Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1923
- Issue
- Heft 10 (15.5.1923)
- Date
- 1923-05-15
- Page
- – (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 20 Nr. 10 Die Wahrheit. helfen. Dazu gehören aber vor allem große ausreichende Geldmittel, viel Tatkraft und ein wahrhaft guter Wille, der alle Faktoren beseelen muß. Der Verein hat seinen Sitz 20. Klosterneuburgerstraße 10 und steht unter der Aegyde des Herrn Wilhelm P e t y a n, von dem der Schreiber dieser Zeilen in landläufiger Weise bloß sagen möchte: „Hoch klingt das Lied vom braven Mann", um nicht in Sentimentalität verfallen zu müssen. Ihm zur Seite steht ein Ausschuß, durchwegs Kleingewerbetreibende: was aber diese Männer an Opferwilligkeit leisten, davon sollen die nachstehenden Daten einn Probe bieten: Im abgelaufenen Vereinsjahre sind an 500 Gesuchen mit mindestens K 50.000.— pro Fall erledigt worden. Zum verflossenen Pessachfeste wurden mehr als 1000 Personen mit Mazzes, Fett, Fleisch und Erdäpfeln beteilt, worauf ungefähr 25 Millionen verwendet wurden. Im Genüsse regelmäßiger Unterstützung stehen derzeit etwa 100 Personen bezw. Familien mit K 20 bis 40.000 monatlich. Ein wahrhaft erschreckendes Bild überhandnehmender Verarmung in den jüdischen Massen. Es ist auch sonach heilige Pflicht aller jüdischen Kreish sich dieser Tragweite voll und ganz bewußt zu werden und unentwegt helfend einzugreifen. Ist es doch ein beschämender und tiefbetrübender Zustand, daß soviele Greise, Frauen und Kinder die schwersten Entbehrungen erdulden müssen. Deshalb ergeht ein Appell an das jüdische Herz, dem Verein „Schnelle Hilfe" angemessene Geldmittel zuzuwenden, damit er sein Werk fortsetzen und erfüllen soll können. Ch. Ä Oberregierungsrat Franz Boschan. Aus Budapest wird uns gemeldet: Nach einer offiziellen Verlautbarung des ungarischen Amtsblattes hat der Reichsverweser auf Vorschlag des Ministerpräsidenten dem Chef und Inhaber der Wiener Firma Peter Boschan L Söhne, Herrn Franz Boschan, Vizepräsidenten der Neuen Wiener Bankgesellschast, Präsidialrat der österreich-ungarischen Handelskammer in Wien, für seine verdienstvolle Tätigkeit aus öffentlichem Gebiete den Titel eines königlichungarischen Oberregierungsrates verliehen, Banmzwahfeier. Samstag, den 28. v. M.,. fand, wie hereits gemeldet, im großen ^eopoldstädter Tempel das Barmizwahsest des Studenten Kurt Herzka, Sohn des allgemein geachteten Kaufmannes Wilhelm Herzka und seiner Gattin, Ernestine, geb. Mayer, aus Boskowitz, unter großer Beteiligung der Freunde, Verwandten und Verehrer der Familie des Konfirmanden statt. Nachdem dieser die Hastora schön verlesen chatte, hielt Dr. Max Grün Wald eine wahrhaft herzerhebende Rede, in welcher er dem Barmizwanten ans Herz legte, im Sinne seiner hochverdienten Eltern dem Judentume alle Zeit treu zu bleiben. Am Nachmittag vereinigte eine hübsche Feier die Familie des Barmizwanten, bei der dieser eine gelungene Rede zur Freude aller zuM Besten gab. . j L~ Herr Siegmund Schönau, ehemaliger Gesellschafter der Firmen Jrmenbach & Co., Reichenberg, sowie S. Schönau & S. Hautvive, Paris — Gablonz, feierte dieser Tage seinen 73. Geburtstag. Herr Schönau beging am 14. August 1914 sein 50 jähriges kommerzielles Jubiläum und hat sich in den letzten Jahren auch literarisch betätigt, wovon wir unseren Lesern demnächst Beweise liefern 'werden. Er erzielte mit seinen Anregungen schöne Erfolge. Todesfälle. Mit Rechtsanwalt Dr. Max W e i s s e n st e i n, der Donnerstag den 26. April, nach einer überstandenen Operation, 69 Jahre alt, plötzlich aus dem Leben geschieden ist, verliert insbesondere die Brigittenauer Judenschaft eine prominente Persönlichkeit. — Der Grundzug seines Wesens war Vornehmheit und Menschenliebe. Ehrenhaft und ehrenwert in des Wortes bester Bedeutung, war er sowohl als Privatmann wie auch als Jurist von