Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1913
- Issue
- Heft 19 (16.5.1913)
- Date
- 1913-05-16
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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Die Wahrheit Teile 9 Nr. 19. Gesterr.-Uugar. Kantoren-Uerein. Eingezahlte Beiträge: Givllchmanil, Wien. EU 10, A- 'Oohn. Badweis. L 6, Smger, Jilngbimzlau, El 4. Handgriff, Znaiin, El 4, Kanschmaroff, Nagy-Kaiuiza, K 2, Allenberg, Liesing, El 2, Jelliuek, Over-Hollabrunn, K 2, Jurberger, Wien, K. 2. Bauer, Wien, El 2, Scharr, Wien, K 2, Freisinger, Pilsen, K 2, Kühner. Wien, K 2, Saller, Breilenbrnnn, K 2, Bermann, B.-Leipa, K 4, I. Schächter. Esseg. Aufnabmsgebnhr El 4, Beitrag 6, Baton, Wien, El 2. Goldenberg. Marienbad. El 2, I. Schleifer, Wien. El 20, I. Schönfeld, Tab, El 4. Zur Aktion der Prager Kantoren. In Ihrem sehr geschätzten Blatte, Nr. 18, erschien unter obiger Aufschrift ein Artikel, der von einem Prager Oberkantor gezeichnet war, wobei aus dieser Zeichnung allerdings nicht ersichtlich war, ob derselbe im Namen aller Herren Prager Kantoren das Wort führte, obwohl der Tenor dieses Artikels den unbefangenen Leser zu dieser Meinung zu verleiten suchte. Als zweiter Chasen der Pinkassynagoge hier und als bestellter Kantor in dem angeführten Hotel erkläre ich für n niv a h r, daß erstens, wie der Herr Oberkantor den Ausdruck wählt, „ein ortsfremder Jude" für die Trauung feiner 'Tochter einen Kantor bestellte, der beim Lichte besehen, zum Leidwesen der Partei, ein Tempeldiener war. Zweitens, daß ein Vater, der im angeführten Hotel eine Trauung vornehmen ließ und dadurch düpiert worden sein soll. Wahr ist vielmehr, daß dieser Vater, wenn er die Trauung seiner jüngeren Tochter im erwähnten Hotel tvieder angeordnei hat, denselben Kantor, der bei der angegebeilen ersten Trauung fungierte, und das bin ich, wieder gewählt hat. Ein „o r t sfre m d e r I u d e" kennt die Prager Kantoren par renommee eben nicht, hat vielleicht auch kein weiteres Interesse dieselben kennen zu lernen, sonst würde sich doch dieser „ortsfremde Jude", wie der Herr Oberlkantor behauptet, nicht erst an die Hotelverwaltung um Beistellung eines x-beliebigen Kantors gewendet haben. Meint der Herr Oberkantor, daß dem „ortsfremden Juden" alt dessen schewa brochaus so viel gelegen ist; ja 'warum nennt er dann den Namen dieses betreffend e n Herr n nicht und beruft sich auf einen „o r t s f r e md eil Inden?" U n w a h r ist ferner, daß sich ein Mitglied der Meisellynagoge gegen die Nichtzulassung seines Kantors energisch werwahrt hat, ebenso, daß ein Tempeldieuer das Monopol auf die kantorale Funktion in dem von Herrn Oberkantor angefeindeten Hotel besitzt und in demselben Falle mir das Honorarbezahlt werden m u ß t e, trotzdem ich bei dieser Trauung u i ch t fungiert habe. Wahr ist vielmehr, daß ich bei mehreren Trauungen schon ohne jedwede Bezahlung fungierte; wahr ist, daß bei -einer Anmeldung einer Trannng in dem besagten Hotel, wenn die Partei welchen Kantor immer bestimmt, wenn er -auch nicht in Prag augestellt ist, ohne jedwede Bedingung diesem Wunsche selbstverständlich stets Rechnung getragen wurde und w i r d. Will mich etwa der Herr Oberkantor dafür verantwortlich machen, daß die Parteien vom Lande, und aus diesen besteht die größte Zahl der Trauungen, die in jüdischen .Hotels in Prag nachweisbar stattfinden, feine Leistungen auf dem Gebiete des Trauungswesens nicht kennen und nicht um die Gunst buhlen, daß er bei diesen Trauungen mitwirkt? Vielleicht kann ich dem Herrn dienlich sein, wenn ich ihn auf die größere Zahl der Trauungen verweise, die in nichtgüdi scheu Hotels von der besitzenderen Klasse abgehalten werden. Pr ag, den 12. Mai 1918. Julius M arte zweiter Kantor der Pinkassynagoge. Literatur. Das altjüdische Erzieiiungs- und Unterrichtswesen im Lichte