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Die Wahrheit · 1912-02-09 · Heft 6 (9.2.1912) · page 9

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1912
Issue
Heft 6 (9.2.1912)
Date
1912-02-09
Page
– (sequence 9)
Language
German
Belongs to
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Die Wahrheil. Lmre v. Nr. 6. u.eichische Eherecht." Dr. M. Pro. vp e r. Mittwoch, 14. Februar. „Jüdische Geschichte." (Zyklus.) Prof. Dr. K. Kup f e r. Donnerstag, 8. Febu:när. „Die Stellung der Juden int Mittelalter." Bibliothekar Dr. Beruh. M ü u z. Freitag. 16. Februar. Bibeivortrag. Lehrer Leopold W e ß. Wien. (Jüdische Tvyubeehalle, Wien, XX.. Othmarqasse 46.) Es war einer der schönsten Abende seit dein Bestand dieser Institution, der Festabend am 3. Februar, dessen künstlerisches Arraugeuieut m den .Händen des Herrn Max Schwager lag. Eingeleiret war der Abend durch die den Mirwirkenden, dem trefflichen Arrangeur und den erschie- Gästen geltende Begrüßungsrede des Obmannes Herrn Dr. I. Samuely, der auch herzliche Worte der Begrüßung an den als Gast anwesenden Rabbiner Dr. Max Grunwald — der mit seiner Gattin erschienen war — richtete. Rabbiner Dr. G r n n w a l d replizierte in überaus lärmiger und geistreicher knapper Rede und verglich die aktuellen 15. Frnchtgatlnugen des 15. Schebat treffend und geistvoll mit dem Obmann. Obmannstellvertreter. dem Sekretär und den Mitwirkenden; die an Esprit überreichen Worte sanden ein mit stürmischem Applaus begleitetes Echo beim Auditorium, das die Räume bis in die weitesten Winkel füllte. Mit ranschendem Beifall lohnte man die musikalischen Leistungen des Organisten Herrn M. M e n z e r, den vollendeten Klaviervortrag <Moskoivsky's „Spanische Tänze")der Pianistin Frau Regine S ch wg er. Lauten Jubel erweckte das unter Leitung des Tanzmelsters Herrn Rudolf ,H e i m a n u (am Klavier Frau Schwager) exakt und reizend ansgesührte Tanzpotponrri in ländlich-wienerischer Tracht der beiden Kindervaare Karli—Edith, Knrt—Käthe Schwager, der lieblichen Kinder des Arrangeurs. Mit der ihr eigenen Anmut und vollendeter Grazie vermittelte Frau Stephanie S ch n i tz e r - H e i m a n n ihre künstlerisch vvrgetragenen Deklamationen, von tiefstem Empfinden belebt, und wurde die glänzende Leistung durch stürmischen Beifall gelohnt. Ein werdender Künstler, Herr Hugo Gottesmau n, interpretierte mit vollstem Gelingen und den süßesten Tönen die Mnsikdichtnng Sarafate's auf seiner Geige, die ansgezeichnet gespielten Faustphantasien und die Kol Nidre-Weisen fanden minutenlangen, rauschenden Applaus. Die Begeisterung und der Jubel der Zuhörerschaft erreichten. ihren .Höhepunkt, als Oberkantvr M o r g e n st e r n aus dem Schatze seiner liederreichen Kehle verschwenderische Gaben der Gesangskunst bot, sowohl moderne wie jüdische Säuge (am Klavier von Frau Schwager, am -Harmonium von Bracloivsky feinfühlig akkompagniert) in hinreißender Klangfülle sang und einen in stürmischen Hochs aufrauschenden Beifallsorkan entfesselte. Die Schlnßnumnier, die fesselnde Piece de resistance des Abends, bildete der humoristische Bortrag von Prof. Nascher. Was dieser Meister der Siebe bot. glich einem Feuerwerk von Witz, Geist und Gelehrsamkeit, der reiche Humor, den er aus dem Born seines fabelhaften Gedächtnisses schöpfte, wurde mit jubelndem Beifall quittiert. Diese Glanzleistung schloß das Programm dieses einmütig als herrlich bezeichneten "Abends ab. dem ein distinguiertes Publikum und ein Kranz reizender Damen ein geradezu festliches Gepräge verlieh. Nach den begeisterten Dankesworten für Arrangeur Herrn Schwager und Mitwirkende seitens des Obmannes Herrn Dr. Samuely und 'des rührigen Obmanustellvertreters Herrn Karl Freund fand die überaus gelungene Akademie ihren Abschluß. —d. Wien. Freitag, den 16. Februar 3 n-2? wird Herr Leopold M ü l l e r sein Amt als Oberkantvr der Schiffichnl (H., Gr. Schiffgasse 8) -antreten. In Anbetracht des voraussichtlichen Andranges werden die