Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1922
- Issue
- Heft 20 (12.10.1922)
- Date
- 1922-10-12
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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Nr. 2 0 Die Wahrheit Seite 7 Mßerhal-b der Kreise Leider Lehrmeinungen sichen und auch das indisch-heidnische Ziel weit überschreiten. Möge sein siebzigster Geburtstag fiir ihn die Eingangspforte eine Schatzkammer lauge andauernder, ungetrübter Altersgenüsse sein^^) und mögen, neben den erarbeiteten, auch die Sympathien, die der Winter des Alterschafst^b), dem hochverdienten Jubilar nur Glückesblüten und Frerldenspslanzen ranken. Aus aller Welt. R a t h e n a u s Mördern ist jetzt vom Oberreichsanwialt die umfangreiche Anklageschrift zugestellt worden. Die Anklage geht davon ans, daß Fischer und Kern den Mord aus fanatischem Arltisemitismus und in dem Wahn begangen haben, eine Aenderung der innerpolitischen Verhältnisse herbefführen zu können. Und nun folgt, wie ein Ruf aus dem Grabe, noch ein Prozeß, den der Ermordete vor seinem Tode gegen einen seiner Peiniger angestrengt hatte, um das Andenken seines Vaters gegen sinnlose Entstellung zu schützen. Vor der Strafkammer des Landesgerichtes III wird demnächst der Herausgeber des bekannten Buches „Die Geheimnisse der. Weisen von Zion", Hauptmann «a. D. Ludwig Müller von Hausen, sich zu verantworten haben. Die Anklage lautet aus Beschimpfung des Andenkens Emil Rat Henaus, des Vaters des Reichsministers. In der Schlrift wird unter anderem behauptet, daß die Fassade des Rathenauschen Hauses in der Viktoriastraße zu Berlin mit einem Fries geschmückt sei, aus dem sich abgesch-nittene gekrönte Häupter befänden. Wörtlich heißt es dann: „Wie oft mag unser argloser Kaiser bfie Schwelle dieses Hauses überschritten haben, ohne .zu ahnen, welche frommen Wünsche der Mann, den er „Freund" nannte, für die Zukunft des Hohenzollernhanses hegte!" Wegen dieser ebenso unwahren wie gemeinen Stelle hatte Walter Rachenau Strafantrag bei dev Staatsanwaltschaft gestellt. Nach allen möglichen Ablehnungen durch Staatsanwälte und Richter niederen Grades fuhrt nun eine obere Staatsanwaltschaft beim Kämmergerichit in Berlin die Klage weiter. Hau und wieder kommt das geschmäht und beschimpfte Judentum vor den Gerichten zu seinem Recht. So wurde wegen Religionsbeschiimpsung der deutschvölkische Agitator, Volksschnllchrer Streicher aus Nürnberg, vom Schöffengericht Schwemsurt zu einer Gefängnisstrafe von 14 Tagen verurteilt, weil er in einer Versammlung geäußert hatte: „Der Wtualmord ist -auch heute noch üblich, alljährlich verschwinden um die Osterzeit so und so viele Kinder. Wo kommen sie hin?" Der Angeklagte verantwortete sich dahin, daß er nicht die deutschen Inden als eine in Dmetschland anerkannte Religionsgemeinschaft, sondern die „Weltjudenheit" habe angreifen wollen. Deutschvölkischer Dreh! Die judenfeindlichen Berichte, daß sich in R u ß l a n d durch geschickte zionistische Propaganda 20.000 hungernde Bauern dem Judentum angeschlossen.haben und nach Palästina. wandern wollen, sind frei erfunden. Ebenso unwahr ist es, daß die Sowjetregierung solche Bestrebungen unterstützt, oder daß jeder Kolonist 3000 Gold rubel erhält. — Das Minsker revolutionäre