Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1921
- Issue
- Heft 3 (3.2.1921)
- Date
- 1921-02-03
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 1Ö Hr. ä Die Wa aus sein langjährWs VorftarHsmandat «wurde im Sinne der PMpvrzb^timMung Herr Karl Schrenz w z i g, Direktor des „Globus", in den Borstand berufen. Mi-t Herrn Earl Ehrenzweig gckvinnt der Vorstand einen Mann der Praxis und reicher Evfcchrung, die er sich durch seine hervorragende 'langjährige Tätigkeit im Vorstande des Leopoldstädter Tempelvereines Aeschel Awrohom erworben hat. Die Juden Oberschlesieus. Die Aufmerksanrkeit, die in diesen Wochen ans das ober-schlesische Wstimnmngsgebiet gelenkt wird, rechtfertigt es, daß wir ans einem Aussatz in der Weihnachtsnummer der „Nachrichten vom Bunde der Reichsdeutschen in Oesterreich" über die Juden in Oberschlesien einen beachtenswerten Artikel aus der Feder Seiner Ehrwüvden Herrn Rabbiner Dr. Max G r u n dw a ld auszugsweise abdrncken, den der geährte Verfasser für uns zu ergänzen die Freundlichkeit hatte. In ungetrübtem Einvernchmen lebten . neben und miteinander Katholiken, Protestanten und Juden. Pfarrer, Pastor und Rabbiner pflegten untereinander kollegialen Verkehr. Bei jeder patriotischen Feier standen sie Seite an Seite in vorderster Reihe. Schulter an Schulter schützten sie die gemeinsame Heimat vor dem Eindringen konfessionellen Haders. Unter dem Schutze eines solchen Gemeinsinnes und Gerechtigkeitsgefühles hängen die oberschlesischen Juden mit inniger Dankbarkeit und Liebe an der väterlichen Scholle, die seit mehr als sechs Jcchrhunderten jüdischeSied langen trägt. lieber ihre Verbreitung belehrt ein .einziger Blick auf Familiennamen, wie: Bendiner, Benthner, Blumeuthal, Birawdr, Brimtzer, Cwiklitzer, Grottkauer, Gnradzer, Gnttentag, Hultschmer, Huldschinsky, Javobowitz, Janvwer, Kammer, Koslowsky, Kupferberg, Kuschnitzky, Leschnitzer, Lomnitz, Markowitz, Matzddrs, Mokrawer, Neuster, Oppler, Plessner, Pnivwer, Poppel- Mer, Proskauer, Rosenberger, Schönwald, Simmenauer, Schrauer, Tichauer, Timendorfer, Tropplowitz, Wienskowitz, Wohlauer, Zülzer und andere. Die ganze Landkarte Oberschlesiens entrollt sich da vor unseren Augen. An dem Aufschwung des oberschlesischen Bergbaues haben Juden seit seinen Anfängen tätigen Anteil genommen. Noch heute erinnern hieran die Nanren von Gruben^ einzelnen Schächten und Hütten. Zu dein raschen und gesunden Aufblühen von Handel und Gewerbe, das nahezu mit amerikanischen Verhältnissen den Vergleich aushält, haben die Juden Oberschlesieus weit über das ziffernmäßige Verhältnis zur übrigen Bevölkerung hinaus beigetragen. Mit Genugtuung konnte man auf die starke, Vertretung der Inden in den städtischen Ehrenämtern, ebenso aber auch im Handwerk Hinweisen. Hat Oberschlesien trotz der Jugend - seiner Kultur aus seinem Schoße der Kunst, der Wissenschaft und Technik so manchen Meister, wie Eich'endorff, Gustav Freytag, Friedrich von Sollet und noch mehr Förderer mit klangvollem Namen geschenkt, so zählt man unter ihnen auch! Juden, wie Max Ring, Ulrich Frank (Ulla Hirschseld), Holländer, Hulaschiner, Münzer, SWergleit, Zweig, Muhr, Oppler, Staub, Ludwig Traue, Siegtmund Frankel und «andere. Auch in der (Äschichte des Judentums haben OberschlHer eine Rolle gespielt. Unvergessen Weilten die Vorkämpfer für bürgerliche Gleichstellung der Juden Abraham Muhr in Pleß und der bekannte Philologe Dr. Freund in Gleiwitz, sowie die literarischen Leistungen der Rabbiner Lewysohn (Peiskretscham), Hirschseld, Münz (Gleiwitz) und Deutsch (Sohrau und Gleiwitz). Teils