P. T. Bethanssitzinhaber ansmerksam gemacht, rechtzeitig zu kommen. Dien. (T e m p e l b a n v e r e i n des VIH. B e z. bei- Stabt Wie n.) Sonntag den 11. Februar d.'I.. 10 Uhr vormittags, findet im Tempelgebände. VIII.. Nendeggergaffe 12, die ordentliche Generalversammlung statt. Mit Rücksicht auf die Wichtigkeit der Berhandlnngsgegenstände ivird um zuverlässiges Erscheinen gebeten. Vien. (Verein z n r H e b n n g der Gewerbe in Wie n.) Sonntag, den 11. Februar 1912, präzise 7 Uhr abends, findet im Festiaale des n. ö. Gewerbevereines, I.. Eschenbachgaffe 11, ein Vortrags- Abend statt. 1. Einleitung vom Vorstandsinitgliede. Schriftsteller Herrn .Jaqnes I ä g e r. 2. Bortrag, des Herrn Redakteur Julius Frey, früher in Tientsin (Nord-China) über : „China i m Z e i ch e n d e r Revolution" mit 100 Skioptikonbildern. Wien. Die konstituierende Generalversammlung des „Jüdischen Mittelschnlvereiues" findet am Dienstag, den 13. Februar, 8 Uhr abends, in den Räumen des Restaurant Pinkes (Große Sperlgaffe „Hotel New- Jork") statt. Der Verein bezweckt die Erhaltung der auf Anregung des Rabbiners Dr. Jung gegründeten „Jüdischen Mittelschule" und fordert deshalb alle Inden, die die Bedeutung einer solchen Anstalt zu würdigen "wissen, dringendst aus, bei der Versammlung zu erscheinen. Wien. (Verein zur Unterstützung i s r a e l. H a u dwerker und Kleingewerbetreibender. IX.. Berggasse 4.) Donnerstag, den 15. Februar, präzise 7 Uhr abends findet in den Räumen des Israelitischen Humanitätsvereiues B'nai B'rith. DL, Universitätsstr. 4. Mezzanin, die XXIII. ordentliche Generalversammlung statt. Tagesordnung : 1. Rechenschaftsbericht. 2. Kassenbericht. 3. Bericht der Zensoren und Beschlußfassung über denselben. 4. Neuwahl von Vorstandsmitgliedern. -5. Wahl der Zensoren. 6. Eventuelle Anträge der Mitglieder. Wien. Samstag, den 3. d. M., abends versammelten sich die Delegierten der Chewra-Kadischa unter Vorsitz des Vizepräsidenten Doktor Markus Spitzer, im Restaurant Pinkas, zu einem gemeinschaftlichen Festessen. Der Vorsitzende eröffncte den Abend mit einer zündenden Rede, die sich mit den hohen Ausgaben der Chewra-Kadischa beschäftigte. Ueber Einladung erschien auch Oberkantor M o r z e n st e r n, welcher durch Vortrag traditioneller Gesänge die Anwesenden entzückte und zum Schluffe das Tischgebet rezitierte. ' Wien. (Humanitärer- Verein „T i f e r e s B a ch u r i m" Schmuck der Jugend Wien. II. Kl. Sperlgaffe 5.) Sonnrag. den 11. Februar, präzise 1/Jl Uhr abends findet im Turnsaale der Talmud-Thora-Schule II. Malzgasse 16 die XV. ordentliche Generalversammlung und daran anschließend ein Festbankett im Hotel Newyork II. Kleine Sperlgaffe No. 5 starr. Tagesordnung der Generalversammlung: Bortrag des Herrn Rabbiners Josef B a n m g a r t e n. 1. Rechenschafts-Bericht. 2. Bericht der Rcvisoren. 3. Wahl des Vorstandes. 4. Eventuelles. Wien. Am 28. Jänner fand im Sitznngssaale des Tempelgebändes des XIV. Bezirkes, Turnergasfe 22. die feierliche Bekleidung von 26 armen alten Männern und Feanen statt, die der „Verein znr Bekleidung armer alter Männer und Frauen des XII., XIH., XIV. und XV. Bezirkes" veranstaltete. An der Spitze des Vereines stehr die tüchtige Präsidentin Frau Ing. Anna Seinseld, die Vizepräsidentin Frau Dr. Phila Drucker, die Kassierin Frau Salomea Berger, die Schriftführerin Frau Mma Hecht, sowie ein auserlesener Kreis vornehmer Vorstandsdamen, welche alles aufbiereu. um auf dem Gebiete der Wohltätigkeit viel Ersprießliches zu leisten. Die Feier erhielt ein besonders feierliches Gepräge durch das Erscheinen des Herrn Rabbiners Dr. Grunwald. welcher in einer geistreichen und stimmungvollen Rede das edle Wirken des Vereines, sowie die verdienstvolle Tätigkeit des Damenkomitees hervorhob. Ebenso hielt Herr Rabbiner Dr. T e m p! e r eine feierliche Ansprache. Nachdem noch die Herren Beiräte Dr. Hermann Drucker, Mociz Weiß, I. Fritz und das Ehrenmitglied Herr Anton Stern gesprochen hatten