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Die Wahrheit · 1921-01-06 · Heft 1 (6.1.1921) · page 10

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1921
Issue
Heft 1 (6.1.1921)
Date
1921-01-06
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seite 10 Die Wahrheit Nr. 1 di« aber schon längst als 'Fälschungen erwiesen wurden, den Nachweis zu bringen, 'daß das ungarische Judentum dem Lande nur geschadet ha^. Nach einer «drückenden Kritik des Werkes Szekfüs fährt Dr. Szabolcst fort: „Jene, die Julius Szekfü als Vertreter des Judentums anführen, Wunen uns nicht repräsentieren. Wenn der Historiker Szekfü gesucht hätte, hätte er auch solche Männer gesunden, die -das ungarische Judentum tatsächlich vertreten können. Wir denken hiebei nicht -an Ignatz Acsady, an Maroali, an Wahrmann, GoLdzieher, Goldmark, Franz Molnar, Csemegi, Fayer, Vaszonyi, Eduard Mahler, Leopold Feher, nicht an Genies, nicht an Personen, sondern an eine Masse. An tausend, zehntausend, hunderttausend Inden. An jene 134.600 ungarische jüdische Soldaten, die — laut der 'amtlichen Statistik des gewesenen k. und k. Kriegsministeviums — im Weltkrieg an der Front gekämpft haben Md die vor dem Richterstuhle 'der Geschichte mit ihren 'Körpern und Seelen, mit ihrem Leiben und mit ihrem Blute, mit ihrer Selbstaufopferung und Treue Zeugenschaft davülber 'abgelegt haben, ob das JNdentum in Ungarn ungarisch gewesen ist. .Bon den 134.600 verwundeten, -invalid gewordenen, gefallenen ungarischen jüdischen Frontsoldaten, von jenen, die am würdigsten das ungarische Judentum vor dem Richterstuh'le der Geschichte vertreten Wunen, und die jener nur mit Huldigung nennen dürfte, der eine ungarische Geschichte schreibt, von ihnen lesen wir im Werke Julius.' Szekfüs nicht eine Zeile.. . Mir sind darauf vorbereitet, dcch das nue Buch Szekfüs eine reiche Quelle der antisemitischen Angriffe und der jüdischen Bitterkeit werden wird. Trotzdem müssen wir aber erklären-, daß nicht wir Juden uns dagegen verteidigen müssen. Man wird uns bange die falschen Daten an den Kopf schlendern, unter die nunmchr Szeffü seinen Namen gesetzt hat. Doch wir werden es ertragen. Die Abwehr ist nicht Mein unsere Sache. Unser größtes Jahrhundert, die größten -ungarischen Staatsmänner, Patrioten, Charaktere h-at Szekfü -in seinem neuen Werke mit Schmach beworfen. Es ist nicht von Wichtigkeit, daß darin über uns Inden Verleumdungen und falsche Ziffern enthalten sind. Wichtig ist, 'daß ein Geschichtsforscher die schönste, weil dem Gebote der Nächstenliebe entsprossene Kraft der ungarischen Nation als Krankheit deklariert und das Andenken der größten Söhne der Nation verdunkelt hat. Es ist die Sache des Ungaribums, gegen diese Verleumdungen und Herabsetzungen Protzt zu erheben, die unseren Großen entgvgengchchleudert wuÄ>en, es ist Sache der Wissenschaft, diese die Wissenschast nachahmende Rechtfertigung des reaktionären Programms zurückzuweisen. Der Hieb war für uns bestimmt. Hat aber Kossuth, Deal, Eötvös, Dsza, Rakoczi getroffen. Die Verteidigung ist nicht unsere Pflicht, sondern die des Erlichen chrMichen Ungartums." |1 Von Nah und Fern |j| Dr. Max Grunwald. Jede auf geistigem GDiete hervorragend wirkende Persönlichkeit stellt gerne die eigene Individualität hinter die vollbrachten Leistungen und ist frei von Eitelkeit, die Sin Merkzeichen kleiner Mltagsseolen ist. So geartet ist auch Dr. Max Grunwald, Gemeinderabbiner in Wien, der vor kurzem seinem 25jährigen Berufsjublaum durch eine Flucht aus der Oeffentlichkeit entging und sich damit Men wohlverdienten Ovationen entzog, die dem hervorragenden Kanzelredner, Gelehrten und seltenen Edelmenschen sonst zuteil geworden waren: