Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1922
- Issue
- Heft 13 (23.6.1922)
- Date
- 1922-06-23
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 6 Die Wahrheit Nr. 13 Um nur kurz ibiie wesentlichsten Momente zu stteifen: Zuerst die Schöpfungsgeschichte in .ihrer Ifßoreit; einfachen Erhabenheit, die Welt «als Schöpfung d^s einen allMigen Gottes: „Und Gott fah, daß es gut sei" (Genesis 1, 10); „und Gott sah alles, was er ge-schaßsen, und siche, es war sehr gut" (das. 1, 31); ferner die sittliche Tendenz der Erzählung von den ersten Menschen^ Adam uNd Eva im Garten Eden, die Darstellung, die warnen und abschreckend wirken will vor der Verführungsgewalt der Sünde, die zu besiegen des Menschen Me hohe Pflichtaufgabe «bedeutet (Genesis 2, 17; 4, 7); ferner die sittliche DeNdenz der Sintfluterzählung und der Geschichte Noahs; sodann «das Auftreten Abrahams als des ersten GotteÄünders inmitten einer in Götzenwähn versunkenen Heidenwelt, Md überhaupt der das Gemütsleben bereichernde, herzergreifende Charakter der Pattiarchenerzählungen im ersten Buche Mosjs; hierauf im zweiten Buche die Geschichte der Israeliten in Aegypten, die sieghafte Sprache Moses vor Pharao: „Damit du erkennest, daß keiner ist, wie der Ewige, unser Gott" (Exodus 8, 6); /damit du erkennest, daß keiner ist gleich mir aus d>er ganzen Erde" (Exodus 6, 14); „damit man rühme meinen. Namen ans 'der ganzen Erde" (ebendafelbe V. 16); dann der Auszug aus Aegypen, die hiebei öfters gebrauchte merkwürdig originelle Bezeichnung der Kinder Israels als , Heerschlwen Gottes" (Exodus 12, 41), wie um ihre weltgeschichtliche Sendung schon au der Wiege ihres Daseins anzukündigen; ferner das «Siegeslickd, die Offenbarung, die SLiftshütte als Zeichen dafür, daß Israel stets die Heimstätte des Göttlichen bleibe (Exodus 25, 8; 29, 45 und 46); im dritten Buche besonders das '19. Kapitel mit dem Vorworte: „Heilig sollt ihr sein, 'denn heilig bin ich, der Ewige, euer Gott," das ethische Pathos die sittliche Hoheit, die aus diesen 'Worten spricht, wie später aus allen Reden der Propheten; im vierten Buche besonders der Priestersegen, seine harmonische, sprach- und stilkünstlerisch vollendete Gliederung in drei Teile (Numeri 6, V. 24 bis 26), in jedem Teile je einmal der heilige Gottesname, der «ganze Pr-iestersegen aus 15 Worten bestehend, der erste Teil aus 3, der zweite aus 5, der dritte aus 7 Worten, also iurmer mehr zunehnrend, zur Höhe hinansteigend, wie das Menschenleben, «das er begleitet, immer mehr zur Höhe emporsteigen soll; in jeidem der drei Teile je zwei Zeitwörter: „Er seg n e und b eh ü t e; er «lasse leuchten und begnade; er wende zu und verleihe Frieden; endlich im fünften Buche die Schlußermahnungen Moses: „Höre, Israel", , liebe den Ewigen, deinen Gott" (Deuteronomium 6, V. 4, 5 ff.), und besonders Kapitel 31 und 32, in denen das Lied „Höret, ihr Himmel" ganz unmittelbar «als „Zeugnis Gottes" (31, 19 u. 21) bezeichnet wird, das heißt, daß die ganze darin dargestellte menschhertliche «und israelitische Geschichte als Zeugnis des Gotteswalteus gMe. Die vor ansteh enden Erörterungen machen daher dtn Ausruf des Psailmensängers verstärrdlich: „Deine Zeugnisse, Gott, sind schr bewährt, dein Haus ziert Heiligkeit, Eitriger, für die Dauer der Zeiten." Und wenn Israel wieder durchdrungen sein wird von der Ueberzeugung, daß die Bibel Gottes Offenbarung ist, bann wird es endlich an die Erfüllung seiner Sendung hevantreten, die ihm am