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Die Wahrheit · 1913-03-14 · Heft 11 (14.3.1913) · page 8

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1913
Issue
Heft 11 (14.3.1913)
Date
1913-03-14
Page
– (sequence 8)
Language
German
Belongs to
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Seite 8._ Die Wahrheit. - ,_ Nr. 11. uns in den Dienst des neuerbauten .Tempels.flellteii, zu Tempelkouimissären berufen wurden. .Unsere Berufswege führten uns dann auseinander, aber unsere Lebenswege waren parallel und in inniger Freundschaft waren und blieben wir uns zugetan. Und so, nach langen Jahren, kam es. daß wir uns wiederfanden, in gemeinsamer Tätigkeit, im Dienste unserer Kultusgemeinde, in deren Vorstand, in gemeinsamer Tätigkeit, in welcher eine gemeinsame Ueberzeugung uns leitete, ein gemeinsames Ziel uns vorschwebte, das heilige Vermächtnis, welches uns von unseren Vorfahren .überkommen mar, die heilige Tradition unserer Gemeinde zu schützen und zu wahren. Das war und ist meine Ueberzeugung, das war die Ueberzeugung des dahingeschiedenen Freundes bis zu seinem letzten Atemzuge. Und so waren und blieben wir einig hinsichtlich des anzustrebenden Erfolges, mochten auch hinsichtlich der dazu führenden Wege, hinsichtlich der Mittel, hie und da Meinungsverschiedenheiten auftauchen. Denn er war der Voranstürmende, der, wenn ihm eine edle, gute Sache vorschwebte, nicht selten ohne Bedacht auf die sich entgegenstellendeu Hemmnisse, auf unzureichende Mittel u. dgl., dem angestrebten Ziele zuschritt. So, um nur eines zu erwähnen, wollte er schon vor Jahren und mit den damals vorhandenen, ganz ungenügenden Mitteln^ an die Errichtung des jüdischen Kinderspitales gehen, wodurch er, mochte auch damals seine Idee unausführbar sein, doch nicht wenig zu deren Popularisierung beitrug, den Samen ausstreute, der dann zur Blüte wurde, d'-igh mVan rrrcp min waren, wie ich bereits in einer Trauerversammlung des Kultusvorstandes auseinandersetzte, die Richtlinien seiner Tätigkeit. In der Sorge für den Religionsunterricht der Jugend, in der Ueberwachung desselben, in der Schaffung von Lehrplänen und neuen Institutionen, in der Sorge für die Erhaltung und Pflege unseres Gottesdienstes, in den traditionellen Formen, war er unermüdlich tätig, vor allem aber in der Pflege der Wohltätigkeit,^ in welcher er auch eine Aeußerung des religiösen Empsindens erkannte. Eine Obsorge für jüdische verlassene Kinder zu schaffen, war ihm eine Herzenssache, er konnte, um nur eines zu erwähnen, es nicht verwinden, daß, während der mit den Seinigen Sommers über sich des Aufenthaltes in freier, gesunder Gegend erfreute, so viele arme Kinder eine solche Wohltat entbehren mußten und so schuf er ein „Ferienheim",, noch lange ehe an die Errichtung solcher Ferienheime im' größeren Ausmaße gegangen worden mar. Noch wenige Tage vor seinem Unfälle erschien er bei mir, um Pläne und Einrichtungen für das zu erbauende Kinderspital auseinander-. zusetzeu und auf Studien, die er diesfalls gemacht hatte, zu verweisen. Und so geradezu unerschöpflich wäre es, wollte ich all das Güte, das er geschaffen und noch mehr das, was er angestrebt hatte, hier aufzählen. '-np© nbx mit diesen Worten beginnt der diesmalige Wochenabschnitt, mit welchen der letzte eine der inhaltreichsten Bücher unserer Thora ist. So schließt das Buch eines inhaltreichen Lebens mit der unerschöpflichen Aufzählung all der Guttaten. Mögen sie dem Dahingeschiedenen vor Gottes Thron geleiten; '.7D-c6 pn* Verschiedene Nachrichten Wien. (Jüdische Toynbeehalle, XX.. Othmargasse 46.) Beginn der Vorträge: An Wochentagen */28 Uhr. Samstag, sowie an Sonn- und Feiertagen 7!lhr abends. Eintritt frei für jeden Erwachsenen, Vortrags-Programm für die Zeit vom 15. bis 19. März 1913: Samstag, den 15., Konzert. Sonntag, den 16., „Hexenprozeffe". Gemeinderat Dr. Rudolf S ch w a rz-H'i l l er. Montag, den 17.,'Literarischer Abend. Frän Annita M ü l l e r - R o s e nz w ei g. Dienstag, den 18.) Pflege und Ernährung der Kinder. (IL) Dr. Karl Grünfeld. Mittwoch, den 19., Salamon Maimon. Gemeinderabbiner Dr. M- Rosen m a n n. —■= Von Donnerstag, den 20. bis inklusive Dieilstag. den 25. März 1913 bleibt die Toynbeehalle geschlossen. Mittwoch, den 26.'findet ein von der Gesangsmeisteriu . Frau Else Freund - F unk arrangierter Konzertabend statt. - Donnerstag, den 27. beschließt Prof. Dr. K. Kupfer seinen Vortragszyklus aus jüdischer . Geschichte. Samstag, den 29. und'Sonntag, den 30. finden zum Abschluß der Vortragssaison 1912/13 Konzertabende statt. Wien. („O e st e rr ei ch i's ch'- Israelitische Union".) Mittwoch, den. 19. März, präzise 1jß Uhr abends, findet unter Führung Sr. Ehrwürden des Herrn Rabbiners Dr. Max Grunwald eine B es i ch t i g un g d es j ü d i.s ch e.xt Mus enm s statt. Versammlungr H., Malzgaffe 16. An die Besichtigung schließen sich: „Er l au t e rung en über d i e R e ch t s stell un g de r I n d e n in früh e re r Z ei t". Damen willkommen. .Wien. (Emigrantenfürsorge d e r . I s r a e l i t i s ch en Allianz zu Wien.) Während der Monate. Jänner und Februar 1918 wnrden von der Zentrale der Israelitischen Allianz in Wien insgesamt 243 Emigranten, davon 214 russische und 29 rumänische, weiterbefördert, ' ü.'zw.': 122 nach den Vereinigten Staaten, 56 nach Argentinien, 12 nach Kanada, 7. nach England, 29 nach Frankreich und 17 nach verschiedenen anderen Ländern. In die Heimat znrückbefördert wurden 23 Rückwanderer. Während des Aufenthaltes in Wien wurden in den Monaten Jänner und Februar für 31 Personen zusammen 134 Tage Logis nndvolle Verpflegung gezahlt und an 254 Emigranten insgesamt 1017 Speisemarken für die. israelitische Volksküche ansgegeben. Wien. Sonntag, den 16. März ^7 Uhr abends findet im Vereinstempel. XIX. Bezirk. Dollinergasse Nr. 3 eine Trauerseier für die im verflossenen Vereinsjahre dahingeschiedenen Mitglieder Herrn Adolf A m b o r, Herrn Wilhelm B r ü n n e r, Herrn Adolf G n t t ma n n, Herrn Jakob Modern, Herrn Dr. Siegmund P o l l a k s. A. statt. Wien. (M n s i k a l i's ch e A u s f ü h r u n g in bei T o y n bee- Halle des XX. Bezirke s.) Um den Pürim-Monat mit Musik einzuleiten, veranstaltete der Musikpädagoge Herr Heinrich Autsch er l, wie in der Vorwoche zugunsten der Ausspeisnng .hungernder Schulkinder. Sonntag, den 9. d. M. vom Präsidium eingeladen mit seinem Ensembles für die ständigen Besucher in der Toynbeehalle XX., Othmargasse 46 eim sehr gelungenes Konzert, das wie im Vorjahre auch heuer mit voller Begeisterung vom Auditorium ausgenommenwurde. Die Tochter unseres geschätzten Mitarbeiters des Herrn Oberkantors Benedikt Singer- Jnngbunzlau, Frl. Gisela S i n g e r, Schülerin Alfred G r ü n s e l d sbrillierte durch ihr Spiel, ebenso Frl. Helene K o h n, die Herren- M e n z e r, R a t tn e r, Pop o v i c i und U r m a n n trugen ihr Bestes zum Gelingen des Konzertes bei, dessen Glanzpunkt unser unvergeßliches Xol-ttiäre wieder war. Der Applaus für den Dirigenten und die mit' ihm musizierenden Künstlerinnen und Künstler wollte nicht enden, zudem; sang Frl. Else Gnttmann unter besonderem Beifall prachtvoll drei Lieder. Herr Dr. Samuely als Präsident sprach zum Schluffe Herrn Antsch erl den Dank im Namen der