Mannheim
Compact Memory

Die Wahrheit · 1912-05-17 · Heft 19 (17.5.1912) · page 7

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Wahrheit
Volume
1912
Issue
Heft 19 (17.5.1912)
Date
1912-05-17
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3062972-3063623-3063642--07867-3074987
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

4 entity mentions

Die Wahrheu Lette 7. Nr. 19 Ms diese aber mit Rücksicht aus das geschilderte Elend der armen jüdischen Bevölkerung sich bereit erklärte, die finanzielle Last der gewünschten neuen Schnlgründnngen ans sich zu nehmen und dabei verlangte, daß ein Schulkomitee am Orte selbst aus der 'Mitte der Bittsteller sich wenigstens in der Weise beteilige, daß die erforderlichen Lokalitäten beigestellt werden, gerieten die Verchandlungen bald ins Stocken. Die Schnlberichte der einzelnen Anstalten, denen teilweise Bilder beigefügt sind, enthalten interessante Details über den 'Berns der Eltern sowie der jungen Leute, welche die mit den Schulen verbundenen Abendkurse fregnentieren, über Elternabende, über Versuche mir Gartenbau, die teilweise mit Erfolg .gemacht wurden, ferner Aenßernngen von Inspektoren und Delegierten der Behörden anläßlich der Schlnßprüfungen. In einem amtlichen Berichte über die Schule in Potokzloty, erstattet an den k. k. Bezirksschulrat Bnczacz von einem Bezirksrichter als Delegierten bei der Schlußprüfung, heißt es: „Die Schlußprüfnng machte auf die Anwesenden einen .großen Eindruck, insbesondere die musterhafte Ordnung und Reinlichkeit auf Schritt und Tritt. Der Schulsaal ist sauber erhalten, die Jugend reinlich und anständig gekleidet. Die Schüler antworteten vortrefflich und zur Sache. Diese wurden aus dem Religionsunterrichte, der polnischen und der deutschen Sprache, wie auch aus der Naturgeschichte .(aus Grund der Wandbilder), dem Rechnen. Gesang und den Deklamationen ilnd der Ethik geprüft. Sämtliche Gegenstände sind in der polnischen Sprache vorgetragen worden. Mir Nachdruck muß hervorgehoben werden, daß die von den ärmsten jüdischen Familien stammende Jugend binnen einem Jahre die polnische Sprache fehlerfrei erlernt hat. Es ist noch mehr zu verwundern, da die Kinder die polnische Sprache ausschließlich nur in der Schicke hören und üben. Auch in der deutschen Sprache sind sehr gute Fortschritte .zu verzeichiten. In religiöser und moralischer Hinsicht wird die Jugend lehr gut geführt, den Kindern die Liebe zn Gott und den Nächsten eingeprägt. Der Schulleiter legt mehr Gewicht auf den Inhalt als auf die Form. Die Disziplin ist musterhaft. Der Schulleiter versteht mit den Kindern mild und sanft umzugehen". Aus der Freqnenztabelle ergibt sich, daß die von der Allianz selbst in Galizien begründeten Schulen in B u d z a n o w, N i e m i r o w, O l e s k o. Potokzloty, Chrzanow von .zusammen 492 Schülern besucht, ferner in galizischen Anstalten, die von der Allianz subventioniert wurden, 1452 Schüler unterrichtet wurden. Auch in Rumänien subventioniert die Wiener Allianz eine Reihe jüdischer Knaben- und Mädchenschulen in A d j u d, B a c ß li, Boto s a ti i. F r u m usic a. G a l a tz, V a s l n i. 'Nach der Freqnenztabelle betrug die Zahl der Schüler dieser Schulen insgesamt 1129. In Palästina trägt der Verein zur Erhaltung der von -einer Wiener Wohltäterin begrürtdeteu Edle v. Lämel-Schule bei, welche im vorigen Jahre von 347 Schülern besucht wurde. Das Gros der Schüler bestand ans Aschkenasim (213) und Sephardim, einschließlich Syro-Mesopotamier (111), aber auch Marokkaner, Jemeniten, Grusiner. Bncharer, Perser, Bulgaren und Falaschas finden sich unter den Zöglingen. Ein sehr düsteres Bild entwirft der Bericht von der Lage der Inden in Rußland und in R um ä n i e n. In bezug auf 'Rußland heißt es im Bericht: „Es kann längst keine Rede mehr sein von den unzähligen Ausnahms- „G es etze h", die in den letzten Jahren, mit .