Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1912
- Issue
- Heft 4 (26.1.1912)
- Date
- 1912-01-26
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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Seite 10 Die Wahrheit . Nr. 4. Kantörenvereiu eine Gedenktschrift gewidmet, welche der Verein den Verehrern des Verblichenen soeben zugesendet. Die Gedenkschrift enthält: L Ein Bild des Verblichenen mit Faksimilunterschrift. H. Nachruf. HI. Das Leichenbegängnis. IV. Trauerfeier im Leopoldstädter Tempel. V. Gedenkrede von Sr. Ehrwürden Herrn Rabbiner Dr. Max Grunwald. Preis K1.—. Das Erträgnis fließt dem Witwen- und Waisenfonde des Oesterr.-ungar. Kautoreuvereines zu. Wien. (Jüdische Toynbee-Halle, XX., Othmarg a s s e 46.) Begum der Vorträge an Wochentagen 1I2S Uhr, Samstag, sowie an Sonn- und Feiertagen 7 Uhr abends. Eintritt srei sür jeden Erwachsenen. Woche »-Programm: Samstag, den 27. Jänner. Konzert. Sonntag, 28. Jänner. Geschichte des Aberglaubens. (Zyklus) Lehrer D. Hns cha k. Montag. 29. Jänner. „Das Wesen der orientalischen Frage." Dr. Hermann Kadisch. Dienstag, 30. Jänner. Benjamin D'Jsraeli (II.) Lehrer I. K r u g. Mittwoch, 31. Jänner. Juristische Streiflichter. Hof- und Gerichtsadvokat Dr. Karl L i f c z i s. Donnerstag, 1. Februar. Thema Vorbehalten. Uiuv.-Prof. Dr. Josef P o l l a k. Freitag, 2. Februar. Bibelvortrag. Lehrer I. M n l l e r. Sonntag, den 28. d. M. findet um 1Ji3 Uhr nachmittags in der Toynbee-Halle eine Kinderjause statt. Wie«. Ueber Einladung der Toynbee-Halle las daselbst vorige Woche Eduard f auf m an n, ein junger äußerst begabter Schriftsteller, der mit seinen Erstlingsarbeiteu in unserem Blatte debütierte und unseren Lesern in angenehmer Erinnerung sein dürfte, eigene Dichtungen mit großem Erfolge vor. Zunächst las er eine in Berlin erschienene Novelle: „Landstraße", die durch ihre dramatische Wucht ungemein packt und erschüttert, ergreifend die zweite Novelle: „Grabdenkmal", von tiefer Wirkung, die dritte: „Ersterben". — Mit ganz schlichten Mitteln erzielt Kaufmann immer die gewünschte Wirkung. Alles wunderbar wahr und echt empfunden, die landschaftlichen Schilderungen, besonders die der Ebene, mit warmer Liebe aufs feinste erfaßt. Das ergreifende Gedicht „Schmerz", joiuie jede einzelne Novelle nahm das Publikum mit herzlichem Beifall entgegen. Wim. Beth-Haam (Jüdisches Volksheim). (XVI., H o rm a y e r g a s s e 7 s..) Samstag, den 27. d. M., 1lß Uhr abends: Vortrag des Herrn Dr. Jakob K o h n: „Jüdische Erziehnngsfragen". Samstag, den 20. d. M. bereitete Herr Leo Fi n k e l st ei n-F un ke den Besuchern unserer Toynbeehalle einen höchst genußreichreichen Konzertabend. Vor allem fanden die mit klangvoller und wohlgeschulter Stimme gefühlvoll vorgetragenen Lieder des Herrn Leo Funke begeisterten Beifall. Auch die Rezitatoriu Frl. Klärchen Froh l ich wurde durch rauschenden Applaus belohnt. Der jugendliche Geiger Herr Hugo G o t t e s m a n n erntete durch virtuoses und empfiudnngsvolles Violinspiel berechtigte Bewunderung. Besondere Anerkennung fanden auch der Liedervortrag des Frl. Selma Stampfer und die exakte Klavierbegleitung des Frl. Stella W a n g und des Herrn Fritz S a p h i e r. — Anmeldungen von Vorträgen und Mitwirkungen bei Konzerten sind am den Präsidenten Dr. M. F ö r st e r, XVI., Thaliastraße 22, erbeten. Wie«. Bet-Hamidrasch „Talmnd-Thora", II., Malzgafie 16. — Populär-w i s s e n s ch a f t l i ch e Freitag-Abend-Borträg