Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1912
- Issue
- Heft 19 (17.5.1912)
- Date
- 1912-05-17
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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Seite 8. Die Wahrheit. Nr. 19. noch in der vorrömischen Zeit eine bestimmte Münze zn verstehen ist, sondern die kleinste Münze schlechthin oder vielmehr das Kleinste an Geldwert. R. Joses meinte sogar, sie habe keine Grenze nach unten (Kim Er wird durch die Barajtba widerlegt, wo ein Unbenannter meint, die Peruta müsse x/s Ass wert sein, während R. Gamaliel behauptet, sie müsse sogar 7e Ass betragen. (Der Ausdruck rr^ra ist nicht das R e s u l 1 a t einer Berechnung!) Von einem Nichtwissen kann hier keine Rede sein! Zn der Stelle aus Joma 86 b schreibt Herr Dr. Funk: „Ebenso habe ich die S ch ri ftv er s e wortgetreu übersetzt und nicht so, wie sie der Talmud ansgelegt haben will." Dabei vergißt er. daß er doch Talmudprob e n und keine Bibelverse geben will, die, wenn man sie nicht im Sinne des Talmuds übersetzt, sondern wörtlich, in diesem Zusammenhang gar keinen Sinn geben! Herr Dr. Funk meint: mim darf kein Talmud ist mit „Götter" wiedergeben. Damit glaubt er gewiß bewiesen zu haben, daß ich kein Talmudist bin. Mag sein. Aber Raschi? Ihm wird doch Herr Dr. Funk den Talmudisten nicht abstreilen wollen! Und Raschi schreibt (Laub. 37 b) zum Stichwort d-sk nnsn mm „und jeder hat seinen (Menschen) geschaffen" obtr na Km -nK Meim Raschi die „Prinzipien haben geschaffen? Was aber man betrifft, so ist mir bei aller Achtung vor Hosmann (nicht vor Goldschmidt!) doch die Meinung Raschis, Maimonides und Obadja di Bertinores ein wenig maßgebender. Alle erklären man mit Herrschen, Herrschsucht ,cnVsa mnv.n Maimonides). Bertinore sagt, man bringt den Betreffenden ins Grab. Tut das das T i t e l w e s e n? Sota 13 b heißt es: Josef ist deswegen vor seinen Brüdern gestorben, weil er sich wie ein Herrscher geführt hat cmans asy rnsniw Heißt es etwa: weil er sich in Titelwesen geführt hat? Herr Dr. Funk behauptet, ich kenne den alten Orient nicht. Mag sein. Aber dafür glaube ich das alte Judentum zu kennen und weiß, daß es vor Rabban Jochanan ben Sakkaj keine Titel bei den jüdischen Gelehrten gab. Sie waren Fürsten, S e-n a t s p r äs i d e n t e n (pn na 2K »Kn«), aber es war ihnen ein Amt und kein Titel, sie wurden nur bei ihrem Kamen genannt, wie eben Schemaja selbst beweist! Den Menschen, der es darauf angelegt hat, Hillel in Zorn zn bringen, will Herr Dr. Funk na? spb p sein, was ja sehr zu loben wäre, aber warum will Herr Dr. Funk frömmer sein als Raschi? Dieser gottesfürchtige Mann würde gewiß mit Frenden Milde walten lassen, wenn es ihm möglich gewesen wäre. Aber die Worte bbn jaa können nach der Situation nur übersetzt werden: „Ist Hillel da?" und nicht: Wer ist da, Hillel, als ob er sich bei Hillel erkundigen wollte, ob jemand da wäre, und nicht vielmehr Hillel selber suchte! Ich habe aus Achtung für den verdienstvollen Verfasser vieles unbesprochen gelassen. Aber ich möchte doch den Wunsch wiederholen, daß bei einer zweiten Austage gar vieles ausgemerzt und umgearbeitet werde, was in seiner jetzigen Gestalt für einen gebildeten Deutschen Anstoß erregen muß. Das Wenigste, was man von einem populär-wissenschaftlichen Werke verlangen kann, ist doch korrekte Sprache und — Verständlichkeit! Dr. K