Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1916
- Issue
- Heft 30 (1.12.1916)
- Date
- 1916-12-01
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 10. Die Wahrheit Nr. 30. „. . . Doppelt groß war meine Freude. daß mir die Ehrung seitens der Kollegen in Ihrem Hause — sonach in Gegenwart meines . ersten Lehrmeisters und vollkommenen Vorbildes im Kantorsache zuteil wurde und betrachre ich diesen Moment als würdigen Abschluß meines Amtsjubiläums." Wie«. (Große Stiftung für die Aktion zur Rettung verlassener Kinder Galiziens.) In der Bor» staudsitzung des Vereines zur Rettung verlassener jüdischer Kinder Galiziens und der Bukowina in Wien, IX.. Universitätsstraße 4, erschien dieser Tage der Lemberger Großindustrielle Herr Kommerzialrat Moritz Hermann Reich, derzeit in Wien, und übergab den Mitgliedern des Präsidiums Uuiversitätsprofesior Dr. S. Ehrmann, Frau Lisette Gelber und Dr. Edmund Kohn, 100.000 K in vierprozentiger österreichischer Staatsrente mit der Widmung, daß ans diesem Betrag und einem weiteren Betrage von 100.000 K in vierprozentiger österreichischer Rente, welche Herr Kommerzialrat Reich außerdem beim Präsidium der israelitischen Kultusgememde in Lemberg erlegte, das ist also mit einem Stistuugskapital von zusammen 200.000 K in österreichischer Reute, auf den Namen des Stifters Moritz Hermann Reich und feiner Gattin Frmi Toni Reich ein Kriegswaisenhaus für Jüdische Kriegswaisen aus Galizien, wenn möglich in Lemberg errichtet werde. Bis zur Errichtung des Kriegswaisenhauses falle» die Zinse» des Kapitals von 200.000 K dem genannten Vereine zu. Das Bereinspräsidium sprach dem hochherzigen Spender den wärmsten Dank für seine beispielgebende Stifmng aus. Mit der Summe dieser großen Stistung erhöhen sich die Schenkungen des Herrn Kommerzialrates Moritz Herrmann Reich in den letzten Jahren auf rund eine Viertel Million Kronen. Wie«. (Julius H e i m a n u.) Am 2. Dezember l. I. begeht der Chordirigenr am Leopoldstädtcr Tempel, Herr Julius H e l m a n n, feinen 70. Geburtstag. Der Jubilar steht feit feiner frühesten Jugend im Dienste des Tempelgesanges. Schon als Knabe saug er unter Oberkantor Josef Goldstein im Leopoldstädter Chore, später als seine Stimme sich zu einem sympathischen Bariton entwickelt hgfte, wirkte er als Quartettsäuger und seit Jahren versieht er das verantwortungsvolle Amt als Chordirigent. Sein Pflichteifer und seine musikalische Verwendbarkeit errangenchm wiederholt die Anerkennung des Vorstandes und der Gemeindemitglieder und durch seine bescheidene Liebenswürdigkeit und feine stete Hilfsbereitschaft gewann er ungeteilte Wertschätzung seiner Kollegen. Julius Heimann war auch durch viele Jahre Mitglied des Hofopernchores und auch an dieser hohen Kunststätte stellte er seinen Mann. Der Jubilar genießt auch in weiteren Kreisen Wiens große Beliebtheit, bei vielen gesanglichen und künstlerischen Veranstaltungen wurde seine reiche Erfahrung zu Rate gezogen und wo es galt etwas Gutes zu fördern, hat er niemals seine Mitwirkung versagt. Seine zahlreichen Verehrer und Freunde werden gewiß seinen Jubeltag nicht vorübergehen lasien, um ihm die wolverdiente Sympathie und Anerkennung zum Ansdrucke zu bringen, und auch wir wünschen ihm. daß seine stimmliche und körperliche Rüstigkeit, welche die Vorsehung ihm als kostbares Geschenk beschieden hat, ihm noch lange Zeit erhalten bleibe. Wien. (Kaiserlicher Rat