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Die Wahrheit · 1913-05-16 · Heft 19 (16.5.1913) · page 8

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1913
Issue
Heft 19 (16.5.1913)
Date
1913-05-16
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 8. Die Wahrheit,'. Nr. 19. und Zivil, Arbeiter, Händler und Handelsangestellter, stch selbst über« lassene Mädchen, alleinstehende Greise, Mittelschüler und Hochschüler oder auch ganze Familien, alle stimiuten an der festlich geschmückten Tafel frohgemut die trauten alten Melodien an, die ihnen aus ihrer Kindheit unvergeßlich blieben. Aur 1. Sederabeude erschien auch der Präsident der Wiener isracl. Kultusgemeinde, Herr Dr. Alfred Stern, in der Speisehalle und nahm an der Seder teil. Er durchschritt alle Säle, besichtigte die Küche und die übrigen. Räume, verweilte längere Zeit in dem Saale, in welchem die Schützlinge des Ellernvereines „Pestalozzi" den Seder feierten und sprach sich über das Gesehene in lobender Weise uns. Das herannahende Wochenfest findet den Vereinsvorstand wieder gerüstet, um der großen Aufgabe gewachsen zu sein. Die bisherigen großen Erfolge des Vereines und seine zielbewußte Tätigkeit berechtigen zur Hoffnung, daß das milde jüdische Herz anläßlich des Schowuausfestes dieses Vereines und feiner großen Aufgaben gedenken wird. Wien. (T e m p e l v e r e i n f ü r W i e d e n n n d M a r gare t h e ii.) Die öffentliche Mädchen-Konfirmation findet am Sonntag, den 18. Mai l. I., um 10 Uhr vormittags, die öfsenrl i ch e P r ü f u n g der S ch ü l e r u u d,S ch ü l e r i n n e n der Bibel- und L e s e s ch u l e findet Sonntag, den 25. Mai l. I. 10 Uhr vormittags im Kaiser Franz Josef-Jubiläums-Tempel, V., Siebenbrunnengaffe 1a. statt. Wien. (C h e w r a - K a d i s ch a, Verein für fromme und wohltätige Werke, I., S e i t e n st e t t e n g a s s e 2.) Sonntag, den 18. Mai 1913, 10 Uhr vormittags, findet im Saale des Hotel „Zentral" H., Taborstraße 8, die Generalversammlung der Chewra Kadischa statt. Tagesordnung: 1. Erstattung des Rechenschaftsberichtes über die abgelanfenen drei Berwaltungsjahre; 2. Bericht der Revisoren; 3. Wahl von fünf Vorstandsmitgliedern; 4. Wahl zweier Revisoren; 5, Eveutualia. Wreu. Die siebente Generalversammlung des Hietzinger Frau e u-Wohltätig! eit sve rein es fand am 5. Mai statt und war sehr gut besucht. Die Präsidentin, Frau Laura Kren berge r, begrüßte die Anwesenden, darunter Seine Ehrwürden Herrn Rabbiner Dr. Max Grunwald und Gemahlin, den Delegierten der Kultusgemeinde, Herrn Vorsteher Max Z i r n e r, die Vertreterin des Döblinger Frauenvereines, Frau Dr. Kahn, die des Elisabeth Lehrmädchenborts, Frau kaiferl. Rat Dr. Krüger und Frau Bruckner, endlich Delegierte anderer Institutionen, welche aus Auerkennuug für das außerordentlich humane Wirken des Vereines erschienen waren. Entschuldigt waren die Damen Kopfstein und Benedikt vom Frauenhort. Ans dem Rechenschaftsberichte üder das Jahr 1912 wurde besonders hervorgehoben, daß 190 Kinder, welche, als von den Eltern verlaffene, bei Pflegeparteien in Wien untergebracht sind, im Schutze des Vereines stehen und von den Vorstandsdamen wiederholt inspiziert, mit Wäsche, Kleidern und Beschuhung versehen, in Erkrankungsfällen verpflegt und oft auch durch Nachhilfeunterricht gefördert werden. Die Präsidentin und ihre Stellvertreterin, Frau Gisela Zirner, besuchten auch im Herbste 1912 die Kinderkolonien in den mährischen Orten Kanitz und Pohrlitz. Sie überzeugten sich von der guten Unterkunft der Kinder. Zu Chanuka bekleidete der Verein 138 Kinder, darunter 70 vollständig. Der Verein bezahlte auch für 10 Kinder monatlich die Berpflegungsbeiträge und bekleidet sie auch durch das ganze Jahr. Haben die Schützlinge das 14. Lebensjahr.erreicht, so kümmert sich der Verein in rühmlichster Weise um die Besorgung von Lehrstellen und Verdienstorten. Im Schutze des Vereines steht und wird vom Vereine subventioniert das von der Vizepräsidentin des Vereines, Frau Gisela Zirner-Zwieback, gegründete „Ludwig Zwieback- Kinderheim" in Purkersdorf, in dem sich gegenwärtig 15 Mädchen und .3 Knaben befinden. Frau Zirner ist die mütterliche Freundin der Kinder und in Liebe und Treue dem Kinderheim ergeben. Die Präsidentin gedachte anch in rühmenden Worten des vor kurzem verstorbenen Doktor Maximilian Steiner. Der Kaffenbericht des Vereines weist Baransgaben im Betrage von EL 9658.