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Die Wahrheit · 1915-11-05 · Heft 35 (5.11.1915) · page 6

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1915
Issue
Heft 35 (5.11.1915)
Date
1915-11-05
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Sette 6 Die Waardeit ttr 35. Pflichten: die Pflichten der- Pietät gegen unsere auf dem Felde der Ehre gefallenen oder infolge einer im Kriege zngezogenen Krankheit verstorbenen jüdischen Helden und Glanbensbrüder. Hiezu möchte ich folgende Anregung den kompetenten Faktoren der jüdischen Repräsentanzeu zur Erwägung bezw. entsprechenden Durchführung anheunstellen und empfehlen. Es soll für die im Kampfe für das Vaterland gestorbenen jüdischen Krieger ein Jahrzeit-Gedenktag für immerwährende Zeiten festgesetzt werden, an welchem alljährlich ein feierlicher Trauergollesdlenst abznhallen wäre. Als würdigster, geeigneter Tag hiefür wäre der 7. Adar (Todestag Moses) zu bestimmen. Ju den beiden Residenzhanplstädten der Monarchie und in den Landeshauptstädten wären diese Gottesdienste nach einem festzustellenden einheitlichen Zeremoniale osflziell abzuhalten. Den Provinzgemeinden bliebe es unbenommen, solche Gottesdienste, den lokalen Verhältnissen entsprechend modifiziert, abznhallen. Ferner sollten in jedem Kroulande, resp. Komitate die Namen der den Tod für das Vaterland gestorbenen jüdischen Krieger in eii'.em „Goldenen Buche" (Krieger-Ehrenbnche) verewig:, dieie Gedenkbücher in den hauptstädtischen Knltnsgemelnden (Chewra-Kadischa) ansbewahrt und alljährlich am Jahrzeit-Gedenktage in die Synagoge gebracht werden, woselbst entweder die Namen zu verlesen wären oder eine andere Form des Gedenkens zu bestimmen wäre. Ein solcher offiziell veranstalteter Jahrzeit-Gedenktag würde nicht nur ans die gebeugten Gemüter der Angehöiigeu der Verstorbenen tröstend und erhebend wirken, sondern auch in allen späteren Zeilen besonders für die für alles Gute und Ideale so empfängliche Jugend einen erziehlichen Faktor von höchstem Sittlichkeitswerle bilden. Eine Verständigung über diese Anregung zwischen den hauptstädtischen Kultusgemeinden, bezw. ein gemeinsamer einheitlicher Vorgang wird bei prinzipieller Zustimmung nicht schwer zu bewirken sein. Zur Initiative sind in erster Reihe die Leistungen der Chewra-Kadischa in den beiden Residenzhauplstädten Wien und Budapest berufen. Au die jüdische Oesfeutlichkeit. Durch die kriegerischen Ereignisse im Osten, die Befreiung Galiziens und das sieghafte Vordringen der verbündeten Truppen in Polen, Lilhauen und Wolynien sind Millionen von Ostjuden, die diese Gebiete in großen Massen bewohnen, Europa näher getreten. Das Interesse der breitesten Oeffentlichkeir hat sich infolge dessen dem ostjüdischen Problem zugewendet. So erfreulich auch diese Tatsachen an sich auch sein mag. muß es doch jedem Kenner der Verhältnisse anffallen, daß neben manch Richtigem und Zutreffendem auch sehr viel Unrichtiges und Entstelltes geboten wird. Ost werden sogar in bester Absicht Vorstellungen über ostjüdifches Wesen und Leben verbreitet, die zu den wirklichen, wirtschaftlichen, kulturellen, religiösen, sozialen und politischen Zuständen in krassem Widerspruche stehen: Wesentliches wird übersehen, Unwesentliches hervorgehoben, von den Fällen nicht zu reden, in denen infolge falscher Information oder gar ans böswilliger Absicht die abenteuerlichsten Dinge erzählt werden. Daß hiedurch die Ostjuden, die ja gerade jetzt samt ihrer Umgebung vor großen Schicksalswendungen stehen, in ihrem lebenswichtigsten Interesse bedroht werden und mittelbar die gesamte Jndenschaft gefährdet wird, liegt auf der Hand. Abhilfe ist dringend nötig. Wir, die Unterzeichneten, sind darum zusammengetreten, um sie zu schaffen. Wort und Schrift wollen wir benützen, um über die Lebenstatsachen des Ostjudentums Klarheit zu verbreiten, eine richtige Wertung der ostjüdischen Probleme