Adolf Schramek s.A.) Ans den 25. Cheschwan fiel die erste Jahrzeit nach dem verewigten Präsidenten des Kaiser Franz Joses -I. Huldigungstempels, kaiserlichen Rat Adolf Schramek s. A. Der Vorstand ehrte feinen Präsidenten, der durch 35 Jahre den Belhausverein in höchst umsichtiger und glänzender Weise leitete, durch Abhaltung einer Trauerandacht. An derselben haben neben sämtlichen Faulilienmitgliedern des Verewigten der gesamte Berelnsvorstand unter Führung seines derzeitigen Präsidenten, kaiserlichen Rates Adolf Wenger, teilgenommen. Die isr. Kultusgememde war durch die Vorstandsmitglieder Salomon Brod, Dr. Jakob Deutsch, Emanuel Grünwald, Dr. Wilhelm Pappenheim uud Salomon Steiner vertteten. Entschuldigt wurden der Präsident Dr.. Alfred Stern und Dr. Markus Spitzer. Die Wiener Rabbiner j Dr. Max Grünwald, Dr. Armand Kaminta und der Chacham Michael > Papo ehrten den Vorstand durch ihr Erscheinen. Auch der Bethaus-! Vorstand der ,sr. Kultnsgemeinoe entsendete als Vertreter die Herren j Anton Beck und Dr. Elias Münz sowie auch die Armenanstalt vielfach j vertteten war. Die Beamten der Kultusgemeinde Rudolf Kraus, Josef Steiner n. A. waren unter Führung des Sekretärs Dr. Emil Adler erschienen, wobei sich Erster Sekretär Dr. Theodor Lieben wegen Kränklichkeit entschuldigen ließ. Aus dem Religionslehrerverbande waren die Inspektoren Prof. Moritz Kanitz, Moritz Antscherl und Dr. j Max Huß anwesend. Aus dem Kamorenverbande nahmen neben den Vorstärlden, Oberkantoren Jakob Bauer, I. Morgenstern und j S. Jurberger. die Kantoren Schiller, L. Serebuik, Löwit und Rosenj berger teil; Oberkautor S. Mayrowitsch ließ sich entschuldigen. Unter \ anderem wurden bemerkt Hofrat S. Berstl, Hofrat Dr. Julius Schlag, j Kasetier Hermann Löwy, Abordnungen der Bethausvereine des DL Bezirkes, Adas Jisroel, der Sephardiui, Talmud Thora, Malzgafle, : Beth Jisroel, Moutefiore, Harpe Lanefesch u. v. a. Die Gedenkrede hielt Vereiusrabbiner Dr. Salomon F u n k. Die von warmer Verehrung getragenen Worte des Redners, worin besonders der unerreichbare Wohltätigkeitssinn des Verstorbenen hervorgehoben wurde, fanden bei der Versammlung lebhaftes Verständnis und bewegte Zustimmung. Die Tranergesänge trug Oberkantor Josef G i b l i ch m a n n, der gerade znm Urlaube aus dem Felde in Wien weilte, unter Mitwirkung des vom Chordirigenten Hirschmann geleiteten verstärkten Chores in ergreifender und gewohnt meisterhafter Weise vor. Im Anschlusie an diese synagogale Tranerfeier fand im SitzungSsaale des Tempels eine öffentliche Plenarsitzung des Vorstandes statt, au welcher gleichfalls die Familienmitglieder des Verewigten und die erschienenen Vertreter teilnahmen. Hier hielt der Präsident kaiserlicher Rat Adolf' W e n.g e r die Gedenkrede, worin er die besonderen Verdienste des Verblichenen beim Baue dieses neuen herrlichen Gotteshauses gebührend hervorhob. Das Andenken an diesen hochverdienten Obmann wird stets m Ehren gehalten werden. Wie«. (A n s z e i ch n u u g.) Herr Julius Mühlrad, Handschuh-Fabrikant, Obmann des Witwen- und Waisenfouds, des Vereines „Moutefiore" und Vorstandsmitglied des Kraukenvereines „Moutefiore" erhielt für besondere Verdienste vom „Roten Kreuze" das Ehrenzeichen II. Klaffe. Wie«. (A d a ß I i s r o e l Schkffschul). Zur Erinnerung an den Regierungsantritt weiland Seiner Majestät des Kaisers Franz. Josef I. werden die Spenden der beim Morgengottesdienste