrwürden Herr Dr. Viktor - Kti r r e i n, Stadtrabbiner in X a r 1 s r.u h e,~der auf eine mehr als 20jährige erfolgreiche Amtstätigkeit in den Gemeinden Meran, Salzburg und Karlsruhe zurückblickt, gewählt. Derselbe ist ein gebürtiger Linzer, dessen Vater vor 40 Jahren Amtsvorgänger des nun in dauernden Ruhestand versetzten -Rabbiners Herrn Moritz Friedmann war ünäAm Jahre 1877 den hiesigen neuerbauten Tempel einweihte, Herrn Dr. "Viktot Kur rein geht ein ausgezeichneter Ruf voraus und dürfte die Linzer .Kultusgemeinde an ihm eine großartige Akquisition gemacht haben. Am Samstag, den8.«v.M. (Schabbos Chanuka), vormittags 10 Uhr, fand anläßlich seiner Amtseinführung ein feierlicher Gottesdienst statt, dem nebst den Spitzen der Behörden, ein sehr zahlreiches Publikum beiwohnte. Vor dem Gottesdienste wurde, der neugewählte Rabbiner vom Präsidenten Herrn Benedikt Schwager und Vizepräsidentec Herrn Emil Bruder von seiner ßabbinatskanzlei abgeholt und auf seinen Ehrensitz geleitet. Nach dem Einheben der Thora betrat Herr Präsident Benedikt Schwager das Almenor und hielt an den Neugewählten eine An-' spräche, übergab ihm im Auftrage des Vorstandes^ den Ehrensitz, die Kanzel und Thora, mit dem Wunsche, daß es ihm durch treueste Pflichterfülung recht bald gelingen möge, sieb die Sympathien der gesamten Gemeinde zu erwerben. Nachher bestieg Herr Rabbiner Dr. Kur rein die Kanzel und in einet tief durchdachten Predigt hatte derselbe sein Programm als Rabbiner, Seelsorger und Religionslehrer entwickelt, nach* dem er vorher dem Gesamtvorstande und der Gemeinde für das ihm entgegenbrachte Vertrauen, dem ersich jederzeit würdig zeigen werde, dankte. Durch diese glänzende Rede hatte Herr Dr Viktor Kurr ei n bereits bewiesen, daß er eit> vorzüglicher Kanzelredner ist, und wurden nach derselben ihm große Ovationen erwiesen. Die deutschen Sozialdemokraten gegen den Antisemitismus. In Berlin-Wilmersdorf fand kürzlich eine Versammlung der sozialdemokratischen Partei statt, wobei der Abgeordnete Hoff mann ausführte, daß die soziale Frage weder im Blute der Juden, noch in dem der Arbeiter ertränkt werden dürfe. Redner wies nach, daß im Rheinland und Westfalen jüdische Arbeiter (vorwiegend die geschmähten Ostjuden) im Bergbau tätig sind und auch der Palästinafilm zeigt, daß die Juden gerne schwere Arbeiten verrichten. Die Versammlung nahm eine Resolution an, in welcher dem volksverhetzenden Antisemitismus, der nur dazu dient, die Aufmerksamkeit des Volkes von den an seiner Notlage Schuldigen abzulenken, scharfer Kampf angesagt wird. Es ist kaum zu hoffen,'daß die" Entschließung der deutschen Sozialdemokraten bei einem Volke, dessen Wehrraänner sogar am hellen Tage Juden schwer mißhandeln, wie es sich kürzlich in Leipzig ereignet hat, fruchten wird, aber jedenfalls ist der Mut zum Bekenntnis der deutschen Sozialdemokraten anerkennens- und begrüßenswert, wenn man dagegen hält, wie ferne die österreichische» Genossen einer derartig freimütigen Haltung stehen. Deutschlandhilie. Der Verband der Angestellten der Kultusgemeinde Wien hat den Angestellten der Kultusgemeinde Berlin zur Linderung ihrer Not als vorläufige Hilfe 100 Lebensmittelpakete im Werte von zirka 6 Millionen Kronen durch das jüdische Hilfswerk der „Agudah" übersenden lassen. Die Angestellten der jüdischen Kultusgemeinde Berlin haben an den Verband der Angestellten der Kultusgemeinde .Wien nachstehendes Schreiben gesendet: „Liebwerte Kollegen aus Wien! Eure Sendung von 100 Lebensmittelpaketen ist in unseren Besitz gelangt, an die Kollegen verteilt worden und hat große" Freude in den Kreisen unserer Kollegen erregt. Nicht so sehr der materielle Wert der Sendung ist es, der uns Eure Gabe so wertvoll gemacht hat, nein, wir sind tief gerührt, daß es außerhalb unseres Landes noch Menschen gibt, die mif brüderlichem Herzen bereit sind, ihren Mitmenschen helfend" die Hand zu reichen. Lasset Euch daher gesagt sein,, da wir diese Eure Handlungsweise nicht vergessen werden, und daß wir hieraus die Hoffnung schöpfen, daß auch uns wieder bessere Zeiten .beschieden sein werden. Euch aber wollen wir im Namen aller unserer Kollegen dankbar die Bruderhand drücken!" Festgottesdienst. Am 9. Dezember fand im Stockerauet Tempel aus Anlaß des 20jährigen Bestandes desselben und aus Anlaß des Chanukafestes ein Festgottesdienst statt, bei welchem Rabbiner Dr. F r a n k f u r t e r in formvollendeter Weise die auf die Feier bezughabende Festrede hielt. Zu dieser Feier waren Gäs|e aus Wien und Korneuburg erschienen. IIUHIH»HHII»»IIIHUUHIH»U»l»»HIIHIHHM»IH»HU»HIUII»UIIHIiHHII»l Seidenhans KUHSTflDT mmmmmmmmmmmmmmaammmammmmmmmmmmmmmammmmmm Wien nU rfielsA^iarki Mr. BrBBtes Spezialtiaus aller Qualitäten f Seidenstoffe für Kleider und Futter. Herr« f IIcheferojiate»Crepe de Chine, Crepe Maro- £ «Irina et«., zu ataiinend billigen Preisen : ———Telephon Nr, 79.20» und 79.208 .. . 5 «M>UltMM<HW»MIUIH»HtH>»im«»IIIH»l>ll «■*••»>••••**•■•■■■•**••»»»««»»••■*•■*• »«»••••••»«••»»•«»»»••••»•»*»*••••■•*•*»•»•***»»••*»»••»•««