moderner Bestrebungen. Bon Regiernngsrat Dr. S. F r a n k» f u r t e r, Wien, A. Pichlers Wnwe. — Im engen Rahmen eines Vortrages hat es der feinsinnige Verfasser verstanden, nicht nur ein vollständiges Bild des alrjüdischen Erziehnngsnuü Uulerrichlsweiens in den glänzendsten Farben zu bieten, sondern auch eine wirkungsvolle Apologie des Judentumes zu schaffen. Kein vorurteilsloser Nlchtjnde kann diese Arbeit, die eine Fülle wiffenschaftlichen Materials, gewürzt mit feinsinnigen Bemerkungen bietet, ohne das Gefühl der Hochachrnng, ja der Bewunderung für dieses alte Kulturvolk lesen, dessen Erziehnngswesen noch jetzt als unerreichtes Muster dastehr. Und nicht nur das allein. Auch der Edelgehalt der jüdischen Ethik ist hier in io überzeugender Weise dargestellt, daß sie als von keiner nachfolgenden Ethik überrroffen oder auch nur erreicht dastcht. So köilnen wir diesen Borrrag mir vollem Rechte als Hällusok haschem bezeichnen, ein Werk, das dem Inden vielfache Belehrung über das Judentum bietet nud dem Nichtjnden Achtung und Bewunderung für das Judentum einflößr. Für seine möglichst weite Verbreitung sollte gesorgt werden. Prof. Dr. K a h a n, Znaim. ßingesendet. An den Vorstand des Kantoren- Verein es! Die in der letzten Nummer der „Wahrheit" vom Kollegen Mirsky geschilderten traurigen Zustände in der Stellung des Kantorates in der Prager Kulrusgemeinde muß nicht nur allein jedem Kantor, sondern jedem anständigen Inden die Schamröte ins Gesicht treiben. Also, der Tempeldiener hat das Recht, das Amt des Kantors bei einer Trauung zu verrreten und die wirklichen, von der Gemeinde angestellren Kantoren werden durch den Schames ui ihrem Amre verdrängr. Und dieses beschämende Vorgehen wird von der Knltusgemeinde Prag und von ihren Rabbinern gutgeheißen! Ein solch enrwürdigendes nud beschämendes Vorgehen in einer Großgemeinde ist wahrlich eine Schande für das Judentum. Das kann und darf nicht weiter geduldet werden. Da müssen Mittel und Wege gesucht werden, um diese Schmach abzuwenden! Ich schlage vor. der Vorstand des Kantoren-Vereines möge einen Protest gegen dieses herabwürdigende Vorgehen gegen das Kanrorat erheben und dieser Protest soll von sämtlichen Kantoren O e st e r r e i ch - U n g a r n s unterschrieben sein! Ferner soll bei dem angekündigten „großen Kantorentag" ein flammender Protest dagegen erhoben werden, markig und kräftig, der bis in die Ohren der Herren Prager Knltnsvorsteher und in die Ohren der Herren Rabbiner klingt! Wir werden gewiß aller anständigen Juden der Monarchie Zustimmung sinden, wenn wir gegen eine solche Herabsetzung und Entwürdigung des Kautorars nusere Stimme laut und vernehmlich erheben werden! Oberkantor Sing ermann Troppan. Austritte ans dem Judentum. F antl Rudolf, geb. 23. Juni 1880 inKniaitz. Wien,IX., Rothe Löwengasse 5. Wachtel Sigmund Maximilian, geb. 2. Dezember 1879 in Lemberg. Adle r Theresia, Lehrerin, geb. 19. Jänner 1883 in Wien. IX., Nußdorferstraße 20. Steiner Julie, geb. 7. Dezember 1891 in Wien. H o row itz Adele, geb. 12. Februar 1839 in Wien. XIII., Trantmannsdorfgasse 48. Mahler Georg, Techniker, geb. 30. Avril 1893 in Wien. II., Nordbahnstraße 16. Fischhos Lilly, geb. 1. November 1894 in Wien. VI., Chwallagasse 2. Knczera geb. Barchel es Bella, geb. 22. Mürz 1856 in Boskowitz. Wien, III.. Kainergasse 11. K a n i tz geb. M ü l l e r Ella. geb. 25. Jänner 1878 Wien. III., Neunweg 50. S ch n e i e r Sabine, geb. 15. April 1879 in Nizankowice. Wien, XVI., Kirchsterrerugasse 9. H FESTSCHRIFT ss anlässlich des 25jährigen Jubiläums des Oesterr. - ungar. Kantoren-Vereines, mit fachwissenschaftlichen Aufsätzen von hervorragenden Kantoren. Elegant gebunden bloss El 2.— Grünzweigs Werke.K 6.— Rafael Moor, Elaiserhymne.„ 2.— Zu beziehen durch den Vorstand des „Oesterr.- ungar. Kantoren-Vereina, Wien, lEE/i.