Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1912
- Issue
- Heft 9 (1.3.1912)
- Date
- 1912-03-01
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 8. Die Wahrheit Nr. 9. d. h. „tue wohl den Armen". Warum der Fuß von Gimmel sich hiuueigt zuni Dallet? Denn also bestrebt sich der Wohltäter dem Armen nachzneilen. Der Fuß des Dallet nähert sich dem Gimmel, denn der Arme soll den reichen Wohltäter nicht bemühen, sondern ihn zum Empfang der Wohltat bereit finden. Und warum ist Dallet von Gimmel abgekehrt? Damit der Wohltäter im Verborgenen und abgewandten Angesichts spende. Ile und Waw ,i.n — 11 ti d. i. der N am e des Heiligen, gelobt sei Er. Es sind die Hanptbnchstaben des unaussprechlichen Tetragramms, sür welches mir ^räonai setzen. Es folgen dann 3 Bnchstabenpaare, die nach ihren Benennungen weniger als nach den Anfangsbuchstaben gewisser Worte Tätigkeiten Gottes enthalten: Sojin, Cheth, Thet, Jod, Kaf, Lammed. ,n,* — / ,a — h ,2; p, n — jm e 21a oder 20a, * Bnw, 2 =*W2, ab'yb b d. h. er e rnährt, er begnadigt, er tut wohl, er vererbt und erteilt die Krone für das ewige Leben. Es folgen Nern, offen und geschlossen: ,c ,a Nun, gewunden und gerade: j ,3 die Initialen von Naamar narra „Ausspruch" oder „Wort" und Nee'man farr: — der Treue mit der Erklärung der Doppelformen des offenen und geschlossenen Mem awai mna naaa (ßaschi). Es gibt A u s s p r ü ch e Gottes, die zu o f f e nbaren, Pflicht sind und Worte, die zu verhehlen sind und als Geheimnisse gelten sollen, wie z. B. das Kapitel vom göttlichen Thronwagen im Propheten Ezechiel. Das Doppel- Nun, von dem das eine gewunden, das andere gerade, aufrecht ist, will. den Gläubigen und Treuen ja*« an die Tugend der Demut, des gebeugten Sinnes hiernieden mahnen, um am Ende (Schluß-Nnn) in aufrechter Haltrnrg im zukünftigen Leben seine Belohnung zu empfangen. (Fortsetzung folgt.) Uerschiedene Nachrichten. Wien. Freitag, den 1. März 1912 abends Predigt des Herrn Rabbiner Dr. I. M. B a ch im Leopoldstädter Tempel. - . Wien. (Jüdische Toynbee-Halle. XX., Othmarg a s s e 46.) Beginn der Vorträge an Wochentagen 1j28 Uhr, Samstag, sowie an Soun- und Feiertagen 7 Uhr abends. Eintritt frei für jeden Erwachsenen. W o ch e n - P r o g r a m m: Samstag, den 2. März 1912. „Konzert." Arrangement: Herr A n t s ch e r l. Sonntag, 3. März. „Literarischer Abend." (Jiddische Literatur.) Herr Siegfried Schmitz und Herr Berthold L e ch n e r. Montag, 4. März. „Ueber Lord Lister nnd seine Lehre." Herr Dr. I. S a m u e l y. Dienstag, 5. März. „Das Ratengesetz mid das Ratengeschäft." jur. Bickel. Mittwoch, 6. März. „Ludwig Philippsohn." (Zu seinem 100. Geburtstag.) Schulrat Professor Baß. Donnerstag, 7. März. „Jüdische Geschichte." (Zyklus.) Prof. Dr. K. Kupfer. Freitag, 8. März. Bibelvortrag. Wrerr. (Vortrag aus jüdischer Geschichte, Literatur und Kultur.) Donnerstag, den 7. März 1912, präzise ^8 Uhr abends findet im Festsaale des Ingenieur- und Architekten-Vereines I. Eschenbachgafie 9 ein Vortrag des Herrn Professor Dr. Franz Oppenheimer aus Berlin statt. Thema: „Das Judentum und der Kapitalismus." Eintritt frei, ohne Karten. Wien. Mittwoch, den 28. Februar ist Herr Michael G l o g a u, der sich im II. Bezirke großer Popularität erfreute und sür alle kulturellen und humanitären Fragen in der Kultusgemeinde, insbesondere wenn sie den D. Bezirk berührten, jederzeit großes Jnterefie bekundete, plötzlich gestorben. Wien. (Ch ewra-Suda im 21. Bezirk.) Die Chewra- Kadischah des 21. Wiener Gemeindebezirkes (Floridsdorf) veranstaltet Montag, den 4. März l. I., im Festsaale des Hotels „zum goldenen Engel",. 