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Die Wahrheit · 1924-01-02 · Heft 1 (2.1.1924) · page 12

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1924
Issue
Heft 1 (2.1.1924)
Date
1924-01-02
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Seite 12 Situationen nicht hloß einfach, sondern leicht faßlich sein und schließlich darf sich der ethische Kern nicht voreilig aus der Hölle drängen; jeder Leser muß sich diesen Kern selbst langsam herausholen, ohne zu merken, daß die Frucht schon von Anbeginn für ihn vorbereitet war. Heinrich Reuss erfüllt alle genannten Forderungen, die Fülle der Einfälle, der Reichtum der Fabel raachen seine Erzählungen für jedermanu unterhaltend, wenn auch manches dem Juden eher zugänglich erscheint Jedenfalls ist es nicht verwunderlich, daß der Verfasser auf seinem Gebiet bereits sichtbare Anerkennung erntete: Wer die Jugend für sich hat, verfügt über eine große, dankbare Gefolgschaft. Und auch der Erwachsene läßt sich gerne hie und da in das Märchenland der Jugend entführen. Er träumt und sinnt, die Zauberbrunnen rauschen, im Mondesglanz tanzen die Elfen. Dr. Otto Fröhlich (Wien). Frommt uns ein neuer Glaube? Zeitgemäße Betrachtungen über Reliigionsgesoliichte und) RellgionsplKdöso'pIiiei Von Medizimlrat Dr. Heinrich Haase, Philo-Verlag, Berlin, 1923. „Die Geschichte lehrt", sagt Oswald Spengler, „daß der Zweifel am Glauben zum Wissen führt unid der Zweifel am Wissen nach einer Zeit des kritischen Optimismus wieder zurück zum Glauben". Dieser für unsere Zeit, m der dae nüchterne Weltanschauung ihren Höhepunkt überschritten hat, charakteristische Ausspruch ist der Leitfaden der uns vorliegenden Arbeit des Wiener Verfassers. Das Sohf cksal der Religion1 ist geradeso an den Weg gebunden, den alle großen» welterhaltenden Gedanken durdizumachen haben. Entstehen, Entwicklung umdi Verbreitung. Den gefährlichen Engipaß zwischen Religion und religiöser Vorstelhwigimit Geschick vermeidend, wandelt der Verfasser m seiner kurzen, 'doch interessanten Schrift dlie Heerstraße des Hauptgedankens und sehreitet, wohlausgerüstet mit den modernen Ergebnissen der Wissenschaft, über Geschichte und .Philosophie der Religion seinem Ziele zu. Was die weit&estreckte^autehin1 der Götteriehre, aus der sidi düe Gotteslehre herauskristallisiert hat, an Hauptanomenten bietet, wird zur Erörterung herangezogen und mit den Anschauungen aller Größen auf diesem Gebiete sorgfältig verglichen. Die Fülle eingehenden Studiums ist freilich da eine cpnditio sine qua non, ein Erfordernis, ohne welches über einen so ungeheuren Stoff mit richtiger Wertung nicht ibinweggegangen werden kann. Der Verfasser, wird aber seiner schweren Aufgabe in vollem Maße gerecht. Nach Durchwanderung aller Thesen und Dogmen der metaphysischen und transzentendalen Merkmale der Religion kehrt er zur Ursprungslehre -über das Wesen Gottes und 'die Schöpfung zurück, wie:srie in der Bibel 'dargestellt werden. Am Schlüsse seiner von tiefer Kenntnis des Gegenstandes zeugenden Auseinandersetzungen sagt. Dr. Haase: Die wirkliche Ausführung des im Dekaiog und im zweiten Buche ^es Pentateuchs niedergelegten ethischen Programms durch die denkenden Klassen und arbeitenden Massen des Erdballes ist allein imstande, die reinse messianisehe Idee und Völkerversöhnung zu verwirklichen . . ." Der Welt frommt also, nach der Ue'berzeugurig des Verfassers, nur einie dogmenfose Religion . ... Maßgselbende Kritik, wird dfe Anerkennung dem Verfasser nicht vorenthalten. __, Ph. Loewe. Von Woche zu Woche Rat Adolf Wenger. Ein wahrhaft tragisches Geschick fügte es, daß der allseitig geachtete Ehrenpräsident des Tempelvereines „Aeschel Awrohom", Herr Rat Adolf Weng er,, kaum vierzehn Tage nach Beerdigung seiner Gattin zu Grabe getragen wurde. Er starb aus tiefem Seelenschmerz über den Verlust seiner braven Frau, mit der er seit 50 Jahren in glücklicher Ehe gelebt. In wenigen Wochen