Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1917
- Issue
- Heft 26 (28.12.1917)
- Date
- 1917-12-28
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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Die Wahrheit Seite?. Nr. 26. Bon Chaim Bloch (Delatyn) nach den in dem hebräischen Sammel- > werke der „Einfachen Gelehrtengesprache" von SchleS mrd Ettinger > enthaltenen Sprüchen bearbeitet. > Der Topf als Symbol des Friedens.! In den Zeiten des berühmten Gaon Rabbi Mordechaj Banet, Landesrabbiner von Mähren, wurde die Neuausgabe des Talmuds staatlich verboten; er begab sich daher zur Audienz zu Kaiser Josef, den er flehentlich um Aufhebung des Verbotes bat. Der Kaiser erklärte, er würde die Herausgabe des Halachateiles des Talmuds freigeben, hingegen soll der Agadateil unveröffentlicht bleiben, weil dieser Teil vollkommen sinnlose Sprüche und Erzählungen enthalte. Als Beweis führte der Monarch die Stelle im Traktat B'rachas 56 a an, wo es heißt: „Wer es sieht einen T o fl'f im Traume, der hoffe auf Frieden", was logisch ganz zusammenhanglos ist/ Der Rabbi erwiderte: „Was immer im Talmud gesagt wird, hat eine tiefe wissenschaftliche Grundlage. Auch der zitierte Spruch enthält einen hohen symbolischen Sinn. Es wird nämlich auf die zwei Extreme Feuer und Wasser hingewiesen, die sich naturgemäß bekämpfen, im Topf aber Frieden schließen: Das Feuer gibt seine Glut, das Wasser jedoch vertrocknet nicht.". Der Kaiser war von den Ausführungen des Rabbi sehr zufrieden und hob das Verbot vorbehaltlos auf. * * * Pinchas zuhause und in der Fremde. Rabbi Pinchas Hurwitz, der berühmte Autor des „Haflae", Rabbiner in Frankfurt, lebte sehr bescheiden und sparsam; reiste er aber hinaus, so war es gerade das Gegenteil. Ueber diese Ursache befragt, antwortete er: Es ist doch bekannt, wenn Pinchas an seinem Platze ist, er traurige Tage hat,*) befindet sich Pinchas jedoch außerhalb seines Ortes, dann gibt es für ihn nur Festtage.**) * * * Der wackelige Stuhl. Im Hause des berühmten Prager Oberrabbiners Rabbi Jeheskiej Landau war einmal eine geheime Beratung der Gelehrten Prags, zu der auch Rabbi Surach Eidlitz, ein Eiferer des Rabbi Jeheskiel, zugezogen war. Der Stuhl Rabbi Jeheskiels wurde gerade an diesem Tage wackelig, so daß sich Rabbi Jeheskiel, der den Vorsitz hatte, auf seinem Stuhle hin- und herschaukelte. Da sprach Rabbi Surach: „Nun, bin ich nicht im Rechte, wenn ich sage, daß der Prager Räbbinerstuhl für Euch kein gerader ist? Da Ihr für diesen Stuhl zu niedrig seid, daher wackelt er." Schlagfertig erwiderte Rabbi Jeheskiel: „Nein, der Stuhl ist nicht zu /hoch für mich, sondern der Tisch ist zu niedrig." * * Feilbietung des „Morenu"-Titels. Wegen ihrer Armut sind die meisten Jünger der Talmudhochschule auf die Unterstützung der Gemeindemitglieder angewiesen, bei denen sie freie Kost und Quartier erhalten. In manchen Gemeinden, die Talmudhochschulen haben, wurde dieser Brauch abgeschafft, vielmehr „Jüngerküchen" eingerichtet, zu denen jedes Gemeindemitglied einen Beitrag leistete. Als einmal die Wirtschaftskaffe der „Jüngerküche" in Nikolsburg ganz ohne Geldmittel blieb, da die Gemeindemitglieder ihre- Beiträge nicht geleistet hatten, berief der berühmte Rabbiner Rabbi Mordche Banet eine Volksversammlung ein und kündigte an, sobald die rückständigen Beiträge binnen drei Tagen nicht erlegt werden, ihm nichts übrig bleibe, als den Titel „Morenu" für den Erlag von zwanzig Gulden an jede Person zu verleihen. Noch am selben Tage wurden alle Beiträge erlegt. ~ *) Der Wochenabschnitt Pinchas wird nämlich in der für Juden eine Trauerzeit bildenden Periode zwischen 17. Tamus und dem 9. Ab (Trauertag um die Zerstörung des Tempels) gelesen. **) Ein Teil des Wochenabschnittes kommt an jedem Feste zur Verlesung. | Die erste Frage. - Der Rabbiner einer deutschen Gemeinde entschloß sich, ■ | seinen