Dieser Umstand kann uns aber nicht -hindern, eindie Empfindungen weiter Kreise berührendes Ereignis zu würdigen, dessen bloße Erwähnung den Absichten des um das Judentum hochverdienten Mannes widersprechen und nicht nach der Sinnesart seines bescheidenen Wesens üft. Es ist aber schwer, bei einem solchen Anlasse keine Lobrede zu schreiben und. über die außerordentlichen Verdienste Grunwalds namentlich um jenen Teil der Wiener Judenschaft zur Tagesordnung zu schreiten, deren bittere Not durch die Kriegsjahre verschärft wurde. Besonders diesen Unglücklichen war er durch Wort und Tat Helfer und Retter. Wenn heute das Rothschild-Spital den -armen kranken Juden noch die Pforten erschließen kann, wenn das Altersversorgungshaus und Siechenhaus den Verlassenen die letzte Zuflucht zu bieten in der Lage ist, wenn das jüdische Blinden- und Taubstummeninstftut seinen. charitativen Aufgäben noch genügen kann, so ist der Weiterbestand und die Sicherung all dieser Stätten in erster Linie dem Eingreifen Dr. Max Grunwalds zu danken. Denn er war es, der sich vorerst mit einem Kreise gleichgesinnter Menschenfreunde umgab, an ihrer Spitze das Komitee zur Sanierung der notleidenden Wohlfahrtsanstalten Wiens bildete, das mittlerweile zu einem großen Verein -erstarkte, der die Mittel aufbrachte und noch aufbringt, auf daß jene Wohlsahrtsanstalten ihre hohen Zwecke erfüllen können. Aber auch der Hilfsbedürftigen Judenschast in Palästina hat Dr. M. Grunwald durch eine Reihe yon bedeutsamsten großzügigen Aktionen unvergängliche Wohltaten erwiesen, die in dem von Dank erfüllten Briefe Dr. Feigenbaums, Leiter der jüdischen Augenklinik in Palästina, erst vor kurzem mit folgenden Worten Anerkennung fanden: „Ich werde mir nicht die Gelegenheit nehmen lassen, Ihnen, hochverehrter.Herr Rabbiner, persönlich meinen innigsten Dank abzustatten für den unschätzbaren Dienst, den Sie dem Hospital, vor allem in moralischer Hinsicht, leisteten! Wer weiß, wie es um die Anstalt bestellt wäre, wenn Sie ihv nicht zur rechten Zeit durch Ihre prompte Unterstützung und Aufmunterung unter die Ipe gegriffen hätten." — Mit gleich segensreicher Hand war Dr. Grünwach für die allgemeine Spitalshilfe und Kriegswaisen in Erez Jisroel tätig. Zu den vielen Schriften, die aus der trefflichen Feder Dr. Max Grunwalds hervorgingen, gehört auch das Andachtsbuch: „Empor die Herzen". So hat er auch die Herzen der Wiener Indendurch fein zündendes Wort emporgehoben zur Opserfreu.de für arme, hilfsbedürftige Glaubensgenossen. So ist auch das Wort Gottes, das er von der Kanzel spricht, stets -erfüllt von Nächstenliebe und hat wie' ein Mosesstab selbst aus dem Stein der sonst Indifferenten den erquickenden Born werktätiger Liebe geschlagen. Diesen Vorzug unter den vielen seltenen Vorzügen des Predigers, Gelchrten und wissenschaftlichen Schriftstellers betonen wir an dieser Stelle ganz besonders, schätzen und werten ihn nach seiner wahren vollen Bedeutung und sind uns der Pflicht bewußt, darauf Hinweisen zu sollen. Dieser Vorzug leuchtet wie ein strahlender Juwel an dem un-gefeierten Jubiläum-Dr. Max Grunwalds. Die Redaktion der „Wahrheit" gibt nicht nur dem eigenen Empfinden Ausdruck, sondern ist wohl in Uebereinstimmung, mit -dem großen Kreise der Freunde und Verehrer seiner Ehrwürden Herrn Dr. Max Grunwald, wenn hier dem Wunsche Ausdruck gegeben wird, es möge dem trefflichen, hochverdienten Manne noch lange Geschieden sein, sich in seinem segensvollen Wirken zu -betätigen - Wettbewerb für die Ausgestaltung des Währinger Ortsfriedhöfes. Die Gemeinde Wien hat für die Veranstaltung baukünstlerischer Wettbewerbe einen Betrag

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