Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1920
- Issue
- Heft 7 (26.5.1920)
- Date
- 1920-05-26
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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Vorfall, ist kaum geringer als jenes, das vor fünfzig Jahren entstand, als ein junger Jude in Kolta die Taufe nahm, damit er die freigewordene Bezirksarzt« stelle erlange. Die Erinnerung an jenen Vorfall, der wie meist bei ähnlichen Anlässen gewinnsüchtigen Motiven entsprang, ist bei den alten Kultusangehörigen noch heute in Erinnerung. Witwen- und Waisenfonds - Verein „Montestore". Sonntag, den 16. Mai 1920 fand im Tempel, Wien, 2. Pazmanitengaffe, das 25 jährige Bestands-Jubiläum statt. Die Festgesänge „Matowu", „Halleluja, Psalm 111", „Se hajom, Psalm 118", wurden vom Oberkantor I. Giblichmann mit verstärkten Chor rezitiert und machten aus die Zuhörer einen weihevollen Eindruck. Die Festrede von Rabbiner Dr. S. Funk gedachte in herzlich warmen, rührenden Worten des segensreichen Wirkens dieses Humanitären Vereines in der Zeit seines 25 jährigen Bestandes. Er erwähnte die großen Verdienste des Gründers M. Bondi, sowie der 0 Obmänner Armenrat Julius Mühlrad und BezirkSrat Edm. Hoffmann, die hierauf bei offener Bundeslade, umgeben vom Herrn Rabbiner und dem Oberkantor, daS Dankgebet verrichteten. — Samstag, den 29. d. M., halb 7 Uhr abends, findet eine Jubiläums-Akademie mit hervorragenden Kunstkräften nebst anschließendem Tanzkränzchen im Festsaale des Hotels Continental, 3. Praterstraße 7, statt. Dow allgemeinen österreichische» Tarrbftummeninftitut, Wien, 3. Rudolfsgasse 22. Seit 1644 besteht diese Humanitätsanstalt, die Hunderten von unglücklichen, jüdischen Kindern Rettung gebracht hat. Sie gab ihnen die Lautsprache wieder, so daß sie in der menschlichen Gesellschaft verkehren können. Sie lehrte die unglücklichen, gehör- und sprachlosen Menschen beten, lesen, schreiben, zeichnen, rechnen, Menschen, Tiere und die Welt kennen, sie gab ihnen Bildung und Wissen und Fertigkeiten und bereitete sie für ein Handwerk vor. Hunderte von Taubstummen beider Geschlechter aus allen Staaten der früheren Doppelmonarchie leben als Schüler des Wiener israelitischen Taubstummeninstituts jetzt geachtet und gut von ihrer Arbeit und sind Gründer von Familien geworden. Ohne dieses Institut wären sie alle verkommen, Bettler und Landstreicher geworden und eine Last für die Familie, die Gemeinden, das Land und den Staat. Zweier Männer muß bei diesem.Anlaß besondergedacht werden, des Gründers Hirsch Kolli sch, eines einfachen Nikolsburger Kaufmannes, der innerhalb zweier Monate die Idee zur Gründung des Institutes faßte und die Gründung in Nikolsburg vollzog, und des ersten Direktors Joel Deutsch, ebenfalls eines Nikolsburgers, des genialen Lehrers und Meisters, von dem die Direktoren der Budapester jüdischen Taubstummenanstalt, der Döblinger Landestaubstummenanstalt, Lehrer in London, New Aork und Deutschland lernten. Die Kriegsereignisse haben auch diesem Institut großen Schaden zugefügt und nur mit Mühe hält es sich aufrecht. Die Hilfe der Juden Polens, von wo 65 Prozent der Zöglinge kamen, 'hat versagt. Die Hoffnung des Wiener israelitischen Taubstummeninstituts, das x das erste, größte und bedeutendste jüdische Taubstummeninstitut der Welt war, bilden jetzt die orthodoxen Juden - * Wiens und der ganzen Welt, daß sie nicht nur diese Stätte der werktätigen Menschenliebe und der Gottesanbetung durch Stumme werden sinken lassen, sondern vielmehr beitragen werden, es weiter auszugestalten und wir rufen insbesondere die Herren Rabbiner Siegmund Fürst und die Herren Siegmund Bondy, Max Hofbauer und Heinrich Pappenheim zu schneller und gründlicher Hilfe aus. Eine zweite große Hoffnung für das Institut ist das wackere, opferfreudige, selbstlose Sanierungskomitee mit dem ehrwürdigen Herrn Rabbiner Dr. Max Grunwald an der Spitze. Ihn und alle Herren des Komitees soll der bevorstehende Schulschluß bewegen, machtvoll zum Wiederaufbau der Stätte des Heiles und der Vervollkommnung schwer geschädigter Kinder beizutragen. Heuer soll schon durch die Initiative des um die Gehörlosen und Schwerhörigen hochverdienten Universitätsproseffors Dr. Gustav Alexander ein jüdischer Kindergarten für Taubstumme im Alter von 5 Jahren an errichtet werden, eine Vorschule für diese Armen. Das Taub» stummeninstitut soll ferner ehestens auch ein Zentrum für die pädagogische Behandlung der Schwerhörigen werden und weiterhin sollen auch seine Schuljahre vermehrt und geordneter Handwerksunterricht eingeführt werden. Zur Erhaltung des Bestehenden und zur Verwirklichung des Geplanten, das eine Notwendigkeit für die volle Ausnützung der Kräfte der Taubstummen rst, ergreife ich hier das Wort und bitte um Besuch des Instituts und um große und volle Hilfe aller Juden Wiens und der Welt. Unser Wiener Taubstummeninstitut verdient es und wird die Liebe und Güte aller lohnen. Dir. Dr. S. Krenberger. Baden bei Wie». Durch das edle und humane Walten des Vorstandes unserer Gemeinde angeregt und durch eine vom Herrn- Oberrabbiner W. Reich zu diesem Zwecke abgehaltene Predigt begeistert, bildete sich hier unter den Namen Bickkur- Chaulim ein Verein, der sich zur Ausgabe macht, .alle jüdischen Kranken im Bezirke Badens, sowohl Einheimische als Auswärtige, zu besuchen und ihnen eine ihrer Krankheit entsprechende rituelle Kost zu verabreichen. Besonders verdient es hervorgehoben zu werden, daß nicht nur arme Kranke sondern auch gut situierte reiche Kranke diese Wohltat des Krankenbesuches genießen. Nebst den vielen Spenden, die zu diesem Zwecke bei der Thora von edlen Gönnern einlaufen, und nebst der Mitwirkung des Frauen- Wohltätigkeitsvereines und der israelitischen Volksküche sind es inSbesonders folgende Herren, die sich intensiv mit großen Zeit- und Geldopfern dieser heiligen Sache widmen: An der Spitze steht Herr Alexander Braun, Präses der Kultusgemeinde, David Daniel, Vizepräses, Adolf Raab, Präses der Chewra Kadischa, Gustav Oedenburger, Dr. Samuel Deutsch und Leopold Blau, Vorsteher der Chewra Kadischa. Ferner die Herren Bernhard Affenkraut, Moritz Letzter, Heinrich Fleischmann> Ernö Ehrensteim Leopold Weißmann, Josef Ungar und Dr. Samuel Spitzer.