Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1921
- Issue
- Heft 1 (6.1.1921)
- Date
- 1921-01-06
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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Nr. i Seite S Die W Auf das hin wurde Herr Rabbiner Fürst bei der Leitung des Joi-nt vorstellig und forderte zunächst, daß das .Del sofort außer Verkehr, gesetzt werde. Gleichzeitig verlangte er die „Kascherung" aller Küchengeräte, Geschirre, Teller usw., die mit dem unreinen Oel in Berührung . kamen. Während nach langwierigen Verhandlungen die Herren des Joint sich mit dem ersten Teil dieser -rituellen Ansprüche einverstanden erklärten, verweigerten sie hartnäckig den zweiten und ebenso berechtigten, was Herrn Rabbiner Fürst vevanlaßte, sowohl von seiner Aufsichtsstelle beim Joint zurückzutreten, als auch gegen denselben die mitgeteilte Warnung zu erlassen, um so mehr, als ihm bei Ausübung seiner Kontrolltätigkeit bei wiederholten Anlässen Schwierigkeiten bereitet wurden. Aus der ganzen unleidigen Geschichte ergibt sich die Nutzanwendung, daß, wenn man eine so -autoritative Persönlichkeit, wie Herrn Rabbiner S. Fürst, mit der rituellen Oberaufsicht betraut, ihm alle Rechte des Einspruches zugestanden werden müssen, und das Küchenpersonale in diesem Sinne informiert werden muß, nicht aber, daß in strittigen Fällen und bei Anordnungen seitens seiner Ehrwürden die „Oberrabbiner" Wechsler und Dr. Scherzer die letzte Entscheidung treffen. Denn bekanntlich geht die Ausspe-iseaktion für die orthodoxen Juden von den gleichgesinnten Glaubensgenossen in Amerika aus und nicht zu dem Zwecke, damit etliche Herren in Wien zu angenehmen, gutdotierten Posten gelangen, sondern «damit den armen gesetzestreuen Juden Crnähvungsmöglichkeiten geboten werden. Hoffentlich genügt dieser Hinweis, die Leitung des Joint in Wien zu einem raschen und radikalen Wandel im-Jnteresse dieser wirklich bedauernswerten armen Juden zu veranlassen. ||j Wahrheiten vom Tage pi Eine Abfuhr. Das „Neue Montagsblatt" ist ein Ableger der „Reichspost", überragt aber diese, was Lügenhaftigkeit und Verleumdungslust betrifft, turmhoch. Wer dies für nicht möglich hält, nehme die Ausgabe des „Neuen Montagsblatt" vom 13. v. M. zur Hand und lese, was darin aus unserem Artikel, „Die Repwrationskommission und die Juden Oesterreichs", gemacht wurde. Untier dem niederträchtigen Titel „Sogar den Juden geht -es zu gemütlich her!" wird unsere Feststellung, daß einen Monat, nachdem die Christlichsozialen an die Regierung gekommen, die Ruhe und Ordnung nicht gestört wurde, folgendermaßen ausgelegt: „Wie man erkennt, «ist selbst das jüdische Blatt voll des Ersttumens ob Weser Tatsache, die es sich angesichts des „Grolls und -der Erbitterung", welche die Ostjuden gegen sich heraufbeschworen haben, gar nicht erklären kann. Dem Wunder der unerschöpflichen Wiener Geduld, „Wiener. Gemütlichkeit" genannt, steht die „Zeitschrift für jüdische Interessen" ratlos gegenüber, aus ihren Zeilen klingt der Vorwurf heraus: Wie kann man nur so waschlappig sein! Stellt das Blatt doch an anderer Stelle in einer Polemik gegen den ehemaligen jüdischnativnalen Abgeordneten Stricker fest:" Hier mündet die normale Wald- und Wiesendmnmheit des Hetzblattes in uferlosem Stumpfsinn, denn daß ein Organ hrh eit für -die Jnteresien des Judentums daraus einen „Borwurf" erheben könnte, -daß in Wien keine Pogrome stattsanden, ist der Gipfel der Blödheit. Ebenso albern