Vereinsleitung für die - Glanz-' leistnng in der Toynbeehalle aus, dem sich dje vielhundertköpfige Zuhörer-- schar anschloß. ' Wien. In der vergangenen Woche wurde Herr J..S. S ch war %r Fachschriftsteller, zu Grabe getragen. Er war ein Mann von-ganz außerordentlicher Begabung und geradezu einzigem Adel und Vornehmheit des' Herzens. Seine bis zur Selbstvergessenheit gehende Bescheidenheit hinderte ihn, seinem ungeheuren Talente die Geltung und Anerkennung .zu verschaffen, die ihm nie vorenihalteu geblieben wäre. Alle, die auch irnr einmal das Glück hatten, mit ihm zu verkehren, waren von dem Banne dieser - bestrickenden Persönlichkeit gefangen genommen. Trotz der kleinen Ver-. hältnisse, in denen er zu leben gezwungen war, wußte er Gutes ohne Maß zu tun und war stets aller Welt hilfsbereit- Er war ein streng, frommer Jude, der mitunter unter großen Schwierigkeiten aus Einhaltung, der Speise- und Sabbathgesetze bedacht war. Er gehörte dem Vorstände des Vereines Obel Abraham an und brachte diesen Verein zu einer Blüte/ indem er dafür Sorge trug, daß dort'regelmäßig Thoravorlräge abgehaltenwurden. Eine mehrhundertköpfige Tranergemeinde geleitete ihm zum Grabe,, an welchem Herr Poppenheim namens des Fachschriftstellerverbandes und Herr Rabbiner Fl ei sch mann namens Ohel Abraham ergreifende- Nachrufe hielten. Der Verblichene hinterläßt eine Witwe mit drei minderfährigen Kindern. Ein glänzend begabter Sohn von 20 Jahren starb vorzwei Jahren. . , . - , Wien. (Sab bat h f r e n n d e W i e lt, H., Kleine Schif sgaffe 10;) Dienstag, den 4. März hielt Herr Rabbiner Dr. Munk, ans Berlin im Verein der Sabbathfrennde einen Vortrag: „Der new zeitliche Jude und der altväterliche Sabbath". In geistreicher, sormvollendeter Weise führt Redner ans, däß der religiöse Jude, der im alten- Jndentnme wurzelt, wenn er sich auch alle Errungenschaften und Fortschritte der Kultur zu eigen macht, doch vorzeitlich bleibt. Der Sabbath' wird gerade in unserer Zeit yls Muster aller modernen sozialen Ein-- ' richtungen erkannt; durch den Sonntag kann er nicht ersetzt werden, weil d.er Schöpfer d e n S a b b a th -s e gn e te un d h e ili g te. Die geistige- Weihe und Erhebung spendet nur der Sabbath, der auch von den religiösen Juden in erster Linie als Tag der jüdischen Wissenschaft gefeiert wird. - Ein vielhunderlköpfiges Auditorium (der große- Saal war beängstigend überfüllt) lauschte mit gespannter Aufmerksamkeit den zündenden Wortendes Vortragenden, den begeisterter Beifall lohnte. Nachdem Obmann. F e l s e n b u r g dem Redner den Dank der Versammlung und der Vereinsleitnng in gelungener Rede Ausdruck gegeben und dein"erschienenen Herren . Rabbiner, Vertretern von Vereinen und dem Publikum gedankt, begab sich' eine Airzahl Freunde des Vereineszu einem gemütlichen Beisammensein in- Restanralion P i n k a s, wo Herr Dr. Mn n k nochmals eine mit 1-121 gewürzte Rede hielt und selber von mehreren Festteilnehmern in ernsten und launigen Reden nach Gebühr gefeiert wurde. Dieser Abend beschloß in. würdiger Weise für diese Saison die Reihe der Vorträge der „Sabbath-' freunde", ' die sich zu einer-allseitig anerkannten Institution der Wiener' Orthodoxie herausgebildet' hasten.' Es.wäre dringend zu wünschen, dafi' dieser 'Verein, der zur Erhaltung des ^religiösen Judentums, in Wien.viel beiträgt, größere Förderung seitens aller-Jener fände, die Sinn für unser' altererbtes Judentum haben. . Znarm. Se. Exzellenz der Kultus- und Unterrichtsminister hat: Herrn Rabbiner Dr. Isidor . K ah an znm. k. k. Professor ernannt. . -

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