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Die Wahrheit · 1923-11-02 · Heft 22 (2.11.1923) · page 17

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Wahrheit
Volume
1923
Issue
Heft 22 (2.11.1923)
Date
1923-11-02
Page
– (sequence 17)
Language
German
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Nr. 22____________DIE WAHRHEIT Seite 17 deinen Nägel der verschiedenen politischen Parteien auf den Kopf trifft. d. Verrat am Deutschtum. Eine Streitschrift zur Judenfrage von Wilhelm Michel, Paul Stegemann-Verlag-, Hannover und Leipzig. Der Schriften zum Schutze und zur Verteidigung der Juden gegen ihre Feindie und Hasser sind bereits Leigion. Die hier vorliegende, die wir besprechen wollen, ist keine von jenen, deren zwölf auf das Dutzend gehen und die sattsam bekannten bis zum Ueberdruß verbrauchten Schlagwörter in neue Phrasen stopfen. Was Wilhelm Michel seinen entarteten deutschen Mitbürgern sagt, entgegendonnert, ins Gesicht schleudert, ist Persönliches, oft Allzupersönliches. Aber im flammendsten Zorn geht ihm die Logik nicht durch, hat er Gründe und Beweise für seine Grimmberechtigung zur Hand. Er weiß von einem wilden Stamm, den rächende Wut ergreift, wenn in seinem Bezirke ein Mord geschehen, dessen Täter unbekannt oder entflohen, ist, zu berichten. Der Stamm bewaffnet sich, schwärmt aus, erschlägt den erstbesten Fremdling, der ihm begegnet, und kehrt hierauf beruhigt in seine Hütten zurück. Hier ist ein Gleichnis mit den Wilden Deutschlands gegeben, der seine im Weltkriege erlittene Nieiderlage rächen muß; an wen? An den wehrlosen Juden, aber nicht immer mit der schnell vollendenden Keule oder dem sicher treffenden Pfeil. Oft genug sind es Kotschleudern der widerlichsten Art, die aus dem antisemitischen Arsenal geholt und verwendet werden. „Aus hygienischen Gründen" beschränkt sich Michel bloß auf drei, vier Proben aus den nach Tausenden zählenden Gemeinheiten. Da ist ein Juden kompromittierendes Buch von einem angeblichen Pentha-Tull (lies Tulpental), Verfasser ein alldeutscher Baumeister. Den Namen dieses feiigen Schurken sollt ihr nie erfahren. Da wird festgenagelt, wie alldeutsche Studentenpfoten in der Frankfurter Universität die Wände mit zu Judenhaß und Verachtung herausfordernden Inschriften beschmiert und das Flugblatt von der „Pest im Finstern" versenden. Von dem Führer einer deutschen Jugendgruppe wird erzählt, der seine Mannschaft vor dem Judenfriedhof halten läßt, um dreimal auszuspucken. Auch Arthur Dinter bekommt für das Sudelwerk „Die Sünde wider das Blut" den gebührenden kräftigen Fußtritt. Wilhelm Michels Entrüstung wurzelt aber nicht lediglich in Teilnahme für die zu Unrecht angegriffenen Juden. „Es ist in erster Linie eine Sache zwischen Deutschen und einer Horde von Verrätern aller edlen, geistigen, ritterlichen Ueberlieferuugen des Deutschtums,, die wir als! etwas Verehrungswürdiges in uns tragen. Es ist unser aller Entehrung. Es ist die Schmach, die uns auf Jahrhunderte ans Galgenholz anprangert. Es ist die brennende Schande all derer, die im Deutschtum ein edles ausgezeichnetes! Werkzeug zur Verwirklichung der Menschheit erblicken. Es ist die unverzeihliche Felonie, Urfall der Untreue1 gegen Volk undj Land, es ist die frechste Unternehmung gegen das Deutschtum, die jemals ins Werk' gesetzt wurde. Durchglüht von wahrer tiefer Deutschenliebe