der jüngsten Vergangscheit, teils der Gegenwart gehören an: Philipp Bloch, Kirschner, Guttnrann,^ Landsberger, Prager, hrheit ^Lahmer, Ritter, Nosin, Schlesinger (Albany), Wiener und andere. Alles Namen, die ich nach dem Gedächtnis niederschreibe uNd die zu ergänzen Ausgabe einer oberschlesischen HeimatWunde sein sollte. Sie sind Zeichen einer gedeihlichen Entfaltung aus allen Knlturgebieten, möglich nur im Schatten eines religiösen Friedens, wie er im deutschen Oberschlesien von jeher gcherrscht hat. Durste doch schon unter Friedrich dem Großen ein^Katholik, der Nicolaier Stadtrat Stcblicki, unangefochten zum Judentum übertreten, während nm dieselbe Zeit ein jüdischer Proselyt in Neubydzow (Böhmen!) damit bestraft, das heißt qualvoll hingerichtet wurde, Daß man 'chm eiserne Nägel m den Kops 'trieb. 5Üjähriges Dienstjubiläum. Dieses ebenso seltene, als besonders erwähnenswerte Fest feierte am 15. Jänner Herr Ferdinand K o r e tz, Prokurist der Firma Brüder Wetzler in Eger (Ungarn). Seit Jänner 1871 bei dieser Firma ununterbrochen tätig, Hat der Jubilar sich sowohl das unbegrenzte Vertrauen der Firmainhaber, als auch die Zuneigung der großen Zahl Angestellter erworben, d'e mit ihm in Berührung kamen und deren Bedürfnissen er in seinem Wirkungskreise wohlwollendst entgegenkam. Zahlreich ist die Schar seiner Freunde und Bekannten, deren Wertschätzung und Achtung er sich erfreut. In. Würdigung seiner bewährten Tätigkeit und Pflichttreue wurde Hm — als erste?., den diese Auszeich- - uung zuteil «wurde — schon «vor Jahren die silberne Handelskammermüdaille -mit Diplom verlichen, seine 40jährige Tätigkeit wurde staatlicherseits durch Verleihung des staatlichen Ehrenzeichens gewürdigt.-Der Jubilar erreicht seinen Ehrentag in vollster Frische, in einem glücklichen Familienkreise. Seitens der-Beamtenschaft der Firma wurde das Fest angesichts der derzeitigen Verhältnisse - nur im engen Rahmen und Kreise durch eine kleine Veranstaltung gefeiert. Es bleibt noch zu erwähnen, daß der Jubilar seit Jahrzehnten als Obmann des Temp elchorv er eines 'fungiert und seit einigen Wahlperioden das Ehrenamt des Kassiers der Kultusgemeinde inne hat. Es erschienen mehrere Honoratioren, unter anderem der Kultusvorftcher Löwy, Rabbiner Dr. Grünfeld und Herr Sigm. Pergamenter als Ostmann des Vereines Ahaba-Zion im Hause des Jubilars und überbrachten persönlich ihre Gratulation. Vierzig Jahre im Kampfe fürs Judentum. Wie in unserer vorigen Nummer mitgeteilt, vollendet heuer „Egyenlösäg" das 4. Jahrzehnt seines Bestandes. Das von Dr. Ludwig «Szabolcsi redigierte politische Wochenblatt des ungarischen Judentums Hat fast ein Menschenalter oft unter schwierigen VerhMnissen, stets mit unentwegter Begeisterung und Hingebung die Sache des ungarische:! Judentums verteidigt, die Fackel der Liebe, der Wahrheit und Gerechtigkeit hochgeschwungen, war. die sichere Zufluchtsstätte jüdischen Geistes, jüdischer Kultur 'und aller Mischen und' patriotischen Bestrebungen des ungarischen Judentums. Dem Redakteur Dr. Ludwig. Szabolcsi, der die Feier des vierzigjährigen' Jubiläums des von seinem verblichenen Vater Max Szabolcsi fast 'dreißig Jahre redigierten Blattes in aller Stille begehen . wollte, sind Ms diesem Anlässe zahlreiche Glückwünsche Ms «allen Dessen des Judentums zugegangen. Auch wir schließen uns den Gratulanten anfrichtigst an. Der Chekul Baschem. Dieses Wortgebilde entstammt weder dem persischen, -noch dem phönikischen Sprachschatz. Auch der bestunterrichtete Assyriologe wird ihm keine Deutung geben können. Deshalb «wollen wir, dem Leser