e — auch Frauen zugänglich — finden statt: Am26. Jänner 1912: Herr Rabbiner L. G o l d st e i n: „Rabbi Meir aus Rothenburg und sein Schüler Ascher ben Jechiel." Am 2. Februar: Herr Rabb. H. Schenk: „Die Psalmen." Beginn jedesmal um 71j2 Uhr abends. Besonderes Juterefie erweckte der Vortrag, den Herr Professor A u t s ch e r l in der vergangenen Woche über^ die Leidensgeschichte der mährischen Gemeinde Aussee hielt, der auf alle Anwesenden tiefen Eindruck machte. Es war am „Kolnidre" des Jahres 5482 (1721), da stürzte der damalige Ausseer Kaplan ohne jeden Grund wutschnaubend ins dichtgefüllte Gotteshaus, schlug . nnt seinem Knotenstock ans das „Machsor" dtzs Vorbeters, schrie und tobte und wollte die Andacht um jeden Preis unterbrechen. Vier angesehene Männer versuchten ihn zu beschwichtigen, es half nichts und sie führten den Tobenden, ohne ihm — wie er später selbst aussagte — ein Leid zuzufügen, aus der Synagoge. Ein Ausruhr im Orte entstand und böse, sehr böse waren die Folgen dieses Ereignisses. Drei von den vier Vorstehern wurden öffentlich ausgepeitscht, mit glühendem Eisen „gebrandmarkr" und des Landes verwiesen und der vierte, ein gebrechlicher Greis, mußte 3 Jahre in Ketten schwere Arbeit leisten. Die Gemeinde mußte acht Monate später ihre schöne Synagoge auf ihre Kosten niederreißen und dem Erdboden gleich machen laffen. Jede gemeinsame Andacht wurde einige Jahre hindurch untersagt. Nach langen und schweren Bemühungen gelang es 32 Jahre später, auf einem anderen Platze die Synagoge zu erbauen, die heute noch in Auffee steht. Die „Megilla", die Rabbi Abraham Broda schrieb, schildert ausführlich und herzzerreißend diese Leidensgeschichte und der würdige und vielfach verdiente Nachkomme dieses Rabbi, der verewigte Landesschulrat und Vertreter der Wiener isr. Gemeinde, Herr Emanuel Baumgartner, hat durch Herausgabe dieser Megilla im Jahre 1895 sich ein großes Verdienst um die vaterländische jüdische Geschichte erworben. Erwähnt sei, daß in Wien d. Z. ein „Verein der Auffeer" besteht, an deffen Spitze schon seit vielen Jahren Herr Bethausvorsteher M. A. W a s s e r v o g e l sehr wohltätig wirkt. . d Wien. Unter dem Schlagworte: „Ein neuer israel. Tempel in Wien" teilt die „Neue Freie Preffe" Folgendes mit: Wie in Gemeinderatskreisen verlautet, sind die Verhandlungen zwischen der israelitischen Kultusgemeinde und der Gemeinde Wien wegen Erbauung eines neuen Tempels auf -dem Rudolfsplatze ziemlich weit fortgeschritten. Mit Rücksicht darauf, daß nunmehr die Baulinienbestimmnng für den Ankauf herausgegeben wurde, dürfte auch die Frage der baulichen Umgestaltung der Seitenstettengasse aktuell werden. Der neue. Tempel soll, wie gesagt auf den Rudolfsplatz kommen., Hiefür ist der sechste Teil der Area dieses Platzes in Aussicht genommen. Der alte Tempel in der Seitenstettengasse würde dann selbstverständlich verschwinden. Wien. (S i eb zi gste r Geburtstag.) Die Feier des 70. Geburtstages des Herrn Josef Baß hat am Samstag, den 20. Jänner im Gotteshause, IH. Untere Viaduktgasse 13, dem der Jubilar als Bethausvorstandsmitglied angehört, stattgefunden. Es beglückwünschten ihn der Gemeinde-Rabbiner Dr. Armin A b e! e s, der Erste Sekretär der israel. Kultus-Gemeinde Dr. Theodor Lieben, der Ämtsleiter Braun, der General-Sekretär der Baron Hirsch-Stiftung Dr. Arnold Ascher. Kais. Rat Dr. Theodor Lieben überreichte im Namen des Kultnsvorstandes eine kalligraphisch ausgeführte Adresse. Hierauf