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Die Wahrheit · 1923-11-02 · Heft 22 (2.11.1923) · page 16

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Wahrheit
Volume
1923
Issue
Heft 22 (2.11.1923)
Date
1923-11-02
Page
– (sequence 16)
Language
German
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Seite 16 DIE_ WAHRHEIT Nr. 22 | Theater, Kunst u. Literatur [ Eduard von Bauernfeldsche Prämienstiftung. Das Kuratorium hat in seiner Sitzung am 22. v. M. •einstimmig beschlossen, 'dem wohlbekannten Dichter und Maler U r i e l Birnbaum in Würdigung seines Sonettenwerkes „In Gottes Krie g" einen Bauernfeldipreis zu verleihen. Fünfundzwanzig Jahre jüdische Volkskunde. Diese (Jeberschrift trägt der einleitende Aufsatz Dr. Max O r u n w a 1 d s in dem soeben von1 ihm bei Benj. Harz, Berlin-Wien, herausgegebenen „J a h rbuch für jüdische V o 1 k s k und e", der in einem 480 Seiten starken, ansprechend ausgestatteten Halbfranzband vorliegt. Seit 1898 gab Dr. Max Grunwald, der Begründer der jüdischen Volkskunde, seine wohlbekannten, diesem jüngsten Zweige der jüdischen Wissenschaft gewidmeten „Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde" heraus; unter schweren Kämpfen um die Beschaffung der Herstellungskosten, ohne daß an ein! materielles Entgelt für den Herausgeber zu denken gewesen wäre, führte er sie durch ein Vierteljahrhundert, zuletzt durch die gefährlichsten Jahre, bis sie nun durch das „Jahrbuch" abgelöst werden konnten. Außer einer Uebersicht über die wissenschaftliche Ausbeute dieser Zeit stammen vom Herausgeber noch größere Beiträge über „Jüdische Mystik", „Berufe der Juden", „Zur Vorgeschichte des Sukkothrituals", und andere, zum Teil erweiterte Uraniavorträge, die etwa die Hälfte des ganzen Bandes einnehmen. Von Mitarbeitern sind unter anderen vertreten: Dr. A. Landau mit einer meisterhaften Ausgabe von Brodyer Sprichwörtern, Dr. Nacht mit einer folkloristischen Studie „Der Fuß", Dr. L ö w i n g e r, mit einer Abhandlung über „Die Auferstehung in der jüdischen Tradition", Dr. Marmorstein mit hochinteressanten „Beiträgen zur Religionsgeschichte und Volkskunde". Das Buch bringt zählreiche Musiknoten und Bilderbeigäben und gereicht nicht nur dem Herausgeber, sondern auch dem Verleger zur besonderen Ehre. —v—. Synagogenkonzert. Samstag, den 27. v. M., wurde im schönen Qotteshause des Vereines Chewra Beth Hatfilah (IX., Müllnergasse) ein synagogaies Konzert veranstaltet, das als durchaus wohlgelungen bezeichnet werden darf. Die von Oberkantor P o s t o 1 o w mit dem verstärkten Tempelchor zum Vortrag gebrachten Perlen der Liturgie: „Unsane tokef", „Halben chatonu", „W'al jede awodecho" und „W'sseeraw" entzückten geradezu die zahlreichen Zuhörer und können wir dem Tempelverein nur zu seinem stimmlich hervorragenden Oberkantor herzlichst gratulieren. Auch die von Konzertmeister Serebrenik meisterhaft auf der Violine gespielte Hebräische Melodie von A c h r o n und das Streichquartett „Die Melodie des Rabbi" der Herren Konzertmeister Serebrenik, Leitmeyer, Wiener und Professor Winkler fanden ungeteilten Anklang. Besonders gut zur Geltung kam der „Gesang palästinischer Juden", vorgetragen vom verstärkten Tempelchor unter Leitung des bewährten Dirigenten Dzimitrowsky. Für das Arrangement der Feier gebührt dem Vorstand des Tempelvereines, insbesondere seinem rührigen Präsidenten Kultusvorsteher I. Glück ungeschmälertes Lob. L. H. Verein der Freunde des großen Leopoldstädter Tempels. Die Reihe der von diesem Verein veranstalteten beliebten Vortragsabende wurde Mittwoch, den 24. v. M. im Restaurant Nagel, II., Kleine Sperlgasse 5 (Hotel New-York), durch einen überaus interessanten und mit großem Beifall aufgenommenen Vortrag Professor Otto Simons von der Neuen Wiener Handelsakademie über Dr. Josef S. Bloch eröffnet, den wir in einer der nächsten Nummern reproduzieren werden. Präsident Dr. E. T a h 1 e r dankte dem Vortragenden im Namen des Vereines für seine lichtvollen- Ausführungen, hierauf sprach Rabbiner Dr. Max Grunwald für die Familie des Verewigten. Vortrag. Am 20. d. M. sprach, von einem Prager Vortrag kommend, der bekannte Pazifist General a. D., Dr. h. c. Freiherr von Schönaich (Mitglied der Deutschen demokratischen Partei und der Liga für Menschenrechte) im wissenschaftlichen Klub über „Chaos und Aufbau". Das zahlreiche Publikum setzte sich aus pazifistischen, demokratischen und sozialistischen Organisationen Wiens zusammen. Bemerkenswert war die Ueberzahl von Jugend und Frauen. Unter anderen waren anwesend : Frau Prof. Olga Misar, Sophie Grünfeld, Frau Wett-Stein und Rudolf Goldscheid, der Herausgeber der „Friedenswarte". General v. Schönaich erzählte im Laufe seines Vortrages, wie er als Soldat zum Pazifismus gekommen war, berührte ferner die biologische Entwicklungslehre (Zellen des menschlichen Körpers) und die weltwirtschaftlichen Zusammenhänge. Er vertritt den Pazifismus in erster Linie aus wirtschaftlichen Gründen, steht aber ethisch im Gedankenkreise Försterscher Ideen. General von Schönaich bezeichnete einen neuen Krieg als Weltwahnsinn und erklärte, daß bei der heutigen Entwicklung der Technik in einem neuen Kriege ganze Völker vom Erdboden verschwinden würden. Er wies auf die deutsch-französische Verständigung hin, polemisierte gegen die staatszerstörenden großindustriellen Elemente (Typus S t i n n e s), berührte die Frage der europäischen Kultur und die der Vereinigten Staaten von Europa. In diesem Punkt ist General v. Schönaich Optimist und meint, daß sie in nicht allzu langer Zeit kommen werden. (Weltwährung, Zollunion usw.) Schönaichs Ausführungen wurden durch anhaltenden Applaus belohnt. — General von Schönaich tritt publizistisch in Deutschland und auch im Ausland sehr hervor, gilt als einer der Fortschrittlichsten in der Deutschen demokratischen Partei und wird von sozialdemokratischer Seite eben wegen seiner pazifistischen Gesinnung als künftiger Reichswehrminister bezeichnet. „Der Parteienhammer." Eine neue politische Zeitschrift, von Dr. Schwoner herausgegeben, macht sich durch die gründliche und doch leichtflüssige Behandlung der im Vordergrund des Wiener Interesses stehenden Tagesfragen angenehm bemerkbar. Der nicht gleich verständliche- Titel dieser Zeitschrift wird dadurch gerechtfertigt, daß dieser Hammer ohne Voreingenommenheit d|e vsrschie-

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