Tribunal hat den Führer der Savmkow-PogroMbanden in Westvußland^ Lobukow-Kattin, und seine engeren Komplizen zum Tode durch Erschießen verurteilt. Mehrere andere, an Hagel-Ja-akaw. Zm stkenim hsm chcvwiwim hsm. den Pogromen gegen die Juden beteiligt gewesene Personen erhielten Zuchthausstrafen. In Litauen, wo die jüdischen Elemente sich aus die Wahlen für den Landtag, den Sejm, vorbereiten, macht sich vielenortS auf dem Lande böseste Hetze bemerkbar. Judex. Rasse, Volk, Nation. Don Dr, Max Grunwald. .. , . (Fortsetzung.) Mieses, Zollschan, Auerbach. Zutreffend betont Mieses die Bedeuttunig des jüdischen ^ofelytenitjums und als Wesen der Nation die Staatsidee. Nur erinnert sein Allheilmittel, die allgemeine Annahme der englischen Sprache, zu deutlich an den Zustand der Menschheit bis zur Zerstörung des Turmes zu Babel. Vom biblischen -Standpunkt aus erscheint als Kulturideal nicht „einerlei Sprache und einerlei Rede", sondern der Tag, «an dem ,-der Ewige einzig sein wird und. sein Name eintzig". Z o l l f -ch a n 'erkennt gewisse jüdische Rasseinstinkte an. Ein vollwertiger Beweis für diese Annahme durfte kaum zu erbringen sein. Die von ihren Vertretern bisher heran-gezogenen Tatsachen werden wohl nicht immer eine einhellige Deutung -erfahren. Wenn Zollschan ferner -die Berechtigung «einer jüdifchnationalen Galuth'poMk bestreitet, so haben wir dem Igegenüber zu wiederholen, daß das Recht zu einer Nation keinem bestritten werden darf. Praktische Konsequenzen, wie sie Zollschan im Auge hat, werden natürlich von den jüdischen Nationalisten zu -tragen sein, und erstrecken sie sich über deren Kreis hinaus, so ist es Sache der davon Betroffenen, sich mit ihnen auseiUandörzusietzen. An sich, prinzipiell und allgemein, ist a-b-er keine NationalWt den-abzuspvechen, der sie beansprucht. „Wenn ich dich liebe, was gcht's dich an?" Daß Zollschan Me, die d!as Judentum erhalten wollen, auf irgend einer Plattform zu einigen für notwendig erachtet und daß er für -eine solche die Arbeit für Erez Israel hält, verdient allgemeinen Beifall. Denn dieses Moment ist sowohl mit der Geschichte als -auch der Religion der Inden unlösbar verwoben. Auerbachs Ansicht deckt sich im wesentlichen mit der Kahns. Nur reduziert er, wie wir sahen, die Merkmals, die -auch Kahn als jüdisch gelten läßt, auf ein Minimum. Seine Zusage, die Leser des „Juden" -über fbie Rassenfrage auf dem Laufenden zu erhalten, ist bei deren einzigartiger Wichtigkeit mit Dank vuszunchmen. Durch objektive Nachprüfung der Behauptungen unserer Rassentheoretiker wird noch so manches als -unhaltbar -erwiesen und damit einer -gefährlichen Vvlksvergiiftuug Kraft und Baden entzogen werden. -Und das tut not. Wissen ist -wohl Macht, aber mächtiger noch immer die Unwissenheit. (Schluß folgt.) An unsere Leser! Die vorliegende Nummer enthält zum ersteumale als Beiblatt die Veröffentlichungen der „Union deutschüster-- reichischer Juden". Wir haben uns zur Herausgabe dieses Beiblattes umso leichter entschlossen, als die „Union" und die „Wahrheit", in ihrer Tendenz wesensverwandt, im Kampfe für die Interesse» des dentschösterreichischen Judentums und gegen den Antisemitismus mit vereinten Kräften leichter ihren Mann stellen werden. „Die Wahrheit". "V"