schöpft der Verfasser immer wieder aus Hölderlin, den größten Hymniker deutscher Zunge, der Deutschland zurief: „Du bist auserwählt. Alliebend und ein schweres Glück bist Du zu tragen stark geworden." Ueberail, wo Hölderlin von Deutschland spricht, steht das Worr^iebe nahe bei. Den Ursprung des Antisemitismus in Haß gegen das Fremdstämmige zu suchen, weist der Autor mit den gelungenen Fragen zurück: Wo ist der Antisemit, der nicht sehr gerne das t.rzbeckcn von Briey oder halb Belgien, oder halb Böhmen oder Mähren, oder Jütland oder Welschtirol in die Grenze des Deutschen Reiches eingezeichnet hätte? Was bedeutet das anders als das offene Zugeständnis: Ja jedes Volk muß sich fähig fühlen mit eingegliederten Bestandteilen in seinem Organismus zu leben und irgendwie mit ihnen fertig zu werden. Der deutsche Judenhaß ist das Eingeständnis der Unfähigkeit zu solcher Lösung. Höchst beachtenswert ist auch die Bemerkung, daß Antisemitismus ein Merkmal unfertiger Völker sei. Die westlichen Länder, die neuen Weltteile kennen ihn nicht. Den Schluß der rühmenswerten Schrift macht das schöne Wort: Warum es Vergangenheit sein soll* was aus dem Judenhaß grolle? Weil Liebe des Deutschen Herzens ewige Zukunft ist. Ihnen war jeder Gedanke an eine Erfüllungspolitik gleichbedeutend mit Volksverrat. Sie haben den Träger und Apostel dieses Gedankens, den besten deutschen Mann, Walther R a t h e n a u, gemeuchelt und jede Regierung, die nicht Rache an dem Erbfeind schnaubte, unmöglich gemacht, sie haben durch die Ruhrhilfe, die unermeßliche unproduktive Billionen verschlang, in das wirtschaftliche Nichts geschleudert. Das Ergebnis von alldem ist, daß der passive Widerstand zusammengebrochen ist, das heißt zusammengebrochen wurde; von Stinnes, Krupp, Wolfr und den schwersten Großindustriellen, deren Deutschtum und Christentum auch nicht den Schatten eines Bedenkens verträgt. Sie haben die Legende vom Dolchstoß zur schrecklichsten Wahrheit gemacht. Sic haben öffentlich Reich und Volk schamlos um schnöden Mammon an Frankreich verkauft. Freilich so billig wie um dreißig Silberlinge geben es diese patentierten Judasse nicht. d, Aus dem heiligen Buche Sohar "des Rabbi Schimon ben Jochei. Eine Auswahl, zusammengestellt und übertragen von Jankew Seidemann. Berlin 1920, Weitvcrlag, r>4 S. Selbst wenn man dem Ueberschwang entgegentreten muß, mit dem gegenwärtig die Kabbalah und die ganze jüdische Mystik als eine edelste Offenbarung jüdischen Geistes gern iesen wird, wird man es als ein löbliches Beginnen bezeichnen dürfen, wenn der Versuch gemacht wird, etwas aus der, noch mehr als jedes reinhebräische Werk, verschlossenen Welt dieser Literatur zugänglich zu machen. Freilich, ob man je auf diesem Wege eine Ahnung von der Gefühlsweit, die in den Seelen der Kabbalisten lebendig ist, wird vermitteln können, ist zu bezweifeln. Hier sind nun acht kleine Gleichniserzählungen wiedergegeben. Es ist in jedem Falle reizvoll, sie zu lesen. Aber, wer nicht vom Hause aus in dieser Welt des Maschalks und des Midraschs heimisch ist, wird sie kaum m würdigen wissen. Eine Ausstellung: selbst wenn man die Klangfarbe der Diktion des Originals nachahmen will, darf man eine Wortprägung, wie „Herr deines Lehrstreites" nicht bilden, hier ist baal zu sklavisch mit „Herr" wieder-

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