Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1922
- Issue
- Heft 15 (20.7.1922)
- Date
- 1922-07-20
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/3062972-3063949-3063964--11799-3079222- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
diese Eigenschaften besitzt, ist würdig, in den Verband des Judmtums ausgenommen zu werden, wer sie vermissen läßt, beweist damit, daß er „nicht zu den Nachkommen Abrahams gehört". Allerdings wird auch -dlsi jüdisches Speeificum die Dreistigkeit (chazisuth) 'bezeichnet (Sichemot r. 42, 9), doch im Sinne Heinrich Heines, daß, wer in Demut npd Ehrfurcht vor Gott seinen Dienst auf sich nimmt, Nor den Menschen dreist und furchtlos sein muß. „Dreist und -gottesfürchtig!" Die Thora wurde Israel gegeben seiner Dreistigkeit (astuH) wegen (Beza 25). Wenn übrigens -an Israel in Aegypten hervorgehoben wird, Liaß es seinen Unterschied von der Ägyptischen Umgebung als Nation kenntlich erhalten habe (mezujjwnim: Dana d' 'be Glijahu r. 17), so bestand das Unterscheidungsmerkmal nach R. Samuel b. Meir in der besonderen Tracht, nach R. Elia Wilna in der Besonderheit der Satzungen und Bräuche. Bon „Rosse" oder dergleichen weiß man nichts. Gerstvoll behandät diesen Gegenstand Ad. Jellinek in seiner Studie „Der jüdische Stamm", Inder er unter anderem auch jüdische Autoren (so S. 152 Jsak Arama und Juda Lerma) anführt, die der Rastentheorie nahestehen. ' Die seelische Heimat. , Hievon ,abgesehen, bWeu die Juden aber «auch eine Schicks'alsgeiNeiUschaft mM somit — dies der psychische Reflex — eine 'ethische Gemeinschaft. Schön und treffend schreibt I. Stengel „Ein Vorschlag zur Judenfrage" (Wien, Dezember 1918, Seite 3) von Hnen: „Aus chrer Geschichte sind Erkenntnisse für Hr sittliches Fühlen und ihre Gedankenwelt geflossen, für ihre Ausfastuntz von Menschentum und Hilfsbereitschaft, von Sichfützen im Leid und Sichbefcheiden in der Freude, daß solch seine, die ganze Führung des Lebens wie mit zartesten Farben überhauchjende Auffassung des Daseins eine stille, reine Atmosphäre um ihre Seelen : schuf, in der nicht prangender Ruhm, aber innere Größe, nicht rauschendes Glück, aber wehmütige Schönheit wohnt. Und diese Atmosphäre aus «gemeinsam getragenem Unglück, ans tiefstem Einauderverstchen, ans innerster' Zus«ammengchörigkeit — diese Atmosphäre ist unsere uuirdische Heimat. Und wessen SeÄe begnadet ist, diese Heimat der Schönheit und' Hoheit wahrhaft zu erfassen, der ist Hr zu eigen und UM sie inbrünstig, mag er für sie Noch so viel Tribut an Tränen und Blut entrichten müssen." Dieses Wort „unirdische Heimat" ist jedenfalls für die Gegenwart mindestens so zutreffend, wie das von dem „portativen Vaterland" der Juden, als welches man die Bibel bezeichnet hat. Gar viele unter uns wären im letzteren Sinne vaterlandslos, während jene Gemütseinstellung als für den Juden so charakteristisch! gilt, daß man znm Beispiel die bucharischen Juden in Jerusalem firr fremden Stammes hält, weil Hnen angeblich das „jüdische Herz" fehlt. (Fortsetzung folgt.) Weltanschauungen. Bon Joseph L a z a r u s. (Schluß.)' Daß diese Weltanschauung dem Volke durch das Studium beigebracht wurde, beweist Leroy-Beaulieu aus folgende Weise: Seite 212: „Israels Vorbild ist der