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Die Wahrheit · 1923-05-30 · Heft 11 (30.5.1923) · page 4

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1923
Issue
Heft 11 (30.5.1923)
Date
1923-05-30
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 Wahrheit Nr. 11 Die parlamentarischen Gepflogenheiten chres Landes sind ihr vollkommen in Fleisch und Blut gedrungen und sie weiß jeder Situation mit «großem Takt Rechnung, zu tragen. Erstaunlich ist chre Anpassung an das jüdische Leben aller Parteistellungen und das tiefe Verständnis für das Streben der einzelnen Gruppen, sowohl der schassenden als genießenden Frauen, zwischen deren Wesenheit sie eine verläßliche Brücke zu bauen bestrebt ist. Mrs. Kohut schöpft aus ihrer reichen Erfahrung im Leben der interkonfessionellen amerikanischen Frauenbewegung und beachtenswert sind ihre tiefen Empfindungen! der patriotischen Gefühlswelt. Die richtige Ergänzung dieser weiblichen Universitalität findet Mrs. Kohut in Mrs. Harris, deren mütterliche, milde Art alles Trennende zu mildern und vereinigen weiß. Wäre der Kongreß auch sa gut gelungen, wenn nicht Amerika die Leitung gehabt hätte?.— Diese Frage möchte ich entschieden verneinen, und Zwar aus dem Grunde, sweil Amerika nicht nur dem Lande, in dessen Hauptstadt wir zusammengekommenlsind, sondern auch allen anderen Ländern, die durch! den Krieg schwer in Mitleidenschaft gezogen wurden, großzügige Hilfe brachte. Und diese Hilfe wollen unsere amerikanischen Schwestern nach den Worten der Mrs. Harris bei der Eröffnung des Kongresses nicht als Pflicht, sondern als Recht aufgefaßt und durchgeführt haben. Durch dieses ihr charitatives Wirken, ber dem die amerikanischen jüdischen Frauen nicht an letzter Stelle standen, haben sich die Amerikaner einen starken moralischen Einfluß auf den Kongreß gesichert und diesem danken wir in erster Linie die erzielten Erfolge. Welches waren ihre Eindrücke über die jüdischen Verhältnisse und über die Aufnahme in Oesterreich? Ich kann in diesen Punkten Mich nur mit den Worten eückhaltslosesten Lobes äußern, nachdem ich gesehen habe, tnit welchen Schwierigkeiten Sie hier zu kämpfen haben Und wie Sie dieser Schwierigkeiten zum größten Teile Herr werden. Die Arbeitsfreudigkeit sämtlicher; Wohlfahrtseinrichtungen, bei denen sich auch! die jüdischen Frauen in Feuilleton Gmß tut die Preßburgcr. Worte, gesprochen im Vereine der Pretzburger in Wien. Von Prof. Philip Nasch, Oedenburg. (Schluß.) Meine Damen und Herren! Dieses innige Gedenken der Vaterstadt will jedoch keinesfalls zu der gewiß falschen Auffassung führen, als wäre es etwas Besonderes! in Preßburg daheim zu sein. Das ist kein Verdienst, kein Glück, keine Ehre, besten Falles bringt es moralische Pflichten mit sich! Jeder liebt seine Heimat mit vollstem Rechte, ohne Rücksicht auf die historische Bedeutung derselben, ohne Rücksicht auf die Romantik seiner Jugend. Wer in Graz, Oedenburg, Kaschau oder in Brünn geboren ist, hängt gewiß mit ebenso starken Banden an seiner Vaterstadt als wir. Und doch und doch... ist vielleicht ein ganz geringer Unterschied. Wie oft trug es sich zu, daß ich mit Bekannten und Freunden Jugenderinnerungen austauschte. Da behaupteten sie immer, es sei ihnen aus ihrer Jugend und aus chrer Heimat nichts Nennenswertes im Gedächtnis hasten geblieben. Dchs Leben verlief dort ohne Plastik, ohne tiefere Regungen, ohne in