Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1923
- Issue
- Heft 10 (15.5.1923)
- Date
- 1923-05-15
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 18 Die Wahrheit Nr. 10 zen. Welches diese beiden Leuchten sind, das sagt uns der Midrasch zu unserem Thoraworte: Als Gott unserem Lehrer Mose die Herstellung des heiligen Leuchters austrug, als er zu ihm die Worte sprach: „Aus einem Stück, einem einheitlichen Ganzen soll der Leuchter erstehen", da verstand, so sagt der Midrasch, Mose die Weisung nicht. Da zeigte ihm Gott „weißes Feuer", und als Moje,a,uch dieses Zeichen nicht begreift, sagt ihm Gott: „Wirs das Gold ins Feuer und von selbst wird der Leuchter daraus hervorgehen". So geschah es. Was Mose nicht begriffen und nicht begreifen konnte, weil er noch nicht das jüdische Herz kannte, wie wir es aus Jahrtausende langer Erfahrung kennen, wir begreifen es, weil wir es begreifen lernten durch das, was der Verein der Tempelfreunde geleistet. — „W eißes Feue r". Weiß erscheint dem Auge als die einfachste Farbe. Allein die Wissenschaft belehrt uns, daß gerade die weiße Farbe aus allen Farben des Regenbogens zusammengesetzt ist. Nur wo sie sich harmonisch einen, entsteht das Weiß. So zeigen auch die Herzen, die in diesem Vereine Zusammenwirken, ein jedes eine andere Färbung. Verschieden sind ihre Meinungen und Bestrebungen. Einig sind sie aber alle in der Arbeit für unser Gotteshaus. — Das „Feuer" unterscheidet sich von anderen Elementen dadurch, daß seine Kraft sich nicht mindert, wenn seine Ausgabe sich, steigert. Das Feuer wächst vielmehr mit der Größe des Stoffes, den es zu bewältigen hat. So ist die Opferfreudigkeit, die sich selbst immer von neuem entzündet an der Freude über das Geleistete und daran stärkt für höhere Ziele. — Das sind die beiden Himmelsleuchten, denen wir unsere neuen Leuchter zu danken haben: die Einigkeit und die Opserfreudigkeit in diesem Vereine. — Und wir hatten es schwerer als Mose einst. Er hatte vor allem, dank der Opferwilligkeit des Volkes, Gold im Ueberfluß. Das konnte er, nach dem Midrasch, ins Feuer werfen. Bei uns mußte erst das Feuer, der Brand unseres Tempels kommen, dadurch, wurde die Opserfreudigkeit geweckt, die sich, in unseren Tempelsreunden betätigt, wie es niemand zu hoffen gewagt hätte. Die Opserfreudigkeit erntet heute wieder helle, reine Freude. Und woran die Menschen reine Freude haben, das erfreut auch, sagen unsere Weisen, das Herz des Höchsten. Unsere Arbeit schreitet rüstig fort, weil wir sie durch Freude würzen. Vom König David erzählt heute die Hastara, er habe vor der Bundeslade sogar getanzt. Seine eigene Frau tadelte ihn, doch, die Geschichte hat ihm Recht gegeben. Und so geben auch uns, die wir jetzt vor diese Bundeslade eine in Freude geschaffene Widmung stellten, unsere Erfolge Recht, und darum wollen wir den Weg, den wir beschritten haben, unbeirrt fortsetzen. Von ganzem Herzen danken wir allen Kräften, die an der Herstellung unserer neuen Leuchter nritgewirkt haben ,besonders den treuen Augen, die über die Ausführung dieses Werkes mit unsagbarer Liebe und Sorgfalt gewacht. Wir beten zu Gott, daß diese Leuchter ihren Zweck erfüllen, daß sie „walten bei Tag und bei Nacht", daß sie in lichten Tagen unsere Freude verklären und in Dankbarkeit gegen den Schöpfer wandeln. In trüben Stunden aber sollen sie uns Trost und Gottesvertrauen hns Herz strahlen. Sie mögen leuchten zur Freude ihrer Spender, zur Ehre unseres Gotteshauses! Pessach in der „Einheit" Wer ein Herz für seine armen Glaubensbrüder hat, mußte vor den Pessachtagen sorgenden Sinnes fragen: „Wie werden heuer die Armen Pessach halten können, da die Teuerung so groß