— für die Schützlinge aus. Dem Vorstand wurde Dank und Anerkennnng ausgesprochen und die früheren Damen wurden per acclamationem wieder in die Leitung gewählt. Herr Knltnsvorsteher Max Zirner sprach namens des Knltusvorstandes Dankesworte und versprach wieder seine Hilfe. Herr Rabbiner Dr. G r n u w a l d beleuchtete in geistvoller Weise die soziale Fürsorgetätigkeit des Vereines. An die Verhandlungen schloß sich ein Bortrag des Hof- und Gerichtsadvokaten Dr. Gustav Scheu, welcher die Stellung des unehelichen Kindes im Rechte der Gegenwart und Zukunft in ungemein lehrreicher und fesselnder Weise darlegte. Wien. (Jüdischer Schulverein für den IX. Bezirk.) Die stetig wachsende Zahl der Schüler (derzeit 330) unserer Lehranstalt dürfte zu Beginn des nächsten Schuljahres die Errichtung weiterer Parallelklassen notwendig machen.' Um über den Umfang dieser Erweiterung einen Ueberblick zu gewinnen und selbe rechtzeitig vorzubereiien, richten wir an die p. t. Eltern die Bitte, die Einschreibungen für die mit Beginn des Schuljahres zu eröffnenden Kurse schon derzeit bis 15. Juni vorzunehmeu. An Wochentagen von ^4 bis a/27, an Sonntagen von 10 bis 12. Franzeusbad. Unter großer Beteiligung fand in unserer Gemeinde am 27. v. Mts. die Kultuswahl statt, wobei der sehr beliebte und verdienstvolle Vorsteher, Herr Theodor S p i e g e l, wiedergewählt wurde. Derselbe genießt hier die Sympathie und Verehrung der weitesten Kreise, weshalb er auch in der Stadtgemeinde zu Stadtrat gewählt wurde. Neben ihm wirkt im Knltusvorstaude verdienstvoll Herr Salamon L ö w y als Stellvertreter und znm Kassier wurde Herr Emil Adler neugewählt. Anch die Gemahlin des Herrn Knltusvorstehers entfaltet eine reiche ge-- meinnützige Tätigkeit und insbesondere nimmt sie sich der Armen und Kranken warm an. Franzensbad hat noch einen zweiten jüdischen Stadtrat in der Person des Ordinarius des Hospitals Herrn Dr. Julius H i r s ch.- Luhatschowrtz. Herr Dr. Siegfried Frank,l hat hier seine knrärztliche Praxis wieder anfgenommen. Er ist hier der einzige jüdische Kurarzt. Budapest, („u u i o ii" L e b e n su n d K i n d e r v e r s i ch er u n g s a n st a l t als Genossenschaft.) Unter Vorsitz des Präsidenten Dr. Moritz Wittmann hat die 50. ordentliche Generalver-; sammlung dieser Anstalt unter zahlreicher Beteiligung seitens der Bersicherten stattgefunden. Der Generalbericht, welchem zu entnehmen isi daß-i; die mißlichen wirtschaftlichen Verhältnisse des Vorjahres sich wohl auch im Betriebe dieser Anstalt fühlbar machten, indem ein Knrsverlust an- Papieren im Betrage von E. 526.540.—, der bei dem großen Effektenstande eingetreten ist, abgeschrieben werden mußte, daß aber im Betriebe des normalen Geschäftes auf allen Linien Erfolge und Fortschritte erzielt wurden, wie dies aus den nachfolgenden, bilanzmäßigen Daten hervor- : geht. Der Prämieneingang hat sich auf EL 4,232.884*45, die Zinsen und Hansziuseinnahmen aber auf EL 942.546*61 gehoben. An Fälligkeiten der verschiedeiisten Art, welche in der Bilanz detailliert angeführt werden, sind EL 2,490:509*06, an Darlehen von Polizzen aber KL 670.775.09 ver-' ausgabt worden und ist die starke Inanspruchnahme der Polizzendarlehen, ans die großen Krediteinschränkungen der Banken und Sparkassen, sowohl in der Hauptstadt, als auch in der Provinz, znrückzuführen. Die Nettoproduktion an neuen Versicherungen des Vorjahres beträgt K 18,555.350.— der Versicherungsstock aber beziffert sich,- abzüglich der im Vorjahre zur,- Anszahlnng gelangten Fälligkeiten und der statutenmäßigen Ausscheidungen mit EL 81.701.927.45. Die Prämienreserve ist auf E 22,647.650.18, die Spezialreserve auf E 365.748.40 angestiegen. Die Prämienerhöhungsreserve beträgt E 338.046.44 und der Versicherungsfonds wurde in der' vom Gesetze vorgeschriebeneu Höhe von E 200.000.