Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1911
- Issue
- Heft 2 (13.1.1911)
- Date
- 1911-01-13
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/3062972-3063572-3063574--07069-3074123- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Seite 7 Die Wahrheit Nr. 2. Hie Inden in der Technik, der Knnst, der Wissenschaft nnd ats Forscher, . Entdecker «nd Erfinder. (Fortsetzung.) Aus der nicht allzugroßeu Zahl wirklich guter Stilisten »der Tagespresse ' müssen ül erster Reihe genannt werden: Th. Wolfs, der Meister der graziösen, politischen Planderei und Chefredakteur des „Berliner Tageblatt", Paul Gold m a im, der temperamentvolle Kritiker der naturalistischen Richtung und Berliner Vertreter der „Neuen Freien Presse", der leider zu früh verstorbene feinsinnige Goetheinterpret Fedor Mamroth, der langjährige Fenilletonredaktenr der „Frankfurter Zeitung", "Max No rd a n, der Pariser Vertreter der „Vossijcheu Zeitung", und Kurt Eisner, der frühere Chefredakteur des „Vorwärts", -ein Virtuose der witzigen und sarkastischen Polemik. Als P h il o l o ge n und Sprachforscher haben sich ebenfalls viele Inden hervorgetan. Wir nennen zuerst Theodor Benfey, der 1881 als ordentlicher Professor in Göttingen starb. Er war ursprünglich klassischer Philologe, wandte sich aber schon früh der allgemeinen Sprachwissenschaft zu. Schon sein Werk über das Verhältnis der ägyptischen Sprache zu den semitischen erregte in den Kreisen der Sprachforscher bedeutendes Aussehen, später widmete er sich vorzugsweise dem Studium des Sanskrit und der iranischen Sprachen, ein Gebiet, das ihm -eine Reihe grundlegender, auch . heute noch vielfach zu Rate -gezogener. Arbeiten verdankt. So seine „Geschichte der Sanskritsprache", seine „Persischen Keilschriften", seine „Geschichte der Sprachwissenschaft und orientalischen Philologie in Deutschland dm 19. Jahrhundert' und am wenigsten seine tief gelehrte Abhandlung über Indien in Ersch und Gräbers Encyklopädie. Trotz seiner großen Verdienste konnte natürlich der Name Bensey nicht so bekannt und populär werden, wie der eines anderen jüdischen Sprachforschers, des allbekannten Pros. Daniel Sanders, das lag schon in der Natur der Sache. Aber, Daniel Sanders, wer wüßte nicht was dieser Altstrelitzer Sprachforscher bis in sein höchstes Alter hinein au Ansehen und Einfluß -auf die weitesten Kreise unseres Volkes ansgeübt hat? — Es steht bei Sanders!" — >,So sagt aber Sanders!"— Diese und ähnliche Urteile, die man täglich hören fami, legen Zeugnis ab von dem Anseheil, dessen sich dieser Gelehrte in den weitesten .Kreisen des Volkes erfreut. Viel genanntwurde injüngster Zeit auch der Name des russischen Arztes Dr. Ludwig^Z a m eit Hof, des Erfinders des Espera nto. Ans dem V. Internationalen Esperantokongreß, der 1909 in Barcelona abgehalten ward, wurden ihm große Ehrungen zuteil. Diese Ovationen, die zu Ehren eines Inden in Spanien veranstaltet wurden, erwecken sonderbare Gefühle. Mehr als -400 Jahre nach dem gransigsten Verbrechen der Geschichte bereitete Spanien einem polnischen Juden einen großen Triumphzug, einem Sohn jenes Volkes, das