schilderte der Obmann des Tempelvereines, Dr. Josef Auerbach, die Verdienste des Tempelvorstehers Baß und überreichte ihm einen mit einer sinnigen Inschrift versehenen silbernen Pokal. Auch auf telegraphischem bezw. schriftlichem Wege kamen dem Jubilar eine große Anzahl von Glückwünschen zu. Es gratulierten unter anderen der Präsident der israel. Kultusgemeinde Wien Dr.Alfred Stern, der Vize-Präsident und Landesschulrat Dr. Gustav K o h n, Sekretär Dr. Emil Adler, Ortschulrat Fuchs gelb, der Vorstand der Kultusgemeinde Pilsen, der Obmann des böhm. Landeslehrer-Vereines, Herr Oberlehrer Sp ringer und Viele ans dem Lehrerstande. Die Feier nahm einen glänzenden Verlauf. Wien. Samstag, den 20. d. M. beging der erste Kantor im Tempel in der Seitenstettengaffe M. M a t y a s die Bar-Mizwah seines Sohnes Alexander, der als'Maftir vor die Thora trat und mit schönem, klarem, ausdrucksvoll vernehmlichem Vortrag die Hafthora vortrug. Oberkautor Don Fuchs und Oberrabbiner Dr. G ü d e m a n n sprachen mit erhebender Weihe den Mischeberach und den SegenSsprnch. Den Eltern und dem Bar-Mizwah wurden allseits die herzlichsten Gratulationen zum Ausdruck gebracht. Krteratnr. Ost und West. Heft 1. Jänner 1912. 12. Jahrgang. Inhalt: Jahresrückschan. Auf dem Volksliederabend von „Ost nnd West", Mathias Ascher. Alter Jude. Gemälde von Rembrandt. Revue d e r E r e i g n isse: Achtung auf die Polen. Die nordamerikanische Union wegen „vier Prozent" ihrer Einwohner. Herr Sawnow — der Diplomat. Die Rettung Frankreichs. Der Einigrationskongreß. Illustrationen zu Rußlands Jndenpolitik in den letzten Monaten. Der Radierer Fritz Lederer (mit 9 Illustrationen) Max Schach. Die liebe Provinz. II. Gebrochene Herzen, Sch. Gorelik. „Eine Reformation durch die Juden", Aphorismen von Albert Bach, Neustadt. Nathan'Samuely. Versuch einer Würdigung (mit Porträt) Dr. von Nohnny. Kurt Seilers „Verirrung". Franziska Mann. Aus dein Leben der Karaiten (I.) Rüben Fahn. Jüdische Hochzeitsbräuche in alter nnd neuer Zeit (HI.) Var Ami. Jüdische Hochzeitsmelodien: . Das Besingen der Braut (Noten). Theater, Felix Stössinger. Literarische Rundschau. Mitteilungen aus dem Deutschen Bureau der Alliance Jsraölite Universelle: Generalversammlung der Allianz Jsraölite Universelle in Paris. Satzungsänderung. Verordnung. Uebergangsbestimninngen. Notizen: Louis Calvary-Posen. Jlia Ber-Berlin. Auszeichnung, Verzeichnis der im November bei dem Deutschen Bureau eingegangenen Beiträge und Spenden. Schach, Dr. Emanuel Lasker. Inserate. Kesterr.-ungar. ßantoren-Werein Wien. In der am 16. d. M. stattgehabten Sitzung wurde beschlossen, die Mitglieder des Vereines dringendst aufzufordern, die restlichen Beträge unverzüglich einznzahlen, da sonst im Sinne der Statuten strenge vorgegangen werden wird. Zuschriften au den Vereiusvorstand sind zu richten an den I. Vizepräsidenten Oberkantor I. Baue r, II. Novaragasse 27, Vereinsbeiträge sind an den Kassier, Erster Kantor I n r b e r g e r, II. Tempelgasse 3, zu senden. FenMrton. Die Moöepredigl Humoreske von Babette Fried, Prag. (Fortsetzung.) Vor der mit Blumengewinden geschmückten Türe des neuerbanten Heiligtums harrte ein weißgekleidetes Mädchen dem Herannahen des Zuges. Dieses überreichte dem sich im Zuge mitbefindlichen Bürgermeister des Städtchens den auf einem Polster aus hochrotem Peluche liegenden silbernen Schlüssel und bat ihn mit einigen Worten im Namen der Gemeinde, das Heiligtum aufzuschließen.