Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1922
- Issue
- Heft 24 (15.12.1922)
- Date
- 1922-12-15
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/3062972-3063949-3063972--11961-3079391- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Serke 17 . 9lti 24 D i.e W ahrh e i t den im Betrage von mchr als zweihundert Millionen gewidmet. Bon dieser Summe erhielten: Das Rothschild- Spital 50 Millionen, das Spital der Barmherzigen Brüder 20 und die Rettungsgesellschaft sowie die größeren -Kinderspitaler je 10 Millionen; der Rest wurde an verschiedene Wohltätigkertsanstalden verteilt, und. zwar insbesondere an solche, welche sich mit Säuglings- und Kleinkinldersüvsorgö befassen. Verlobung. Fräulein Bertha Haber, Schwester des Herrn Direktor Julius Haber, hat sich dieser Tage mit Herrn Mathias Tauber, Kantor und Religionslehrer in Liesing, verlobt. 7V. Geburtstag. Samstag, den 23, d. M. feiert der verdienstvolle Badener Oberrabbmer W. Reich seinen 70. Geburtstag. Er ist im Jahre 1852 (am 7. Tcwes 5613) in Karlburg Komitat Komitat Wiesellburg geboren. Im Hause seines BaterS, Rabbiner in Tvencim Ban, der ein Sohn des weltbekannten Rabbi Koppel Claris war, wurde er frühzeitig ins talmudische Mssen eingeführt, besuchte die7 Talmudschulen seiner Geschwister, sämtlich Rabbiner, von denen der Aelteste gegenwärtig als Oberrabbiner Koppel Reich in Budapest sehr berühmt ist. Mit -18 Jahren frequentierte er die Talmndhochschule in PreMur^, wo er auch noch sehr jung sein Rabbinevdiplom erhielt. Zu ferner Ausbildung im profanen Wissen besuchte er'drei Jahrgänge der philosophischen Fakultät in Wien. Mil .22 Jahren «betrat er »den Rabbinerposten in Sürvür, Ungarn. Er hatte sich sehr bald einen großen Namen als Kanzelrsdner erworben und kam am 6. Februar 1880 nach Baden, in welcher Gemeinde er bisher, von ungeschwächter Sympathie umgeben, wirbt. Obwohl mehrere Gemeinden mit ihm zur Uebernahme des Rabbrnerpostens in Verhandlung traten, so die Gemeinde Hohenau, Tabor und die neue Synagoge in Prag, verblieb, er Kriegen seiner konservativen Anschauung in Bälden, aus >der er eine jüdisch-konservative Mustergemeinde bildete. Er war literarisch vielseitig tätig. Die von Hm ftr der „Oesterreichischen Wochenschrift" erschienenen Artikel würden ein stattliches Büch ausfüllen. Im Jahve 1894 redigierte er selbst eine Zeitschrift „Der Reichsbote", in welcher er eine Talmrvdüberfetzung über drei Abschnitte des Traktates Berachat veröffentlichte. Ebenso erschien von ihm ein Buch „Jesaias", eine Paraphrase, ferner ,Kulturfragen", „Misrachah", über Palästina ,^8erühmte jüdische Gemeinden im Orient", eine Abhandlung über „Chewra Kadischa", schließlich verschiedene Geleaenheitspredigten. Bon der Stadt Baden würde ihm die Ehre des Bürgerrechtes zuteil. — Wie uns unser Badener Korrespondent mitteilt, wird aus Anlaß des Ehrentages >des Herrn Obervabiner W. Reich im Badener Tempel Samstag, iden 23. d. M. ein F e st g o t t e s d i e n st stattfinden. Am Nachmittag ^desselben Tages wird in der Wohnung des Jubilars eme Gratnlationskur abgehalteip, bei der Sr. Ehrwüvden sicher Gegenstand der herzlichsten Gratulationen sein wird. Wirschließen rrnS ihnen mrit folgendem Wunsche an: Möge fein siebzigster Geburtstag für .Hn die Eingangspforte in eine Schatzkammer langeandauernder, ungetrübter Altersgonüsse sein und mögen, neben den erarbeiteten,-auch die Sympathien, die-der Winter des Alters schafft, dem hochverdienten Jubilar nur GlückÄlüten ranken. Aus Budapest wird uns gemeldet: Der SöerraVbmer -der Ältofner Kultusgemeürde, einer der begabtesten -ungarischen Seelsorger, Dr. Ignaz Schreiber, fand; 31 Jahre alt, vor einigen Tagen ein tragisches Ende,., er wurde s beim Abspringen von der fahrenden .Elektrischen.in Stücke gerissen. Die Tragik des plötzlichen Endes. - Dr. SchreibwZ, der am Seminar bereits große HdsMl'Ngen erweckt «hatte, liegt darin, daß ihn -der Dad gerade erreichte, als er von dem an diesem Tage durch - Eingeweihten neuen Altofner. Friedhöfe nach Hanse stchr; "er hatte bei' dieser Gelegenheit eine groß angelegte Rede über die letzte Ruhestätte-und das Sterben des Menschengeschlechtes gehalten, Nun soll er -der erste, sein, der ans «dem von ihm eingeweihten neuen Gottesacker begruben wird. — Auch einen zweiten Todesfall becklagt die ungarische jüdische OeffenÄkchikeit.; einer Hrer ganz Großen, der Neupester ObvrvNLIbiner Dr. L. B e n e t i a n e r, dessen Ruf weit über die