und der armen hilfsbedürftigen Greise gedachten, erfolgte die Uebergabe der warmen Kleidungsstücke au die vollzählig erschienenen Bittsteller. Wien. Mittwoch, den 7. Februar ist hier der Präsident der Tescheuer Knltusgemeinde. kaiserl. Rat Jacob Sil berste in, int 63. Lebensjahre gestorben. Der Heimgang des allgemein verehrten Mannes, der durch edle Charaktereigenschaften glänzte und durch sein ersprießliches gemeinnütziges Wirken sich besonders um die Knltusgemeinde Teschen große Verdienste erworben har, wird in weiten Kreisen aufrichtig betrauert werden. Die Leiche wird nach Teschen überführt und dort znr ewigen Rnhe bestattet. öndapeft. („Ethische Elemente der Heiligen Schrift".) Der Israelitische Landeskultnrvereiu hatte heute einen illnstreu Gast. Einer der glänzendsten Kanzelredner unserer Zeit, der I. Rabbiner der Hamburger israelitischen Kultusgemeinde Dr. Leim- Dörfer — ein gebürtiger Ungar —, war gekommen, um der Einladung des rührigen Vereins folgend, einen Vortrag zu halten. Der vorzügliche Theologe wählte ein interessantes, seinem Geist und seinem Wlffen weiten Spielraum bietendes Thema: die der heiligen Schrift innewohnenden ethischen Elemente zum Gegenstand seines Vortrages. Nach einigen ungarisch gesprochenen Worten der Courtoisie begann er mit seinen Ansführnngen in deutscher Sprache. Herder hatte — so führte er ans — über die Sprache gesagt, daß in ihr nnd durch sie die Menschheit zur Nacheifernng der Gottheit geführt wird. In der Spräche der Ahnen des jüdischen Volkes hat sich die Gottheit geoffenbart. Es muff zugegeben werden, daß das Wort eine Ethik hat. Wem es gegeben ist, in den Geist der hebräischen Sprache tiefer einzudriugen. gewinnt Einsicht in den Volkscharakter des jüdischen Volkes. Die hebräische Sprache ist erhaben und erhebend, frei von allem Trivialen. Nackten. Häßlichen. Phrasenhaften, die Sprache dessen, was uns hoch und erhaben ist. Nichts spricht beredter hiefür als die Art und Weise, wie die Begriffe Gottes, der Welt nnd des Menschen in der hebräischen Sprache zum Ansdruck gelangen. Das Wvrr Gott bedeutet im Deutschen etwas ganz Ungewisses. „Eloliim“ oder „Adonaj“ ist die Allmacht, das Höchste und Vollkommenste, der Gegensatz zur Unzulänglichkeit alles Irdischen, der Born aller Liebe, die Gottheir ohne Zorn nnd Rache. Das deutsche Wort Welt ist nicht minder etwas Unbestimmtes. Die hebräische Sprache verbindet mit dem Begriff der Welt eine ganze Kette von Gedanken und Gefühlen. Die sichtbare Welr heißt „Tewel“, daß heißt Vermischung, die unsichtbare „Olom“. was der Inbegriff alles Unfaßbaren, Geheimnisvollen. Verschleierren und Ewigen ist. Mensch bedeutet im Deutschen eigentlich nichts, höchstens, daß es mir dem Lateinischen mens verwandt ist. Hebräisch heißt Mensch Ebenbild der Gottheit, zu der man sich emvorringen soll. Man sagt mitunrer, die hebräische Sprache sei arm. Weit gefehlt. Sie ist arm, wenn es heißt, das Triviale und Niedrige auszndrücken. Der Körper hat zum Beispiel nur einen, der Geist hingegen fünf Namen. Die hebräische Sprache ist von ungeahnter Fülle, Feinheit und Schönheit des Ausdruckes. Blinder heißt zum Beispiel ein Mann mit vielem Leben, was besagen soll, daß der seines Augenlichtes Beraubte ein doppeltes Innenleben führt. Bon welch ethischer Erhabenheit die hebräische Sprache ist, bezeugt das Wort für Gattin, Sohn, Tochter rc. Schule bedeutet kein Institut zur Bildung der Köpfe, sondern ein Haus der Erziehung, wo der Lehrer sagt, daß er mehr ist als der Vater, weil er für dieses uud jenes Leben erzieht. Der Talmud enthält eine ganze Ethik des Alphabets. Wenn Sombart Werner das Judentum als das Volk des Geldes, des Kapitalismus und der Materialität charakterisiert, so bezeugt er damit nur, daß er niemals hebräisch gekannt habe. In der heiligen Sprache gibt es nicht einmal ein Wort für Geld. Das Judentum ist kein Volk des Geldes, sondern ein Volk der Ethik xar excellence.

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