Posten zu kündigen, da ihm die Freizügigkeit der Gei meindemitglieder in religiösen Dingen unerträglich wurde, i. Beispielsrveise sjwurde an ihn während seiner mehrjährigen Amtstätigkeit keine einzige rituelle Frage gerichtet. Die Gemeindevorsteher nahmen die Kündigung mit Bedauern zur . Kenntnis und befragten den Rabbiner über die Ursache seiner Kündigung. Er erwiderte: „Weil die Frage, die Ihr an mich jetzt richtet, die erste ist, seit ich hierhergekommen bin." * * * Warum das Rechtsurteil des Rabbiners nicht befolgt wird. Man fragte 9jabbi Jonatan Eibenschütz, wie es komme, daß man einen durch das Ritualgesetz verursachten Schaden ruhig hinnimmt und die Weisung des Rabbiners streng beachtet, hingegen die auf Grund des Rechts gesetzes vom Rabbiner geschlichteten Prozesse immer auf einer Seite Widerwilligkeit und Ungehorsamkeit zur Folge haben. Er antwortete: „Weil den Menschen nicht der eigene Verlust, sondern der Vorteil des Nächsten ungehalten macht." * * * Wer den Krieg verursachte. Zwei Leute kamen mit einem Prozeß vor einen bekannten Rabbiner. Sie hatten zusammen eine Lieferung an einen kriegführenden Staat und stritten nun, wer der größere Faktor war, dem der größere Teil des Ertrages zufallen sollte. Da entschied der Rabbiner: „Der Hauptfaktor in diesem Geschäfte — wenn es darauf ankäme — bin ich, und wollt Ihr rechtmäßig handeln, dann kommt mir der größte Teil des Nutzens zu." Er erklärte diese Worte dahin: Unsere Weisen sagen „Krieg kommt über die Welt wegen Unterdrückung des Rechtes und wegen Verdrehung des Rechtes." Spenden für den Leopoldstädter Tempel. Dem Komitee sind in der abgelaufenen Woche nachstehende Spenden zugekommen: XI. Spendenliste. Bon Herrn Dr. Philipp Ritter v. Gomperz X 20.000, Herrn Alfred Schufchny, Erhöhung auf 2000, Herrn Ignatz Blum, Erhöhung auf 4000, Herrn Simon Kohn 500, Herrn Max Popper 300, Herrn Hermann Löwy 200, Herrn Eduard Jonas Schachtitz 200, Herrn A. v. E. 500, Frau Emma Fischler-Landeis 100, Herrn Ernst Fischmann 200, Firma H. Schwitzer und Söhne 500, Herrn Benno Popper 250, Herrn Robert Popper 250, Herrn Johann Kohn 500, Herrn Hermann Spitz 200, Anonym 100, Herrn Lazarus Eichhorn 300, Herrn Leopold Neumann 100, Herrn Emanuel Kraus 200, Frau Emma Löwy 100, Herrn Eduard Stein 100, Herrn S. Ungar 100, Herrn kaiserlicher Rat Karl Boskowitz 100, Herrn Wilhelm Arnstein 100,' Herrn Raimund Neugröschl 100, Herrn Leopold Löwenbein 200, Herrn Simon Lederer 200, Herrn Leopold Rieß 150, Herrn David Tänzer 200, Herrn Ludwig Marchfeld 200, Herrn Direktor Dr. Carl Fleischmann 500, Herrn Dr. E. Münz 500, Herrn k. k. Kommerzialrat Leopold Weinberger 100, Herrn Bernhard Barber 100, Herrn Alsted Prager 100, Herrn Fritz Mehrer 200, Herrn Heinrich Mayer sen. 100, Herrn königl. Rat Dr. Albert Mittler 200, Herrn Heinrich Polläk 200, zusammen EL 33.950, ab bereits ausgewiesen: Herrn Alfred Schufchny X 1000, Herrn Ignaz Blum 1000, zusammen X 2000, Summe X 31.950, bisher ausgewiesen X 631.250, Gesamtsumme X 663.200, und noch viele andere Betrüge, die wegen Platzmangel erst in der nächsten Nummer ausgewiesen werden können. Verschiedene Nachrichten. Wie«. Der Einjahrig-Freiwillige Kadett-Aspirant Walter Löwy, Sohn des Chefredakteurs unseres Blattes, ist jüt sein tapferes Verhalten in der 12. Jsonzoschlacht mit der silbernen Tapferkeitsmedaille ausgezeichnet worden. Wien. Rabbiner Dr. Max Grunwald wird in der Urania ein Zyklus von Borträgen über die „Ethik des Judentums" halten. Der erste derselben findet am 30. Jänner 1918 statt. Wien. (C h e w r a K a dj s ch a W i e n I.) In der am 18. Dezember l. I. stattgefundenen Vorstands-Sitzung wurde bei Anwesenheit sämtlicher Vorstands-Mitglieder Herr Landesschulrat Phil. u. für. Dr. Markus Spitzer zum Präsidenten der Chewra- Kadischa und Herr Moritz B. Eißler zum Vize-Präsidenten einstimmig gewählt. r.....,. | 7 - h % i $