bestrickender Liebenswürdigkeit. Es bot einen besonderen Genuß mit ihm einen Gedankenaustausch zu pflegen, wobei seine Bescheidenheit und herzhafte Jovialität überraschte. Voll religiösen Gemütes, gehörte er fast ein Vierteljahrhundert hindurch dem Vorstande des Brigittenauer Tempelvereines als besten Schriftführer und treuer Berater an. Erst in der allerletzten Zeit und bereits sehr leidend, zog er sich von diesem Amte ruruck. Schon seit langem ernannte ihn der Tempelverein zu seinem Drenmitgliede. Sonntag, den 29. April haben wir das, was an Dr. Weissenstein sterblichrwar, zu Grabe geleitet. Inder Zeremonienhalle 1. Tor, hatten sich nebst den Angehörigen, der Vorstand des Vrigitt. Tempelvereines, mehrere Kollegen und viele Frennde und Verehrer als Leidtragende eingesunken. Ehrwürden Gem.-Rabb. Dr. Abeles hielt dem langjährigen Freunde und idealen Menschen einen ergreifenden Nachrnf; während Oberkantor Josef Alter die Sterbegebete ebenso kunstwie stimmungsvoll rezitierte. Am Grabe fungierte auch Herr Kantor Roth in anerkennenswerter Weise. N. Ch. ’r •, Donnerstag, den 26. April d. I. ist Herr Ernst Mauthner im 79.Lebensjahre nach kurzer Krankheit sanft entschlafen. Die Beerdigung sarlb Sonntag, den 29. d. M. vom Trauerhause, 1. Opernring 8, aus aus dem Zentralsriedhose statt. Am selben Tage wurde per bekannte Architekt und Stadtbaumeister Adolf Oberländer, der am 26. April nach kurzem schweren Leiden verschieden ist, zur ewigen Ruhe, ties betrauert von seinen Angehörigen, bestattet. Am 25. v. M. wurde unter außerordentlicher Beteiligung Herr Siegfried Lederer, ein im Bezirke Leopoldstadt überaus geachteter und geschätzter Kaufmann, zur ewigen Ruhe bestattet. Rabbiner Dr. Max Grun - Wald widmete dem leider zu ,früh Verstorbenen einen Nachruf, der die große Trauergemeinde tief ergriff. — Frau Sabine Lederer, die schwergebeugte Gattin des Verblichenen, sowie die Familien Lederer und Schönfeld sprechen hiemit allen Verwandten, Freunden und Bekannten ihren herzlichsten Dank für die Beweise inniger Anteilnahme an dem schmerzlichen Verluste Ms. Jnsbesonders danken sie dem Herrn Sigmund Nlssel für seinen im eigenen sowie im Namen des Detaillistenverbandes der Galanteriewarenbranche tiefempfundenen Nachruf, Herrn Obmannstellvertreter Siegfried Stein des humanitären Vereines der Trebitscher, dem Vorstande des Vereines der Freunde des Großen Leopoldstädter Tempels, sowie den Vorstandsmitgliedern der Vereine „Montefiore" und „Nächstenliebe". Samstag, den 5. d. M. ist Frau Zdenka Mühlrad geb. Kohn, an ihrem 51. Geburtstage nach langem in gottergebener Geduld getragenem Leiden sanft entschlummert. Wer ihr edles Herz gekannt, wird den unsagbaren Schmerz der betroffenen Familie begreifen, Und war es daher auch selbstverständlich, daß bei pem um 8. Mai stattgesundenen Leichenbegängnis der Verblichenen eine große Zahl von Verwandten, Freunden und Bekannten das letzte Geleite gaben. Unter anderem bemerkte man den Gesamtvorstand des Vereines „Montefiore", mit dem Obmann Bezirksrat EdmUnd Hofmann, Ehrenpräsident Paul Schwarz st ein. Kassier K. Kalman, an der Spitze, Kultusvorsteher Isidor Schwarz, Bethausvorsteher Gustav Planer, Dir. Alfred Landesberger und Obmann des Bethausvereines „Montefiore"Jakob Weiß. Rabbiner Dr. Max Grunwald hielt der Verblichenen einen tiefempfundenen Nachruf, Kantor Funke versah mit dem Chor in ergreifender Weise die Trauerfunktion. Am Grabe sprach Herr Obmann Bezirksrat Hofmann Worte des Abschiedes. Dem schmerzgebeugten Gatten, Herrn Obmann Fürsorgerat Julius M ü h l r a d, der in den nächsten Tagen seinen 60. Geburtstag feiert, waren aus diesem Anlasse seitens der zahlreichen Freunde und Vereine für seine humanitären Bestrebungen besondere Ehrungen zugedacht, die nun aus dem tragischen Falle unterbleiben und sich aus die stillen ttej[ empfundenen.Symphatien be-^