— belassen. Die Bedeckung der Gesamtreserven im Betrage von E 22,612.232 31 ist in der Bilanz detailliert ausgewiesen. Der Pensionssond der Beamten, welchem über Antrag der Direktion durch die Generalversammlung in Fürsorglich-' keit für den Beamtenkörper E 10.000.— votiert wurden, beträgt- X 503.231*84. Der Bericht und die Bilanz wurden mit Beifall zur Kenntnis genommen und der Direktion und Ldem Anssichtsrate das Absolntorium erteilt. Nachdem noch über Antrag des Versicherten Franz- Kaliwoda jun. der Direktion und dem Aufsichtsrate, insbesondere aber' dem Präsidenten Dr. Moritz Wittmann, dem Generaldirektor-Vizepräsidenten Arnold Kohn und dem leitenden Direktor Isidor Friedländer sowie dem gesamten Beamtenkörper protokollarisch Dank und- Anerkennung votiert worden, wurde die Ergänznngswahl der Direktion vorgenommen. Die Mitglieder der Direktion -sind nunmehr: Dr. Moritz- Wittmann, Präsident; Dr. Wilhelm Vazsony i, Bizepräses; Arnold' K o h n, Vizepräses-Generaldirektor; Isidor F riedländer, leitender Direktor; Dr. Bernhard Alexander, Dr. Joses Reich, Alexander Ts u k und Dr. Julius Werner. Ferner wurden die früheren Aufsichtsräte wieder- und Herr Abgeordneter Hofrat Dr. Josef S i e g e s c n in; den Aufsichtsrat neugewählt. Mit lebhaften Eljenrnfen auf den Präsidenten' Dr. Moritz Wi ttman schloß die Generalversammlung. Vägnjhely, den 11. Mai. (Jubiläumsfeier der' i s r a e l. Realschule.) Ein halbes Jahrhundert ist an uns vorübergerauscht, seitdem unser verewigte, unvergeßliche Rabbiner R. Josef Weiß, ein Gelehrter und Pädagoge ersten Ranges, unsere Realschule ins Leben gerufen hat. Als dieser sein'hiesiges Amt antrat, war von einem all-' gemeinen Unterrichte noch keine Spur und blühte das sogenannte Chederwesen. Zehn Jahre mühevollen Wirkens schufen eine mnstergiltige israel. Hauptschule und auf diesen gesicherten Unterbau setzte er nachdem damaligen Systeme eine zweiklaffige, unselbständige^ Unterrealschule, die' einzige im ganzen Lande — als solche war diese Anstalt die einzige jüdische Realschule bis heute geblieben. Der edle Rabbi und seine die Bildung fördernden Anhänger blieben aber nicht stehen, als man die segensreichen Früchte dieses Institutes erkannte, erweiterte man dasselbe im Jahre 1873 zu einem dreiklassigen und bald darauf zu einem vierlklassigen, weiter reichten die Gemeindemittel nicht. Um aber der Anstalt^ welche an einem fortwährenden Lehrerwechsel krankte. L auf die Beine zu helfen, strengte sich der damalige Gemeindepräses. Dr. Bernhard- Sonnen seid an und setzte eine'Subvention bei der Regierung durch, so daß die Gehälter der Professoren, deueii an Mittelschulen entsprechen und schnf dadurch einen -ständigen, segensreich wirkenden Lehr-' körper. Doch hatte die Schule kein. eigenes 'Heim, deshalb richte der edle Rabbi und der obgenannte Präses nicht und setzten es durch, daß die Regierung zu der jährlichen Subvention eine jährliche Zugabe als Amortisationsznschnß für den Schulbau bewilligte — und das Gebäude nebsi einer prächtigen Turnhalle wurde hergestellt. Nun hatte die Schule ihren ständigen Lehrkörper und ihr eigenes Dach' .über dem Kopfe und Heuer' ging man daran, diese Anstalt zu einw Oberrealschule zu erweitern. Es ist soeben dem Streben des Dr. So.n.niemfeld und Genossen gelungen, in der Audienz beim Unterrichtsminister am: 9. d. M. zu erwirken^ daß bereits im nächsten Schuljahre?: diet 5. Klasse eröffnet werden wird und zwar im 50. Jubiläumsjahre derLMnstält.. Die-Gemeinde rüstet.sich, auch, dieses Fest ain .Lag. beomer, 'daAsist;:ön|. 25.'' Mäi; a. v. festlich zir begehen-und die Gemeinde wird stolz-sein! können, die' einzige jüdische Realschule im Laude und ungarischen Staate zw besitzen. Diese Schule ist: aber anch von vielen nichtjüdischen Zöglingen besucht und zahlreiche bedeutende Männer sind ans ihr hervorgegangen. - LB.

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