ist?" Der Sederabend war gekommen und ich war begierig, den Pessach jener jüdischen Männer und FrauM Zü schen, denen es nicht gegönnt ist, bei sich zu Hause den Seder zu halten, und jener, die aus Mildtätigkeit angewiesen sind. Ich lenkte meine Schritte Z ur „Einheit" in die Malzgasse. Die Speisesäle, die Feiertagsgewand angelegt hatten, waren hell erleuchtet, die Tische festlich gedeckt und guh besetzt. In althergebrachter Art beginnt man, den Seder zu geben. So geht es in allem echt feiertagsmäßig; so war auch, das Essen ein pessachmäßiges. Das konnte mit besonderer Befriedigung konstatiert werden. — Wir freuen uns über das Gesehene und fragen ein Vorstandsmitglied der „Einheit", wie es zuwege gebracht wurde, in dieser schweren Zeit dm Pessach so herzustellen. Die Antwort lautete: „Der Vorstand gab sich redlich Mühe und. teilnahmsvolle Menschen unterstützten seine Bemühungen". Geseguet seien alle, die in jüdischer Art beigetragen haben, diese erhebende Pessachfeier zu bereiten! Nachwchen zur Wahl in den Döblinger Tempelvorstand. Vom Herrn Direktor Josef -B rü l l erhalten wir nachstehende Zuschrift mit der Bitte um Veröffentlichung: „Sehr geehrter Herr Redakteur! Meine seinerzeitigen Mitteilungen betreffend die Vorstandswahl in den Döblinger Tempelverein, welche Sie in Ausübung Ihrer publizistischen Pflicht in Ihrem gesch. Blatte (Nr. 7, ddo. 1. IV;. a. c.) zu veröffentlichen die Güte hatten, haben in den 'Reihen derer, die sich getroffen fühlten, Pas Bestreben ausgelöst, das Redaktionsgeheimnis gelüftet zu sehen/ unk den Namen des ungenannten Gewährsmannes zu „eruieren". Als ich von den diesbezüglichen Anstrengungen hörte, gab ich! sofort meine gar nie gewollte Anonymität auf und bekannte mich ruhig als Autor des Tatsachen-Berichtest. Ich liväre nun auf die Döblinger Vorstandswahl nicht nochmals in den Spalten Ihres gesch. Blattes zurückgekommen, wenn nicht ein gewisser Herr Dr. Ludwig Werner, (allem Anschein nach zeichnungsberechtigter Obmann der „zionistischen Bezirkssektion für den 19. Bezirk") es für geziemend erachtet hätte, meine Mitteilungen zu „berichtigen". (S. Nr. 9, ddo. 27. IV. a. c.) Diese eigenartige „Berichtigung" zwingt mich zu folgender Entgegnung: Ich stelle fest, daß ich in meinem Berichte mit keinem Worte davon gesprochen habe, daß „ein Wahlkampf stattgcfunden hätte, in welcher die jüdischnationale Organisation eingegriffen hätte". Ich konstatiere ferner, daß ich in meinem Berichte die mir bisher gänzlich unbekannte „Zionistische Bezirkssektion für den 19. Bezirk" gar nicht erwähnt habe und auch nicht behauptet habe, daß „die Kandidatur des Herrn Müller von ihm selbst, resp. von der jüdischnationalen Partei aufgestellt worden sei." Ebensowenig ist in meinem Berichte irgendwo davon die Rede, daß die „Zionistische Bezirkssektion für den 19. Bezirk" ihren Mitgliedern bezüglich Teilnahme an der Wahl irgendwelche Mitteilungen zukommen ließen." Herr Dr. Ludwig Werner rennt daher mit seiner Berichtigung offene Türen ein. Was ich berichtet habe, entspricht voll und ganz den Tatsachen und kann — bis auf den Druckfehler: Herr Moritz Müller ist nicht zum drittenmale, sondern zum zweitenmale durchgefallen — absolut nicht dementiert werden. Zum Schlüsse noch ein Wort an die gar aufgeregt sich gebärdenden Herren: Zufolge der Behauptung des Herrn ,Dr. Ludwig Werner war es im Kreise der, Anhänger des Herrn Müller bekannt, daß er eine auf ihn fallende Wahl unbedingt ablehnen werde. Also mit Verlaub die Frage, wozu der ganze Tam- Tam? Wozu bis in die spätesten Mitternachtsstunden im Kaffeehaus von Mann zu Manns agitieren, wozu Spaltung in die .Gemeinde tragen, wenn a priori die Gewißheit