Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1911
- Issue
- Heft 13 (31.3.1911)
- Date
- 1911-03-31
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Veite 8. Die Wahrheit. Nr. 13? des Herrn Hofrates Dr- Rappaport beschranke er sich nur auf die Konstatierung,,daß die-Erwartungen und Hoffnungen, die in den Verband bei feiner Gründung gesetzt worden, sind,-dank dem ausgezeichneten, hingebungsvollen und unermüdlichen Wirken des Exlkutivkomitees, welchem die vortreffliche Präsidentin Frau Baronin Königswarter vorsteht, geradezu übertroffen wurden. Dieses und den herzlichsten Dank im eigenen Namen des Präsidiums, des Kultusvorstandes und der Gemeinde zu bekräftigen, sei er hier erschienen. (Lebhafter, anhaltender Beifall.) Hierauf ergriff der Initiator der Reformaktiou für die Wöchnerinneupflege und ärztliche Beirat des Exekutivkomitees, Herr kaif. Rat Dr. S. Krüger das Wort und besprach die segensreichen Ergebnisse der Verbandstätigkeit vom sozial-hygienischen Standpunkte. Herr kaif. Rat Dr. Krüger führte auch einige Reminiszenzen aus der Gründungsgeschichte des Verbandes an und zog hieraus lehrreiche Konklusionen für die von der Zentrakstelle für das jüdische Armenwesen in anderen Zweigen der Aimenpflege zu bewältigenden Aufgaben. Nach abgeschlossener Debatte wurden der Tätigkeils- und der Finanzbericht des Exekutivkomitees einhellig genehmigt. Sohin wurde die Neuwahl des Exekutivkomitees vorgenommen, und -wurden per acclamaiionem gewählt: Präsidentin: Frau Baronin Charlotte von Königswarter; V i z e-P r ä si d e n t i n n e n : Frau Johanna Fröhlich, Frau Mathilde H e r z l; Schrifts ü h r e r i n : Frau Therese G e is en h e i m e r; B e i r ä t i n n e U: Frau Selma B a ch st e z, Frau Marie B a rä, n y. Frau Amalia Brüll, Frau Jda Figdor, Frau Emilie Weiß; ärzlicher Beirat: Herr kais. Rat S. Krüge r. Die Vorsitzende, Frau Baronin Königswarter, sprach der Versammlung namens des soeben nengewäblten Exekutivkomitees den Dank für das durch die Wahl bekundete Vertrauen mit der gleichzeitigen Versicherung aus. daß das Komitee bemüht sein werde, den in dasselbe gesetzten Erwartungeu auch fernerhin zu entsprechen. Hierauf schloß die Vorsitzendedie Versammlung mit bestem Danke für die rege und ausdauernde Beteiligung an derselben. Ueber die Leistungen des Verbandes im Dezennium 1900—1910 seien aus dem in Druck gelegten Tätigkeitsberichte folgende markante und interessante Daten wiedergegeben: Die Gesamtzahl der vom Dezember 1900 bis einschließlich Dezember 1910 unterstützten armen Wöchnerinnen beträgt 6157, also pro Jahr durchschnittlich 611. Der Gesamtkostenaufwand in dieser Zeit für die Verabreichung von Geldunterstützungen, voll - Bett-, Leib- und Kindwäsche, von geburtshilflichen Utensilien, sowie für die Honorierung von Aerzten, Hebammen und Wartepersonen, einschließlich der Regiespefen beläuft sich auf 222.107-79 Kronen zuzüglich der vom Kultnsvorstande überwiesenen mit 6823-78 Kronen sich beziffernden Erträgnisse der in der Verwaltung der Kultusgemeinde befindlichen, zur Beteiligung armer Wöchnerinnen bestimmten Stiftungen und Widmungen auf 228.931-57 Kronen. Es entfällt demnach im Durchschnitte auf ein Jahr der Ausgabenbetrag von 22.893-16 Kr. Die effektiven Kosten der Unterstützung einer Wöchnerin stellen sich im Durchschnitte auf 34 Kronen. An die oberwähnten 6157 Wöchnerinnen wurden von den verschiedenen Arten der Hilfeleistungen bewilligt: 1. Geldunterstützuugen an.5873 Petentinnen 2. Wäsche au. .......... . .3668 „ 3. Geburtshilfliche Utensilien ...... .3404 „ Al. Beistellung von Hebammen au . . . . .4495 „ 5. Beistellung von Aerzten an.1240 „ 6. Beistellung von Wartepersonen an. . . . 