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Die Wahrheit · 1922-07-20 · Heft 15 (20.7.1922) · page 7

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1922
Issue
Heft 15 (20.7.1922)
Date
1922-07-20
Page
– (sequence 7)
Language
German
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D1 e Wahrh ei i Seite 7 Nr. 15 Rasse, Volk, Nation. Von Dr. Max Grunwald. (Forts-etzung.) ' Infolge eines technischen Versehens ist die dieswöchentliche Fortsetzung verspätet erschienen. - Sie soUle vor dem Kapitel „L-e (liehe Nr. 14) /stehen. ' Innere Kennzeichen: Palästinatreue. Soviel der äußeren Momente des' jüdischen Volkstums in Mer Zeit: «LaNd unld Staat, Sprache und «Stamm oder — genauer — Bnndesgeno ssenschast, Gemeinschaft im Bunde Abrahams. Nation und KultgemeiNde L«eckten sich. .Was, außerhalb dieser Nationalität stehend, das Land bewohnte, was nicht „Volk -Gottes" war, war eben einfach nur „Volk des Landes", d. h. „Volk" im Sinne der Bewohnerschaft eines und desselben Bodens, in diesem besonderen Sinne „Am haarez". Man konnte scheiden zwischen einer israelitischen Kultusnation — daher der Ansdruck „israelitische Nation" in der Ausschrift des früheren Wiener jüdischen Spitals („Krankenhaus, für die leidende Menschheit von. der hiesigen israelitischen Nation erbaut 1793") nicht ganz unberechtigt — und Palästinensern schlechthin.- > . Während somit äußerlich, wenn schon d>as Wort Rasse gebraucht werden soll, die Juden, fast möchte man sagen, eine Weltmischrasse darstellen, die sie zum Kosmopolitismus zu. prädestinieren scheint, hat sich frühzeitig aus der Kultusgenossenschaft eine Kultusgemeinschaft> eine „an-erzogene Rasse" (Röhmer) entwickelt. Erinnert doch schon das Signum und Jnsignum dieser «Gemeinschaft, die Mila, an den ursprünglichen Sinn aller Kultur, an die Pflanz enknltur, die ja oft gleichfalls durch Bdschneidung (!) der wilden Schößlinge herbeiigeführt wird. Bielleichlt liegt eine Anspielung hier au!f den Vergleich des aus. Aegypten nach KaNaan verpflanzten Israel mit einem «kultivierten Weinstock zngvujnde (Psalm 80, 9). In der Tat sollte ja mit dem Auszug «aus Aegypten für Israel ein neuer Abschnitt in seiner Geschichte und Kulturentwicklung beginnen und der Zusammenhang mit der „Kultur" Mizraims mit seinem Kastengeist, der in seinen Wirkungen dem Rassenwahn gleichkommt, der „Cherpath Mizvaim", wie Jdsua (5, 9) sie brandmarkt, und ihren Begleiterscheinungen (3. Mose 18, 3; 5. Mose 7, 15) durchschnitten werden. Wie eine solche Gemeinschaft der Religion mit ihrem gerade im Judentum durchgreifenden Einfluß auf die gesamte Lebensgestaltung leine Art „Rasse" «anerzieht, daß z. B. schon die gemeinsame Diätetik nicht ohne Wirkung bleiben kann. Hiefür braucht man nur an die Erfahrung der Pferd ezüchiter: „Die halbe Rasse kommt durch das Maul herein" (bei Herz, Moderne Rassentheorien) zu erinnern. Hiefür liefern unter anderem die Russen ein sehr lehrreiches Beispiel. In seinem für unseren Gegenstand überaus wertvollen -Buche „Der Judenhaß" sagt Konstantin Brunner (S. 193): „Im russischen Volke hat sich, trotz Berschiedenh'eit der Rassenwbftammnng und ungeachtet eines starken Einschlages von Mongolischem, infolge Erziehung durch die besondere Religion und die besonderen Sitten uNd Lebensnmstände in dem besonderen Staate, ein Typus und eine Physiognomie hevausentwickÄt, den man als besonderen anthropologischen Charakter zu bezeichnen geneigt sein könnte, wenn nicht feststünde, daß er keiner ist." Ja, noch mehr. „Eine beträchtliche Anzahl russischer Juden hat spezifisch russisches Aussehens, oibwvhl doch diese Juden wahrlich