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Die Wahrheit · 1910-12-30 · Heft 51 (30.12.1910) · page 7

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1910
Issue
Heft 51 (30.12.1910)
Date
1910-12-30
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Die Wahrheit Seite 7. Nr. 51. Aber auch auf einem anderen Gebiete ist es uns in diesem .Jahre gelungen, für die jüdische Lehrerschaft einen moralischen --Erfolg von übrigens weiltragender Bedeutung zu erzielen. In Dem vieljährigen Kampfe, den wir wegen des gefetzwidrigen "Vorgehens bei der, durch einen Nichtjuden, erfolgten Besetzung 'der Oberlehrerstelle in der Werderthorschule zu führen genötigt waren, haben wir schließlich einen vollen Sieg davongetragen. Durch Manipulationen welche nunmehr durch den obersten Michterspruch als Gesetzesbruch stigmatisiert sind, hat es die in .nuferer Stadt herrschende Partei versucht, uns Inden auch noch um die wenigen Rechte, die-wir im Schulwesen besitzen, .-zu bringen, und wir können deshalb mir Stolz und Freude auf den in dieser Beziehung von uns erzielten vollen Erfolg .unserer gerechten Sache Hinweisen, einen Erfolg, der umso bedeutungsvoller ist, wenn man - berücksichtigt, daß in allernächster ,Zeit eine ganze Reihe von jüdischen Schnlleiterstellen im zweiten Bezirke zur Ausschreibung gelangen sollen. , So bedeutungsvoll dieses sozialpolitische Vorgehen auch immer für eine Anzahl von Personen ist. wie wertvoll die -.sozialpolitische Tätigkeit überhaupt und nicht nur in diesem Falle sondern auch dort sich darstellen mag, wo unsere Kultusgemeinde so oft Lasten auf sich nehmen muß, deren Erfüllung eigentlich dem Staate oder dem Lande zukämen, so obliegt doch unserer .'Körperschaft anderseits auch die Verpflichtung, daß sie, schon ihrem Namen nach in allererster Linie den Kultus-Bedürfnissen unserer Mitbürger ihr vollstes Augenmerk zu schenken habe, itnd freudig können wir es sagen, daß wir in dieser unserer Pflicht durch die opferfreudige Mithilfe der Wiener Judenschaft auf das kräftigste unterstützt werden. Der Wieden-Margarethner Tempelverein, den wir nach unseren Kräften, und diese wurden in diesem Falle überaus reichlich bemessen, gerne unsere Hilfe boten, hat in diesem Jahre im Südwesten unserer Stadt dem jüdischen Glauben ein neues würdiges Heim errichtet, und am Volkert, einem der judenreichsten Quartiere Wiens, wird ebenfalls bald ein neues, schönes Gotteshaus entstehen. Wenn mitten in nuferer Stadt unter den noch immer hochgehenden Wogen der judenfeindlicheu Instinkte neue Glanbensstätten errichtet werden können, so ist dies wohl auch mit ein beglückendes Zeichen dafür, daß die Kraft des Judentums in keiner Weise gelitten hat, im Gegenteil, daß unter dem gemeinsamen Druck ein neues Erwachen und Aufblühen des Bewußtseins der Zugehörigkeit zu unserem Stamme -erwachsen ist. Und vielen Dank müssen wir den alten Wiener Tempelvereiueu und den hochverdienten Männern sagen, die an deren Spitze stehen, welche in so selbstloser Weise Zeit, Mühe und Geld der Sache des Judentums widmen. Denn gerade diese Opferfreudigkeit und selbstlose Hingabe, die ja zu den traditionellen Eigenschaften des Juden gehört, gibt uns auch die feste Zuversicht, daß in absehbarer Zeit das so heiß ersehnte Ziel erreicht werden wird, der Vertretung der Wiener Judenschaft endlich ein würdiges Heim zu schaffen, ein Amtshaus, welches schon in seinem Aeußeren davon Kunde ablegen soll, daß die große Wiener Gemeinde, die 200.000 Seelen repräsentiert, und was noch mehr sagen will, eine ungeheure Summe von Schaffensfreude, Kultur und Jiltelligeuz in sich birgt, daß diese Wiener Judenschaft ein machtvolles Zeichen ihrer Bedeutung vor Aller Angen errichtet. Nicht eine Trutzburg wollen wir.hinstellen, sondern durch diesen Bau dokumentieren, daß wir als treue Söhne dieser Stadt durch unsere eigene, würdige Vertretung auch zur Erhöhung ihres Ansehens und ihrer Schönheit nach allen Kräften beizutragen entschlossen sind. Damit nach dem sonnigen Bilde, welches ich nun vor Ihnen entworfen habe, auch der trübe Schatten nicht fehle, gestatten Sie mir, wehmutsvoll der schweren Lücken zu gedenken, die in diesem Jahre der Tod in den Reihen der wackeren Mitarbeiter für das Wohl der Wiener jüdischen Gemeinde gerissen hat, den Vorstandsmitgliedern Horner. Wilhelm Pollak, Seligmann. Stiaßny. des Rabbiners Dr. David und des langjährigen Direktors unseres Spitales, des hochverdienten Hofrat Prof. O s e r. Seine ausgezeichneten