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Die Wahrheit · 1923-11-02 · Heft 22 (2.11.1923) · page 15

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1923
Issue
Heft 22 (2.11.1923)
Date
1923-11-02
Page
– (sequence 15)
Language
German
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Nr. §gMJj die schon seit Jahrhunderten im Lande ansässig und meist Bürger der aargauischen Dörfer Lengnau und tindingen sind. Aus dem Irrgärtlein der Dummheit. Im „Reichswart" vom 6. Oktober war zu lesen: „Wer solche Schandtaten der Reichsregiierung heute offen sagt, wird verfolgt. Dafür haben sie einen 'besonderen „Staatsgerichtsihof zum Schutze der Republik". Dafür haben sie einen Zentrairverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens (so nennt der sich frechweg). Er ist den Zutreiber dieses Staafcsgjerichtsliofes. Er hetzt aucn die „ordentlichen" Gerichte hinter die her, die diese seine Republik und seine Kultur aufrichtig kennzeichnen. Und1 wie?1! Zwei Landjäger überfielen mich in meinem Hause, Bizala und Balzula — .solche Namen haben sie — und' schössen auf mich, ifm Beisein meines Weibes und meiner Kinder, als ich ihnen — ohne Widerstand zu leisten — auswich. Neuideutsche Kultur. Der Jude ulnd sein Sklaventum! Heute 'hat er nicht nur die Wirtschaft des deutschen Volkes, dank seiner Kriegsgesellschaften, nicht nur das Parlament, die Gesetzmacherei, dank seiner Parteien (alle Parteien sind von ihm gegründet), nicht nur das deutsche Gold und die deutschen Werte, dank seiner Banken und Börsen, heute hat er auch die Presse, die Beamten, die Gerichte, die Polizei (um den Polizeiminister Severing stehen als Ratgeber Juden, ja, selbst seine Empfangsdame ist eine Käte Rosenhain) und alle Machtmittel, mit denen ein I Volk auf höchste Höhen gehoben, aber auch in Not und Tod und Sklaverei gedrückt werden kann. Und das tut der Jude! — Er hat die Arbeiter in Bergwerken und Fabriken am Narrenseil. Er hat die Lehrstühle an den Hochschulen des deutschen Volkes. Er hat die Machthaber der Franzosen und Belgier (die Mehrzahl der Beifehlshaber in Ruhr- und Rheinland wie auch in der Leitung der Ingenieurkommission sind Juden!). Und die weiteren Folgen für unser Volk? Der irregeführte deutsche Handarbeiter und seine genasführten Führer werden den siechenden, seuchenden Bolschewismus der Bank- und Börsenjuden fördern durch blutige, gewalttätige Raub- und Mordtaten. Landespolizei und Reichswehr werden schießen. Deutsches Arbeiterblut wird fließen. Wieder einmal für den Kapitalisten, den Juden in Reinkultur, für den Juden, den Kapitalisten in Reinkultur. Die Wellen von Mord und Raub werden höher und höher schlagen. Eine dritte Gruppe Juden wird versuchen, mit Hilfe Dr. Streesemanns und seiner MitregieTungsgenossen ein deutsches Kaisertum unter dem judenfreundlichen Kronprinzen Wilhelm zu schaffen, unter der Flagge schiwarz-weiß-rot. Mit einer demokratischen Regierung dahinter. Um den Raub am deutschen Volk zu sichern. Mit Hilfe der „nationalen" und „demokratischen" Parteien, der „Monarchisten" und „Bürgerlichen". Wie und was sich alles so nennt. Die „Regierung der großen Koaiition'Vgeht, vom kommunistischen Räte-Deutschland weggefegt. Die Reichswehr schießt stärker. Die Rätediktatnr verduftet. Ein Soldat nimmt die Führung. Militär-Diktatur. Deutschland erwacht! Richtet euch darauf ein, deutsche Arbeiter aller Berufe/' Der Mann, der solches schrieb, heißt Hemden „Dolle". Nicht etwa mit „hartem T" Zu seiner Entsehuldigirng, daß er im Kriege einer Radfahrabteilung zugeteilt war. Dort ist er vermutlich! gestürzt und auf den Kopf gefallen. Es gibt noch Richter im Deutschen Reich!? Der Hauptmann a. D. Ludwig Müller, genannt v. Hausen, hatte einen von wüsten Beleidigungen strotzenden Artikel veröffentlicht, in dem er gegen den ehemaligen Reichsminister G o t h e i n die schwersten Vorwürfe erhob, die gegen einen Abgeordneten überhaupt gerichtet werden können, nämlich die der Käuflichkeit. Der Herausgeber des großen Fabelwerkes über die „Weisen von Zion" machte natürlich keinen Versuch, den Wahrheitsbeweis zu erbringen. Er wurde zu 6 0 0 Mark Geldstrafe verurteilt. — Hellmuth von Gerlach hatte Leutchen von der Lübecker deutschvölkischen Jugend als „Lausbuben" bezeichnet, weil sie einen unglaublich unverschämten „Offenen Brief" an den ehemaligen Reichskanzler Fehrenbach geschrieben hatten. In dem Ausdruck „Lausbuben" wurde sogar in diesem Zusammenhang eine Beleidigung gesehen und Hellmuth von Gerlach zu 5000 Mark Geldstrafe verurteilt. — Ein Dr. Sinn in Revensen hatte in einer Flugschrift „Das große Fragezeichen" einige Hauptstellen aus dem Buche „Die Geheimnisse der Weisen von Zion" wiedergegeben und mit judenhetzerischen Anmerkungen versehen. Der Redakteur des „Lüneburger Volksblattes" wurde zu 5 0.0 0 0 Mark Geldstrafe und 2 0.0 00 Mark Geldbuße verurteilt, weil er den Dr. Sinn diesethalben einen „Hetzer" genannt hatte. Der Antrag, einzelne Stellen aus der Broschüre zu verlesen, wurde abgelehnt! — Der Bürgermeister des Städtchens Plön hatte einem Sozialdemokraten, der nach dem Rathenaumord darauf drang, „an Stelle unserer alten guten schwarz-weiß-roten Flagge Schwarz-Rot-Gold zu flaggen" und „dadurch die friedliche Plöner Bevölkerung verhetze", in öffentlicher Stadtverordneten-Sitzung „hundsföttisches Verhalten" vorgeworfen. Das Plöner Schöffengericht sprach den Bürgermeister frei! Der Bürgermeister habe sich zwar des in seiner pommerschen Heimat üblichen Ausdruckes hundsföttisch bedient, der in Plön allerdings nicht üblich sei, aber doch nicht beleidigend wirken könne. — Ein jüdischer Schwerkriegsbeschädtigter hatte den Verfasser der „Sünde wider das Blut" Kriegsdrückebergerei und unsittlichen Lebenswandel vorgeworfen. In der Gerichtsverhandlung wurde unter anderem auch ein Oberleutnant Hesse vernommen, der Dr. Dinter im Kriege beobachtet hatte. Er sagte aus, daß Hauptmann Dinter sich als überaus ängstlich gezeigt habe und auf die Mannschaften einen recht komischen Eindruck gemacht habe. Die Frage, ob er Dinter für einen „mutlosen und feigen Soldaten" halte, beantwortete der Zeuge mit einem klaren „J a". Da für den Vorwurf der Kriegsdrückcbengerei trotzdem der Wahrheitsbeweis als nicht erbracht gelten mußte, verhängte das Gericht 2 0.0 0 0 Mark Geldstrafe, sprach aber wegen des Vorwurfs des unsittlichen Lebenswandels frei, weil es diesen Vorwurf als erwiesen betrachtete.

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