außerhalb der griechisch^russischen Religion und fast ebenso fchr außerhalb des eigentlich russischen Lebens und nicht einmal in einem rechten Verhältnis zur russischen Sprache stchen, also lediglich vor eolMMitatem. Nach Prüfungen Ripleys kommt sogar der Kopfindex der Juden Rußlands mit dem der Nichtjuden Rußlands völlig überein." Diese Macht des ' Milieus ■ konnte ich nicht nur an einzelnen russischen Juden in Europa, sondern selbst cm: russischen Zionisten in Palästina beobachten, die tränenden Auges hinausliefen, wenn sie von ferne das Psalmod-ieren vorüberziehender Wallfahrer -aus der russischen Heimat hörten. Oder hatte Graf T o l st o i Unrecht, wenn er dem Grabe Lewitans diesen als den russischesten, nationalsten Künstler bezeichnete? Hat nicht A n t o k o l s k i für Rußland ähnlich empfunden wie für Deutschland dessen vielleicht größter Patriot Börne, „der aus Germanrens stiefmütterlichen Brüsten das glühendste Leiben und den bittersten Tod gesogen?" Wer «fertnlt nicht orthodoxe Juden von der Waterkant und liberale Wiens, die den Typus ihrer Vaterstadt in keinem Zuge verleugnen 'können? Dieses Bodenftändigkeitsgeftihl, diese Heimatstreue, mitunter bis zum Lokalpatriotismus atomisiert, die sich besonders nach dem Weltkriege hie uNd da politisch in Separationsbestrebungen geltend machte und vorher in solkloristischer Betätigung. Ausdruck fand, war in den Juden von jeher lebendig in einem Grade ohnegleichen. Trotz der Ungastlichkeit der Mitbewohner war der Boden des Vaterlandes und seine Kultur ihnen derart ans Herz gewachsen, daß die jüdischen Exilanten aus Spanien noch heute ob ihres spanischen Patriotismus von Wortführern des Spaniertums gerühmt werden, daß die Inden des europäischen Ostens und die Amerikas als Träger des Deutschtums einer einsichtigen deutschen Politik die wertvollsten Dienste hätten leisten können. Weniger erstaunlich ist darum die beispiellose Zähigkeit und Inbrunst, mit der der Jude an seiner Urheimat Palästina hing, zumal sie für ihn auch zum religiösen Symbol -geworden war und den Anknüpfungspunkt seiner nationalen Erinnerungen, sowie den Angelpunkt seiner nationalen Hoffnungen bildete. Religiöse und sittliche Eigenart. Neben diesem lokalen patriotischen Motiv, »das noch heute in den Gebeten und Festen des Inden durchklingt, als sei idie Verbindung mit dem alten Heimatsboden nie gelöst worden, wirkte -auf die Seele des Inden der erzieherische Einfluß der Religion. Aus der Kultusgemeinde wurde nicht nur ein Religionsvolk vor exc&Mtemcei, dem . schließlich das restlose Llusgehen in religiöser Betätigung einen Organismus schuf, der ihm die volkserhaltende Kraft des Staates zu ersetzen vermochte. Zu-gleich wurde dem Volke durch seine Religion eine Moral eingeimpft, diesich bereits im biblischen Altertum durch instinktiven Abscheu vor Greueln und Lastern, «sowie in einer sprichwörtlichen Milde, zum Beispiel der Könige Israels, kundgab, so daß man mit Rücksicht aus diese Sonderstellung der Juden im alten Orient, die «vielfach ausgesprochen «gegen die sittlichen Auswüchse der semitischen Umgebung gerichtet war, sie in gewissem Sinne als „Antisemiten" zu bezeichnen ein Recht hätte. So spricht der Talmud (Jebamot 79 d) von einer jüdischen S e e l e n r a s s e oder, wenn man will: Rassenseele, indem -er als spezifische nationale Eigenschaften der Inden bezeichnet: eine «besondere Art von Barmherzigkeit (rachmanim), Scham vor gewissen Dingen, deren sich andere nicht schämen (baischanim) und Wohltätigkeit mit persönlicher Leistung (gomle gemilnth chassadim). Wer

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