Sinai verkündet worden ist: „Ihr sollt mir ein Reich von Printern und ein heiliges Volk sein" (Exodus 19, 6), daun «werden wir Juden uns wieder heiligen, wie einst am Sinai in Gesinnung, Wort und Tat, damit sich die Segnung erfülle: „Und sehen werden alle Völker der Erde, baß «Gottes Name über dir genannt ist, und sie werden vor dir Ehrfurcht haben (Deuteronomium 28, 10), wie auch Gesafa's Vierkündigung: „Ihr werdet Priester dos Ewigen heißen, Diener unseres Gottes wird man Mich nennen" (Jesaja 61, 6). Nur iU dieser Weise «können wir «auch den sogenannten Antisemitismus überwinden^ die Feindschaft gegen uns zum Schweigen bringen, «wenn wir in Wahrheit das heilige Volk Gottes werden, es daher zunächst als unsere heilige Aufgabe betrachten, alles ibiaimw zu fetzen, um die Heranwachsende Mische Jugend wieder die Bibel im Urtexte der heiligen hebräischen Sprache voll und ganz kennen zu lehren, alle Einrichtungen, die in dieser Richtung «bereits bestehen, wie Bibelschstlen und ähnliche, tatkräftig zu fördern und neue Nach «Möglichkeit ins Leben zu rufen, denn die Welt wird wieder zur Bibel zuvückkehren, M.es »eat erwachende religiöse «Gefühlsleben, das in uNsern Tagen zum Dell sich zu regen beginnt, erscheint dem tiefer blickenden Menschenfreunde wie ein sehnsüchtiges Zurücktasten nach «dem Kulturschatz .der Bibel, diesem ältesten und vornehmsten Lehrbuche der Menschheit. Dann wird wirkliche Bildung und Gesittung in der staatlichen Gemeinschaft sich verbreiten und «des Psalmensängers Ruf von jedem als echt empfunden «werden: > ,Deine Zeugnisse, Gott, sind sehr bewährt, dein Haus ziert «Heiligkeit, Ewiger, für die Dauer der Zeiten. Dr. M. E. Prossnitz. Rasse, Volk, Nation. Von Dr. Max Grunwald. ' (Fortsetzung.) Der biblische Standpunkt. Wenn, wie allgemein anerkannt, >sür die «sogenannte ,Rassengeschichte" der Juden «vor allem die Bibel zu befragen ist, so müssen wir «doch deren Zeugnis hören: Es lau ttt wie folgt: 1. Die Menschheit stammt von einem Paare ab. Der Mensch ist im Ebenbild Gottes geschaffen. Keine Menschengruppe hat somit vor einer anderen einen anthropologischen Vorzug. Jeder «Mjenfch «trägt «a!l?s solcher von Adam her «den Mel der GottesebenbiWichkeid. 2. Die Trennung der Nationen erfolgte «aNf Grund der Spruche n scheidung «als Strafe Mr «den Turmbau zu Babel. (Gen. 1, 9.) 3. Das jüdische Volk «stammt von einem «amoräischen Vater uNd einer chetitischen Mutter ab. (Ezech. 3, 16, 45.) 4. Abraham, der Urvater Israels, gründet ein Volkstum aus der Basis «der Reliigion. (Gen«. 18,19.) Das Entree in diesen Bund bildet die Beßchneidung. (das. 17, 11.) Ein Beweis, daß „Rassenadel" und „Reinheit des Blutes" dem jüdischen Altertum «unbekannte Begriffe waren. Die Einführung des Prvselytentnms -entzog jedem. Rassendünkel von vornherein den Boden. Die Mischehe ist aus religiösen, wenn man will religionsnationalen Gründen verpönt. Sie bedeutet die Verbindung mit einem Anders gläubigjen«, nicht' Andersrassigen. (Vgl. Esra 9, 14.) Nicht >Aiujfna!hme fremden Blutes, sondern Annahme «fremden Wesens, «das «somit als vom Blute unabhängig ungeschen «wurde, lchnte man ab. 5. Psalm 87 scheint betonen zu wollen, baß. im Gegensatz zu anderen Völkern in Israel die Zuständigkeit nicht von dem Zufall der Geburt, somit vbn vinHm geographischen Umstande abhängig gemacht' wirb. Die religiöse Zugehörigkeit ersetzt die ,Mutmäßfge", Aas heißt —- «im Sinne der modernen Nationalisten — nationale bei anderen Böllern. ..