auzubahneu und Jrrtümmern, wo und in wessen Interesse immer sie anftauchen mögen, entgegenzutreteu. Das Büro, das wir zu diesem Zwecke eröffnen, wird eine ebenso gründliche und systematische, wie vielfältige Arbeit zu bewältigen haben. Es wird sie nur dann leisten können, wenn ihm die weitesten jüdischen Kreise ihre moralische und materielle Unterstützung gewähren. Wir bitten demgemäß um Ratschläge, Anregungen, Mitteilungen, wir bitten um Förderung durch einmalige oder periodische Beitragsleistnugen. Die Bedeutung der Sache läßt uns hoffen, daß wir keine Fehlbitte tun. Das Komitee zur Aufklärung über o st j ü d i s ch e Fragen: Dr. Wilhelm Berkelhammer. Dr. Nathan Birnbaum, Dr. I. S. Bloch, Dr. Max Brod, Dr. B. S. Feldmann. Rabb. Dr. Max Grunwald, Red. Meir Henisch, kais. Rat Karl Hirsch, Dr. Hermann Kadisch, Dr. Anselm Kleinmann, Red. B. Locker, S. Meisels, Dr. Karl Pollak, Red. M. N. Racker, Reichsratsabgeordneter Heinrich Reizes, Dr. Ignaz Schipper. Rabb. Gedalje Schmelkes, Siegfried Schmitz, Adolf Stand, Dr. W. Stein, Dr. F. Sternberg, Ob.-Jng. Robert Stricker, Löbl Taubes, Reichsratsrev. Rudolf Taußig. Adresse: Komitee zur Aufklärung über ostjüdische Fragen, Wien, IX., Seegasse 25, Tür 15. Zahlstelle: Bankhaus A. Hecht, Wien. XV., Mariahilferstraße 138. Die Inden in Polen. Eine Unterredung mit dem Herrn Unterstaatssekretär Dr. Wahusch aff e. Eine der größten jüdischen Zeitungen Amerikas „Die Wahrheit" berichtet in der Ausgabe vom 29. August d. I. über eine Unterredung, die ein Vorstandsmitglied des jüdischen „Komitees für den Osten" in Berlin mit dem Chef der Reichskanzlei, Herrn Unterstaatssekretär Dr. Wahnschaffe hatte. Der Unterstaatssekretär äußerte sich im Verlaufe der Unterredung über die Grundsätze der Verwaltung der okkupierten Teile Russisch-Polens folgendermaßen: „Es ist eine Selbstverständlichkeit, daß wir alle Teile der dortigen Bevölkerung gleichmäßig und gerecht behandeln. Alle Behörden wurden angewiesen, den Inden nach den Grundsätzen der Gerechtigkeit und Humanität denselben Schutz zuteil werden zu lassen wie d e n a n d e r e n N a t i o n a l i t ä t e n. Es ist für jeden, der das deutsche Staatswesen kennt, ohne weiteres klar, daß wir ihre grausame nnd unmenschliche Ansnahmebehandlnng durch die russische Regierung mißbilligen. Es liegen uns aus dem okkupierten Gebiet keinerlei Klagen vor, wohl aber tausende von Danksagungen über die Loyalität und Unparteilichkeit in der Verwaltung." Wie wir erfahren, ist das „Komitee für den Osten" seit Kriegsbeginn im Reichsinteresse tätig nnd beschäftigt sich vorwiegend mit dem Schicksal der Ostjnden. Es besteht ans hervorragenden jüdischen Persönlichkeiten und angesehenen Mitgliedern großer jüdischer Organisationen. Die Türkei und die Inden. Das Jüdische Hilfskomitee „Roter Halbmond" unter dem Vorsitz von Kommerzienrat Gerson S l nt o n in Berlin, an dessen Sammlungen sich bekanntlich über 300 jüdische Gemeinden Deutschlands mit größeren Zeichnungen beteiligt haben, hat den von ihm aufgebrachten Fonds, entsprechend den Wünschen der Leitung der Sanitätsabteilung der türkischen Armee, zum Ankauf von Sanitätsartikeln verwendet. Das angeschaffle Material wurde mittels Sonderzuges nach Koustantinvpel gebracht. Der Vorsitzende des geschäftsführenden Ausschusses des Komitees, Dr. Alfred N o s s i g übergab in Konstantinopel die Spende dem Leiter der Heeres - Sanitätsabteilung S u l e i m a n Nu m an Pasch a, sowie den Vertretern des türkischen „Roten Halbmondes". Komm.-Rat G. S i m o n war durch Erkrankung verhindert, sich an der Reise zu beteiligen. Wie die offiziellen Depescheubüros bereits gemeldet haben, wurde Dr. Nossig vom Sultan, dem Thronfolger Jussuf Jzzedin, dem Kriegsminister Enver Pascha, dem Minister des Innern. Talaat Bey und dem Kammerpräsidenten Halil Bey, sowie von den Vertretern des

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