Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1922
- Issue
- Heft 20 (12.10.1922)
- Date
- 1922-10-12
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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Veröffentlichungen SB fett IX., Sersaaffe 4 Mr „Grrion deutschösterreichischer Juden" Telephon Ur. 19 2-77 As unsere Mitglieder und Freunde! ML Leim vorliegenden BWt geht eün wiederholt und dringlich geäußerter Wunsch unserer Mitglieder und Freunde in Erfüllung. Die „U n i o n Leut!s ch ö st e rr ei ch ischer Juden" verfügt w reder über ei n eigenes Organ. Eine Tribüne ist wieder osten, von welcher Es wir feindselige Angriffe zurückweisen, Fälschungen aufdecken, Entstellungen bedächtigen und die böswillige Verlogenheit der Judmhasser brandmarken Tonnen. Zwei Jahrzehnte lang besaß die „Union" iU ihrer Monatsschrift ein publizistisches Sprachrohr, durch welches die Zentlralleitung nicht nur zn ihren Mitgliedern, sondern Ech zur gesamten Oestentlichkeit und zu den sür die Anwendung und Durchführung der Gesetze verantwortlichen Behörden sprechen Lonnte. Die nngcheure GeldentwertNnig hat die Fortführung der Monatsschrift und deren unentgeltliche Abgäbe -an unsere Mitglieder unmöglich, gemacht. Und jetzt erst, nach dem Verluste dieses VerstäNdigjungsmittels, wußten wir und wußten unsere Freunde zu ermessen, welch unersetzlichen Wert! eine regelmäßig erscheinende Zeitung für eine Schütz- und KampßorganstMdn der österreichischen Judenschaft besitzt, die im täglichen heißen Ringen mit übermächtigen Gegnern stcht, die, unablässig verlenntdet, geschmäht, besudelt, nicht einen Augenblick auifhvren darf, sich froftooK zu wehren und überallhin die Wahrheit zu verkünden. Wir wollen es alls gute Vorbed>eutnng nchmen, daß unser neues Organ den Namen „Die Wahrheit" führt. Mit seiner Gründung und feinem 'fast vierzigjährigen Bestände sind glanzvolle Namen des Judentums, wie 'Simon S z >a n t o und Adolf I e l l i n e % vievbnnldeni, an deren Tradition die neue Leitung des Blattes mit sichtbarem Erfolge angeknüp'st hat. Die Wahrheit wollen .auch wir in diesen Blättern sagen den Freunden zur Ehr', den Föilnden zur Wehr'! Und wir werden sie selbst dann sägen, wenn sie den Ohren unserer eigenen Anhänger nicht immer angenchm klingt. Bor mehr ,als Jahresfrist haben wir in der Monatsschrift einen Notruf an die österreichische Judenschaft gerichtet. Wir haben damals ausgesprochen^ däß keine Es die Anteilnahme breiter VolksschiWen berechuete und angewiesene Organisation in unseren Tagen der sozialen Auslösung und des schweren Existenzikampses der journalistischen Propaganda entbehren und ohne dieses starke Mittel zur Beeinflussung der öffentlichen .Meinung sich behaupten bann. Wir haben ansgeführt, daß Me wirff'Me Verteidigung unserer staatsbürgeäichen RechtsgleichheÄ ohne kraftvolle publizistische Vertretung nicht möglich wäre, daß wir aber auch eine' Zeitung brauchen, um immer wieder an Herz und Gewissen unserer Glaubensbrüder. an ihre Menschenliebe und ihr Svlidaritätsgefühl appellieren zu Wunen, und wir haben es als eine Ehrenpflicht der österreichischen Judenschaft, ja als ein dringeiches Postulat ihrer Selbsterhaltung bezeichnet, so rasch alls möglich diese Zeitung zu schaffen. Mit den Mitteln, welche nach diesem Ausrufe einslossen, konnten wir mit der in ihrer Tendenz uns nahestehenden „Wahrheit" di-e an anderer Stelle erwähnte Vereinbarung treffen. Dieselbe bedeutet zunächst nur einen A n f a n g und hat sich der Zentralverband zu ihr in der Hoffnung entschlossen, daß die Zeitung ftlbst das beste Werbemittel ist und daß jene Ehrenpflicht, von welcher wir sprachen, von dem Großteil unserer Mitglieder Mannt und erfüllt werden wird, w!enn sie nur einmal der greifbaren Wirklichkeit gegenüberstehen und das unentbehrliche Organ nur erst taffächlich geschaffen ist. Laut, und eindringlich extzcht deshalb heute njeuertich unser Ruff: „Deutschösterreichische Juden! Unterstützt und erhaltet eure Zeitung, zeichnet mit offener Hand für unseren Pretzsonds, werbet Abonnenten sür die ,Mahrheit", das Organ der „Union deutschösterreichischer Juden"! Stellet die Mittel bereit zur weiteren energischen Bekämpfung der antisemitischen Anfeindungen zur kraftvollen Verteidigung unserer verfassungsmäßigen Rechte, unserer Ehre und Existenz! Die Zeitung mutz durch uns und wir müssen durch die Zeitung wachsen. Jeder einzelne schützt sich selbst, sein Haus und seinen Herd vor antisemitischer Gefahr, wenn er den Fortbestand dieser Zeitung schützt. Es ist unnötig, das Programm dieses Blattes zu entwickeln. Das Programm der „Wahrheit" ist kein anderes als jenes der „Union" und ihrer früheren Monatsschrift. Wir wollen kein Titelchen nuferer.staatsbürgerlichen Rechte preisgeben, wir wollen gleichberechtigt und gleichverpflijchtet. mit unseren andersgläubigen Mitbürgern, redlich mithelfen an dem Wiederausb.aU dieses zertretenen Staates, wir wollen aber auch innerhalb dieses Staates nichts verkommen und verkümmern lassen, was jüdischer Geist und jüdische Hände geschaffen haben. Allen Fragen des Gesamtjudentums soll unsere regste Aufmerksamkeit zugewendet sein. Die Besiedlung Palästinas ist eine solche gefattitjüdische Angelegenheit, die durch die Bestätigung des englischen Mandates erhöhte Bedeutung gewonnen hat. Wir wollen dieses große Werk fördern, werden uns aber nach! wie vor entschieden dagegen stemmen, daß die öfterreichische Judenschaft durch nationale Schlagworte zerspalten und zerklüftet werde. Die Welt ist aus dien Fugen und der entfesselte Völkerhaß wendet sich immer und überall gegen die Inden. In Deutschland, in Ungarn, in Polen lodern die Flammen des Judenhasses wieder wild empor. In Oesterreich stehen wir vor unberechenbaren Möglichkeiten, vor sozialen Erschütterungen, deren Umsang sich jeder Voraussage entzieht. Es äst unsere ernste Ausgabe, in dieser gefahrdrohenden Zeit jedermann an seine Pflicht zu mahnen. Nur G emein s i n n und O p s e r w i ll i g k e i t, nur der Zusammenschluß aller kann jedem einzelnen Halt. und Kraft gewähren. Der Vorstand der „Union deutschösterreichischer Juden".