Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1911
- Issue
- Heft 2 (13.1.1911)
- Date
- 1911-01-13
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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etile 8. Die Wavrheil._ , Nr. 2 übernahm er die Abteilung Professor v. Zeiß.ls im Allgemeinen Krankenhause in Wien. Hier entfaltete er eine außerordentlich rege wissenschaftliche Tätigkeit; fein „Lehrbuch der Syphilis" wurde in mehrere Sprachen übersetzt. Hofrat Lang arbeitete eine neue Heilmethode aus, welche insbesondere in Frankreich große Verbreitung gefunden hat. Auch auf anderen Gebieten der Dermatalogie war er mit glänzendem Erfolge tätig; die fressende Flechte (Lupus vulgaris) war das Objekt feiner Studien, und es gelang ihm, auf chirurgisch-plastischem Wege zahlreiche Unglückliche zu retten und ihrem Berufe wiederzugeben. Die furchtbare verunstaltende Erkrankung und die mannigfaltigen Methoden ihrer Behandlung beschäftigen ihn unansgefetzt. Er war auch der erste, welcher das F i uf cuf ch e Verfahren im Allgemeinen Kraukenhaufe in Wien emgesührt hat. Seinem zielbewußten Vorgehen und der Mitarbeit seiner Gattin, Frau Ernestine Lang, welche auf charitativem Gebiete mit großem Erfolge tätig ist, gelang es, einen Verein zur Unterstützung der Lupuskranken zu gründen und die Lupnsheilstätte zu schaffen. Diese ist derzeit eiue Abteilung des Allgemeinen Krankenhauses und wird nach Fertigstellung des Neubaues im nächsten Jahre ein selbständiges wissenschaftliches und Heiliustitut bilden. Aus der Schule des Hosrates Lang sind zahlreiche hervorragende Dermatologen hervorgegangcn. Er besitzt die Sympathien der Aerzle Wiens und erfreut sich als vornehmer und humaner Arzt einer großen Beliebtheit. Seine Gartin wurde vor kurzem durch die Verleihung des Elisabeth-Ordens ausgezeichnet. In gewohnter Bescheidenheit harre sich Hofrat Lang alle Gratulationen ans Anlaß des 70. Geburtstages verbeten. Wien. (Jüdisches Theater.) Regie M. Siegler, Hotel Stefanie. IL, Taborstraße 12. Freitag, abend. 13. Jänner: „Die Schechite" von I. Gordin. Ab Samstag, deu 14. Jänner, Täglich: „Ben Jakojw" von I. Lalainer. In Vorbereitung: „König Salomon". Wien. (Verein der S a b b a r f r e u n d e.) Den diesjährigen Vortragszyklus dieses rührigen Vereines eröffnet der Rabbiner der Adaß- Jsrael (Schiffschnlgemeiude) Se. Ehrwürden Herr Rabbiner Sigmund Fürst. Diesem Bortrage des geistigen Führers der größten jüdisch-gesetzestreueu Vereinigung Wiens, welcher noch im Monate Jänner staltfiudet, wird mit lebhaftem Interesse entgegengeseheu. Näheres wird rechtzeitig bekannt gegeben. N. Vien. (Verband jüdischer Handels- und Privatauge st e l l t e r.) Sonntag den 22.Jänner findet im Festsaale des Jngenieur- und Architektenvereines, L Eschenbachgafse 9, eine literarische Mätinse zu Gunsten des . Arbeitslosenfoudes jüdischer Handels- und Privatangcstellter statt. Ihre Mitwirkung haben in liebenswürdiger Weife zugesagt: Fräulein Lia Rose n, k. k. Hofschauspielerin. Emmy Heim, Opernsängerin. Herr Felix Salten, Dr. Walter Fr i e dem a nn, Regiffeur des Deutschen Volkstheaters. Max Bing, Mitglied des Bürgertheaters. Josef Falkner, Vortragsmeister. Beginn 3 Uhr nachmittag. Karten im Vorverkauf ü K 5.—, 3.—, 2.— und 1.— im Bereinslokale des Verbandes jüd. Handels- und Privatängestellter, H. Taborstraße 20, und in Kehleudorfers Kartenbüro, I. Krugerstraße, erhältlich. . Dien, (humanitärer Verein „Der E i s e n st ä d t e r*.) Sonntag den 22. garnier, um 10 Uhr vormittags, findet in I. Hirschs Restauration, IL Bezirk. Kaiser Josefsstraße 1b, die IV. ordent. Generalversammlung statt. Dien. Der hum. Geselligkeits-Verein „I d e a l" veranstaltet Samstag, den 14. Jänner 1911 im Souterrain-Pracht-Saale des „Cafe Folly", Wien, L, Gonzagagaffe Nr. 11, einen Unterhaltungs-Abend unter Mitwirkung beliebter Kuustkräste. Jux-Bazar, Jux-Post, elegante Kegelbahn, Tanzkränzchen. Beginn halb 9 Uhr abends. Regiebeitrag K —.80, für Mitglieder K —.50. Straßentoilette. Wien. Beim Leichenbegängnis der Frau Cäcilie Beck hat Oberkantor