Mannheim
Compact Memory

Die Wahrheit · 1921-02-03 · Heft 3 (3.2.1921) · page 11

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Wahrheit
Volume
1921
Issue
Heft 3 (3.2.1921)
Date
1921-02-03
Page
– (sequence 11)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
91% known words query
IRI
…/3062972-3063903-3063906--11169-3078557
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Nr. 3 Die Wah rheit S^ite 11 alles Kopfzerbrechen ersparend, die Lösung geben: Der Chuknl Baschem, wie er in der vorigen Nummer dieses Muttes erschien, ist ein tückisches Gebilde des ob seiner argen Ducke sattsam bekannten 'Setzkastenkobolds, dem es beliebte, solcherart den im Manuskript enthalten gewesenen Ehilnl Haschem zu entstellen. Wir sind überzeugt, daß jeder des Hebräischen einigermaßen Kundige diese Deutung von selbst gefunden, und dem Unkundigen wird die Sache nicht nahögegangen sein. Aber gerade die Leser solcher Art haben sich darüber wesentlich aufgeregt und aus ihrer Stimmung kein Hehl gemacht. Zur Entschuldigung —> wenn es überhaupt ihrer bedarf — sei bemerkt, daß wir die Tempelnotiz in '-letzter Stunde vor Drucklegung des Blattes erhielten und in freudiger Erregung ob der willkommenen Botschaft dievorzunehmendeKorrektur der Drukkerei nicht erwarteten. Der Kobold feierte einen seiner schönsten Triumphe und die Nörgler, die eifrig hinter jeder Sache zur mißgünstigen Kritik lauern, konnten eben einen Sturm im Wasserglas, dem natürlich jede Bedeutung fehlt, entfesseln-. UnanaeNchmer >Nls «die Richtigstellung des obigen ist uns die Richtigstellung, daß mit dem Bau des Leopoldstädter Tempels leider nicht am 17. v. M., wie wir berichtet, begonnen wurde, sondern daß er erst demnächst in Angriff genommen werden soll. Bervfsjubiläum. Der langjährige verdienstvolle Mitarbeiter der Firma Jakob Neurath, Herr Leopold H i rs ch, Obmann des Thalmud-Thora-Betbausvereines, feierte sein v0iädriges Dienstjubiläum. Der Jubilar wurde aus Anlaß seines langjährigen verdienstvollen Wirkens von seinen Chefs und Amtskollegen geehrt und erhielt vom Gremium der Kaufmanpfchaft «die. große goldene.Verdienstmedaille. Der Verband der Tempel- und Bethausdiener in Wien hielt am 16. v. M. im Jndustriellen-Cafe, 1. Bezirk, Eoncordiaplatz 5, seine von Mitgliedern und Gästen zahlreich besuchte konstituierende Genenallversammlung ab. Als Delegierte waren erschienen: Vom Tempelverein Wied>en-Margareten« Herr Ignaz Taussig, vom 10. Bezirk die Herren S t r a ß b -e r g und Spitze r, vom 2. Bezirk Montefiore Herr Jakob W e i ß, vom Verband der Angestellt!en der Kultusgemeinde Herr Lehrer P i ck, vom Kantoreckverein Herr Oberkantor Schle - sin g er und Herr Sekretär Flefch. Obmann Neum a n n, der die Generalversantmlung erö'fmete, betonte in seiner Ansprache, daß «dlem Verbände jede agressiven Absichten ferne liegen. Die Verbandsleitung will gemeinsam mit den Vorständen der- Tempel- und Bethausvereine die momentane große Not bekämpfen. Cs muß gearbeitet werden, um die Einnahmsquellen der DeMpelvereine zu erhöhen«, eventuell neue zu «erschließen, zum Wähle der Tempelvereine und ihrer Angestellten. Natürlich wäre es von großer Wichtigkeit, wenn sich sowohl die Tempel-, als «auch Bechausvereine organisieren würden, um durch gemeinsame «freundschaftliche Beratungen zu einem allgemein befriedigenden Ziele zu gelangen. Nach -anregender interessanter Debatte, an welcher sich« sowohl die Delegierten als auch die Mitglieder beteiligten, wurde eine dom Obmann. Neumann vorgeschlag-ene Resolution angenommen. In den Vorstand würde, das vorbereitende Komitee, die Herren Neumann, Grünbaum, Gollerstepper, Fürst, Paschkus, Schwarz uckd Brakl wiedergewählt. Israel Wilkowitz. In Jonkers bei New-Hork wird berichtet, daß an «den Red. Israel W >lkowitz