Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1921
- Issue
- Heft 1 (6.1.1921)
- Date
- 1921-01-06
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Serie 11 Nr. 1 Die Wahrheit. von 150.600 K. gswidimet. Für «dein ersten dieser Wettbewierbe, der der Ausgestaltung des Wähvrnger OrtssriÄ)- hofes gält, sind 19 Entwürfe eingelangt. Folgende Preise wurden zuerkannt: Architekt Tropfch (Gräberhain) 3000 K., Architekt Ignaz Reiser, Vorstandsmitglied des Leopoldstädter Tempelvereins Aeschel Awrohom, der auch dessen prächtiges Gotteshaus erbaute, und Mitarbeiter Karl Koblitschek (Deniknmlschutz) 3000 K., Architekt Ing. Ludwig Mestler (Bastei) 2000 K., Architekt Karl D irn h ub er (Denkmalpflege) 2000 K., Architekt Hans Glaser (Astern) 2000 K., Architekt Kamillo Fritz D i s che r (Stiller Winkel) 2000 K., Architekt Emanuel Stwertnik (Währing) 2000 K. Die beiden Entwürfe mit den Kennworten „Elvira" und „Einfach" wurden vom Preisrichteramte der Gemeinde zum Ankauf mit je 1000 K. empfohlen. Oberkantor Jakob Bauer als Jubilar. Am 6. d. M. schließt das vierte Jahrzehnt des kantovalen Wirkens Jakob Bauers in der Wiener türkrsch-sephaMschen Gemeinde. Wenn man erwägt, wie viel glänzende und treue Leistungen in einer solchen Zeitspanne liegen, wird auch der Fernstehende solche Leistungen gebührend würdigen. Mer wir wollen keine Geschichten über die taktgemäße, verständnisvolle und zielbewußte Tätigkeit Jakob Bauers während seiner Dienstzeit als Oberkantor -erzählen, sondern wir wollen den Lesern Aufschluß geben über Ehrungen, die dem Jubilanten zuteil wurden. Der Achtundsechzigjährige, der über ein halbes Jahrhundert als Oberkantor wirkt, ist so oft offiziell belobt worden, daß er keinem von uns ein Fremder ist. Dennoch ist es nicht jedem bekannt, daß Jakob Bauer zahllose Anerkennungsschreiben nicht nur bedeutender Männer, wie Ignaz Brüll, Alfred Grünfeld, Eduard Kremser usw. usw., sondern auch hoher Fürstlichkeiten besitzt, die ihn als Zierde dos Kantorenstandes bezeichneten. Dieses und noch vieles andere könnten wir als Beleg für das eminente, gewissenhafte Wirken, für das große Können des Jubilanten anführen, der nebst seinem Amtsdienst, neben seiner pädagogischen Tätigkeit auf dem kantovalen Gebiete noch seine freie Zeit dafür aufwandte, ein Blatt für jüdische Interessen zu leiten. Denn er gründete vor 35 Jahren „Die Wahrheit" und derjenige, der den Werdegang dieses hervorragenden Mannes bis ins kleinste Detail kennen lernen will, der möge in den früheren Jahrgängen der Zeitschrift Einblick nchmen.. Wenn sich auch der Jubilar aller Ehrungen entzogen wißen will, die türkisch-sephardische Gemeinde wird den 6. Jänner 1921 festlich begehen, in der Ueberzeugung, daß die ganze Wiener Judenschaft an diesem Feste teilnehmen wird. Gerne schließen wir uns dieser Feier mit unseren aufrichtigsten Glückwünschen an. Josef Grob. Baden. Am 2. Dezember abends veranstaltete der hiesige Fvauenwohltatigkeitsverein eine Kindevbskleidungsfererlichkeit, verbunden mit einer üppigen Jause für sämtliche -armen Kinder Badens. Selbstverständlich war es die herrliche, zündende und zn Herzen gehende Ansprache des Herrn Obervabbiners Reich an die Kinder, bieder Feierlichkeit den Hauptglanz verlieh. Ferner zeichneten sich Herr Oberkantor Kreutstein und der 2. Kantor Herr Dukes z dürch ihre schönen musikalischen Leistungen mit Chor und Harmonium aus. Auch Frau Präsidentin