a h a n. Znaiin. Uerschiedene Nachrichten. Dien. Dienstag, den 14. d. M. beging der durch seine vielfache verdienstvolle Tätigkeit m den weitesten Kreisen geschätzte Arinenrat Herr Joses I e ll i n e k in aller Stille seinen 80. Geburtstag. Trotzdeni der wackere Jubilar in seiner fast übertriebenen Bescheidenheit allen Ehrungen ans dem Wege geht, können wir uns doch nicht versagen, ihm den aufrichtigen Wunsch zuzurufen: ad meob weessrim schonoh. Wien. Zn dem in voriger Nummer unseres Blattes veröffentlichten „Eingefeudet" des Vereines zur Abwehr des Antisemitismus wäre noch ergänzend nachzutrageu, daß der Bericht über die srechcu Fälschungen einzelner Wiener antisemitischer Bezirksblätter betreffend die angebliche „Rede eines englischen Rabbiners, John Readcliss im Jahre 1880" von Herrn Dr. Max Grunwald erstattet wurde. Wien. Der in weitesten Kreisen bekannte Schriftsteller Professor S. Nascher beging am 13. d. M. seinen 60. Geburtstag, ans welchem Anlässe lbnl aus dem Kreise seiner zahlreichen Freunde und Verehrer herzliche Glückwünsche zukanien. Wien. (Hilfsaktion für die Opfer der Exzesse gegen die Juden in Fez). Der Israelitischen Allianz zu Wien sind zu Gunsten der notleidenden Juden in Fez (Marokko) bis zum 14. Mar folgende Spenden zugegangeu (2. Liste). Ungenannt X 6000.—, Mienen Israelitische Kultnsgemeinde X 2000.—, Michel Benies X 1000.—, Frau Ernestine Thorsch X 500.—, „F. B." X 500.—. Dr. Philipp Gomperz. X 500.—, S. H. X 500.—. Lieben & Co. X 300.—, Moritz Edler von Kuffner X 200.—, Herrn. Pollacks Söhne X 200.—, Heinrich n. Fritz Mendel X 200.—, Direktor Wilhelm Kux X 100.—, Julius Reitlinger X 100.—, Leopold Sonne X 50.—, Franziska Rindskopf in Teplitz- Schönau X 50.—, Direktor Bernhard Popper X 50.—. kais. Rat Ignatz Gewitsch X 50.—, Jakob Kann X 50. — , Dr. Arnold Hildesheimer X50.—, S. Fischer X 30.—. S. Wahl X 20.—, Hermine Egger in Budapest X 20.—, Heinrich Felsenbnrg als Kranzabtösungsspende für weiland Frau Emilie Koruberger X 20.—, Karl Schnabel X 10.—, Salomon Tauber in Mistel X 10.—, S. Taussig X 5.—, M. Hackers Söhne X 5.—, Gottlob Folkan X 3.—, Ungenannt in Woliu X 2. — , Max Schuichny X 2.—, zusammen X 12.527.—, mit ben bereite anSgewiejeiteu X 6780.50 der ersten Liste zusammen X 19307.50. Weitere Spenden werden im Bureau der Israelitischen Allianz zu Wien II., Untere Donaustraße 33 (in den Vormittagsstunden, außer Samstag) oder durch die Postsparkasse (Scheckkonto 6152) dankend in Empfang gsnvmmen. Wien. Die für den 5. d. M. in Aussicht genommene Enthüllung der Gedenktafel für weiland Lektor Friedmann ffndet Sonntag den 19. Mai 1912 um 11 Uhr vormittags in den Räumen des Berhanndrasch, H., Ferdlnaiidsstraße 13, statt. Wien. (M u s i k f e r i a l k u r s.) Der 14. Musikferialkurs der Musikschulen Kaiser in Wien beginict am 18. Juli l. I. und umfaßt Klavier, Orgel, Violine, Gesang, Harmonielehre, Konrrapunktt Instrumentation, Musikgeschichte, Methodik des Klavierunterrichtes und Vorbereitnilg zur k. k. Staatsprüfuiig. Lehrpersonen werden Begünstigungen gewährti An der Anstalt besteht auch eine Abteilung für brieflich-theoretischenUnterricht. Bei dendiesjährigeu Staatsprüfungen wurden 28Kandidaten der Anstalt approbiert. Prospekte durch die Jnstitutskauzlei, VH/^ Halbgosse 9. Prag, den 6. Mai. Heute ist hier noch längerem schwerem Leidem Herr JUDr. Felix