Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1922
- Issue
- Heft 24 (15.12.1922)
- Date
- 1922-12-15
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
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Seite 18 Die Wahrheit Nr. Sä Gewi ts ch Witwe nach Herrn Moritz Hofbauer s. A., der ferner Gattin Vor Jahresfrist im Tod vorangegangen war. An.der Bahre -er Verblichenen, die sich wegen ihrer vorzüglichen Eigenschaften des allgemeiner Sympathien erfreute, trauern mehrere Sühne, die alle in bester sozialer Stellung stehen, darunter Professor Pr. I Hofbauer, Dresden, und Dozent Dr. Ludwig Hofbauer, . Wien. Die Me Frau hat es verstanden, ihnen allen die richtige Erziehung zu geben, eine Erziehung, -in der Religiosität und modernes Denken bestens vereint ist. Im Trauer-Hause hielten ihr. Sohn Dozent Dr. L. Hofbauer und ihr Schwager Bernhard Hofbauer überwältigende Nachrufe. Am Friedhöfe ist die Geistesgröße und große LiÄe der Verstorbenen für ihre Sühne vom Professor Dr. I. Hofbauer, der aus Dresden herbeigeeilt war, um seiner Mutter das letzte Geleite zu geben, und von ihrem Neffen, dem Rabbiner des Tempels in «der Siampergasse, M. F l e s ch, aufs beste gewürdigt worden. Ehre ihrem Andenken! Nicht generalisieren! Wir Juden sind eS vor allem, die diese berechtigte Forderung bei Anschuldigungen, die gegen einzelne unserer Glaubensgenossen erhoben mrd dann auf unsere Gesamtheit ausgedehnt w-erden, erheben. Denn so gcht -es immer. Ein Jude begeht etwas Schlechtes mrd sofort heißt es, alle Inden tun Schlechtes, denn sie alle .sind wie der eine. Selbst wenn heute von Seite Her Antisemiten immerfort geschrien wird: „Schuld daran ist der Jud!", so ist. damit nicht ein einzelner Jude gemeint, vielleicht ein gcheimes Mitglied der obskuren „Weisen von Zion", sondern die Schreier setzen in diesem Falle die Einzahl statt der Mchrz<chl. Nun ist aber den Schveiern oftmals der Boden entzogen, selbst der einzelne Jude begcht, im Verhältnis zur nichtjudischen Majorität, nicht so viel Schlechtes, wie Einzelne der Nichtjuden. Denn beachtet nur, ihr Herren Antisemiten, das Steigen der Kriminalistik, beachtet nur die Berichte, die sich zahlreich in den Montagsbl-ättern über Trunkenhertsexzeffe vom Saanstäg und Sonntag finden. Wieviel Juden sind darunter? Aber die Herren geniert das nicht, und wenn selbst der einzelne Jude nicht gar so schlecht ist, so wird er eben von ihnen schlecht gemacht. So ist es auch Rathenau gegangen. So viel verdankte das deutsche Vaterland diesem Manne, es nützte alles nichts, Rachenau war grundschlecht, er war nicht mehr und nicht weniger als ein Vaterlandsverräter. Und tveil er dies war, das heißt weil 'er von Ludendorsf und Konsorten dazu gestempelt wurde, sanden sich gewissenlose Menschen, die diesen Mann aus dem Wege räumten. Es waren hauptsächlich Angehörige des Militärstandes, und sofort begingen allzu radikale Blätter den Fehler — wir Juden, die wir unter der Generalisierung leiden, bezeichnen ste als Fehler, und, allzu oft -gebraucht, als Gemeinheit — sie alle und auch die später Verhafteten als „Offiziere" zu bezeichnen. Dagegen wandte sich entschieden das rechtsstchende „Mindener Tagblatt" mit folgenden Ausführungen: ..Sobald die ersten Spuren der Rathenau- Mürder gefunden waren, bezeichnte die „Freiheit" sie als „Offiziere" der Erhardt-Brigade, obwohl ste es keineswegs waren. Der verhaftete Günther hatte sich selbst als Offizier beribelt, ohne es zu sein. Die