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Die Wahrheit · 1923-05-30 · Heft 11 (30.5.1923) · page 3

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1923
Issue
Heft 11 (30.5.1923)
Date
1923-05-30
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Unabhängige Zeitschrift für jüdische Interessen Redaktion u. NdminifiraLion; Wien, II. Heinefiratze 13. — Fernruf 42.216. Mit dem Beiblatt: Veröffentlichungm der „Union deutschösterreichischer Inden" XXXIX. Jahrgang Wie», 3«. Mai 1923. Nummer 11 NachMnge zur Weltkonferenz der jüdischen Frauen in Wien. Die anerkannt große Bedeutung dieses Kongresses hat unseren O.H.Mitarbeiter veranlaßt, mit einer prominenten Vertreterin aus demselben, Frau Justizrat Oldendorf, der Delegierten der Ortsgruppe Breslau des „Jüdischen Frauenbundes Deutschlands" und der dortigen Schwesterngruppen der B'nar B'rith-Logen, eine Aussprache über ihre Eindrücke aus dieser Versammlung zu pflegen, und hatte Frau Ollendorf die Freundlichkeit, sich über einige der wichtigsten Fragen in liebenswürdigster Weise zu erklären. Wie sind sie mit dem ^Ergebnis der Konferenz im allgemeinen zufrieden? — Jch kann nur meiner vollsten! Befriedigung übepden Verlauf dieses in seiner Art ersten Kongresses Ausdruck geben, der bei dem Umstand,- daß ein förmliches Fluidum der Einigkeit die Versammlung beseelte, mancherlei -Reibungsflächen ausschaltete, die sonst bei der Beschlußfassung über die verschiedenartigen Resolutionen unvermeidlich gewesen wären. Was uns allen vorschwebte, war, daß der Antisemitismus das größte Hindernis des bürgerlichen Friedens sei und daß diesen herzustellen ganz besonders den jüdischen Frauen obliege, die infolge ihrer Beziehungen und Einflüsse in sozialen und wirtschaftlichen Fragen berufen sind, hier inl den Vordergrund zu treten. Daher betont auch die einstimmig angenommene Frieben sre so lution, es ser Pflicht i)et( jüdischen Frauen, das messianische Ideal des Friedens mit allen Kräften zur Verwirklichung zu helfen. Ich schöpfe die begründete Hoffnung, daß die heute geknüpften unpersönlichen Beziehungen zwischen den Frauen dieses Kongresses auch immerdar aufrecht bleiben und ihre segensreichen Früchte zeitigen werden. Was halten- ,Sie für'die; größten Erfolge der Konferenz im besonderen? — Nach meinem Dafürhalten ist es das Bedeutendste, daß die verschiedenen Parteirichtungen der anwesenden Frauen in dem Einen-Mündeten, daß unbeschadet der vielen divergierenden Ansichten das große Ziel der Einigkeit festgehalten wurde, was übrigens auch in der einstimmigen Annahme der Resolutionen in die Erscheinung trat. Allerdings waren in der Resolutionskommission alle Schattierungen — von der orthodoxest bis zur areligiösen — vertreten, aber alle diese Unterschiede, verschwanden gegenüber der großen Idee, dev wir hier zum Siege verhelfen wollten und auch verholfen haben. Dieser Ausgleich der Gegensätze, den ich als den größten moralischen Erfolg verzeichne, sollte aufmunternd und beispielgebend für die männlichen Kampfesorganisationen sein. Als Extrakt der Arbeit und /deshalb als einen großen praktischen Erfolg betrachte ich einen Antrag der holländischen Delegierten, Frau van Geldern, einen internationalen Frauenrat unter dem Namen „Jewish World Council of Women" einzusetzen, in dem alle Länder durch ein Mitglied vertreten sein werden. Dieser Frauenrat soll die erforderlichen Schritte zur Gründung eines Weltbundes jüdischer Frauen unternehmen, dessen konstituierende Tagung für 1925 in Amerika vorgesehen ist. Ganz besonders lenkte sich die Aufmerksamkeit des Kongresses der Palästinafrage zu mch führte zu der folgenden P a l ä st i n a r e s o l u t i o n, die, von, der amerikanischen Delegation als der Einberuferin des Kongresses eingereicht, mit demonstrativem Beifall begrüßt und einstimmig zum Beschluß erhoben wurde: Palästina ist durch die Balfour-Deklaration und ihre Aufnahme ins Völkerrecht, durch den Vertrrag von San Remo und die Aufnahme des Palästina-Mandates durch Groß-Britannien Heimstätte der Juden geworden. Es erscheint also als Aufgabe aller Juden, am sozialwirtschaftlichen Wiederaufbau Palästinas mitzuarbeiten - und die Niederlassung von Juden dortselbft zu unterstützen. Indem die Konferenz jüdischer Frauen sich zur Teilnahme an dieser Arbeit bereit erklärt, betont sie, daß sie sich dadurch keineswegs auf irgend ein politisches Programm fe st legt. Zu den vornehmsten Aufgaben des Kongresses gehörte der Schutz alleinstehender Frauen und Mädchen, besonders der reisenden, gegen die mannigfachen materiellen und moralischen Gefahren, welche ihnen auf der Reise nach dem Westen durch Abenteurer und Schwindler — hiebei wurde auch der „rituellen Ehe" gedacht — drohen. Besonderes Augenmerk wurde auch der erzieherischen Aufgabe geschenkt, die dem Kongresse vorschwebte; und sich nicht bloß auf jüdische Frauen und Mädchen beschränkt, sondern auch der Allgemeinheit zustatten kommen soll. Welche Delegierte haben auf Sie den stärksten Eindruck gemacht? Diese Frage beantwortete Frau Justizrat Ollendorf mit der Erklärung, daß sämtliche Anwesende des Kongresses, als eine Körperschaft betrachtet, bei ihr und bei jedermann den größten Eindruck hervorbringen mußten; wenn aber aus dieser Allgemeinheit auf ein besonderes hingewiesen werden soll, so verdiene^ Mrs. K o h it t, die Vorsitzende des Kongresses, und Mrs. Harris, die Präsidentin des Kongresses, ganz besonderer Anerkennung. Speziell war es Mrs. Kohut, die ihres schwierigen Amtes mit einer beispielgebenden Unbefangenheit und Sachlichkeit waltete, sowie das gesamte Material meisterhaft beherrschte.

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