die Seele hervorragendem Maße beteiligten, ist geradezu eine außerordentliche und muß mit Bewunderung erfüllen. Es soll nicht unerwähnt bleiben, daß alle diese Aufgaben mit der größten Vornehmheit geleistet werden Und damit den eigentlichen inneren Wert des Werkes schaffen. Ich-muß des weiteren erklären, daß die österreichischen Vertreterinnen auf dem Kongreß nicht nur meine, sondern die allgemeine verdiente Sympathie gefunden haben und die angenehmste Erinnerung ber uns allen zurücklasserx werden. Die Aufnahme war eine solche, wie'wir sie anders bei dem liebenswürdigen Charakter dieser Stadt gar nicht erwarten konnten, denn es ist bekannt, daß Wien seit jeher die bevorzugte Stadt der Kongresse war, dank dieser Bevölkerung, die sich durch Gastfreundlichkeit und Humanität die erste Rangstellung gesichert hat. Tatsächlich haben alle Kreise der Bevölkerung wetteifert, uns den Aufenthalt hier so angenehm als unter den gegebenen Umständen nur möglich, zu gestalten und find wir allen in Betracht kommenden Faktoren zu lebhaftestem Danke verpflichtet. Ganz besonders wurde mit Recht diesem Dank auch gegenüber der hochgeschätzten, allgemein perehrten österreichischen Vorkämpferin für Frauenrechte Frau Marianne H a i n i s ch in einem Telegramm des Kongresses Worte geliehen, da sie ihre großzügige Art gegenüber jeder Frauenbetätigung auch diesmal bewährt hat... Das rituelle Schächten. Angesichts der angekündeten Kampagne unseres Tierschutzvereines gegen das rituelle Schächten -der Tiere, stellen wir im folgenden einige Tatsachen zusammen, die wir dem von der Internationalen Hygiene-Ausstellung in Dresden 1911 herausgegebenen Werke „Die Hygiene der Juden" von Dr. Max Grunwald entnehmen. 1) Die rituelle Schächtung ist eine religiöse 'Satzung des Judentums, Mel im hiblischen und nachbiblischen /Schrifttum ihre Begründung findet. i sich verankernde' Ereignisse. Es scheint, daß in Preßburg die Sache anders steht. Aus disharmonischen Elementen, aus dem Gegensätze der Volksschichten und der Weltanschauungen, des Neuen und des Alten, entsprang sozusagen eine versöhnte historische Atmosphäre, die alle Kinder der alt-ehrwürdigen Stadt zu Betrachtung und Beschaulichkeit lud. Was Wunder, wenn uns noch nach Jahr und Tag unverblaßte Erinnerungen an die Vaterstadt'knüpfen? Heute natürlich stehen die Dinge anders. Das heimische, bodenständige Element ist kaummehr zu sehen, die Stadt, ist — wie. man sagt — ziemlich überfremdet. Dabei sei jedoch nachdrücklichst hervorgehoben, daß diese Worte keine politische Spitze haben wollen. Es liegt uns ferne eine Meinung, ein Gesinnungsbekenntnis in der Völkerfehde von diesem Orte hier kund zu tun. Die rein gesellschaftlichen Ziele des zu gründenden Vereines liegen ja ganz außerhalb der politischen Reibungsfläche. Aber Tatsache ist es, daß man auch schon vor dem Kriege, das Ueberhandnehmen des Fremdenzuzuges auf Schritt und Tritt feststellen konnte. Wer sichdaher bei einem- Besuche in Preßburg die alten Zeiten ungetrübt vergegenwärtigen will und sozusagen ein ungestörtes Zwiegespräch mit der Vergangenheit führen will, der tut gut, wenn er sich hiezu eine Zeit wählt, da ihn das Treiben der Straße in seiner Versunkenheit in das Einstige nicht stört. i Als ich jüngst einmal, nach Ueberwindung' aller! Reisefchwierigkeiten, nach Preßburg kam, da gönnte ich mir

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