Hamburger Polizeibehörde bezeichnete einen gewissen festgenommenen Warnecke als! Offizier, während er Vtzeseldwebel gewesen ist; -bisher-hat! sie eine Richtigstellung nicht über sich gewinnen können. : Der Uebersäll ans Harden wurde von zwei Männern asts- .geführt. Der Verhaftete war nicht Offizier; deshalb wurde der andere.,- den man nicht hatte, flugs dazu gestempelt. In Allenstein wurde ein „junger Mann", namens v. Oppen softgenommen; als erstes wird von dem halbamtlichen Bureau verbreitet, es sei ein ehemaliger Offizier." In _ einer freien Republik gilt vor allem der Grundsatz: Gleiches Recht für-alle. Für Jud und Offizier. Eines humoristischen Beigeschmackes entbchrt diese Sache dadurch nicht, daß hier zwei Vertreter von Gemeinschaften znsammengestellt .werden, die sich in den beliebten jüdischen Witzen, gegen- ' Überstehen. Denn ein jeder von uns kennt diese Witze: - „Ein Jud und ein Offizier fahren in der Ersenbochn usw." Die finanzielle Sanierungsmatznähme der Äster- , reichischen Regierung. Die Prospekte für die Subskriptionen aus die. Go ld anleihe und die Noten b an'ka k t i e n hatten den gewünschten Erfolg der Beteiligung weitester Kreise.' Beide Papiere bieten aber auch neben vollkommenster Sicherheit des angelegten Kapitals eine bisher noch nicht dagewesene vorteilhafte Verzinsung desselben, so daß die eingeleitete Aktion schon jetzt als geliun- . gen bezeichnet werden darf und einem befriedigenden Endergebnis, entgsgenzusehen ist. - X Kunerol ist rnfrchse svines hundertprozentigen Fettgehaltes das ausgiebigste und billigste Speisefett, sowohl zu Fleischals auch zu Milchspeisen verwendbar. X Die mit X bezeichneten Notizen und Artikel find entgeltliche Ankündigungen (8 26 deS Preßgefetzes). Fernsprecher. Dr. L—y. Die Sprechstunden der Redaktion sind an Wochentagen von 10 bis 1 Uhr. Wir sehen Ihrem Besuche gerne entgegen. Frau Iba B., Wien, 19. Bez. Das vorzügliche Feuilleton, das von einem empörenden Vorfall am Versühnungstage auSgeht, ist infolge verspäteten Einlangens für unS leider unverwendbar. N. CH., Wien, 20. Bez. Die uns überwiesene Notiz erscheint gekürzt in der vorliegenden Nummer, Ihrem gleichzeitig geäußerten Wunsche wird Rechnung getragen werden, Ihr Artikel geht demnächst in Druck. Dr. L. M., Reutitschein. Ihr formvollendeter und gedankentiefer Aufsatz wäre umso gewisser, schon veröffentlicht worden, als er ein bisher in mrferer ZeitschM rroch mcht behandeltes Thema zum Gsgerrstand hat, nur Ne leidige Rau-mfrage war idem Erscheinen hinderlich. Aufgehoben ist bekanntlich nicht aufgeschoben und ihre -wertvolle Arbeit pitimo loco vorgemerkt. ,Michel", Graz. Ist es Deutsche Treue, jemanden um- Tauschexemplare zu ersuchen und, -wenn solche überwiesen werden, die „Folge", -in der ein Angriff auf die betreffende Zeitung erschien, ihr nicht einzusenden? Wrr meinen Deine Entgegnung auf unseren Artikel „Der jüdische Haß", der, hier sei es nochmal gesagt, von einem Arier stammt. Als Entschädigung für diesen Ausfall war wohl Deine uns als erste Schwalbe ins Haus gesandte Rathenau- Nmmner gedacht, deren Leitartikel „Tod den Vaterlands- Verrätern" aus Liebe für uns blau angestrichen wurde. Diesmal bitten wir nicht auSzuknsffeir. Wien I. Bezirki Fleischmarkt Nr. 26 BrBBtes Spezlalliaiis aller gnalitatEB J Seidenstoffs für Kleider und Futter, III Herrliche Brokate, Crepe de Chine, Crepe NI Maroquine etc , ju staunend billinen Preisen m - — Telephon Nr. 18298 undfi21922 ------ ||