menschlichen Eigenschaften. sein warmfühleudes Herz haben förmlich mitgewirkt, And nicht zum mindesten seiner tatkräftigen Mithilfe war es zu verdanken, wenn die wahrhaft fürstliche Wohltätigkeit einer hiesigen Familie, deren Namen mit unserem Spital unauflöslich verbunden ist. in so munifizenter Weise auch unserem Krankenhause zugute kam. Ist doch erst in allerjüugster Zeit der Kultus» gemeinde wieder ein Beweis hiefür erbracht worden, indem uns von gleicher Seite die Möglichkeit geboten wurde, ein benachbartes Haus zu erwerben, und so dieser wohltätigsten unserer Institutionen einen neuen Aufschwung zu geben. Dafür müssen wir dem großmütigen Spender wohl öffentlich nuferen innigen und tiefgefühlten Dank abstatteu, und damit einer einfachen Pflicht genügen, deren Erfüllung ihm von anderer Seite so schnöde venveigert wurde. Denn als anläßlich der Eröffnung der zweiten Hochqnelleuleitnug alle jene, die teils durch Entgegenkommen. teils durch kostenloses Ueberlassen ihrer Gründe für Stollen und für Aquädukte das schöne, für unsere Stadt so überaus wichtige Werk förderten, genannt wurden, hat man charakteristischerweife gerade feinen Namen zu nennen übersehen. Nicht als Kultusgemeinde, sondern als Bürger und Bewohner dieser Stadl wollen wir hier diesen Dankeszoll abtragen, aber mehr als unsere Worte es vermögen, ist wohl der Dank für diese schöne Tat in dem Bewußtsein enthalten, wieder einmal bewiesen zu haben, wie treu wir Jude» zu der von uns geliebten Stadt Wien halten, und daß wir stets freudig Opfer bringen, um zu ihrem Heile beizutragen. — Denn auch die uns gewidmete großmütige Spende trägt mit zum Wohle dieser Stadt in hohem Maße bei. Uns ist es nur durch sie möglich gemacht worden, unser Spital, welches nicht nur eine Stätte des Heils für kranke Juden, sondern leider auch ein Refugium für unsere, um ihre Ausbildnngsmöglichkeit oft gebrachten jüdischen Aerzte ist. in dieser Beziehung auszugestalten und ein zweites Primariat der internen Abteilung zu schaffen. Gewiß bedeutet dies eine neue Belastung unserer Gemeinde, die insbesondere in der um X 50.000 höheren Dotierung der allgemeinen Reserve ihren Hauptausdruck fand, dennoch haben wir es gerne getan und es als unsere unabweisbare Pflicht angesehen, der wir uns weder entziehen konnten noch wollten. — Wenn Sie, meine sehr geehrten Herren, auf die Referate der vergangenen Jahre znrückgreifend diese stets mit dem folgenden vergleichen, so könnte es leicht geschehen, daß man nur mit Bangen das gewaltige Anwachsen der Aufgaben sieht. Aber auf der anderen Seite, und dies kann uns unsere Zuversicht zurückgeben. zeigt sich, daß auch in jedem Jahre die Kräfte sich steigern, daß durch die Erkenntnis der unser harrenden Aufgaben und durch offenwillige Hingabe, auch der Wille in gleichem Maße immer stärker wird, daß stets die Männer und Frauen sich wiederholen, die wie Karl und Rosalie Goldschmidt ihre großen Mittel dem Dienste der Allgemeinheit unserer Gemeinde widmen, und daraus, meine Herren, können wir wohl mit Recht ans die unbesiegbare in unserem dreitausendjährigen Judentum lebende Kraft schließen, nicht nur sich selbst zu erhalten, sondern auch mit dem eigenen Wohl, dem Wohle der ganzen Menschheit zu dienen. Ich empfehle das Budget Ihrer Annahme. — (Lebhafter Beifall.) Uerschiedene Uachrichte». Wien. Freirag. den 30. Dezember 1910, abends Predigt des Herrn Rabbiner Dr. I. M. Bach im Leopoldstädter Tempel. Wien. (Israelitische Kultusgemeinde Wie n.) Sonntag, den 1. Jänner 1911, 11 Uhr vormittags findet eine öffenrliche Plenarsitzung des Borstandes der israelitischen Kullusgemeinde statt. Tagesordnung: Konstituierung des Knltusvorstands: 1. Wahl des ersten Vizepräsidenten, 2. Wahl des zweiten Bizepräsideuten. 3. Wahl von 8 Mitgliedern des Berrreter-Kollegiums, 4. Wahl der Mitglieder in die Kommissionen und Komitees. Wien. (Vortrag ans jüdischer Geschichte, Literatur und K u l t u r.s Donnerstag, den 5. Jänner 1911, präzise V28 Uhr abends, findet im Festsaale des Ingenieur- und Archilekren-Vereines, I., Eschenbachgasie 9. ein Bortrag des Herrn Rabbiner Dr. Max Grunwald statt. Thema: „Hygiene der Juden". Mit Borsührung von Lichtbildern. Eintritt srei, ohne Karten. Wien. (Vorlesungen des Herrn Rabbiner Dr. A. Ka min ka im Wiener Bet-Hamidrasch.) Herr Dr. A. K a m i n k a hält in diesem Winter- Semester solgende Vorlesungen je einmal wöchentlich: Jeden Mittwoch-

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