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Die Wahrheit · 1923-05-15 · Heft 10 (15.5.1923) · page 19

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1923
Issue
Heft 10 (15.5.1923)
Date
1923-05-15
Page
– (sequence 19)
Language
German
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Nr. 1ö Die Wahrheit. Seite 19 besteht, der Kandidat werde unbedingt .ablehnen!! Wozu? Wozu???"! Verein der Freunde des großen Leopoldstädter Tempels. Die für Mittwoch, den 25. April einberufene 1. ordentliche Generalversammlung des Vereines der Freunde des Großen Leopoldstädter Tempels gestaltete sich zu einer für den jungen Verein überaus ehrenhaften Manifestation. Der Zeremoniensaal Tempelgaffe 3, konnte kaum die Zahl der Erschienenen fassen. Der Vorsitzende Präs. Dr. E. Th a le r eröffnete die Versammlung mit der Bemerkung, daß von der Einladung von Gästen Abstand genommen worden sei, weil der Vorstand sich eine solche für das geplante ■ Stiftungsfest des Vereines Vorbehalte. Er würdigte mit warmen Worten die Tätigkeit seiner Mitarbeiter, ganz besonders des Schriftführers Herrn Ludwig Hirschfeld, der persönlich und durch die Zeitschrift „Die Wahrheit" dem Verein die wertvollsten Dienste geleistet hat, gedachte der überraschenden Leistungen des Vereines, der für den Tempel eine prachtvolle Chuppoh, zwei Kandelader von künstlerischer Bedeutung und eine große Anzahl anderen kostspieligen Jnventares im Werte von vielen Millionen beigestellt hat. Er hob die Verdienste des Protektors des Vereines Herrn Rabb. Dr. Max Grunwald hervor, den die Versammlung hierauf mit Hochrufen feierte. Hierauf erstattete Schriftführer Redakteur L. Hirschfeld den Rechenschaftsbericht, dem wir die folgenden Stellen entnehmen: „Unmittelbar nach dem verheerenden Brande, dem der Leopoldstädter Gemeindetempel zum Opfer fiel, gründeten Freunde des prächtigen Gotteshausesein Aktionskomitee für seinen Wiederaufbau. Das Komitee hat in aufreibender Arbeit unter der Leitung des Herrn Dr. Thaler sich erfolgreich bemüht, dieses Wahrzeichen der Leopoldstädter Judenschaft wieder auf und soweit es die unglückseligen Zeitverhältnisse gestatteten, würdig einzurichten. Im Laufe dieser Arbeit ergab sich die Notwendigkeit eines engeren Zusammenschlusses im Rahmen eines Vereines, der demnach als der „Verein der Freunde des Großen Leopoldstädter Tempels" in der konstituierenden Versammlung am 14. Juni v. I. ins Leben getreten ist. Bevor ich nun zum Tätigkeitsberichte unseres schönen Vereines übergehe, glaube ich den Intentionen der verehrlichen Generalversammlung zu entsprechen, wenn ich den von uns allen hochgeschätzten und hochverdienten Protektor unseres Vereines Sr. Ehrwürden Herrn Rabbiner Dr. Max Grunwald für die uns erwiesenen unschätzbaren Dienste unseren innigsten Dank ausfpreche! Herr Dr. Grunwald war es, der von allen Anfang an mit seinem ganzen Feuereifer unseren Bestrebungen Seele und Ausdauer verliehen hat. Er war es, der uns unermüdlich in Wort und Schrift daran erinnerte, daß es unsere Pflicht ist, das heilige Erbe, das wir von unseren Vätern empfangen haben, ungeschmälert unseren Kindern zu hinterlassen. Es ist in Erfüllung einer von Herrn Dr. Grunwald einst ausgesprochenen Verheißung uns nach kaum einjähriger Tätigkeit unter Führung unseres überaus verdienstvollen Präsidenten Herrn Dr. Eduard Thaler gelungen, Summen für die Inneneinrichtung des Gotteshauses ouszubringen, die zu erhoffen, wir nie gewagt hatten. Ich glaube im Namen aller zu sprechen, wenn ich auch unserem hochgeschätzten Präsidenten unseren wärmsten Dank nnd unsere vollste Anerkennung ausspreche! Gleichzeitig