Fischet, Sekretär der israelitischen Kultnsgemeinde Prag, gestorben. Der Verblichene, der im 50. Lebensjahre stand, hat sein anstrengendes und verantwortnngsreiches Amt durch mehr als 20 Jahre in treuer Pflichterfüllung zur allgemeinen Zufriedenheit versehen. Er war auch verschiedentlich schriftstellerisch tätig und hat mit seinen belletristischem Aufsätzen und Gelegenheitsgedichten viel Befall gefunden. N. Berlin. Oberkantor Davidsohn aus Gleiwitz ist vom Vorstande der hiesigen jüdischen Gemeinde in gleicher Eigenschaft nach Berlin berufen worden.. Wiesbaden. Der vor kurzem hier stattgehabte allgemeine Deutsche Kautorentag hat zn mehreren aktuellen Standesfragen Stellung genommen. Zn dem geplanten Organisationsstatntsür die jüdischen Gemeinden Preußens, in dem die Kantoren nicht mehr als Kirchendiener angesehen werden,- soll, sobald der Entwurf wieder auftaucht, der Ausschuß rechtzeitig geeignete Schritte für beffere Berücksichtigung der Vorbildung und Stellung der Vorbeter tun. Wegen der Beseitigung der Härten im Privatbeamtengesetze schließt sich der Verband dem Vorgehen jüdischer Lehrer an. Eine Forderung der geistigen Jntereffen bedeutet die Schaffung eines Lehrplanes für den Unterricht nn Kantorat in den Seminarien. Er ist nunmehr festgestellt und allen Seminarleitern und den Fachlehrern zu Begutachtung zugegangen. Die bisherigen Antworten sprechen zustimmeud aus.. F a b i s ch - Göttiugen hielt ein Referat über, „Die Stellung des Kantors im jüdischen Gottesdienst". Danach sollte der Rabbiner nicht die Befugniffe des Kantors einschränken, auch sollten die Neuerer das Alte nicht einreißen. Redner wendet sich gegen die Verwendung des Laienelemenres im Gottesdienste; die Unsitte des solistischen Auftretens von Opernsängern komme einer Profanierung des Gottesdienstes gleich. Es wird eine Resolution des Inhalts' angenommen, daß der Vorbeter der Träger des liturgischen Teils des Gottesdienstes bleiben muß, und daß jedes Bestreben, dem jüdischen Gottesdienste eine wesensfremde Gestaltung zn geben, znrückgewiesen wird. Nnßbaum-Wiesbaden sprach zum Schlüsse über Neuerscheinungen auf dem Gebiete der synagogalen Musik,. Jacobsohn-Friedenau plädierte für Verbesserung des Jugendgottesdienstes,, des Gemeindegesanges und für Beschaffung einer Zusammenstellung der besten Synagogengesänge alter und neuer Zeit. Bremen. Vorige Woche schiffte sich hier die fünfundsechzigste Gruppe der „Jto"-Auswanderer nach G a l v e st o n ein. Die Zahl der Emigranten betrug diesmal 176 Personen, darunter 118 Männer, 36 Frauen und 18 Kinder im Alter von 1 bis 14 Jahren. Die Mehrzahl der Emigranten (65 Personen) bestand aus Handwerkern und gelernten Arbeitern. Nur 5 waren beruflos. 10 Frauen reisten zu ihren Männern, die bereits im Westen Amerikas mit Hilfe der „Jto" eine sichere Existenz gefunden haben. Zur Begleitung der Emigranten fuhr ein Beamter des Kiewer Emigrationsbureans mit. Austritte ans dem Judentum. G r ü n w a l d Emil, Beamter, 7. Juli 1864 in Budapest, XVIU. Bez. Pötzleinsdorferstraße 19. Fichten bau m Johanna, geb. 2. Mai 1891 in Wien. XVII. Bezirk, Veronikagasse 4. Freund' Irene, Modistin, geb. 20. Juni 1886 in Budapest. VI. Bezirk,. Mariahilferstraße 103. K r a s z n a, Tr. Hermann, geb. 13. Jänner 1877 in Ziersdorf N.-Oe. - I. Giselastraße 6. Herzl Olga, Privat, (geb. 16. Juni 1884 in Wien. IX. Hahngasse 8..