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Die Wahrheit · 1923-01-16 · Heft 2 (16.1.1923) · page 16

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1923
Issue
Heft 2 (16.1.1923)
Date
1923-01-16
Page
– (sequence 16)
Language
German
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Seite 16 Die Nahrheit Nr. 2 Vermischtes UWZ Lkich«werbremmng. Angesichts' der Inbetriebsetzung -es Wiener Krematoriums ist der Vorstand «der Wiener isvLÄrischen Kulusgemeinde nach Einvernehmen mit dem RÄLinat zu folgenden En-tschlüfsen getagt die AuswrrHuugen des von uns in Nr. .23 gemeldeten Beschlusses djer KlÄnmisswn I. des Kröltusvvrstandes, den Funktionären die MtwiMmg Lei LeicheNverdremm-nigen zu uintersagen sind. Es kann, kein Zweifel darüber obwalten, daß der füdifchen Religion und der traditionellen und >der ge- 'schvchKichen Ueberlicherüng einzig nnd allein die Erd- Hchtattung des Leichnams entspricht. Die Leichenvieübrenmrng gcklt und gMr '<ä$ nnjüdisch. Wohl widerspricht es dem Geiste des Ardenikvms, einen Zwang zur EÄchailtung rÄijgiionsgeijetzliWr Vorschriften ans die Glimbensangehorigen auszuüben, doch ist es felbstverständlich, daß gewisse religiöse Zeremonien nicht Lei einem Akte vorgenomimen werden dürfen, die zum Religionsgesetze im Gegensätze stehen. ..Seitens der israelitischen Kultusgvmemde, zu deren Ausgaben gemäß § 3, M d ihres Statuts die Sorge für den Bestand ultib die Erhaltung eines ifvaelitischen Friedhofes, für die immerwährenide und unantastbare Erhaltung bestandener und anfgelasseMr isra- Mischer Friedhöfe, die dem Ritus entsprähende Beerdigung der Verstorbenen gehört, wird in jenen Fällen, in welchen die Einäscherung stiMzufinÄen HK, der Leichnam gemäß § 4 der Bchtattungsordnung sür Feuerhallen der Stadt Wien im gegebenen Zeitpu.Ee den Organen der Gemeine -Wien übergeben, Die zurückgestellte Urne oder AschenLapsel wird von der israelitischen Kultusgemeinde für die Bestattung aus dem israelitischen Friedhöfe übernommen werben. Bei' dem BestattuirchKakte werden religiöse Zeremonien nicht stattfrüden. — Uäber Anregung des «chriv. MMinats der Adas Jisroel Hat der Vorstand, der Mas Jisroel in seiner Sitzung vom 6. Jänwetr d. I. den Beschluß gefaßt: Die Was Jisroel übernimmt grundsätz-, lich keinerlei Widmung oder Stiftung für das Seelenheil (HaskarNh, badisch) für Personen, deren Leichen Kur Verbrennung gebracht werden. Gleichzeitig wird die Erwartung ausgesprochen, daß lein Mitglied der Was Jisroel sich an einer Leichenfeier oder Bestattung einer zujr Ver-1 drLnnnng bestimutten Leiche beteiligen wird. - Der Antisemitismus in Wien. In einer der lichten Sitzungen des Wiener Gemernderates hatder Mrischnat. s -Gemerndierat Dr. P lasch k e s schars mit dem Antisemitis - s mus von rechts und links abgevAhn-et. Er hat, ungeachtet; des Sturmes von beiden SÄten, der sich gegen seine? zweistündige Rede erhob, auf den Schaden hingewiesen, den! die chriMchsoziale nnd die deutschnationale Partei Oester-! reich durch den Universitätsskandal zugefügt hat,; sowie aus den nicht geringen Schaden, den die Äadt Wien! von dem Antisemitismus der sozialdemokratischen Partei im Wiener Rathhaus erleiden muß. Diese Partei will; keinem Juden in der Wiener Gemeinde Heimatrecht geben. Wien Müsse ein internaEonaler Handelsplatz bleiben oder es wurde auf die Stufe eines großen Dorfes hinabsinken. Faselsmus.