G i b l i ch m a n n, am Grabe das „Dl mole racliamim“ sehr wirkungsvoll rezitiert. Vien. Mittwoch, den 11. d. M. fand am Zeutralfriedhofe die Beerdigung des im Alter von 56 Jahren verstorbenen k. u. k. Obersten und Kommandanten des Landwehr-Jnfanterie-Regimentes Nr. 34 Herrn Friedrich Mandel bei überaus zahlreicher Beteiligung der Familienangehörigen uud Freunde, sowie offizieller Kreise statt. Der Kultusvorstand war durch den ill. Vizepräsidenten Hofrar Dr. Nappa Port und Sekretär Dr. Adler vertreten, ferner waren anwesend Kuliusporsteher Carl L e mb e r g e r, Gemeinderat Dr. Hein, Herr Maximilian Paul-Schiff, ebenso erschienen viele militärische Deputationen, so die Vertreter feines Regimentes, das in Jaroslau stationiert ist, ferner von den Kameraden in Stryj, Jnf.-Regiment Nr. 33. von Przemysl Nr. 18, vom Regiment Freih, v. Albori Nr. 29, vom Geueralstabe, von einer Division reitender Landwehr-Infanterie, von den Offizieren und Unteroffizieren, welche sämtlich prachtvolle Kränze am Sarge niederlegten. Säbel und Tschako des Verblichenen lagen während der Zeremonie ans den« Sarge. Die liturgische Funktion versah X Kantor Serebreuik mit verstärktem Chore und nach erhebender Rezitation des „Haznr" 'hielt der k. u. k. Militär-Seelsorger Dr. Armin Abeles in militärisch-adjustiertem Ornate die ergreifende Trauerrede, in der er den geraden, soldatischen Charakter, die Unerschrockenheit und Strenge gegen sich und andere, wie auch anderseits die seltene Herzensgüte des Verewigten, namentlich un Kreise der Familie, in beredte» Worten schilderte. Mögen die Söhne des Verstorbenen gleich ihrem edlen Vater treue und selbstbewußte Söhne Jakobs bleiben! Die Erde fei ihm leicht! Der Verblichene war aus Peterwald bei Teschen gebürtig uud in der Residenz leben viele Glieder seiner angesehenen Familie. Wien. Am Mittwoch wurde Frau Caroline G l e s i n g e r, Witwe nach dem Kultusvorsteher I. P. Giesing er in Teschen — der auch erst vor kurzem das Zeitliche segnete — zu Grabe getragen. Nach dem ergreifenden Vortrage „Hazur-Gebetes" in der Zcremonienhalle durch I. \ ' Kantor Schleifer widmete Oberrabbiner Dr. G ü d e m a n n der Früh-- verblichenen einen tiefempfundenen Nachruf, in' welchem er' die Vorzüge- und Verdienste der Verewigten nach Gebühr schilderte, namentlich wse sie als treue Gefährtin ihres edlen Gatten demselben die Bürde und Würde' feines Ehrenamtes zu nagen erleichterte und wie sie selbst als Präsidentin des Frauenvereines in' ihrer Heimatsgemeinde selbstlos nnd opferwillig sichbetätigte,, so daß sicherlich ihr Name daselbst in gutem Gedenken fortleben wird. Wien. Die Beerdigung der Frau Rvsalie Adle r, Gattin des Tempelvorstehers in Döbling Herrn Adolf Ad l er, fand am 11. d. M. bei zahlreicher Beteiligung seitens der Verwandten und Bekannten.statt. Nach der tiefempfundenen Rezitation des Trauergebetes durch Oberkantor Landau, hielt Rabbiner Dr. F e u ch t w a n g die wirkungsvolle Gedenkrede, in der er die seltenen Tilgenden der Heimgegangenen, die 36 Jahre an der Seite ihres tiefgebeugten Mannes als treue, teilnehmende Gattin sich bewährte und auch als warmfühlende Wohltäterin sich jederzeit betätigte. Ihr Andenken sei gesegnet! Mödling. Am 1. Jänner fand im Hotel „Stadt Mödling" die erste vom „Jüdischen Bildungs- und Geselligkeitsverein" veranstaltete Makkabäer-Feier statt. Das Programm war auserleseii und der Erfolg ein glänzender. Herr Kantor Grob aus Wierl zündete die Menorah au nndverbreitete durch seinen weihevollen Gesang eine andächtige Stiminnng unter den zahlreichen Anwesenden, die daun auch gespannr den trefflichen Ausführungen des Festredners, Herrn Dr. Hugo Zucke r in a n ir, folgten. Den künstlerischen Teil des Abends leitete Herr Dr. Zuckerm anu durch eine Conference über das jüdische Volkslied ein und darauf fesselte Herr Kantor Grob durch seinen meisterhaften Bortrag jüdischer Lieder, die auch eingefleischten Assimilanten zu Herzen gingen, die Zuhörer und erntete so stürmischen Beifall, daß er sich zu Zugaben entschließen mußte. Schriftsteller Herr