vor den Feiertagen der «ehrenvolle Ruf der dortigen orthodoxen Gemeinde als Kantor erging. «Seit 11 Jahren fungierte der betreffende Reverend in gleicher Eigenschaft in Sche nectady N. I. und erbaute seine Gemeinde durch seinen herrlichen Vortrag uckd seine gewaltigen Stimmittel. Gegen die Ackfkündignng seines Amtes erhob die frühere Gemeinde Protest und wollte den beliebten Funktionär aus den Diensten nicht entlassen. In der Jonkerser großen und vornehmen Orthodoxen-Synagoge fand Rev. Wilkowitz beim Vortrage an den hohen Feiertagen gleiche Bewunderung, die in dargöbvachten Jascher Koachrnfen und anderen Ovationen zum Ausdruck kam. Rev. Israel Wilkowitz ist der Sen'ior einer Kantorenfamilie, ein Bruder, der feinfühliger Sänger und Musiker ist, fungiert seit mehr als 30 Jahren als Oberkantor in Warasdin (Kroatien), ein zweiter als Rev. im Tempel Ohabei Schalom in Boston und ein dritter als Oberkantor in Eger. Herr Wilkowitz gehört der strengorthodoxen Richtung an. In Kalvarja (Litauen) geboren, «sang er bei den berühmtesten Kantoren Rußlands und kam nach kurzer Amtsdauer in einer preußischen Kultusgemeinde nach Ungarn. Er fungierte in Szt. «György, Deutfch-Krenz und kam schließlich nach der Krone der ungarischen Kultusgemeinde — Preßburg — als erster Kantor und Schochet, von wo er nach den Bereinigten Staaten mit seiner Familie übersiedelt. Das verrammelte Tor der Zuflucht. Infolge der wirtschaftlichen Mißlage mit der daraus hervorgegangenen Arbeitslosiigkeit als Nachwirkung des Weltkrieges ist sogar Amerika gezwungen, ein gesetzliches EiüwcmÄ-erungsverbot zu erlaßen. Von allen hievon Betroffenen leiben die armen verfolgten Juden darunter am furchtbarsten. Aus ddr überftrömenden Fülle seines jüdischen Dichterberzens läßt deshalb Jakob Finigermann an di«e amerikanischen Arbeiter einen tiefempfundenen Aufruf ergehen, dem wir folgende Stellen entnehmen: Amerika: das hieß: dem trunkenen Blutdurst entmenschter Banden, d«er würgenden Drosselung antisemitischer Gesetze, dem vernichtenden wirtschaftlichen Boykott eines Kontinents ecktrrnnen, auf dem Menschenrechte mit sadistischem Raffinement geschändet werden. Kosaken, Generäle, Abenteurer und voliti'che Hyänen haben das jüdische Volk in bestialischer Weife dezimiert, von feinen Wohstätten vertrieben und «der Lebensno twendigkeiten beraubt. Und doch ist dieses «beispiellose Martyrium nicht abgeschlossen. Eine chinesische Mauer von Bütteln, Zensoren und Preßkanaillen Erstickt den Todesschrei des jüdischen Volkes, daß er den freien Völkern über dem großen Wasser nicht zu Ohren komme. Mit dem flehenden Blick der verfolgten Hindin sucht das jüdische Volk den rettenden Ausweg. Der Beschluß von San Remo hat -die Hoffnung -auf Erez Jisroel nvu beleibt, aber jedem Einsichtigen ist es klar, daß unser altes Land vorläufig nur eine kontingentierte Einwanderung verträgt, und daß es Jahrzehnte dauern muß, ehe dort eine jüdische Millionenbevölkerung Nahr u n g finden wir d. Kann der Verfolgte warten? Muß er nicht dem Messer -des Mörders entrinnen? Fingermann schließt seinen flammenden Aufruf, das verrammelte Tor der einzigen Zufluchtsstätte bedrängter Fud'en wieder freizugeben, mit den eindringlichen Worten: Jüdische Arbeiter in Amerika! Der Antrag ist ein Todesurteil gegen eure leidenden Brüder und Schwestern in Europa. Mit aller Kraft müßt ihr «euch dagegen auflehnen. daß ihnen die Zuflucht zu euch genommen wird. Ihr müßt in den Unions (der Gewerkschaften unter Führung Gompers). die einen großen Teil ihrer Macht euch verdanken, mit Entschiedenheit fordern, daß dem Antrag im Senate die Sanktion versagt werde. Hoffentlich wird dieser tiefempfundene Aufruf «des silbischen Dichters von Erfolg sein.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.