ist die Zumutung, daß wir ob der ungestörten Ruhe „erstwmt" gewesen. Der Lügenbold des „N. Mrgbl." hat einfach jenen Teil unserer Ausführungen unterschlagen, -der die eigentlichen Ursachen des Landfriedens -auszeigt: Das Macht gebot der Reparationskommission. Auch unsere „Ostjudenwahrheit" schändet der Biedermann dies „N. Mttzbl." durch die Interpretation: „Weniger dagegen, daß diese Oftjuden sich Reichtümer „unredlich erwarben", als dagegen, daß sie diese Reichtümer verprassen und vergeben, statt bei. ihren S t a m m e s g e n o s s e n zu investieren, richtet sich der Zorn des Judenblatbes, das staunend ausrust: „Nicht das geringste Pogromchen!" Es kann sich angesichts -dieses Treibens der Oftjuden diese Toleranz der Wiener nicht anders erklären als durch den Geßlerhut, den die Reparationskommifsion auf Oesterreichs Fahnenstange ausgefteckt hat." Man suche eine Zeile oder auch nur ein Wort in jener „Wahrheit vom Tage", das etwas anderes als die bedingungslose Berdammnung des aufreizenden Gebarens gewisser sich jüdisch nennender Elemente beinhaltet. Aber gleichviel! Auf dem Gebiete des „Dreh" kann der chriftlichsoziale Erzlügner jedem Polnischen ein Doublee vorgeben. Dann verbeißt er sich wieder in die Reparationskommifsion, die wir als das, was sie ist — ein vollziehendes und wachsames Organ —, bezeichnet haben und begeifert sie mit der Glosse: „Eine schmeichelhafte Rolle ist es nicht, die da der Entente und ihrer Reparationskommifsion zugeschrieben wird: Protektor und DienftmaNn der Judenschaft zu sein." Lohnt; es sich, die Ursache zu erforschen, welcher der giftgeschwollene Lügenartikel des „N. Mtgbl." entsprungen, so käme man wohl daraus, daß es unsere Betrachtung über den Wandel der Fanghunde im Lause der Zeiten ist, die den skandallösen Redaktionsexzeß in der Strozzig-asse ausgelösAhat. Die Rasse dieser lästigen Köter stirbt -nicht aus. FreÄvch sind sie. jetzt bei uns nur zu ohnmächtigem Gekläffe verurteilt. Etwas müssen sie doch dafür tun, -daß sie gefüttert werden. Schon Lessing hat sie trefflich charakterisiert: Es will der Spitz aus unserm Stall Uns immerzu begleiten, Doch seines Bellens lauter Schall Beweist nur, daß wir reiten. "sch- Ein ungarischer Gelegenheitsantisemit. Julius Szekfü gehört zu jenen „Wandlungsfähi-gen", die ihre lieberzeugung nach der Konjunktur richten. Als Kustos des Wiener kaiserlichen Archivs schrieb er vor Jahren ein historisches Werk über Franz Rak o c z i und war «damals von einem großen Teile der ungarischen Kritik, namentlich von den Klerikalen, anss heftigste als Freimaurer -angegriffen worden. In neuerer Zeit trachtet er mit den: judenseindlrchen Pamphlet „Drei Generationen" um die Gunst der Erwachenden Ungarn zu werben. Redakteur Szabolcsi legt in EgyeUlöseg die Sonde der Kritik an das Pamphlet Szekfüs au, das das 19. Jahrhundert als die Aera des Niederganges, den ungarischen Liberalismus, dem ein Kossuch, ein Doak, ein Eötvös gehuldigt haben, als den Hemmschuh, den Krebsschaden dieses Landes hinHustellen bestrebt ist. Nach Szekfü wäre die Emanzipation der Juden, die Ausdehnung der Freiheitsrechte ein für Ungarin schädlicher Gedanke gewesen. Neben dem ungarischen Liberalismus setzt -Szekfü in seinem Werke auch — und das ist ja eigentlich der Hauptzweck des sich in die Toga der Wissenschaftlichkeit kleidenden Pamphlets — das unga» - rische Judentum auf die Anklagebank und sucht mit angeblichen Taten eines gewissen Koloman Beszpremi (1907),