spreche ich dem rührigen Mitgliede des Aktionskomitees, unserem Freunde und Förderer Herrn Kultusrat Isidor Schwarz unseren innigsten Dank aus. Ich erachte es ferner für unsere Pflicht, der außerordentlichen Verdienste unseres Ehrenmitgliedes Herrn Direktor Alfred Landesberger zu gedenken, der als Erster nicht nur selbst reichliche Spenden für den Wiederaufbau bot, sondern auch andere zu gleicher Opferfreudigkeit zu entflammen wußte. Herrn Direktor Landesberger ist es int Vereine mit dem edlen Förderer unseres Tempels, Herrn Paul G o l d st e i n, Präsident der Depositenbank gelungen, die Anfertigung einer Beheizungsanlage sicher zu stellen und sind für diesen Zweck von den genannten Herren bisher Hunderte von Millionen aufgebracht worden! Wir danken den Herren Siegmund Ernst und Oskar O b l a t t für ihre opferungsvolle Tätigkeit, sowie für ihre hochherzigen Spenden. Wir danken schließlich, aber nicht endlich Frau Stephanie Schnitzer, den Herren Kultusrat Julius Berger, Ing. Eisn er, Kantor Funke, I. Schaffer, Paul S ch w a r z st e i n, Herrn und Frau S t e i s s e l, sowie Herrn A p t e und Herrn Inspektor Schwager, für die aufrichtige Förderung unserer Bestrebungen. Wir danken aber auch unseren rührigen Vorstandskollegen, den HerrenLeop. Berger, Grünhut, Kalman, Krieshaber, Meister, Reisner, Schnitzer, S. Wechsler, Dr. Wagner, Schönherz und Frau Rat Seidler für ihre aufopferungsvollen und uneigennützigen Dienste. Zu besonderem Danke verpflichteten uns die Herren, die uns für unsere Vortragsabende und geselligen Veranstaltungen, ihre wertvolle Kraft zur Verfügung stellten, so außer den bereits Erwähnten u. a.: Herrn Prof. Dr. Jacob Bronner und Bibliothekar Dr. Ernst Müller, sowie ganz besonders Herrn Chordirigenten Isidor Löwit".Nach Berichterstattung des Kassiers und des Revisors wurde ans Antrag des Herrn Dr. Grunwald der bisherige Vorstand per Akklamation neuerdings gewählt und einige Vorschläge für Statutenänderung augenommen. Herr Dr. Grunwald dankte dent rührigen Vorstände, der durch allvierzehntägige Vortragsabende und allmonatliche gesellige Veranstaltungen das Vereinsintereffe in den Mitgliedern wachgehalten habe. Zum Schluffe bemerken wir, daß die geschmackvoll hergestellten Vereinsabzeichen zum Preise von K 10.000.— durch Herrn Kassier O. Oblatt, Praterstraße 52, zu beziehen sind. * * * Mittwoch, den 2. d.M. fand im Restaurant I. Nagel ein Vortragsabend statt, der sich durch die Behandlung des Themas „Jüdische Frauen auf charitativem Gebiete" durch Frau Direktor Ullmann zu einem Ereignisse erlesenen geistigen Genusses gestaltete. Mit erstaunlicher Frische und plastischer Anschaulichkeit schilderte die bejahrte Dame aus dem reichen Schatz ihrer persönlichen Erinnerungen die Geschichte der Wiener Frauen-Wohltätigkeit. Von diesem Rückblicke zur Gegenwart übergehend, vertrat sie die Ansicht, daß die eigentliche und wichtigste Domäne der jüdischen Frau auf dem Gebiete der Wohltätigkeit läge und in diesem Sinne gepflegt werden müsse. Die zahlreich erschienenen Dameu und Herren standen vollkommen im Banne dieser glänzenden freien Ausführungen und Präsident Dr. Thaler entsprach ganz dem Empfinden der Versammlung, als er nach dem lang anhaltenden begeisterten Beifall Frau Direktor Ullmann im Namen aller Arwesenden mit ehrenvollen Worten dankte. Auch Herr Rabbiner Dr. M. Grunwald schloß sich dieser Kundgebung in feiner bekannten geistreichen und formvollendeten Weise an. Bukowinaer Ehrenabend. Für den königlich rumänischen Konsul Greceanu wurde dieser Tage vom Bukowinaer Zentralverband in den Krystallsälen des Cafe Landtmann