am 2. Dezember zur Thora Aufgerufenen zur Verteilung an würdige Arme verwendet. Wien. Vor Kurzem ist der Amtsleiter der Wiener israel. Kultusgemeinde, Herr Simon H o r w i tz, ein Sohn des ehemaligen Wiener Oberrabbiners Lazar H o r w i tz, zu Grabe gettagen worden. Der Verblichene, der ein Alter von 77 Jahren erreichte und bis in seine letzten Lebenstage seinen Dienst verrichtete, hat sich durch die Biederkeit seines Charakters und durch seine seltene Pflichttreue die Wertschätzung des Vorstandes erworben und auch in weiteren Kreisen der Wiener Judenschaft genoß er allgemeine Achmng. Amtsleiter Horwitz war eine lebendige Chronik der Wiener Kultusgemeinde und überaus interessant war es, seinen vielfachen Reminiszenzen aus dem Entwicklungsgang der Wiener Kultusgemeinde, soweit er sie selbst miterlebt hatte, zu lauschen- An dem Leichenbegängnis nahmen -nächst den Angehörigen des Verstorbenen der Präsident der Wiener Kultusgemeinde Dr, Alfred Stern, Präsident der Chewra Kadischa Herr Salo Cohn, die Kultusvorsteher Dr. Wilhelm Pappenheim, Dr. Markus Spitzer, Sam. Steiner, zahlreiche Beamte der Kultusgemeinde unter Führung des Sekretärs Dr- Emil Adler, sowie viele Freunde und Verehrer des Verblichenen teil. Den Nachruf hielt Herr Rabbiner Dr. Taglicht, worauf der Präsident Dr. Alfted Stem in warmen Worten von dem langjährigen Beamten, dessen Vorzüge er schilderte,, namens des Vorstandes Abschied nahm. >Die kantoralen Funttionen versah Herr Oberkantor Morgenstern mit dem Chor. Wien Unter dem Vorsitze der Ehrenpräsidenttn der „Weiblichen Fürsorge," Frau Baronin Charlotte König swarter, fand Dienstag, den 21. November l. I., 6 Uhr abends, im großen Sitzungssaale der Kultusgemeinde die Gründungsversammlung des israelitischen Frauen-Wohltätigkeitsvereines für den 2. und 3. Bezirk statt, an welcher Vertteterinnen fast sämtlicher Wiener israel. Frauenvereine sowie Delegierte anderer humanitärer Jnstituttonen in großer Zahl teilnahmen. Frau Baronin Kü nigswarter dantte den Teilnehmern der Versammlung für ihr zahlreiches Erscheinen und übergab hierauf den Vorsitz an Frau Direktor Regine U l l m a n n. Der I. Viceprästdent der Kultusgemeinde, Hoftat Dr. B. R a p p a p o r t, begrüßte den neugegründeten Verein namens der Kultusgemeinde und der Zenttalstelle für das jüdische Armenwesen und wünschte demselben das beste Gedeihen. Frau Direktor U l l m a n n wies auf die dringende Notwendigkeit dieses Vereines hin uud dantte allen Jenen, die an der Gründung fördernden Anteil genommen haben. Nachdem die Proponentin, Frau Rabbiner Dr. G r u n w a l d, die Ziele und Zwecke des Vereines erörtert hatte, sprach Frau Anitta Müller über die Notwendigkeit der Gründung eines jüdischen Frauenbundes, dem die Aufgabe zufiele, die schwere Kriegsschäden, von welchen besonders die Frauen des jüdischen Mittelstandes betroffen wurden, zu beheben. Ihre in Form und Inhalt gleich ausgezeichneten Ausführungen wurden mit vielem Interesse und großem Beifalle ausgenommen. Nach Wahl des Vorstandes, per Attlamation, sprach Herr Rabbiner Dr. Grünwald und hierauf wurde die Versammlung durch Frau Direttor Ullmanw geschlossen. Vien. Der nächste „Populär-wissenschaftliche Frcitagabend-Vorttag" im Bech Hamidrasch „Talmud Thora," II., Malzgässe 16, auch Frauen zugänglich, findet am 8. Dezember, halb 8 Uhr, statt. Es spricht Herr Professor Moritz Antscherl über „Pietätvolle Erinnerungen." w