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Die Wahrheit · 1911-03-31 · Heft 13 (31.3.1911) · page 7

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1911
Issue
Heft 13 (31.3.1911)
Date
1911-03-31
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 13. Die Wahrheit Seite % Im Jahre--1903 gründeteer eine. Zeitschrift, bereu Titel, allein schon das kühne, für unsere Zeiten geradezu tollkühne Lebens- Programm und-die gewaltige Lebensarbeit des.' Heimgegangenen znr Genüge .kundgab. Diese Zeitschrift führte, den Titel: „Viertel- -jahresbericht für Bibelknnde, Talmndische und P a trist isch e Studien, unter Mitivirküng von zahlreichen: namhaften jüdischen mm d ch r Ist li ch e n Gelehrten, heransgegeben von Dr. M. I. Altschüler." ' ' 7' Unter^Patristik versteht: man7itnrldie Wissenschaft von Den alten ch r ist li ch e n Kirchenvätern. Also, ans den ersten Blick ein ungemein ungleiches Gespann, das Dr.'Altschüler unter ein Joch bringen wollte: T a l uni d u n d di e ch r i st l i ch e n Kirchenväter, orthodoxes Judentum und orthodoxe st e s C h r i st e n t u m!- Und er lieg den Titel nicht blos Titel sein,-sondern er öffnete die Spalten seiner Zeitschrift mit einer in heutigen Zeiten ganz ungewöhnlichen Toleranz und mit objektivster Gerechtigkeit sowohl orthodoxen Inden, als orthodoxen Protestanten, Katholiken, ja sogar Gelehrten, die auf dem Standpunkt moderner radikaler Nassenknude und Rassenromantik stehen! Er hat die Toleranz nicht nur auf den Lippen geführt, er hat sie in schönster miö weitgehendster Weise auch tatsächlich geübt. Aus all dem geht wohl für jeden Einsichtigen ohneweiters hervor, das; diese Zeitschrift ein Unikum ilnd eine bahnbrechende Tat sondergleichen war. Und das Sonderbarste, diese Tat gelang, sie hatte nlierruarteten Erfolg und es eröffneten sich der Gemeinde von ehrlichen imb überzeugten Männern, die von ganz entgegengesetzten Standpunkten ansgingen i^nd in der „Vierteljahresschrift für Bibelknnde" einen Sammelplatz finden. Der uns seit 1000 Jahren gefehlt hat, ganz neue und vielversprechende Perspektiven. Es wurde mit einemmal klar, daß alle N e l i g i v n e n und K o n f e s s i v n e n einer gemeinsamen Quelle entstamniteii. daß Edda und Bibel gemeinsame Wurzel hatten, daß die Theologie der alten Kirchenväter von dem Talmud, der Talmud wieder von den Kirchenvätern beeinflußt war. Selbst bis in die Kirchengebräuche und Riten der modernen Konfessionen hinein uub zurück bis in die Mythologien der arischen und semitischen Völker ließen sich die verblüffendsten Uebereinstimmungeu feststelleu. Und alles das ergab sich ohne Zwang und ging von selbst, nachdem einmal der Sammelplatz in der „Vierteljahresschrift" geschaffen war, auf dem sich Vertreter jener Parteien treffen konnten, die sich im gewöhnlichen und öffentlichen Leben sonst aufs grimmigste und ilunützeste befehden. Es ergab sich die überraschende Tatsache, daß die geringen Verschiedenheiten in den Anschauungen lediglich auf Einbildungen und Erfindungen gegenseitiger Intoleranz oder auf Unkenntnis der alten Schriften znrückznführen feien. Mit gutem und ehrlichen Willen auf allen Seiten war die Wahrheit leicht, zu siudeu und diese Wahrheit war eine für alle. Sobald einmal klar war, daß die Unkenntnis der alten Schriften, besonders der ganz in Vergessenheit geratenen alten Bibelversionen die Grundursache des gegenseitigen Mißverständnisses sei, gingen Dr. Altschüler und seine Mitarbeiter daran, eine Monumentalsammlung der alten Bibelübersetzungen und sonstigen religionsgeschichtlichen Quellenschriften zu schaffen, und es entstanden die „M onumenta J u d a i c a“ und das .„Orbis antiquifc a t um“. Zu dem letzten Sammelwerk lieferte der Heimgegangene die Genesis nach dem Targum Jonatan und Jeruschalmi und den Pentateuch nach der Pesito (syrischen Version). Nein äußere Verhältnisse, die weder in den Ideen noch in der Absatzfähigkeit der so wertvollen und interessanten Publikationen begründet waren, brachten die Herausgabe der genannten Zeitschriften und Werke zrun Stillstand. Die sich dem großen und schönen Unternehmen entgegenstellenden Hindernisse und Schwierigkeiten bedrückten den Gelehrten sehr und es war ein harter Schlag für ihn, daß er das, was er mit Aufgebot aller seiner geistigen, physischen und finanziellen Kräfte anstrebte, nur