21. Bezirk, Am Spitz 3, ein Fest. Beginn 7% Uhr abends. Wien. (Grün wald-Vortrag.) Sonntag den 28. Februar, 7 Uhr abends, hielr Herr Rabbiner Dr. Max Grunwald im Beethovensaale den angekündigteu Vortrag als Erwiderung ans den acht Tage vorher in den Sophiensälen gehaltenen Vortrag des Herrn Pros. Werner Sombart. Der Andräng war ein so starker, daß bereits eine halbe Stunde vor Beginn des Vortrages der Zugang zum Saale gesperrt werden mußte, infolge defien es zu heftigen Kundgebungen seitens der vergeblich Einlaßbegehrenden kam. Der Präsidenr der Knltusgemeinde, Dr. Alfred Stern, neben dem der Vizepräsident, Laudesschulrat Dr. Gustav K o h n, Platz genommen hatte, eröffnete die Versammlung und erteilte Herrn Dr. Grunwald das Wort, der sich in D/zständigem, fesselndem Vortrage mit den verschiedenen Kundgebungen Profesiors Sombart eingehend beschäftigte. Er geißelte die ironisierende, witzelnde nnd das jüdische Selbstbewußtsein geradezu empörende Art, in welcher Sombart angeblich aus wissenschaftlichem Jnterefie die ganze Materie behandelte und wies dann im einzelnen die Unhaltbarkeit und Unaufrichtigkeit seiner Behauptungen und Anschauungen, die sich vielfach widersprechen, nach. Mau weiß bei Sombart oft nicht, ob es Ernst oder Hohn ist, ob für das Judentum eine Schmeichelei oder eine Frozzelei. Als eine solche erscheint unbedingt sein Programm 'für die Gleichberechtigung der Juden, das' von uns verlangt, den Kämpf um dieselbe vor dem Ziele aufzugeben und die Flinte feige ins Korn zu werfen. Ist es Herrru Prof. S o m.b ar t wirklich ernst,, aufrechten Juden eine solche Feigheit zuzumuten. Nach dem Vortrage, den das Auditorium durch laute Kundgebungen lebhaften Interesses unterbrochen hatte, schloß Herr Präsidenr Dr. Stern die Versammlung und Herr Dr. Grunwald stellte sich Anfragen zur Verfügung, die von den Herren Ingenieur Stricker und B ö h in an ihn gerichtet wurden. Herr Dr. Grunwald fand Veranlassung, die Vorgeschichte seines Vortrages aufzuhellen. Er hatte sich bei dem Komitee, das den Sombart-Bortrag vor acht Tagen veranstaltet hat, vergebens bemüht, eine Diskussion unmittelbar nach dem Vortrag im Sophiensaal in Gegenwart Sombarts herbeizuführen, eventuell, wenn dieser sie ablehnen sollte, nach dessen Fortgang. Da dieses Ersuchen abgelehnt wurde, hatte er Sombart selbst unter Berufung auf seine wissenschaftlichen Beziehungen zu ihm vor dem Vortrage zu einer solchen Diskussion anfgesordert. Da Sombart diesem Wunsche nicht entsprach, wandte sich Herr Dr. Grunwald an zwei in Betracht kommende Instanzen mit der Anregung, so rasch als möglich eine solche öffentliche Diskussion herbeizuführen und Herrn Pros. Sombart dazu.einzuladen. Aus technischen Gründen verzögerte sich die Ansetzung des Vortrages. Nachdem Herr Dr. Grunwald noch seine Stellung zur jüdisch-nationalen Frage kurz skizziert hatte, schloß die Debatte. Beim Verlassen des Versammlnngslokales kam es dann auf der Straße zu lärmenden Kundgebungen der unter Führung des Herrn Lucian Brunner ausgerückten Zionisten und