Friedrich' P o r g e s aus Wien trug sehr schöne eigene Dichtungen und die Klaviervirtnosin Frl. Rose I u l e n d e r in vollendet künstlerischer Weise die Rigoletlo-Paraphrase von Liszt und eineil Walzer von Moskowski vor. Darauf wurden von Konzertsänger Funke einige deutsche Lieder sehr schön gesungen und zum Schluffe kamen humoristische Vorträge des Herrn Roh r. Prag. Von Montag, den 26., bis Mittwoch, den 28. Dezember, fanden hier die Ferialknrse für israel. Religionslehrer statt, die mit einer Ansprache des Obmannes des Vereines jüdischer Mittelschnlreligioirslehrer, Herrn Rabb. Prof. Dr. Deutsch, eröffnet wurden. Es trugen sehr gediegen vor: Herr Rabb. Dr. A r j e h-Prag-Smichow: Jüdische Apologetik,. Fragen der Abwehr von Angriffen auf das Judentum. Herr Rabb. Dr. Rach in u tf ch -Schüttenhofen: Homiletik mit Rücksicht auf die trostlosen. Verhältnisse der böhmischen Gemeinden, deren religiöses Leben leider schwindet. Rabbiner Dr. H o ch-Jnngbinizlau: Geschichte der Juden in Böhmen, deren große Leiden nach Quellen sehr anschaulich geschilderte wurden. Hr. Religionslehrer Dr. L i e b e n -Prag: Einleitung in die Mischna, eine ebenfalls sehr klare, gediegene Darstellung dieses großen Werkes. Mit einem Schlußworte des Herrn Prof. Dr. Deutsch schlossen diese so anregenden Vorträge, deren Ausbau in talmudischer Richtung sehr erwünscht wäre. Budapest. Samstag, den 7. d. M., ist im hohen Alter von 81 Jahren eine in der hiesigen Gesellschaft hochverehrte Dame, Frau Marie Deutsch, geb. Waizner, eine Schwester des kais. Rates Moriz. W a i z u e r in Wien, gestorben. Die Heimgegangene, die einen Sohn, Herrn Oedön Deut s ch, und 5 Töchter, Frau Gottlieb v. F rank e I,. Frau Heinrich Monta g, Frau Heinrich v. F r a n k e l, Frau Arnold W e l l i s ch, Frau Dr. Bela F e l e k i, hinterläßt, war der Mittelpunkt einer hochangesehenen Familie, die mit rührender'Zärtlichkeit und Liebe an der teuren Mutter hing. Frau Marie Deutsch vereinigte tiefe Religiosität und aufrichtige Frömmigkeit mit einem edlen, teilnahmsvollen Herzen nnd dem Zuge dieses guten Herzens folgend, übte sie Wohltätigkeit. im ausgebreiteten Maße. Das Leichenbegängnis fand Sonntag, 8. d. M.,. 3 Uhr nachmittags unter großer Beteiligung statt. Im Trauerhause hatte sich außer dem Familiennnd Freundeskreis die Creme der Budavester Gesellsckiaft eingefunden. Nach den üblichen Tranergesängen hielt Oberrabbiner Dr. K o h n einen Nachruf, in welchem er die großen Tugenden der Verblichenen würdigte. Hierauf wurde die Leiche auf den Kerepeser Friedhof überführt, wo sie über letztwillige Verfügung an der Seite ihrer Mutter zur ewigen Ruhe bestattet wurde. Der tieftrauernden Familie wandte sich allgemeine Teilnahme zu. Bukovar. Am verflossenen, dreifach ausgezeichneten Sabbath, hatten wir noch das feierliche Darial2ivali-Fest des Konfirmanden Norbert, Sohir desOberkautorsHerrn A. S ch w arcz zu verzeichnen. Schon anläßlich des Gottesdienstes zeigte unser Gotteshaus einen außergewöhnlichen Besuch auf, um an dem Familienfeste des Oberkantors teilznnehmen. Als Maftir wurde der Konfirmand zur Thora gerufen, wobei Herr Oberrabbiner Dr. I. Diamant ein ergreifendes Gebet sprach und Herr Kantor A. S p r-i n g e r den üblichen Mischeberach sehr wirkungsvoll rezitierte. Der Konfirmand trug dann das Mafter mit großem Verständnis in traditioneller Weise vor. Nach dein Gottesdienste begaben sich sämtliche Tempelbefucher in die Wohnung des Oberkäntors. Im Namen der Gemeinde gratulierten-der Präses der Gemeinde, städtischer Arzt Herr Dr. Albert G o t t l i e b, im Namen der Chewra-Kadischa der Vereinsvorsteher, Herr Jakob Großma n n, und Ehrenvorsteher, Herr B. O b e r s o h n. und im Namen des Franeilvereiües dessen Präsidentin, Frau Dr. Moriz S t e r n, wobei sie dem Kölifirmanden schöne und wertvolle Geschenke überreichten. Herr Oberkantor Schwarcz dankte tief gerührb den Erschienenen für die vielen Beweise der Sympathie und Wertschätzung, worauf der Konfirmand eine, vom Herrn Oberrabbiner verfaßte Ansprache an die Eltern und Anwesenden hielt.