äußerster Strenge gehandhabt, die Existenzmöglichkeit unserer Glaubensgenossen im russischen Reiche immer mrhr eingeschränkt haben. Die reine Willkür, eine völlige Ignorierung jeder 'Legalität, ein zynisches Hinwegschreiten über ehemals bereits -erteilte Rechte und Privilegien, herrscht sowohl bei den höchsten Instanzen wie bei den Gouvernements-Behörden in der Provinz in bezug auf die Inden. Keine von den „Echtrussischen", von l'ehr hoher Stelle patronisierten Agitatoren empfohlene, jndenffeindliche Maßregel ist so phantastisch und ilnsinnig, daß sie nicht über Nacht von den offiziösen Organen aufgegriffen, ernstlich zur Diskussion gestellt und bald in Erlässen der Ministerien oder einzelner Gouverneure, die sich nach oben empfehlen wollen, Ausdruck finde. Kein Jude ist mehr sicher, daß nicht am nächsten Tage irgend ein Schlagwort auftanchen wird, durch welches ihm die Ausübung seines Berufes oder der Aufenthalt an seinem langjährigen Wohnorte Plötzlich verboten wird. „Nur daß man nicht mordet!", so schilderte die Situation unserem Sekretär gegenüber, der vor kurzem Rußland zu besuchen Gelegenheit hatte, ein hochgestellter Jude, der persönlich zn beit Privilegierten gehört und gewiß nicht zu schwarz sieht." Es werden daun eingehend die jüngsten antisemitischen Maßnahmen der russischen Regierung dargelegt, ferner die Blutbeschuldignng in Kiew, und die Bewegung in bezug auf die Paßbeschränkungen für ausländische Juden in Rußland. In dankenswerter Weise fiub in den Beilagen die Protestkundgebungen gegen die Blutbeschnldigung aus Deutschland und Oesterreich, ans Frankreich und England im Originaltexte mit sämtlichen Unterschriften angesügt. Das russische Hilfswerk figuriert im Gebahrungsausweis mit einem Gesamtbeträge von 72.888.18 K, der znm weitaus größten Teil sich auf die Auswanderung bezieht. Eilt sehr ailsführliches Kapitel bildet die instruktive Darstellung der Emigrationsfürsorge, welche die Zentrale in Wien und ihre Filialen und Greuzkomitees seit Jahren in Verbindung mit den korrespondierenden ausländischen Organisationen üben. Ans dem Gebahrungsausweis ergibt sich, daß die Einnahmen und Ausgaben im verflossenen Jahre mit 182.499 L bilanzieren. Bemerkenswert ist in den Vereinsnachrichten, daß der im Jitui v. I. in Baden verstorbene begeisterte Freund und Förderer der „Israelitischen Allianz in Wien", Jakob Adler, der seit einer Reihe von Jahren dem Vereine jährlich eine Spende von 1000 Li zn senden pflegte, in feinem Testamente bestimmte, daß sein gesamter unbeweglicher Besitz (er besteht aus Gur Kossut in Ungarn und einer Villa in Baden) der „Israelitischen Allianz in Wien" nach seinem Tode znfallen soll. Die Verhandlnngen wegen der gerichtlichen Zuerkenuung dieses Legates sind noch in Schwebe. Dem wackeren Vereine, der zn den ältesten und tatkräftigsten gesamtjüdischen Organisationen gehört, ist zu wünschen, daß er bald durch einen Zuwachs an Mitteln in die Lage komme, seine segensreichen Hilfswerke wesentlich zu erweitern. Der Talmud in der „SammlmiK Göschen." Löbliche Redaktion! Herr Dr. Funk beruft sich mir gegenüber auf Autoritäten, was sein gutes Recht ist. Nur ist es kaum zu begreifen, daß ihm die Autorität eines Strack oder gar eines Goldschmidt mehr gilt als die des Raschi, Maimonides und des gesunden Menschenverstandes! Was den Goldschmidt betrifft, so sollte es ein Gelehrter vom Range eines Funk unter seiner Würde halten, sich auf ihn zu berufen, da die gesamte Kritik die Goldschmidtsche Uebersetzltng als unwissenschaftlich znrückgewieseit hat. Nun aber gur Sache. Herr Dr. Funk glaubt in 9 Fällen mich widerlegt und sich gerechtfertigt zn haben. Ich habe aber 21 Ausstellungen gemacht — sind die anderen nicht der Rede wert? Dabei bilden meine Ausstellungen nur einen Teil dessen, was beanständet werden muß. Aber auch die Widerlegungen hat sich Herr Dr. Funk sehr leicht gemacht. Die Autoren der Mischna beziffert Maimonides mit 128. Amoräer zähle ich im Seder haddoroth 68, macht zusammen 196. Was nützen da die Uebertreibungen Jellineks? Wie eine Form Chaloth zustande kommen soll, ist unerfindlich, da das rr mit einem Chateph-Qamez versehen ist, das doch nie ein a bedeuten kann. Ebenso ist trotz Strack und Dalman nicht einzusehen, woher Teharoth kommen soll, da der Singular Dollar oder Dostora lautet! Wer die Stelle Eädd. 12 a aufmerksam liest, muß zur Ueberzengung kommen, daß unter Perufca weder in der römischen

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.