teilweise, erreichen konnte. Was aber Dr. Altschüler erreicht und durchgesetzt hat, genügt, um ihm einen bleibenden Namen zu sichern. Mit ihm ist einer der größten jetzt lebenden Talmud- und Bibelgelehrten gestorben. Aber nicht nur das: Er besaß nicht nur hervorragende Intelligenz, sondern auch, was heutzutage weitaus seltener ist. einen hervorragenden Charakter. Er war ein durch und durch ehrlicher Charakter, denn nur so war es möglich, daß erden Weg, den er eiugeschlagen hatte, gehen konnte, nur auf diese Weise konnte er sich die Hochachtung und Wertschätzung ehrlich denkender Männer im entgegengesetzten Lager in dem Maße erringen. Seine Hilfsbereitschaft^ seine Freigebigkeit kannte wirklich keine Grenzen, er war ein Altruist von reinstem Wasser. Die Bahnen, auf denen Dr.! Altschüler gewandelt ist, werden-nicht mehr verlassen werden, auf ihnen hat sich eine Schaar gleichgesinnter und gleichstrebender.' ehrlicher und überzeugter Denker ans allen Lagern zusammengefunden. Altschüler war ein charaktervoller. ehrlicher und überzeugter Denker und hat sich an ehrliche und überzeugte Denker gewendet, und wo Ehrlichkeit und Ueberzeugung sich znsammentnn, da stellt sich das gemeinsame Ziel von selbst ein: die Wahrheit! Die Wahrheit aber verbittert und zerstrent nicht, sondern sie eint und gibt den wahren Frieden. Jehnfähritzes KcftaudjnbUiinm des Perbandes;»»r Unterstützung armer israelitischer Wöchnerinnen. Der Verband zur Unterstützung armer israelitischer Wöchnerinnen hat am 21. März l. I. in der im Sitznngssaale der israelitischen Kultusgemeinde unter dem Vorsitze der allverehrten Präsidentin Frau Baronin Charlotte K ö n i g s w a r t e r abgehobenen General- und Festversammlnng sein zehnjähriges Bestaudjubiläum begangen. Diese Versammlung, zu welcher die Vorstandsmitglieder der Wiener israelitischen Frauen-Wohltätigkeilsvereine nahezu vollzählig sich eingefunden hatten, die auch das -Interesse vom Vertretern besrenndeter Wohltäugkens- Jnstitntioneu, von Ehrengästen und Privatwohltätern in Hohem Grade erweckt und durch die Anwesenheit des Präsidenten Herrn Dr. Alfred Stern und des Vizepräsidenten Herrn k. k. Hosrat Dr. B. Rappaport ossiziellen Vertreters des Knltusvorstandes, ausgezeichnet war. gestaltete sich zu einer glänzenden und erhebenden Manifestation der Zentralisierungsbeftrebungen in der Wiener jüdischen Armenpflege. Die Vorsitzende Frau Baronin K ö n i g s w a r t e r eröffnele die Versamminug mit einer Begrüßungsansprache und widmete, vor Eingang in die Tagesordnung, den dahingeschiedenen Mitgliedern des Exekutivkomitees, den Vizepräsidenlinuen Frau kais. Rat Berta K r ü g e r und Frau Rosa Z i f f e r e r, und den Delegierten des Kultnsvorstandes, k. k. Banrat Theodor Ritter von G o l d s ch m i d t und Arthur Edler von Mise s, in einem Nachrufe, welchen die Versammlung zum Zeichen der Trailer stehend anhörte, tief empfundene Worte des Gedenkens Nach Erstattung der Berichte des Exekutivkomitees, und zwar des Tätigkeitsberichtes für d a s D e z e nnillm 1900—1910, und des Finanzberichtes, hielt der Vertreter des Kultusvorstandes, Herr Vizepräsident Hofrat Dr. Nappaport, eine längere Ansprache, in welcher er die Notwendigkeit und den Wert des Zusammenschlusses der Wohltäligkeits-Jnstitutiouen erläuterte uub den Verband zur Unterstützung armer israelitischer Wöchnerinnen als einen — wie aus seinen Erfolgen ersichtlich — mustergiltigen Typus eines glücklich gelösten Zentralisiernngsproblems bezeichnete. Herr Hofrat Dr. Rappaport gab in beredten Worten der Anerkennung, dem Vertrauen und der Wertschätzung Ausdruck, deren sich der Verband seitens des Kultnsvorstandes erfreut, und schloß seine beifällig aufgenommeue Ansprache mit dem Wunsche, daß der Verband nach weiteren zehn Jahren eine ebenso gedeihliche Entwicklung aufznweisen haben möge wie bisher. Anschließend hieran richtete Herr Präsident Dr. Alfred Stern Worte der Begrüßung an die Versammlung, au das Exekutivkomitee. speziell an die Präsidentin Frau Baronin Königswarter. Der Präsident bemerkte, daß, wilvohk er zirr selben Stunde durch eine wichtige Beratung im Kultnsvorstande in Anspruch genommen sei, er es sich nicht habe versagen können, in dieser Versammlung zu erscheinen. Nach den eingehenden Ausführungen -

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