einst grausam aus Spaniens Mauern vertrieben worden ist. Ein berühmter Orientalist, der sich besonders um die Entzifferung der altpersischen und assyrischen Keilschrift Verdienste erwarb, war der Pariser Gelehrte Julius Oppert, der in nahen Beziehungen zu Alexander von Humboldt stand. Ehe er seine Arbeit über „die chaldüischen Längenmaße" veröffentlichte, teilte er sie vorher zur Prüfung Alexander von Humboldt mit, und erst als dieser sich über dieselbe lobend anssprach, wurde sie im „Bull. Archäol." abgedrnckt. Der Kern der Oppertschen Arbeit war die Entdeckung, daß alle Backsteine Babylons, welche den Stempel Nebukadnezars, Neriglissars und -Nabonids trugen, sämtlich von einer Größe waren. Oppert l'chloß. daraus, daß in den Seiten dieser Quadrate ams die -Einheit eines Längenmaßes enthalten sei. Ein Schüler von Wilhelm von Humboldts war der berühmte Sprachforscher Heymann S t e i u t h a l, der Verfasser des bedeutenden Werkes „Der Ursprung der Sprache". Mit seinem intimen Freunde Moritz Lazarus gab er die „Zeitschrift für Völkerpsychologie und Sprachwissenschaft" heraus. (Forts, folgt.) Verschiedene Nachrichten. Wien. Freitag, den 13. Jänner abends, Predigr des Herrn Rabb. Dr. F e u ch t w a n g im Leopoldstädter Tempel. Wien. Freitag, den 13. Jänner abends, Predigt im Flöridsdorfer Tempel. Wien. (Bortrag ans jüdischer Geschichte, Literatur und Kultur.) Donnerstag, den 19. Jänner 1911, präzise x/28 Uhr abends, findet im Festsaale des Ingenieurnnd Architekren-Bereines, I., Eschenbachgasse 9. ein Bortrag des Herrn Rabbiners Dr. Max Grunwald statt. Thema: „Inden als Welt- und Forschnngsrenende". Mir Vorführung von Lichtbildern. Eintritt frei, ohne Karten. Wien. B e t - H a in i d r a s ch „Talmud-Thora", H., Malzgaise 16.) F r e i t a g - A b e n d - B o r t r ä g e : Am 13. Jänner Herr Rabbiner L. G o l d st e i u: „Der Talmud und dessen Schicksale." Äm 20. Jänner Herr Rabbiner Moritz F l e j ch : „Der Mensch, die Krone der Schöpfung." Beginn jedesmal um 7 Uhr 30 Min. Wien (Jüdische T o r> n b e e - H a l l e), Wien, XX., Othmargasse 46. Beginn der Vorträge an Wochentagen x/28 Uhr. am Samstagen, sowie an Sonn- und Feiertagen um 7 Uhr abends. Anmeldungen von Vorträgen und Mitwirkungen bei Konzerten wolle man an den Obmann Dr. I. S a in u e l y, Spenden für die Kinderjausen (Kleidnngs- und Wäschestücke. Bücher, Spiele rc.) an den Obmann-Stellvertreter Karl Freund erberen. Vortrags-Programm für die Zeit vom 14. bis 20. Jänner 1911: Samstag, 14. Konzert. Sonntag, 15. „Nationales im Glauben der Inden", Herrmann B e r l i n e r. Montag. 16. „Dienstnnd Arbeitsrecht" (Zyklus), Dr. Josef Jerusalem. Dienstag. 17. „Geschichte der Inden in. Oesterreich" (Zyklus II), Dr. K. Kupfer. Mittwoch. 18. „Reiseeindrücke aus Nordamerika" (mit Lichtbildern), kais. Rat Johann L i ch t e n st a d t. Donnerstag. 19. „Ans der Mappe eines Verteidigers", Hof- und Gerichts-Advokat Dr. Wolfg. P v l l a c z e k. Freitag. 