Jüdischnationalen, wobei schließlich die Wache intervenieren mußte. Wien. (Zur. Erzherzog Rainer-Feier i m K a i s e r F r a n z I o s e p h - H n l d i g n n g s t e m p e l). Der Vorstand des Tenipelvereines für die Bezirke Wieden-Margareten in Wien erhielt nachstehendes Telegramm: „Ihre k. n. k. Hoheiten die Durchlauchtigsten Herr und Frau Erzherzog Rainer danken herzlichst nnd bestens für die anläßlich der diamantenen Hochzeit ansgedrückten Glückwünsche und danken herzlichst für abgehalteuen Gottesdienst. Der Obersthosmeister: Rosenberg, G. d. K." Bet der Feier selbst drückten die anwesenden hohen staatlichen Funktionäre dem Oberkantor S. W e i s z ihre ganz besondere Anerkennung sür seine künstlerisch vollendete Gesangsleistung ans; ebenso fand der vereinigte Tempelchor unter der Leitung seines Dirigenten, des kais. rnss. Militärkapellmeisters S. Braslawsky, ungeteilten Beifall. Wien. (Verein jüdischer Hochschülerlllsusa academica Iudaica, IX. Pramergasse 31). Samstag,, den 2. März, 8 Uhr abends, findet in unserem Vereinslokale ein intimes Purimfest statt, welches zugleich das erste Gründungsfest des Bereinsbestandes ist. Gäste willkommen! Baden. Im Tempel der israelitischen Kultusgemeinde zu Baden fand Dienstag, den 20. d. M., 6 Uhr abends, ein Dankfestgottesdienst anläßlich der diamantenen Hochzeit des Erzherzogs Rainer statt.' Derselbe verlief sehr imposant in Anwesenheit des Herrn Bürgermeisters Dr. Trenner, Vizebürgermeisters Brnsatti, des Gemeinderates, Volks- und Bürgerschuldirektors Franz Martin, des erzherzoglichen Schloßverwalters Rotteneder, wie des Gesamtvorstandes der Kultusgemeinde Baden, unter Führung des Präsidenten Moritz L e i t n e r, und zahlreicher Gäste. Die synagogalen Gesänge absolvierte Herr Kantor Z o l d a u in ausgezeichneter Weise. Nach einer begeisternden Festrede des Herrn Rabbiners W. Reich wurde von der gesamten Schuljugend die Volkshymne gesungen. Mit einem Gebete für das hohe Jubelpaar schloß die erhebende Feier. Austritte aus dem Judentum. Bing Malvine, Schneiderin, geb. 27. Oktober 1861 in Budapest. Wien, VIII. Georgsgafie 1. - Popper Karl, Schätzmeister, geb. 8. August 1885 in Wien. XV. Robert Hammerlinggasse 28. F a b i s. ch k o w i tz Rosa, Wirtschafterin, geb. 11. Dezember 1889 in Wien. II. Schiffmühlenstraße 116. Q> uittner Alfred, Fabrikant, geb. 26 September 1878 in Troppau. Wien, I. Canovagafie 7. P o l l a k Stefanie, Elsa. geb. 3. August 1895 in Wien. Laut Zuschrift des Gemeinde-Vorstandes der Stadt Kremsier adr. 7. Februar 1912. Z. 835. MaskerifreiHert Humoristische Skizze von Babette Fried, Prag. In einer größeren Gemeinde Böhmens, Zlichowitz mit Namen, lebte und wirkte seit vielen Jahren ein Rabbiner, dessen hervorragende Verdienste um seine Gemeinde ihm die Liebe und Verehrung derselben in vollstem Maße erwarben. Indessen r Tempera mutantur et nos mutamur in illis — die Zeiten ändern sich, nnd wir ändern uns mit ihnen. So hatte sich in dieser Gemeinde allmählich ein Umschwung vollzogen. Der jüngere Teil derselben begann sich zur czechischen Nationalität zu bekennen und verlangte, daß .Kanzel- und Gelegenheitsreden abwechsenld in deutscher und czechischer Sprache abgehalten, werden. Diese jüngeren Gemeindemitglieder schickten die Kinder in czechische Lehranstalten, und da trat der Schulrat an die-