Än anderer Stelle unserer heutigen Nummer berichten wir, wie die Fascistenbewegung auch in Ungarn an Ausdehnung gewinnt, die dort gemeldete Zahl von 400 „Hungaristett" soll bereits weit überholt sein nnd selbst Horthy schenkt den Herren wohlwollendes Gehör. Aber auch mcherwärts gewinnt die neue Bewegung Boden, selbst die Deutschen gehen bei den „Katzelmachern" in die Schule. Jsdioch nicht alle Germanen, sondern nur die rasfenreinsten' des StaMmes, die edlen Bajuvaren, sind VorzugsschAer. Diese im Saufen und Raufen tüchtigen „Mostschädel" können sich zwar nicht wie die „Hungaristen" über die Lostrennung eines Teiles ihres Gebietes beklagen, ste sind im Gegenteil Feinde eines Zus ammenschlusies mit dem nördlichen Deutschland, mit den verfl ... Preußen, dagegen spitzen sie nach wie vor aus das „heilige Land Tirol" und auf diesem Wege auch auf unser Vaterland. Und darin. liegt auch für uns die große Gefahr, denn die Nationalisten, die eifrigsten Förderer des deutschen Fascismus, sind alles, mir nicht judenfreundlich gesinnt. Und wie Hitler in Bayern, so macht Dr. Walter Riehl, der Börsen- und HLüserspektlant, in Wien und sein Ableger in Innsbruck, wie. in der letzten Nunimer gemeldet, in Antisemitismns. Deshalb ist es.unsere Pflicht, wachsam gegenüber diesen, deutschen und österreichischen Fascisten zu sein, die, wie ein Witzbold unlängst mehrte, durch ihr Tun Deutschland und uns bald ^faschieren" werden. Verein der Freunde des großen Leopoldstädter Tempels. Mittwoch, den 3. d. M. fand in Josef Nage l s Restauration, als 3. Vortragsabend des Vereines ein Vortrag des Herrn Dr. Oskar Wagner über erste Hilfe bei Vergiftungen statt, der bei der großen Zuhörerschaft, unter der man viele Damen sah, allgemeines Interesse fand. Dr. E. T h a l e r dankte dem Vortragenden für seine Ausführungen und betonte, daß sich dieser Vortrag, von der Nächstenliebe, deren wichtigster Zweig Samariterdienste seien, ausgehend, wunderbar in -den Rahmen einer jüdischen Vereinigung emfiige. Der Protektor des Vereines, Herr Rabbiner Dr. Max Grunwald, kündigte unter Beifall für Mittwoch, den 17. d. M., abends 8 Uhr, einen Vortrag des Herrn Carl Schnitzer über „Jüdische Komponisten" , an. > Altgem. Kranken- und Unterstützungsverein „Montefivre". Herr Kaffeesieder Leopold Frankl und seine liebenswürdige Gattin haben am 11. d. M. in hhrem Kaffee „Abbazia^ einen Vor^ tvagsabend veranstaltet, der über alle Erwartung gut ausgefallen ist. Die Sensation des A-bends war das Erscheinen des „Eisenkönigs" Breit'bart und seiner Gattin. Da es sich um die Unterstützung von jüdischen Witwen und Waisen handelt, haben er, wie auch seine Frau -dem Fonds des Vereines größere Beträge gespendet. Dem illustren Ehepaar dankten im Namen des Vereines die beiden Obmänner Bezirksrat Hoffmann und Fürsorgerat Mühlrad. B veitbart ergriff hierauf selbst das Wort und sagte, daß er gerne gekommen sei, da er als zielbewußter Jude immer dort zu finden sei, wo es eine jüdische Sache zu unterstützen gelte. Um das Arrangement des gelungenen Abends -hat sich besonders der Geschäftsführer des Etablissements, Herr Weiß, verdient gemacht. Einweihung einer Chuppoh., Sonntag, den 7. d. M. irachmittags,' wurde ehre Prachtvolle, vom Ver ei n b e r Freunde des großen Leopold st ä dt5r Tempels gestiftete CHuppoH zum erstenmal ihrer Bestimmung zugchührt. Sie war aus technischen Gründen bereits zwei Tage vorher ausgestellt würden. In seiner FreÄagvbendpredigt ncchm Herr Rlckb. Dr. Max G ru nw ald aus sie Bezug, indem er die Rührigkeit des genannten Vereines dankbar hervorhob. Der Verein der T e mp 1I f r e u n d e hat zum Teil die Agenden des „Aktionskomitees" für den Wiederaufbau des Leopoldstadter Tempels übernommen. Vornehmlich dank der rastlosen Bemühungen des Herrn Rabb. Dr. M. Grunwald, dem in erster Reihe die Wiederherstellung des durch Brand zerstörten Gotteshauses zu verdanken ist, war dieses Komitee unter anderem in der Lage, zum Baufonds erheblich beizutragen und die seit dem Brande zum größten Teile fehlende innere Einrichtung

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