20. Bibelvortrag. Wien. (G e n e r a l v e r s a m m l u n g.) In den Räumen der B'nai B'rirh-Vereinignngen, IX., Universitätsstraße 4, findet Sonntag, den 15. d. M.. 10 Uhr vorm, die Generalversammlung der Jüdischen Toynbee- Halle und daran anschließend die des Vereines zur Errichtung und Erhaltung von Horten für schulpflichtige Kinder, verbunden mit einer Ans- : stellnng von Zögliugsarbeiten statt. Hiezu ergeht hiemit die Einladung an i die Mitglieder und Gönner dieser Vereine. j Wien. (W o h l t ä t i g k e i t s v o r st e l l u n g.) Im Deutschen Volkstheater findet Sonntag, den 15. Jänner. 1j.,B Uhr nachmittags, eine j Wohltätigkeitsvorstellllng zu Gunsten des Kranken-, Witwen- und Waisenj nnrersiütznngsvereines „Wahre Wohltätigkeit" statt. Zur Aufführung gelangt - Ludwig Thomas Komödie „Moral" unter Mitwirkung der Damen Lilli; Marberg, Kathi Thaller nnd der Herren Viktor Kutscher«. : Leopold Krame r, Willi Th aller, Hans Homma und Theodor j W e i ß. Wien. Im Bethanse des Kranken-Unterstütznngs-Bereines „Liwias Chen". II., Stefaniestraße 2, werden seit einem Jahre von dem Gelehrten, Herrn Abraham L a n d m a n lt, alle Freitag abend Borträge abgehalten, die vom Geiste des Judentums beseelt sind nnd durch die originelle Bibelexegese, sowie durch das universelle Wissen des Vortragenden in den weitesten Kreisen Beifall und Anerkennung finden. Wien. Die Akademie des Brigitrenaner Franen-Wohltätigkeits- Bereines. die alljährlich eine beliebte Nnmmer im Wiener Faschingsprogramitt bildet. hat auch bei der heurigen Veranstaltung am 8. Jänner ihren bewährten Ruf vollkommen gerechtfertigt. Der Besuch war ein so zahlreicher, daß in den großen Sophiensälen kein Plätzchen leer blieb nnd das rührige Komitee, an dessen Spitze die liebenswürdige Präsidentin Frau Dr. Emilie Weis stand, hatte alles anfgeboten, um selbst hochgestellte Ansprüche des Publikums vollauf zn befriedigen. Die Namen Erik Schmedes, Hedwig Fr a n c i l o - K an f m a n n, Mela Mar s. Josef I o s e p h i. Louise Kartousch sprechen zur Genüge für die Trefflichkeit des Programmes nnd dankbar nnd enthusiasmiert nahm das Publikum die ausgezeichneten Darbietungen der genannten Kunstkräste ans. Nach Schluß der Akademie trat der Tanz in seine Rechte, dem sich die Jugend bis in die frühen Morgenstunden mit Eiter hiugab. Wien. (H o f r a t Professor Längs 70. Geburtstag.) Hosrat Professor Dr. Eduard Lang, der Vorstand der „Heilstätte für Lupnskranke". feierte am 10. d. M. in voller geistiger und körperlicher Frische den 70. Gebnrtsrag. Hofrar Lang wurde in Ciacsau im Trencsiner Koinitat geboren; er studierte bei Brücke, Hyrrl nnd Rokitansky in Wien, wurde hier im Jahre 1867 promoviert und ging nach kurzer sekundarärztlicher Tätigkeit im Rndolfsspital in die Praxis hinaus. Als Gemeindearzt hatte Lang Gelegenheit, sich während einer Choleraepidemie besonders ansznzeictiuen. Der Ruf Theodor B i l l r o t h s zog ihn wieder nach Wien; er wurde Operateur an der chirurgischen Klinik, dann Assistent an der chirurgischen Klinik iti Innsbruck. An dieser Klinik befand sich eine Ambulanz für Hautkrankheiten. Lang gestaltere diese zu einer Krankenstatiou aus und wurde im Jahre 1373 Extraordinarius, im Jahre 1876 Ordinarius für Hautkrankheiten in Innsbruck. Im Jahre 1887