Freiwillig hielt eine herzliche Ansprache an die KnÄer. Ein Dokument der Menschheit. Als solches dürfen wir das nachfolgende Schreiben bezeichnen, das unter dem Datum 16. November 1920 an das Komitee zur Sanierung jütischer Wohlfahrtsanstalten in Wien II. gerichtet wurde und durch den wahrhaft humanen Ton gerade in diesen Zeiten des Bölkerstveites, Klaffen- und Raffenhaffes erfreuend wirkt. Es beweist gleichzeitig^ daß in einem Lande der höchsten Freiheit auch seine Burger frei von Vorurteilen für Wahrheit und Erkenntnis der Dinge, wie sie sind, Empfänglichkeit entgegenbringen. Das erwähnte Schreiben lautet: John G. James, Ross, Oklah. % 16. November 1920. An das Komitee zur Sanierung der ifraöl. WohlsahrtSaNstaLen Wien, II., Kaiser Josesftraße 39, 1/5. Geehrte Herren! Ich bin kein Jude, sympathisiere aber tief mit dem jüdischen Volke, welches so schrecklich durch die bösartigen Urheber des unglückseligen Krieges gelitten hat, .von welchem die Welt heimgesucht wurde, um deren eigensüchtigen und ehrgeizigen Ziele durchzusetzen. Ich bin Amerikaner englischer Herkunft und meine Blutsbrüder waren in jener Armee, welche Kaiser Wilhelm besiegte und jenes Ungeheuer zu zerschmettern half, welcher sein Volk zugrunde richtete und die ganze Welt tödlich verletzte. Ich bin Mitglied der Jewisii Publioatton SocSete von Amerika, in dessen Jahrbuch mein Name erscheint, was zweifellos die Ursache war, daß mir Ihr Zirkular zukam. Ich bin deshalb Mitglied, um deren wertvolle jährliche Publikationen zu erhalten, da meine Geschmacksrichtung eine literarische ist und mich die Juden, ihre Geschichte, Literatur und Ueberlieferungen ungemein interessieren, und ich kaufe für meine Bibliothek Werke in verschiedenen Sprachen über sie. Ich lese englisch, spanisch, portugiesisch, italienisch, deutsch, französisch und holländisch. Ich hatte in den verflossenen 50 Jahren viele jüdische Freunde und mein Interesse an diesem wunderbaren Volke ist sehr groß. Trotzdem die Juden in keinem Lande wahrend der Neuzeit Kriege hervorgerufen haben, scheint es unglücklicherweise keinen europäischen Krieg zu geben, in welchem diese friedliebende und gesetzestreue Raffe nicht die -am meisten in Mitleidenschaft Gezogenen sind. Meine Mittel sind gering, und die Zeiten sind nicht vorteilhaft für mich, aber ich übersende Ihnen anbei Scheck Nr. 344 B, ausgestellt von der First National Bank of Ross, auf die Hanover National Bank, New-Dork, über zehn Dollar (L 6000.—) welchen Sie zweifellos verwenden können, und wünsche aufrichtig, ich wäre in der Lage, denselben in einer hundertmal größeren Ziffer ausstellen zu können. Ich glaube, alleChristen Inder ganzen Welt müßten es als ihr Vorrecht und Pflicht erachten, den großen Leiden und der großen Not Ihres Volkes helfend entgegenzutreten. Bitte, nehmen Ne diese Kleinigkeit mit meinen herzlichen und besten Wünschen für Ihren Erfolg entgegen. Genehmigen Sie usw. John G. James. Professor Dr. Albert Einstein Über seine Relativitätstheorie. Nach den zahlreichen Uraniavorträgen über di« alle Zweige der modernen Wiffenschaft erfaffende „Einsteigsche Relativitätstheorie" werden die Mitglieder und Freunde der Urania am 13. Jänner Gelegenheit haben, den Berliner Univerfitätsprofeffor Dr. Albert Einstein selbst über seine Theorie sprechen zu hören. Mit Rücksicht aus das ungewöhnliche Interesse, das diese imponierende Möglichkeit einer unversellen Weltbewach-