wäre das Fest der goldenen Hochzeit begangen worden, auf das sich der Dreiundsiebzigjährigc mit dem schönen Empfinden seines guten Herzens freute. Der Ratschluß des Himmels aber hatte beschlossen^ daß dieser Freudentag für die beiden guten Menschen nicht mehr kommen sollte. Adolf Wenger hatte sich auch äußerlich den Anschein unverwüstlicher Jugend bewahrt. Wenn er noch bis in die letzte Zeit leichten federnden Ganges, stets sorgfältig und nett gekleidet daher kam, war keine Spur von einer Last des Alters zu. bemerken und diese Eigenart des jugendlichen Greises machte ihn zu einer stadtbekannten Figur. Die Sympathien, deren er sich bei jedermann erfreute, galten seiner anspruchslosen Güte. Wohltun war sein Lebensziel und besonders galt dieses dem Pazmanitentempel, dessen langjähriger verdienst-, voller Obmann er war, und für den er jahrzehntelang unverdrossen reichlich spendete. Der Vorstand dieses schönen Gotteshauses hatte deshalb die heilige Pflicht, seinen hingeschiedenen edelsinnigen Förderer nach Verdienst zu ehren. Und dies geschah auch in großartiger Weise. Adolf Wengers Leichenbegängnis gestaltete-sich , zu einer würdigen Trauerkundgebung. Der Gesamtvorstand des Pazmanitehtempels unter Führung des Präsidiums holte vom Trauerhause den Toten ab und trug ihn nach der Vorhalle des Tempels, der dem Anlasse entsprechend dekoriert war. Hier-' ergriff Rabbiner Dr. S. Fun k das Wort und gedachte der unvergeßlichen Verdienste des Verblichenen um diesen Tempel, der so viele Zeichen seiner Munifizenz aufweise. Einleitend sagte der Redner: i.Oeffhct ihm die Pforten des Heiles, daß er noch einmal einziehe in das Heiligtum, in welchem er die schönsten Stunden seines Lebens •verbrachte und in welchem sein Name fortleben wird, so lange in diesen Hallen ein Schnia gesprochen und ein Kodausch zum Himmel steigen wird. Der Name Adolf Wenger strahlt in goldenen Buchstaben von der Bundeslade dem Tempelbesucher entgegen, ist eingegraben im Marmor der Gedenktafeln, im Erz der Leuchter, aber tiefer als in Erz und Stein ist e.r eingegraben in den Herzen der Gemeindemitglieder und der Beamten, deren Freund und Gönner er gewesen." „Geschmückt mit der schönsten Krone," — schloß der Redner tief bewegt seinen Nachruf — „mit der Krone des guten Namens, mit dem die Nachwelt Dich geschmückt, ziehst Du in das Reich der Ewigkeit, der Wahrheit und des Friedens. Gesegnet, wie einst Dein Einzug in dieses Heiligtum, sei Dein Auszug aus demselben!" Nach dieser alle Anwesenden tief ergreifenden Rede sprach namens des Vorstarides herzliche Dankes- und Abschiedsworte Herr S. Adler. Hierauf wurde die Bahre auf den Totenwagen gehoben und von einem unabsehbaren Trauergefolge bis zum Praterstern geleitet. Es waren unter anderen erschienen: Die Kultusvorsteher Baurat Wilhelm K e m p 1 e r, Dr. Leo Landau und Isidor Schwarz in Vertretung der Kultusgemeinde, Vizepräsident Dr. E. Münz in Vertretung des Bethausvorstendes, Präsident Dr. W. P a p p e n< heim für die „Chewra Kadischa", Deputationen verschiedener Tempelvereine und humanitärer Vereine und andere mehr. In der Zeremonienhalle hielt der Rabbiner abermals eine Rede, die Rat Wengers Vorzüge *als Mensch allseitig beleuchtete. Abermals ertönten die Trauergesänge von Oberkantor Müller und Kantor Stift unter verstärkter Chorassistenz. Letzte Abschieds- und tiefempfundene Dankesworte sprachen noch Obmann Oskar Schramek "und Tempelvorsteher Leen mann. Was an Adolf Wenger sterblich war, wurde sodann von seinen Vorstaiidskollegen zur Grabstätte getragen und die Schollen deckten die Ruhestätte eines wahrhaft guten Menschen, dem stets ein rühmliches Angedenken gewährt bleibt. H. Zur Saison! Reiohe Auswahl neuester Pelzmodelle In sätntl. Pelzarten Pa f «er u. Wiener Geschmack vereint - erzeugt nur In eigenen Werkstätten, unter pars. Leitung des bestranommlerten Innabers der Firma

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