401 „ Bemerkenswert ist die aus den statistischen Zusammenstellungen sich ergebende Feststellung, daß die sämtlichen Unterstütznngsfällr mit 36% auf den 2: Bezirk, mit 37°/p auf den 20. Bezirk und mit 27% auf alle übrigen 13 Gemeindebezirke sich verteilen. Diese Erscheinung kann allerdings nicht wundernehmen, da ja notorisch die jüdische Armenklientel hauptsächlich aus den Bezirken Leopoldsladt und Brigittenau sich rekrutiert. Eine andere hochwichtige Feststellung aus der Statistik ist die, daß nahezu 22% aller jüdischen Wöchnerinnen in Wien die Hilfstätigkeit des Verbandes in Anspruch zu nehmen genötigt sind, wobei jene armen jüdischen Frauens welche das Gebärhans- oder das Wöchueriuueuheim „Liiiuua" aufsucheu? ziiln großen Teile außer Anschlag bleiben. Dieser erschreckende Prozentsatz, eröffnet uns einen traurigen Einblick iii das Anwachsen des jüdischen Pauperismus und bildet zugleich einen beredten Beweis für die Notwendigkeit -der Existenz des Verbandes selbst.. Jüdische Frauen uüd Mütter k Gedenket Eurer armen Glaubensschwestern zur Zeit ihrer schweren Stunde!.Helfet den Armen / in dem Momente, da sie hilflos in bedrängter Lage fremden Beistandes bedürfen! Geldspenden und für die Wöchnerinnenpflege geeignete Naturalien — außer.Verwendung: gesetzte Bett-, Leib-, und Kind-- Wäsche in hygienisch unbedenklichem gebrauchsfähigen Zustande — werden erbeten au den Verband zur Unterstützung 'armer israelitischer Wöchnerinnen, 1.. Seitenstettengaffe 2. Diese Gaben wollen mit Namensnennung oder anonym gewidmet werden- Naturalien werden über. Wunsch auch abgeholt. Ans der Wiener Knllnsgemeinde. (Ans der Plenarsitzung des Kultusvorstandes vom 19. März 1911, unter' dem Vorsitze des Präsidenten Dr. Alfred Stern.) Einlauf: Dankschreiben Dr. Leopold Langfelder für die Ehrungen anläßlich seiper Versetzung in den dauernden Ruhestand. Dankschreiben des k. k. Regierungsrates Dr. S. Frank-- furter für die Gratulation des Knltnsvorstandes anläßlich der allerhöchsten Auszeichnung. Dankschreiben des Prof. Dr. Franz von Liszt, Berlin,, für die Gratulation anläßlich seines .60, Geburtstages. Der Präsident berichtet über die im abgelaufeuen Winten ftattgefuudenen Vorträge aus jüdischer Geschichte, Literatur und Kultur. Der diesjährige Vortragszyklus hat am 15. Dezember 1910' begonnen und wurde am 16. März 1911 geschlossen. In dieser Zeil haben 11 Vorträge im Festsaale des Ingenieur- und Architekten-Vereines stattgefunden, welche durchwegs einen sostarken Zuspruch aufwiesen, daß zur Vermeidung von «Daalüberfüllung zahlreiche Einlaßbegehrende abgewiesen werden mußten und vielfach der Wunsch laut wurde, die Vorträge künftighin in einem größeren Saale abhalten zu lassen. Der 12. in Aussicht: genommene Vortrag, der des Herrn Prof. Dr. Ludwig Stein in Berlin, mußte wegen Erkrankung des Genannten entfallen. Es haben folgende-Vorträge stattgefunden: Vortragender: Rabbiner Dr. Max Grunwald, Wien^ Thema: 1. Adolphe Cremieux (znm 50 jährigen Bestehen der ^lliauee israelite universelle). 2. Hygiene der Juden. 3. Juden als Welt- und Forschuugsreisende. 4. Jüdische Geschichts- und Kulturdenkmäler. Rabbiner Dr. Alois Schweiger, Erlau: Die Religion im Lichte der Völkerpsychologie. Rabbiner Dr. Ludwig Lazarus, Gödiug: Ahasver in der Weltliteratur. Rabbiner Dr. A. Löwenthal, Hamburg: Heitere und ernste Moralprediger ans dem Mittelalter. Rabbiner Dr. I. T a g l i ch t, Wien: Pharisäer. Rabbiner Dr. S. Funk, Boskowitz: Alt-Babylonien, Land und Leute. Schriftsteller H. Iork-S teiner, Wien: Vorlesung der eigenen Dichtung „Die. heilige Million", eine Tragik-Komödie aus dem Leben Wiener Juden. K. k. Hofburgschauspielerin Lia Rose n, Wien: Vorlesung: von Bibelstellen und Psalmen, eingeleitet durch eine Conference des Rabbiner Dr. D. Feuchtwang, Wien, über die Poesie der Bibel. - Der Präsident teilt mit, daß er bereits Veranlassung genommen habe, jedem einzelnen der Vortragenden den Dank des Vorstandes zum Ausdruck zu bringen. Angesichts des großen Erfolges, .den auch dieser Vortragszyklus erzielte, könne er jedoch nicht umhin, nochmals auch in dieser Versammlung den aller-