ein Ehrenabend veranstaltet, zu welchem folgende Ehrengäste erschienen waren: Königl. rrnnänischer Konsul Greceanu, Vizekonsul Dr, Eugen P aune l, königl. rumänischer Militärattachee Hauptman Grigorescu, königl. rumänischer Sektionschef Dr. B i l tz, Ministerialsekretär Dr. Ferd. Kleinwächter vom Bundesministerium, Feldzeugmeister von A u f f e ub e r g, Feldmarschalleutnant H e d e r l e, Oberlandesgerichtsrat L i e b l e i n, Verbandsanwälte Dr. Jakob Fischer und Dr. M. Reiß, Abordnungen sämtlicher Bukowinaer Universitätshörerverbindungen in Wien, Delegierte vieler Korporationen und Industrielle. Nach Begrüßung der erschienenen Ehrengäste durch den Präsiventen A. M. Ehrlich hielt der Vizepräsident Dr. Eugen Paunel die Festrede, in der er auf die Bedeutung der wirtschaftlichen Beziehungen zwischen Oesterreich und Rumänien hinwies. Herr Ministerialsekretär Dr. Kleinwächter schloß sich an diese Festrede mit einer ebenso zündenden Ansprache an. Zum Schlüße toastierte Präsident A. M. Ehrlich mit Huldigungszurufen auf den Herrn Bundespräsidenten H a i n i s ch und den König von Rumänien, welchen endlosen Hochrufen folgten. Bis gegen Mitternacht blieben noch die Ehrengäste beisammen und wird dieser Ehrenabend den Bukowinaern für immerwährende Zeiten stets in der angenehmsten und glücklichsten Erinnerung bleiben. Verein „Mechisch Esra" Schnelle Hilfe. Wien 20. Er ist notwendig von Zeit zu Zeit die Auswirkungen der humanitären Bestrebungen der Brigittenauer Judenschaft einer weiteren Oeffentlichkeit kund zu tun, um Förderung und Unterstützung zu erlangen, die es ermöglichen, allen den großen Anforderungen selbst nur teilweise gerecht werden zu können. Seit jeher ist die Brigittenau ein Reservoir breiter jüdischer proletarischer Massen gewesen, da mußte der fluchwürdige Weltkrieg mit seinen taufend Schrecknissen und der Invasion gehetzter und gepeinigter Menschenherden kommen. Der Strom der Flüchtlinge, der Armen der Aermsten, die aus der galizischen Hölle mühselig das nackte Leben retten konnten, ergoß sich über diesen Elendbezirk. Und trotztet» ein teilweiser Abfluß durch Rücktransporte seither vor sich gegangen ist, sind doch welche hier geblieben, weil sie Haus und Herd, Existenz und Ernährer in ihrer früheren Heimat eiugebüßt haben. Die Brigittenau beherbergt heute mehr als sechzigtausend jüdische Seelen, von denen ein großer Teil aus öffentliche Hilfe angewiesen ist. Die Bodenständigen, vielfach selbst einen harten Existenzkampf führend, sahen sich schon während des Kriege« vor die Notwendigkeit gestellt, eine intensive charitative Tätigkeit zu entfalten, um das furchtbare Elend zu lindern, ja selbst soziale Komplikationen zu verhüten. Man muß verstehen was Mangel an den primitivsten Lebensbedürfuiffen, unzulängliches, vielfach sanitätswidriges Obdach und Hunger, ja Hunger bedeutet. Nicht alle Menschen denken über dieses Problem so eingehend nach; ihre eigenen Sorgen bedrücken sie allzusehr, als daß sie noch genug Spannkraft für soziales Uebel für die Not der Gesamtheit übrig hätte. Andere wiederum, obwohl selbst durchaus nicht mit Glücksgütern gesegnet, verkörpern sie gleichsam das öffentliche Gewissen. Sie können nicht ruhen noch warten, wenn fie sehen, daß ihre Glaubensgenossen dem bittersten unverschuldeten Elend preisgegeben sind. So, aus diesem Drangsal heraus, entstand in der Brigittenau der Verein „Schnelle Hilfe". Sein Name drückt seine Tendenz aus, die Hungernden, die Kranken, und Siechen nicht erst mit . Versprechungen und Vertröstungen abzttspeisen, sondern rasch zu k

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