gelehrte Rabbi, der Talmndist. Jakobs Seele war nicht durch 20 Jahrhunderte im „Geschäft" erschöpft. Der Geldwechsel war Hm nie mehr, als ein äußerliches Mittel, um den Lebensunterhalt zu gewinnen; umsomehr als man Hm lange kein «anderes -gestattet hat. Nicht dem FiNanzmanne galt die Achtung des. Volkes, — aber dem großen Rabbi, dem A n s l e g e r d e t T h o r a, dem Gelehrten. Israel war dasVolkdesB uch e s, bevor es zum Volke des Comptoirs wurde." Seite 203: „Ihre Kinder haben in «den Thorarollen lesen können, lange bevor den Germanen die Runenschrift bekannt war." ' -Seite 213: „Im 18. Jahrhundert noch war der Stolz der Juden, in ihren Familien einen guten Gelchrten einheiraten zu lassen. Sie wetteiferten mit der Mitgift ihrer Töchter, «um junge, vielversprechende Gelehrte zu Schwiegersöhnen zu gewinnen. Es war ein förmliches Geriß um kleine, hoffnungsreiche Gelehrte. Als lljähriger Knabe hatte Salomon Maimon bereits viele schwiegerväterliche Bewerber. Er vollendete seine Studien — im Hause seiner Schwiegereltern. In Berlin war es die Tochter eines reichen« Bankiers, Welche Moses Mendelssohn, dem Sohne eines armen Thovahrollenabschreibers, die Hand reichte, bloß wegen seines Gelehrtenrufes." Seite 214: „Die Juden hatten keinen' geborenen und keinen 'ernannten Adelsst a n d; bloß die Wissenschaft war durch 2000 Jahre die einzige Auszeichnung bei den Juden." „Der 'Gelchrte hatte den Vorrang vor dem König, wenn die feindliche Hand irgendwo in Juda eine Schule schloß, ft w änderten die Rabbis übers Meer, um Hre Akademien wieder zu eröffnen.";r Seite 213: „Der Jude bewundert die Wissenschaft. Seit dem Befreiungs-Edikte des Cyrus, bis zu dm Sanhedrin Napoleons, seit dm Soserim Palästinas bis zu dm Amorain Babylons — Israels Vorbild war der Forscher des Gesetzes." Seite 215: „Rabbiner und Hachamin waren nicht Stubengelehrte; sie standen immer ita engster Beziehung zuM Volke, zur Masse; sie bildeten seine Seele, sie formten seine Intelligenz, sie waren seine Führer, seine Häupter. Jeder Jude war mehr oder minder ein Schriftgelehrter. Analphaibeben waren selten. Der obligatorisch e U nterricht bestand in Israel i m m e r zu Recht. Niemals haben die Juden die Wissenschaft dem Klerus überlassen. Jeder Jude war Priester. Jeder Jude war gehn lten, die Thora zu studieren." Seite 216: „So mancher Gewerbemann, so Mancher jüdische Kaufmann, halten in der Hinterstube ihres Ladens einen Talmud-Traktat, bien sie abends studieren. Jüdische Arbeiter versammeln sich in ihren „Mausen", um das Gesetz zu kommentieren. Anstatt des Wirtshauses, pflegen die jüdischen Arbeiter Hre „Chewrot", um 'dem Dhora- Studftm zu obliegen. Jede Ch ew ra hat ihren Maggi d, ihren Erklärer." Schließlich charakterisiert Leroy-Beaulim die jüdis'che Wellauffastung ftlgendermaßen: Seite 161: „Wenn der Geist der Thora in die Seele aller Völker dringen würde, — ft hätten wir eine universelle Religion (Weltreligion), die aber definitiv sein wird." Unsere Weltansicht war bereits, wie oben gezeigt, aus dem Wege, Unilverfalreligion , zuwerden. Die Jntelligenz ockler Völler sammelte sich um sie, doch blieb deren Allgemeinheit außerhalb der Mauer stehen, wetzen des Rituales der ' Beschneidung' Diesen Umstand .benutzte die