ungarische Grenzen -ging, ist vor kurzem in ein besseres Jenseits abiberufen worden. . Jubiläum des Blindeninstituts auf der Hohen Warte. Am 17. d. M. vollendet das Israelitische Blinde n i n st i t u t aus der Ho'hen Warte, das in seiner Art vovbrMrch für die ganze Welt ist, seinen 50sährigen Bestand. Daran knüpft sich die dankbare Erinnerung an den unvergeßlichen Direktor Heller, der das Institut zu dem gemacht, was es jetzt ist. In schwerer Not und in Angst um seinen Weiterbestand begeht es seinen Jujbilanmstag. Die Erhalbnngskosten sind unerschwinglich, und nur wenn sich Me Mertschenfteunde ans Anlaß des Jubiläums des Loses der armen Blinden erinnern und mit vollen Händen spenden, ist einige Aussicht vorhanden, daß Mi eine Weiterführung gedacht weiden kann. Was eine notgedrungene Sperre für die vielen Blinden bedeuten würde, die in dem Institut Unterweisung und Unterricht erhalten, damit sie sich sortbringen können, ist nicht auszudenken. Pflicht aller wahrhaft jüdisch Empfindenden ist es, wenn 'sie die Ehanuka'lichter anzünden, in Weibe der Unglücklichen zu gedenken, denen das Licht für immer erloschen ist. Todesfälle. Dienstag, den 4. Dezember wurde Herr Simon Bandler zur ewigen Ruhe bestattet. Tie ungewöhnlich große Teilnahme der Tvauergaste. dw dem Verewigten die lehre Ehre erwiesen, namentlich die Mitglieder des Leopoldstädter Tempelvereines „Aeschel Awrohom" unter Führung der Herren Obmann Rat Adolf Wenger und Obmannstellvertreter Oskar Schrame?, von denen ersterer tiefempfundene AbschiedSwörte sprach, gaben überzeugenden Beweis für die allgemeinen Sympathien, deren sich der. Verstorbene in weitesten Kreisen erfreute. Simon Bandler gehörte zu den populären Erscheinungen des Bezirkes Leopoldstadt, bek>rnnt unter dem Namen Vater Bandler, nicht nur wegen seines hohen Alters, sondern auch wegen seines herzensguten Wesens. Bis in die spätesten Jahre seines Lebens an ehrliche Arbeit hingegeben, war er ein Tupus des wahrhaft gottesfürchtigen, anspruchslosen Inden, den niemand vergessen könnte, der seine trefflichen Eigenschaften durch per'önlichen Berkchr kennen und schätzen lernte. Dies betonte auch Rabbiner Dr. S. F u n k in seiner gehaltvollen Trauerrede, die vom Herzen kam und zu aller Herzen ging. — Bor kurzem wurde Herr Kaufmann Moritz T u ch n e r, ein allgemein hochgeachteter Mann, zur ewigen Ruhe bestatt«. Rabbiner Dr. Max Grunwald hob in seiner Ansprache, die alle Anwesenden zu Tränen rührte, hervor, daß der Hingeschiedene als leuchtendes Beispiel gottgefälligen Lebenswandels gelten könne. Um ihn trauern feine Söhne Herr Dr. med. vet. A. S. T u ch n e r und Herr Buchhändler Hermann T u ch n e r. — Am 20. November fand am Zentvalfriedhof (1. Tor) das Leichenbegängnis des in weiten Kreisen geachteten Ing. Leopold Bläu, Chef der Firma Leopold Blau & Co., statt. Der funktionierende Rabbiner betonte in seiner Rede die große Bescheidenheit und Wohltätigkeit des im Alter von 37 Jahren' Hingeschiedenen, dessen Beliebtheit und allgemeine Achtung in der überaus starken Beteiligung am Leichenbegängnisse zum Ausdruck kam. Der bekannte Weingroßhändler Lldolf Blau und Dr. Edmund Blau betrauer - t n in dem Verstorbenen ihren innigftgeliebten Bruder. — Am 2, d. M. starb nach längerem schweren Leiden Frau Cäcilie 'Weiß geb. T h e u m a n n, Gattin des .MediginalrateS Dr. Julius Weiß. Das Leichenbegängnis fand am.4. d. M. am tentralfriedhof unter außerordentlich großer Teilnahme statt. nter den Anwesenden bemerkte man die Polizeiärzte-RegierungSrät Dr. R ap p a p o r t und Dr. K o m en i k, Professor^ Dr. K ö n ig st tz in; sowie zahlreiche Aerzte, - Großindustrieller-Alfred L a n d e s b e rg e r, der Bezirksvorsteher Edmund Hofmann, Kültusvorsisher Isidor Schwarz, Direktor Julius Haber, die Fürsorgeräte Gustav P l a n e r. und S. M e i st e r, Juwelier Ignaz O e st e r r e i che r, Direktor Winternitz - und Deputationen zahlreicher Vereine. Rabbiner Dr. Max Grunwald hielt der Verblichenen einen tiefergreifenden Nachruf, Oberkantor Morgenstern mit Chor rezitierte die Trauergesänge. Frau Fanny Freund-Markus sprach im Namen der „Rohö" tiefempfundene Abschiedsworte, in denen sie der Tugenden der Verstorbenen und ihrer großen Verdienste um den Verein während des Krieges gedachte. Der trauernden Familie wendet sich allgemeine Teilnahme zu. — Eine Esches Ehajil im wahrsten Sinne des Wortes war die am 10. d. M. zu Grabe getragene Frau Netty Hofbauer, geb. MBEbcrä*